Ständige Migräne bei Kindern: Ursachen, Symptome und Behandlung

Migräne ist nicht nur ein Problem von Erwachsenen. Tatsächlich sind etwa 4 bis 5 % der Kinder von Migräne betroffen. Obwohl Migräne bei Kindern seltener vorkommt als bei Erwachsenen, ist es wichtig, die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu verstehen, um betroffenen Kindern und ihren Familien effektiv helfen zu können. Die gute Nachricht ist, dass bei der Hälfte der Kinder die Migräne in der Pubertät verschwindet.

Was ist Migräne bei Kindern?

Migräne ist ein anfallsartiger Kopfschmerz, der in unregelmäßigen Abständen wiederkehrt. Im Kindesalter tritt die Migräne bei 4 bis 5 % der Kinder auf und klingt bei jedem zweiten Kind in der Pubertät aus. Migräne bei Kindern wird häufig ausgelöst durch Angst (zum Beispiel vor Klassenarbeiten) und psychischen Stress (zu langes Fernsehen, Computerspiele, extrem volle Terminkalender mit Ballett, Musikschule, Förderkurs und Turnen u. Ä.), körperlicher Stress.

Symptome der Migräne bei Kindern

Migräne-Symptome bei Kindern unterscheiden sich stark von denen bei Erwachsenen. Auch nimmt eine Migräneattacke (ein „böser Kopf“) einen etwas anderen Verlauf als bei Erwachsenen. Oft ist eine Attacke schon nach 2 Stunden vorüber, aber auch bei Kindern kann sie gelegentlich 48 Stunden anhalten. Viele betroffene Kinder hören mit dem Spielen oder Lernen auf. Sie sind blass und legen sich freiwillig hin, um zu schlafen. Migräneschmerzen treten bei Kindern häufig beidseitig auf, teilweise mit Aura. Übelkeit, Erbrechen und Schwindelgefühle können wesentlich stärker ausgeprägt sein als die Schmerzen. Einige Kinder haben auch nur eine „Bauchmigräne“ (abdominelle Migräne), begleitet von Blässe, Appetitlosigkeit, Übelkeit und/oder Erbrechen und Bauchschmerzen.

  • Plötzliche Kopfschmerz-Attacken, die wiederholt auftreten oder längere Zeit anhalten, sind das häufigste Symptom bei Kindern mit Migräne. Manchmal äußert sich der Kopfschmerz auch als starker Druck am Kopf.
  • Je jünger das Kind ist, desto eher sind die Kopfschmerzen beidseitig (bilateral). Selten betrifft der Migränekopfschmerz nur eine Seite wie bei Erwachsenen. Am häufigsten tritt der Schmerz an der Stirn, den Schläfen und im Augenbereich auf. Schmerzen im hinteren Bereich des Kopfes sind für eine Migräne bei Kindern eher untypisch.
  • Im Gegensatz zu Erwachsenen kommt es bei Kindern auch oft zu Migräne ohne Kopfschmerzen oder die Attacken sind kürzer als bei Erwachsenen. Dafür kommen Übelkeit und Erbrechen bei Kindern deutlich stärker und häufiger vor bei Migräne.
  • Manche Kinder mit Migräne zeigen zusätzlich oder ausschließlich andere Symptome: Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit (besonders bei Kleinkindern sind diese Migräne-Symptome eher aus dem Verhalten der Kinder ableitbar - die betroffenen Kinder können die Beschwerden selten selbst formulieren), erhöhte Temperatur (ab 37,5 Grad Celsius) oder Fieber (ab 38 Grad Celsius), Bauchschmerzen (sogenannte „Bauchmigräne“ oder abdominelle Migräne), Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, vermehrter Harndrang, Durst, Herzrasen.
  • Besonders von der ophthalmoplegischen Migräne sind häufig Kinder betroffen. Das ist eine Erkrankung, die mit Migränekopfschmerzen und Lähmungen eines einzelnen Nervs oder mehrerer Nerven einhergeht. Die betroffenen Nerven sind die Hirnnerven III, IV und VI. Sie sind für die Augenbewegungen zuständig. Bei einer Lähmung dieser Nerven nehmen die Kinder Doppelbilder wahr.
  • Manche Kinder haben auch neurologische Beschwerden - die sogenannte „Aura“. Typische Anzeichen sind zum Beispiel optische Halluzinationen wie bunte Farben und seltsame Formen, die das Kind wahrnimmt. Auch Sehstörungen, Lichtblitze oder flimmernde Muster treten auf. Mediziner sprechen dabei auch vom „Alice-im-Wunderland-Syndrom“. Weitere typische Aura-Symptome sind Missempfindungen, zum Beispiel ein Taubheits- oder Lähmungsgefühl oder auch Kribbeln in Armen und Beinen. Manche Kinder haben außerdem Probleme zu sprechen.

