Stechende Schmerzen im linken Oberarm: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Unsere Arme sind täglich hohen Belastungen ausgesetzt. Ob beim Schreiben, Greifen, Heben oder Tippen - wir nutzen sie ununterbrochen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es besonders im Ellenbogenbereich häufig zu Überlastungen kommt. Doch auch im Oberarm können Schmerzen auftreten, die verschiedene Ursachen haben können. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für stechende Schmerzen im linken Oberarm, insbesondere im Bereich des Sulcus ulnaris, und stellt verschiedene Behandlungsansätze vor.

Vielfältige Ursachen für Armschmerzen

Armschmerzen sind ein vielschichtiges Symptom und können aus unterschiedlichen Quellen stammen. Oft sind es nicht die Gelenke oder Nerven selbst, sondern verspannte oder überlastete Muskeln, die Schmerzen verursachen. Auch kleine Muskelverletzungen, beispielsweise durch Überdehnung oder Mikrotraumata beim Training, können Schmerzen auslösen. Diese Beschwerden treten besonders bei monotonen Tätigkeiten wie Tippen, Schrauben, Schreiben oder im Handwerk auf.

Neben muskulären Problemen können auch degenerative Veränderungen, wie sie bei einer Arthrose auftreten, Schulter, Ellenbogen oder Handgelenk betreffen. Dabei reibt der Gelenkknorpel zunehmend ab, was zu Schmerzen, Steifigkeit und Bewegungseinschränkungen führt. Entzündliche Erkrankungen wie Arthritis, beispielsweise rheumatoide Arthritis, gehen darüber hinaus mit Schwellung, Rötung und einem allgemeinen Krankheitsgefühl einher.

Auch Nerven können die Ursache für Armschmerzen sein. So können ausstrahlende Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder sogar Kraftverlust im Arm von Problemen im Nacken herrühren. Beim Karpaltunnelsyndrom wird der Medianusnerv im Handgelenk eingeengt, meist durch wiederholte Belastung oder anatomische Enge. Betroffene verspüren Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen in der Hand, besonders in Daumen, Zeige- und Mittelfinger, häufig nachts. Auch andere Nervenkompressionen können Armschmerzen verursachen.

In seltenen Fällen können auch Durchblutungsstörungen oder gar eine Thrombose hinter Armschmerzen stecken. Wenn der Arm plötzlich anschwillt, sich kalt verfärbt oder dumpf schmerzhaft anfühlt, sollte dies umgehend ärztlich abgeklärt werden.

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Nicht zuletzt können auch akute Ereignisse wie Stürze, Schläge oder Unfälle zu Prellungen, Zerrungen, Verrenkungen oder gar Frakturen führen. Ein gebrochener Knochen ist nicht immer sofort sichtbar, manchmal zeigen sich nur Schwellung, Bluterguss und Bewegungsunfähigkeit.

Ein Sonderfall, aber extrem wichtig, vor allem bei Männern, ist der plötzliche Schmerz im linken Arm, besonders wenn er mit Engegefühl in der Brust, Atemnot, Übelkeit oder kaltem Schweiß einhergeht. Das kann auf einen Herzinfarkt hindeuten - ein absoluter medizinischer Notfall.

Der Sulcus ulnaris und das Kubitaltunnelsyndrom

Ein spezifischer Bereich, in dem stechende Schmerzen im linken Oberarm auftreten können, ist der Sulcus ulnaris. Der Sulcus ulnaris ist eine knöcherne Rinne an der Innenseite des Ellenbogens, in der der Ellennerv (Nervus ulnaris) verläuft. Dieser Nerv ist für die Sensibilität des Klein- und Ringfingers sowie für die Funktion bestimmter Handmuskeln verantwortlich.

Kommt es in diesem Bereich zu einer Einengung des Nervs, spricht man von einem Kubitaltunnelsyndrom oder Sulcus-ulnaris-Syndrom (SUS). Diese Einengung kann verschiedene Ursachen haben:

  • Druck von außen: Wiederholtes Aufstützen des Ellenbogens oder enge Kleidung können den Nerv komprimieren.
  • Anatomische Enge: In manchen Fällen ist der Sulcus ulnaris von Natur aus eng.
  • Verdickung des Bandes: Das Band, das den Sulcus ulnaris überspannt, kann sich verdicken und den Nerv einengen.
  • Veränderungen im Bereich des Ellenbogens: Arthrose, Zysten oder andere Veränderungen können Druck auf den Nerv ausüben.

