Das Gefühl eines Pochen oder Pulsierens im Solarplexus, dem Bereich unterhalb des Brustbeins und oberhalb des Magens, kann beunruhigend sein. Viele Betroffene beschreiben ähnliche Symptome, die von leichten, kaum wahrnehmbaren Schlägen bis hin zu starken, panikauslösenden Anfällen reichen können. Die Ursachen für dieses Phänomen sind vielfältig und oft schwer zu fassen, was die Suche nach einer adäquaten Behandlung erschwert.
Was ist der Solarplexus?
Der Solarplexus (Plexus solaris) ist ein komplexes Nervengeflecht, das zum vegetativen Nervensystem gehört. Er befindet sich am Hinterrand der Bauchhöhle, in etwa auf Höhe des ersten Lendenwirbelkörpers, hinter dem Magen. Der Solarplexus reguliert unbewusste Körperfunktionen wie die Aktivität der Bauchorgane und die Blutgefäße im Bauchraum. Er besteht im Wesentlichen aus zwei Nervengeflechten, dem Plexus mesentericus superior und dem Plexus coeliacus, die gemeinsam mit den arteriellen Gefäßen verlaufen. Auch Fasern des Nervus vagus fließen in den Solarplexus ein.
Die sympathischen Nervenfasern des Solarplexus sind vor allem in Stressphasen oder bei starker Anstrengung aktiv. Sie erhöhen den Energieverbrauch, steigern den Herzschlag und die Atemfrequenz und erhöhen den Blutdruck. Die parasympathischen Fasern sind in Ruhe aktiv und haben den gegenteiligen Effekt.
Der Solarplexus beeinflusst unter anderem die Sekretion der intestinalen Drüsen und die Darmmotilität. Aufgrund seiner vielfältigen Funktionen wird er auch als "Unterleibsgehirn" bezeichnet.
Mögliche Ursachen für ein Pochen im Solarplexus
Ein Pochen im Solarplexus kann verschiedene Ursachen haben, sowohl harmloser als auch ernsthafter Natur. Es ist wichtig, die Symptome genau zu beobachten und gegebenenfalls einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären.
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Verdauungsprobleme
Ein häufiger Grund für ein Pochen im Solarplexus sind Verdauungsprobleme. Der Dick- und Enddarm befinden sich im unteren Bauch und bringen unverdauliche Nahrungsteile in eine Form, die Sie ausscheiden können. Die Darmaktivität kann sich als Klopfen oder Pochen im Bauch bemerkbar machen. Auch Luftansammlungen im Magen-Darm-Trakt können Druck auf den Solarplexus ausüben und ein Pochen verursachen.
Bestimmte Nahrungsmittel, wie z.B. zu viele Süßigkeiten, können Verdauungsbeschwerden verstärken und somit auch das Pochen im Solarplexus auslösen. Auch das Essen kurz vor dem Schlafengehen kann zu Problemen führen.
Stress und psychische Belastung
Stress und psychische Belastung können sich ebenfalls auf den Solarplexus auswirken. Die sympathischen Nervenfasern, die in Stressphasen aktiv sind, können zu einer erhöhten Spannung im Bauchraum führen und somit ein Pochen verursachen. Angststörungen können neben anderen Symptomen auch zu Schmerzzuständen im Oberbauch führen.
Körperliche Anstrengung
Körperliche Anstrengung, insbesondere nach dem Essen, kann ein Pochen im Solarplexus auslösen. Dies könnte mit einer verstärkten Durchblutung des Bauchraums zusammenhängen.
Herzrhythmusstörungen
Herzrhythmusstörungen können sich manchmal als Pochen im Bauchraum bemerkbar machen. Extrasystolen, zusätzliche Herzschläge, können als Herzstolpern oder Herzaussetzer wahrgenommen werden. Auch ein langsamer Herzschlag (Bradykardie) kann Extrasystolen verstärken.
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Herzrhythmusstörungen können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, wie z.B. Schlafmangel, Stress, Genussgifte (Alkohol, Nikotin, Koffein), Kalium- oder Magnesiummangel, Schilddrüsenerkrankungen, Bluthochdruck oder Herzerkrankungen.
Aneurysma
In seltenen Fällen kann ein Aneurysma im Bauchraum, eine Ausstülpung einer Schlagader, ein Pochen im Bauch verursachen. Ein Aneurysma ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die unbehandelt zu inneren Blutungen führen kann.
Roemheld-Syndrom
Das Roemheld-Syndrom ist gekennzeichnet durch Gasansammlungen im Bauchraum, die das Zwerchfell nach oben drücken und so Herzbeschwerden verursachen können. Diese Beschwerden äußern sich häufig durch Stechen in der linken Brust und dem Herzen, Herzstolpern, Atemnot und Druckgefühl.
Weitere mögliche Ursachen:
- Blinddarmentzündung: Das Klopfen beginnt meist in der Bauchnabelgegend und wandert dann tiefer in den rechten Unterbauch.
- Reflux: Aufsteigen von Magensäure in die Speiseröhre.
- Zwerchfellhernie: Ein Spalt im Zwerchfell, durch den der Magen teilweise oder vollständig in den Brustkorb rutscht.
- Schlafapnoe: Atemstillstand im Schlaf mit nachfolgender Stress-Reaktion.