Das Alice-im-Wunderland-Syndrom

Speziell kann hier das sog. Alice-im-Wunderland-Syndrom auftreten, bei dem die Betroffenen z.B. ungewöhnliche Bilder sehen oder das Gefühl haben, zu wachsen oder zu schrumpfen.

Bauchmigräne (abdominelle Migräne)

Wenn Kinder wiederholt plötzliche Bauchschmerzen bekommen, die mit Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blässe und Lichtscheue einhergehen, kann auch eine sog. Bauchmigräne (auch abdominelle Migräne genannt) dahinter stecken. Betroffene Kinder können während der Attacken nicht mehr lernen oder spielen und müssen sich hinlegen. Diese Migräneattacken dauern zwischen 2 Stunden und 3 Tagen und können von Kopfschmerzen begleitet sein, wobei die Bauchschmerzen überwiegen. In der Pubertät verwandelt sich die Bauchmigräne oft in eine Kopfschmerzmigräne. Manchmal verschwinden die Attacken auch in der Pubertät. Gegen die Bauchmigräne helfen Entspannungsverfahren und die Abschirmung von Reizen. Das Führen eines Bauchschmerztagebuchs, um Trigger für die Attacken zu erkennen und einen guten Umgang damit zu finden, kann hilfreich sein.

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Ursachen und Auslöser von Migräne bei Kindern

Wie bei der Erwachsenen-Migräne sind die Ursachen der Kopfschmerzen von Kindern und Jugendlichen noch nicht vollständig erforscht. Bislang ist noch nicht vollständig geklärt, was eine Migräne bei Kindern auslöst. Man vermutet jedoch, dass Migräne erblich bedingt ist, da sie in vielen Familien gehäuft auftritt. Auch scheinen gewisse Trigger-Faktoren (Auslöser) Migräne-Attacken bei Kindern zu begünstigen. Das kindliche Gehirn reagiert auf viel mehr Reize und Ereignisse mit einem Migräne-Anfall als das Gehirn von Erwachsenen.

Häufige Trigger für Migräne bei Kindern und Jugendlichen sind:

  • Psychische Belastungssituationen, z.B. Stresssituationen: Stress, Angst, Sorgen, Depression, Trauer. Spannungskopfschmerzen werden v.a. durch Stress, Ärger, Angst und Überanstrengung verursacht. Psychische Belastungen und Stress können ebenfalls Migräne bei Kindern auslösen. Dazu zählt zum Beispiel auch die Reizüberflutung durch elektronische Geräte wie Computer, Smartphone oder Fernseher. Ein hoher Medienkonsum vor dem Schlafengehen wirkt sich besonders negativ aus. Mangelnde körperliche Bewegung, familiäre Konflikte und hohe Leistungsansprüche in der Schule sowie Mobbing sind ebenso häufig Auslöser für Migräne-Attacken. Auch eine Erkältung oder die Vorfreude auf ein Geburtstagsfest rufen unter Umständen Stress hervor und verursachen Migräne bei Kindern.
  • Körperliche Reize: Unregelmäßiger, zu kurzer Schlaf, unregelmäßiges Essen, körperliche Überanstrengung, zu heißes Duschen/Baden, Sitzen und Arbeiten in falscher Körperhaltung, Jetlag, Pille u.a. Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf führt unter Umständen zu einem Migräne-Anfall. Sehr häufig gerät der Schlafrhythmus am Wochenende durcheinander, wenn die Kinder zu spät ins Bett gehen und dafür länger schlafen. Das kann Migräne-Attacken begünstigen. Umgekehrt erschwert eine Attacke auch das Einschlafen. Strengen sich Kinder körperlich zu stark an, reagieren sie häufig mit Kopfschmerzen darauf. Das liegt unter anderem daran, dass sie nicht genügend getrunken oder gegessen haben. Vor allem Kinder reagieren besonders sensibel auf einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel. Häufig machen sich Migräne-Attacken bemerkbar, wenn ein Kind beispielsweise morgens nicht gefrühstückt hat.
  • Äußere Reize: Grelles Licht, schlechte Luft (Sauerstoffmangel), Lärm, Hitze. Insbesondere Lärm und Lichtveränderungen können einen Migräne-Anfall bei Kindern verursachen. Vor allem Lärm löst starken Stress aus. Das gilt nicht nur für laute Geräusche in der Nähe von Baustellen oder durch den Straßenverkehr, sondern auch für zu laut eingestellte Musik (insbesondere bei Kopfhörern). Kinder reagieren auch sehr sensibel auf veränderte Lichtverhältnisse, wenn zum Beispiel der Schreibtisch frontal vor einem Fenster platziert ist. Arbeitsmediziner empfehlen, einen Schreibtisch stattdessen im rechten Winkel zum Fenster aufzustellen. Auch flackernde Blitzlichter in Clubs können bei manchen Jugendlichen eine Migräne auslösen.
  • Chemische Reizstoffe: Kinder reagieren häufig sehr sensibel auf chemische Reizstoffe. Typische kopfschmerzauslösende Substanzen sind beispielsweise: Abgase von Autos, Farb- und Klebstoffe (z. B. beim Basteln), Parfums und Deodorants, Wohngifte (z. B. Holzschutzmittel oder Lösungsstoffe in Möbeln oder Fußböden), Zigarettenrauch.
  • Bestimmte Nahrungsmittel: Auch bestimmte Nahrungsmittel stehen im Verdacht, Migräne auszulösen. So ist eine Unverträglichkeit bestimmter Stoffe ein möglicher Grund, etwa die Eiweißstoffe Tyramin und Histamin. Wissenschaftliche Belege dazu fehlen jedoch noch. Folgende Lebensmittel werden als mögliche Auslöser von Migräne bei Kindern diskutiert: Kuhmilch, Eier, Käse, Schokolade, kakaohaltige Produkte, Koffeinglutenhaltige Getreidesorten (z. B. Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste), Tomaten, Zitrusfrüchte (z. B. Zitronen, Orangen), Fettige Speisen wie Wurst, Schinken, Salami, Schweinefleisch. Nach derzeitigem Wissensstand ist es nicht notwendig, bei Migräne generell auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten. Eine spezielle „Migränediät“ ist ernährungsmedizinischen Erkenntnissen zufolge nicht sinnvoll.
  • Der Geschmacksverstärker Natriumglutamat: (häufig in asiatischen Restaurants verwendet, aber auch z. B. in Kartoffelchips, Tütensuppen und Fertiggerichten) kann bei empfindlichen Menschen Kopfschmerz, Druckgefühl oder Brennen in der Brust, Hals und Schultern sowie ein Hitzegefühl im Gesicht und Schwindel auslösen.
  • Eine Überdosis Alkohol: verursacht am nächsten Morgen den bekannten ”Kater” mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Zittern, Frösteln und Schwindel.
  • Kopfschmerzen können auch als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auftreten. Darauf wird im Beipackzettel hingewiesen. Vorsichtig sollten hier Schmerzpatienten sein.
  • Wetter: Vor allem Kinder reagieren auf bestimmte Wetterlagen sensibel. Oft lösen ein plötzlicher Temperaturwechsel (meist ein Temperaturanstieg) und eine hohe Luftfeuchtigkeit Migräne bei Kindern aus. Allerdings ist ein direkter Zusammenhang zwischen dem Wetter und Migräne bislang nicht wissenschaftlich belegt.
  • Blutzuckerspiegel-Schwankungen: (Sport ohne zu essen, zu lange geschlafen oder bei Diabetes Typ 1).
  • Speisen mit Natriumglutamat: (als Geschmacksverstärker in vielen Fertigprodukten, Saucen, Suppe und Chips).
  • Nitrit und Nitrat: (Pökelsalz, Konservierungs- und Geschmacksstoff).
  • Aminosäuren, vor allem Tyramin: (insbesondere in Trauben, Tomaten und Hering) und Phenylalanin (z.B. in aspartamhaltigen Getränken oder Medikamenten).
  • Kalte Speisen: wie Eis und eisgekühlte Getränke (sogenannter Eiscremekopfschmerz).
  • Vitamin- und Elektrolytmangel: (vor allem Mangel an B-Vitaminen, Eisen und Magnesium).
  • Einsetzen der Regelblutung: bei jungen Mädchen.
  • Farb- und Konservierungsstoffe: (enthalten z. B. in Ketchup, Gummibärchen).
  • Veränderter Schlaf-wach-Rhythmus: (zu wenig oder zu viel Schlaf, unregelmäßige Zubettgehzeiten).
  • Hunger
  • Überhitzte oder schlecht gelüftete Räume
  • Umweltfaktoren: wie Autoabgase, Kohlenstaub, Lösungsmittel in Klebstoffen (Tapete, Teppich, Möbel aber auch Bastelkleber), Deodorant und Parfums.
  • Schlechtes Sehen, ebenso ungünstige oder wechselnde Lichtverhältnisse (Schreibtisch evtl. verrücken, um direkten Sonnenlichteinfall zu vermeiden).
  • Äußerer Druck: wie Haarbänder, Haargummis sowie Mützen, Kappen oder Schwimmbrillen.