Symptome des Kubitaltunnelsyndroms

Die Symptome des Kubitaltunnelsyndroms entwickeln sich meist schleichend und können folgende Beschwerden umfassen:

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  • Kribbeln und Taubheitsgefühl: Betroffen sind vor allem der Klein- und Ringfinger. Die Beschwerden treten häufig nachts oder bei Beugung des Ellenbogens auf.
  • Schmerzen: Stechende oder brennende Schmerzen an der Innenseite des Ellenbogens, die in den Unterarm und die Hand ausstrahlen können.
  • Kraftverlust: Schwäche der Handmuskulatur, insbesondere beim Greifen und Abspreizen der Finger. Betroffene lassen möglicherweise Gegenstände fallen oder haben Schwierigkeiten beim Aufschließen von Türen.
  • Muskelabbau: In fortgeschrittenen Fällen kann es zu einem Abbau der Muskulatur im Bereich des Kleinfingers kommen.
  • Krallenhand: In sehr schweren Fällen kann sich eine Krallenhand entwickeln, bei der die Finger in einer gekrümmten Position verharren.

Diagnose des Kubitaltunnelsyndroms

Die Diagnose des Kubitaltunnelsyndroms basiert auf einer Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und neurologischen Tests.

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die genauen Beschwerden, deren Verlauf und mögliche Auslöser.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Sensibilität und Motorik der Hand und führt spezielle Tests durch, um den Ellennerv zu beurteilen. Ein typischer Test ist das Beklopfen des Nervs im Sulcus ulnaris (Hoffmann-Tinel-Zeichen), das bei Reizung des Nervs zu Kribbeln in den Fingern führt.
  • Elektroneurographie (ENG): Bei dieser Untersuchung wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen. Eine Verlangsamung der Leitgeschwindigkeit im Bereich des Ellenbogens deutet auf eine Schädigung des Ellennervs hin.
  • Bildgebende Verfahren: In manchen Fällen können Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.

Weitere mögliche Ursachen für stechende Schmerzen im linken Oberarm

Neben dem Kubitaltunnelsyndrom gibt es noch weitere Ursachen für stechende Schmerzen im linken Oberarm:

  • Bizepssehnenprobleme: Entzündungen, Risse oder Instabilitäten der langen Bizepssehne können Schmerzen im vorderen Oberarm verursachen. Die lange Bizepssehne verläuft durch das Schultergelenk und ist anfällig für Verletzungen, insbesondere bei Sportlern.
  • Schultererkrankungen: Erkrankungen des Schultergelenks, wie das Impingement-Syndrom, die Kalkschulter oder eine Rotatorenmanschettenruptur, können Schmerzen in den Oberarm ausstrahlen.
  • Muskelverspannungen und -verletzungen: Verspannungen oder Zerrungen der Oberarmmuskulatur, beispielsweise des Bizeps oder Trizeps, können stechende Schmerzen verursachen.
  • Nervenkompressionen: Auch andere Nervenkompressionen im Bereich der Schulter oder des Oberarms können zu Schmerzen führen.
  • Thoracic-outlet-Syndrom: Bei diesem Syndrom werden Nerven und Blutgefäße im Bereich des Schultergürtels eingeengt, was zu Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühl im Arm führen kann.
  • Polymyalgia rheumatica: Diese rheumatische Erkrankung kann Muskelschmerzen im Oberarm verursachen, häufig beidseitig.
  • Herzinfarkt: Wie bereits erwähnt, können Schmerzen im linken Arm, insbesondere in Verbindung mit anderen Symptomen wie Brustenge und Atemnot, auf einen Herzinfarkt hindeuten.

Behandlungsmöglichkeiten bei stechenden Schmerzen im linken Oberarm

Die Behandlung von stechenden Schmerzen im linken Oberarm richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache.