- Falsche Matratze oder Bettfedern-Allergie.
- Hormonelle Veränderungen: Wie sie beispielsweise während des Menstruationszyklus oder der Menopause vorkommen.
- Schilddrüsenprobleme
Symptome
Die Symptome eines Pochen im Solarplexus können vielfältig sein und individuell unterschiedlich wahrgenommen werden. Einige Betroffene beschreiben:
- Ein plötzliches, starkes Pochen im Bereich des Solarplexus
- Ein Gefühl von Herzstolpern oder Herzaussetzern
- Druckgefühl im Solarplexus und der oberen Magengegend
- Atemnot oder das Gefühl, die Kehle würde zugeschnürt
- Panikattacken
- Schmerzen im Oberbauch oder hinter dem Brustbein
- Ausstrahlung der Schmerzen in Hals, Rücken, Kiefer oder Arme
- Übelkeit oder Schwindel
Die Symptome können in bestimmten Situationen verstärkt auftreten, z.B. nach dem Essen, bei körperlicher Anstrengung, bei Stress, am Abend oder beim Liegen auf der Seite.
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Diagnose
Um die Ursache für ein Pochen im Solarplexus zu finden, ist eine gründliche ärztliche Untersuchung erforderlich. Der Arzt wird zunächst eine Anamnese erheben, um die Symptome und mögliche Auslöser zu erfassen. Anschließend wird er eine körperliche Untersuchung durchführen, um den Bauchraum abzutasten und auf Auffälligkeiten zu achten.
Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B.:
- EKG (Elektrokardiogramm): Zur Messung der Herzaktivität und Erkennung von Herzrhythmusstörungen.
- Langzeit-EKG: Zur Aufzeichnung der Herzaktivität über einen längeren Zeitraum (24 Stunden oder länger).
- Blutuntersuchungen: Zur Überprüfung von Schilddrüsenwerten, Elektrolyten (Kalium, Magnesium) und anderen Parametern.
- Ultraschalluntersuchung des Bauchraums: Zur Beurteilung der Bauchorgane und zum Ausschluss eines Aneurysmas.
- Endoskopie: Zur Untersuchung der Speiseröhre, des Magens und des Zwölffingerdarms.
- Schlaf-Apnoe-Screening: Zur Überwachung des Schlafs und Erkennung von Atemstillständen.
- CT-Angiografie der Lunge oder Lungenscan: Bei Verdacht auf eine Lungenembolie.
Behandlung
Die Behandlung eines Pochen im Solarplexus richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
- Bei Verdauungsproblemen: Ernährungsumstellung, Vermeidung von blähenden Lebensmitteln, Einnahme von Medikamenten zur Linderung von Verdauungsbeschwerden.
- Bei Stress und psychischer Belastung: Entspannungstechniken, Stressmanagement, Psychotherapie.
- Bei Herzrhythmusstörungen: Medikamentöse Therapie, Katheterablation (Verödung von Herzmuskelgewebe, das die Rhythmusstörungen verursacht).
- Bei Aneurysma: Operation oder Beobachtung (je nach Größe und Risiko des Aneurysmas).
- Bei Roemheld-Syndrom: Behandlung der Gasansammlungen im Bauchraum.
- Bei Reflux: Medikamente (z.B. Pantozol, Nexium) und Erhöhung des Oberkörpers nachts.
- Bei Blinddarmentzündung: Schnelle Entfernung des entzündeten Blinddarms.
- Bei Schlafapnoe: CPAP-Therapie (kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck).
Zusätzlich können folgende Maßnahmen helfen, die Beschwerden zu lindern:
- Wärme oder Kälte: Je nach Bedarf, z.B. Wärmflasche oder Kältekissen.
- Entspannung und Ablenkung: Leichte und angenehme Tätigkeiten, die von den Schmerzen ablenken.
- Physiotherapie, manuelle Therapien, Biofeedback, Entspannungsmethoden und Akupunktur: Bei chronischen Schmerzen.
- TENS-Therapie (transkutane elektrische Nervenstimulation): Eine Art elektromedizinische Reizstromtherapie.
Was Sie selbst tun können
Neben einer ärztlichen Behandlung können Sie selbst einiges tun, um ein Pochen im Solarplexus zu lindern und vorzubeugen:
- Ernähren Sie sich gesund und ausgewogen: Vermeiden Sie blähende Lebensmittel, stark verarbeitete Produkte und zu viel Zucker.
- Essen Sie in Ruhe und kauen Sie gründlich: Dies fördert die Verdauung.
- Vermeiden Sie Stress: Sorgen Sie für ausreichend Entspannung und Schlaf.
- Bewegen Sie sich regelmäßig: Körperliche Aktivität kann die Verdauung fördern und Stress abbauen.
- Vermeiden Sie Genussgifte: Reduzieren Sie den Konsum von Alkohol, Nikotin und Koffein.
- Achten Sie auf Ihre Körperhaltung: Eine schlechte Körperhaltung kann den Druck auf den Bauchraum erhöhen.
- Massieren Sie Ihren Solarplexus: Sanfte, kreisende Bewegungen können helfen, Verspannungen zu lösen.
- Achten Sie auf Ihre Schlafposition: Vermeiden Sie es, auf der Seite zu liegen, wenn dies die Symptome verstärkt.
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