Diagnose von Migräne bei Kindern

Da sich kleine Kinder meist noch nicht entsprechend ausdrücken können, gestaltet sich die Diagnostik bei einer kindlichen Migräne oft schwierig. In vielen Fällen wird eine Migräne erst relativ spät festgestellt. Wenn Sie Migräne bei Ihrem Kind vermuten, lassen Sie Ihr Kind möglichst rasch ärztlich untersuchen. Der Kinder- oder Hausarzt ist Ihr erster Ansprechpartner. Bei Bedarf oder für weitere Untersuchungen überweist er Ihr Kind gegebenenfalls weiter an einen Neurologen oder Kinderneurologen. Treten plötzliche Kopfschmerzen bei Ihrem Kind häufiger auf, dauern sie länger an oder verstärken sie sich, gehen Sie möglichst rasch zum Arzt.

Zur Migräne-Diagnose benötigt der Arzt viele Informationen: Wie lange, wie oft und wann tauchen die Beschwerden auf? Gibt es neben den Kopfschmerzen weitere Symptome? Eine Untersuchung der geistigen und motorischen Entwicklung steht ebenso auf dem Plan wie der Ausschluss von körperlichen Erkrankungen. Dabei hilft beispielsweise eine Hirnstrommessung (EEG) oder eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT).

Behandlung von Migräne bei Kindern

Die Therapie von Migräne bei Kindern unterscheidet sich von der Behandlung bei Erwachsenen. Ärzte empfehlen, eine Migräne bei Kindern zunächst nur mit unterstützenden Maßnahmen ohne Medikamente zu behandeln. Diese Maßnahmen sind bei Kindern erfahrungsgemäß viel wirkungsvoller als bei Erwachsenen. Lassen sich die Beschwerden so nicht ausreichend lindern oder hat das Kind starke Schmerzen, verordnen Ärzte bei Bedarf auch Medikamente. Allerdings bekommen Kinder andere Arzneimittel als Erwachsene.