Konservative Behandlung

Viele Ursachen für Armschmerzen können konservativ behandelt werden. Dazu gehören:

  • Schmerzmittel: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können Schmerzen und Entzündungen lindern.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen können die Muskulatur stärken, die Beweglichkeit verbessern und Nerven entlasten.
  • Manuelle Therapie: Durch gezielte Handgriffe können Blockaden gelöst und die Gelenkfunktion verbessert werden.
  • Kinesiotaping: Das Anbringen von elastischen Tapes kann die Muskulatur unterstützen und die Durchblutung fördern.
  • Wärme- oder Kälteanwendungen: Wärme kann bei Muskelverspannungen helfen, während Kälte bei akuten Entzündungen lindernd wirkt.
  • Ergonomische Anpassungen: Die Anpassung des Arbeitsplatzes und die Vermeidung von Fehlbelastungen können helfen, die Beschwerden zu reduzieren.
  • Injektionen: In manchen Fällen können Kortisoninjektionen in das betroffene Gelenk oder den Nervenkanal die Entzündung reduzieren und die Schmerzen lindern.

Operative Behandlung

In manchen Fällen ist eine Operation erforderlich, um die Ursache der Schmerzen zu beheben. Dies kann beispielsweise bei folgenden Erkrankungen der Fall sein:

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  • Kubitaltunnelsyndrom: Bei ausbleibendem Erfolg der konservativen Therapie kann eine operative Dekompression des Ellennervs erfolgen. Dabei wird das Band, das den Sulcus ulnaris überspannt, durchtrennt, um den Nerv zu entlasten.
  • Rotatorenmanschettenruptur: Bei einem Riss der Rotatorenmanschette kann eine operative Naht der Sehnen erforderlich sein.
  • Bizepssehnenriss: Bei einem Riss der langen Bizepssehne kann eine operative Refixierung der Sehne am Oberarmknochen erfolgen (Tenodese).
  • Kalkschulter: Bei einer Kalkschulter kann eine operative Entfernung des Kalkdepots erforderlich sein, wenn die konservative Therapie nicht erfolgreich ist.

Spezifische Behandlung des Kubitaltunnelsyndroms

Die Behandlung des Kubitaltunnelsyndroms richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung.

  • Leichte Fälle: In leichten Fällen können konservative Maßnahmen wie das Vermeiden von Druck auf den Ellenbogen, das Tragen einer Ellenbogenschiene in der Nacht und physiotherapeutische Übungen ausreichend sein.
  • Mittelschwere Fälle: Bei stärkeren Beschwerden können zusätzlich Schmerzmittel und Kortisoninjektionen eingesetzt werden.
  • Schwere Fälle: Wenn die konservative Therapie nicht erfolgreich ist oder bereits deutliche neurologische Ausfälle vorliegen, kann eine Operation erforderlich sein. Es gibt verschiedene operative Verfahren, die zur Dekompression des Ellennervs eingesetzt werden können. Dazu gehören die einfache Spaltung des Bandes über dem Sulcus ulnaris, die Verlagerung des Nervs vor den Ellenbogen oder die Entfernung von Knochenvorsprüngen, die auf den Nerv drücken.

Rehabilitation

Nach einer Operation ist eine gezielte Rehabilitation wichtig, um die Funktion des Arms wiederherzustellen. Die Rehabilitation umfasst in der Regel physiotherapeutische Übungen zur Kräftigung der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Reduktion von Schmerzen.

Prävention von Armschmerzen

Viele Ursachen für Armschmerzen lassen sich durch präventive Maßnahmen vermeiden. Dazu gehören:

  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine ergonomische Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes, um Fehlbelastungen zu vermeiden.
  • Regelmäßige Pausen: Machen Sie regelmäßige Pausen bei monotonen Tätigkeiten, um die Muskulatur zu entlasten.
  • Dehnübungen: Führen Sie regelmäßig Dehnübungen durch, um die Muskulatur geschmeidig zu halten.
  • Kräftigungsübungen: Stärken Sie Ihre Muskulatur, um Belastungen besser standhalten zu können.
  • Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie Überlastungen und gönnen Sie Ihrem Körper ausreichend Erholung.
  • Gesunde Lebensweise: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung, um Ihre Muskeln und Gelenke gesund zu halten.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Nicht immer ist bei Armschmerzen eine ärztliche Untersuchung erforderlich. Zum Beispiel verschwindet Muskelkater in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst. Ein Arzt sollte jedoch aufgesucht werden, wenn:

  • die Schmerzen plötzlich und heftig auftreten.
  • die Schmerzen länger als ein paar Tage anhalten.
  • die Schmerzen von Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Kraftverlust begleitet werden.
  • der Arm geschwollen, gerötet oder überwärmt ist.
  • die Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall auftreten.
  • die Schmerzen mit anderen Symptomen wie Brustenge, Atemnot oder Übelkeit einhergehen.

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