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Behandlung ohne Medikamente

  • Entspannungsverfahren: Kindern mit Migräne helfen meist bereits einfache Entspannungsverfahren wie die Muskelrelaxation nach Jacobson. Dabei lernen sie, bestimmte Muskelbereiche anzuspannen und wieder zu entspannen. Auch autogenes Training ist gut geeignet. Die Kinder sagen sich wiederholt Gedankenformeln vor (z.B. „Mein Arm wird ganz schwer“) und entspannen sich dadurch. Bei beiden Methoden ist es allerdings wichtig, dass die Kinder die Übungen regelmäßig - am besten täglich - durchführen.
  • Physikalische Therapie: Die physikalische Therapie beinhaltet Wärmeanwendungen oder Massagen von Hals, Nacken, Kopf und Gesicht sowie Akupunktur. Diese Maßnahmen können starke Kopfschmerzen bei Kindern lindern.
  • Biofeedback: Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist insbesondere das sogenannte Biofeedback bei Kindern und Jugendlichen sehr wirkungsvoll. Über Elektroden auf der Haut lassen sich verschiedene Körperfunktionen messen, beispielsweise Anspannung oder Entspannung der Kopfmuskulatur oder auch die Weit- und Engstellung der Arterien im Gehirn. Diese Messungen werden durch Ton- und Lichtsignale sichtbar gemacht. Die Betroffenen lernen so, diese Funktionen absichtlich und gezielt zu beeinflussen. Dadurch können sie einen akuten Migräne-Anfall abschwächen und den Attacken vorbeugen (Prophylaxe).

Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sind nicht-medikamentöse Verfahren bei Kindern meist ähnlich wirksam wie Medikamente.

Hausmittel

Bei einem akuten Migräne-Anfall ist es wichtig, dass die Kinder Ruhe bekommen. Selbst kleinste Tätigkeiten wie Umherlaufen oder Fernsehen verstärken oft die Migräne bei Kindern. Bringen Sie Ihr Kind in einen wohltemperierten und abgedunkelten Raum. Schirmen Sie es vor störenden Reizen und Geräuschquellen wie Radio oder Fernsehen ab. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend Wasser trinkt. Auch einige Stunden Schlaf, ein kühles Tuch auf der Stirn oder eine Nackenmassage mit Pfefferminzöl sorgen in den meisten Fällen dafür, dass sich Kopfschmerzen und Migräne bei Kindern schnell wieder bessern. Pfefferminzöl darf bei Säuglingen und Kleinkindern nicht angewendet werden! Gerade kleine Kinder mit Migräne schlafen auch beim Spielen ein. Lassen Sie Ihr Kind in diesem Fall am besten einfach weiterschlafen. Der Schlaf tut Ihrem Kind gut, und es wacht möglicherweise ohne Kopfschmerzen wieder auf. Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum anhalten, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin aufsuchen.

Medikamente bei einem Migräne-Anfall

Die medikamentöse Behandlung von Migräne bei Kindern ist nicht das erste Mittel der Wahl. Die ärztliche Empfehlung lautet, zuerst nicht-medikamentöse Methoden auszuprobieren. Medikamente dienen bei Kindern mit Migräne eher als Reservemaßnahme, wenn die anderen Methoden nicht erfolgreich sind. Werden die Schmerzmittel frühzeitig eingenommen, lassen sich die Migräne-Attacken manchmal noch stoppen. Da Migräne-Anfälle bei Kindern meist kürzer sind als bei Erwachsenen, wirken die Medikamente oft erst dann, wenn die Attacke schon vorbei ist. Allerdings gibt es auch Kinder, die sehr starke Schmerzen haben und dringend Medikamente benötigen. Ob und in welcher Dosis Ihr Kind Schmerzmittel einnehmen sollte, erklärt Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin.

Viele Medikamente, die Erwachsenen helfen, können bei Kindern schwere Schäden anrichten. Geben Sie daher Ihrem Kind keine frei verkäuflichen Schmerzmittel oder Ihr persönliches „Anti-Kopfschmerzmittel“. Für Kinder sind in erster Linie Paracetamol oder Ibuprofen empfehlenswert. Stärkere Wirkstoffe oder Mittel zur Vorbeugung verschreibt der Neurologe bzw. Kinder- und Jugendarzt nur in seltenen Fällen. Geben Sie Ihrem Kind niemals Medikamente, die Sie selbst einnehmen!

  • Migräne-Medikamente bei Kindern unter 12 Jahren: Bei einem akuten Migräne-Anfall empfehlen Ärzte Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol für Kinder.
  • Migräne-Medikamente bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren: Kinder ab zwölf Jahren dürfen nach einer ärztlichen Untersuchung die folgenden Medikamente einnehmen: Schmerzmittel wie Aspirin (Acetylsalicylsäure) sind als Tabletten, Pulver oder Zäpfchen erhältlich. Das verschreibungspflichtige Antiemetikum Domperidon gibt es als Tabletten oder Zäpfchen. Das Medikament bekämpft nicht nur die Übelkeit, sondern verstärkt auch die Wirkung von Schmerzmitteln. Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane wirken gefäßverengend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Dazu gehören beispielsweise die Mittel Sumatriptan und Zolmitriptan in Form von Nasensprays.

Vorbeugung von Migräne bei Kindern

  • Kopfschmerzkalender führen: Ermuntern Sie Ihr Kind, einen Kopfschmerzkalender über vier bis sechs Wochen zu führen, um den Migräne-Auslösern auf die Spur zu kommen. Es sollte nach Möglichkeit darin selbstständig seine Erfahrungen aufschreiben, z. B. wann die Kopfschmerzen aufgetreten sind, wie stark sie waren, welches Medikament es eingenommen hat. Außerdem helfen die folgenden Empfehlungen, Migräne bei Kindern vorzubeugen:
  • Sorgen Sie für viel Flüssigkeit (Wasser, Tee) und genügend Pausenbrot.
  • Achten Sie auf einen regelmäßigen, stressfreien Tagesablauf mit ausreichenden Lernpausen.
  • Lassen Sie Ihr Kind eine passende Entspannungstechnik erlernen wie Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Fantasiereisen sowie - mit Einschränkungen - autogenes Training.
  • Das Fortlassen einiger Nahrungsbestandteile kann einen positiven Einfluss auf Migräne bei Kindern haben: Kuhmilch (Kuhmilchallergie), Milchzucker (Laktoseintoleranz), Lebensmittelfarbstoffe, Konservierungsstoffe, Schokolade, Weizenmehl, Eier, Käse, Tomaten, Fisch, Schweinefleisch, Soja.
  • Hilfe für die kleinen Patienten verspricht die vorbeugende Behandlung mit einem pflanzlichen Präparat wie Pestwurzelextrakt.
  • Stress verringern: Wichtig ist, negative Gefühle und Stress in Familie und Schule zu verringern. Eltern sollten in Ruhe über die aktuellen Probleme des Kindes sprechen, sie ernst nehmen und zusammen mit dem Kind angehen.
  • Vom Schmerz ablenken: Vom Gehirn gelernte Schmerzen können durch Ablenkungstechniken wieder verlernt werden. Hier hilft bei Grundschülern zum Beispiel das Ablenkungs-Abc: Wenn der Schmerz das Kind quält, sollte es zu jedem Buchstaben im Alphabet zum Beispiel Vor- oder Tiernamen suchen. Durch die Konzentration darauf wird das Gehirn vom Schmerz abgelenkt.
  • Aktiv werden: Nicht ausruhen, sondern das Leben in die Hand nehmen. Eltern sollten ihr Kind motivieren, aktiv zu werden und Sport zu treiben - am besten an der frischen Luft. Oft hilft es, sich gemeinsame sportliche Aktivitäten auszudenken, zum Beispiel Geo-Caching im Schnee oder eine Fahrradtour mit Picknick.
  • Regelmäßigkeit: Sorgen Sie für einen geregelten Tagesablauf - besonders jetzt im Lockdown - mit ausreichend Schlaf und Erholungspausen. Und vereinbaren Sie vor allem bei jüngeren Kindern feste Zeiten für die Nutzung von Handy, Computer, Fernseher und Co. Lassen Sie Ihr Kind in Ruhe frühstücken, es sollte keine Mahlzeiten auslassen und immer genug trinken.
  • Entspannung üben: Vor allem bei stressbedingten Kopfschmerzen können gezielte Entspannungsübungen und Methoden zur Stressbewältigung hilfreich sein. Übungen für Kinder findet man zum Beispiel im Internet.

Medikamentöse Vorbeugung

Die medikamentöse Vorbeugung von Migräne im Kindesalter ist schwieriger und komplizierter als die bei Erwachsenen. Leidet das Kind aber häufig und schwer unter Migräne, besprechen Sie eine Migräne-Prophylaxe mit einem Arzt. Wichtig ist es, bei Kindern nur ein vorbeugendes Präparat zu geben - keine Kombination verschiedener Mitte. Als Prophylaxemittel für Kinder kommen folgende Wirkstoffe in Frage: Amitriptylin, Betablocker wie Metoprolol oder Propranolol, Pizotifen, Flunarizin.

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Zur Migränevorbeugung werden Flunarizin und Propranolol eingesetzt. Sie sind für Erwachsene zur Vorbeugung von Migräneattacken zugelassen. Wenn Kinder mit Migräne diese Medikamente einnehmen, handelt es sich um einen sogenannten „Off-Label-Use“. Die Wirksamkeit von Flunarizin und Propranolol zur Vorbeugung von Migräne bei Heranwachsenden ist bislang nicht sicher belegt. Auch diese Medikamente haben verschiedene Nebenwirkungen: Propranolol kann Müdigkeit, Schwindel und Schlafstörungen auslösen und ist für Kinder mit Asthma nicht geeignet. Flunarizin kann zu Müdigkeit, Gewichtszunahme, Magen-Darm-Beschwerden und Stimmungsveränderungen führen.

Zur Migränevorbeugung werden auch pflanzliche und Nahrungsergänzungsmittel wie Coenzym Q10, Mutterkraut, Vitamin B2 oder Pestwurz angeboten. Ob diese Mittel tatsächlich vor Migräne schützen, ist mangels aussagekräftiger Forschung jedoch unklar.

Kognitive Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsmethode. Sie vermittelt Methoden und Strategien, die dabei helfen sollen, Migräneanfällen vorzubeugen. Dahinter steht die Theorie, dass bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen zur Entstehung von Migräneanfällen beitragen. Dies können etwa ungünstige Schlafgewohnheiten oder Probleme beim Umgang mit Stress sein. Im Rahmen der Behandlung lernen Kinder zum Beispiel, wie sie sich von den Schmerzen oder der Angst davor ablenken können. Sie erfahren außerdem, wie ihre Gedanken und Gefühle die Migräne beeinflussen können. Dies kann ihnen helfen, die Symptome als weniger quälend zu erleben und besser damit zurechtzukommen.

Was Eltern tun können

Die Eltern sind für eine erfolgreiche Behandlung jedoch genauso bedeutend. „Sie nehmen ihre Kinder oft sehr ernst, wenn diese über Kopfschmerzen klagen - und das ist richtig so“, sagt Professor Zernikow. Außerdem unterstützen sie beim Führen des Tagebuchs. Kinder, die Schmerzen haben, brauchen die besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung ihrer Eltern - wie bei jeder anderen Erkrankung auch.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

  • Bei starken, plötzlich auftretenden Kopfschmerzen.
  • Bei Kopfschmerzen, die im Zusammenhang mit einem Schlag auf den Kopf oder einem Sturz auftreten und von Schwindel oder Sehstörungen begleitet werden.
  • Bei Kopfschmerzen, die zusammen mit einem grippalen Infekt verstärkt hinter den Wangenknochen oder der Stirn auftreten.
  • Mehr als dreimal im Monat Migräneanfälle auftreten.
  • Die Anfälle besonders schmerzhaft oder lang anhaltend sind.
  • Medikamente zur akuten Migränebehandlung nicht ausreichend wirken oder zum Beispiel wegen Nebenwirkungen nicht infrage kommen.

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