Stürze bei Parkinson: Ursachen und Prävention

Stürze stellen einen markanten klinischen Meilenstein der Parkinson-Erkrankung dar, der häufig unterschätzt wird. Im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen besteht ein dreifach erhöhtes Sturzrisiko. Stürze stehen im Zusammenhang mit Frakturen, insbesondere des Femurhalses. Die Folgen sind eine verminderte Lebensqualität von Patienten und Angehörigen.

Was ist Parkinson? Definition und Symptome

Die Parkinson-Erkrankung ist die häufigste und bekannteste Bewegungsstörung. Im deutschsprachigen Raum bezeichnet man Parkinson auch als Schüttellähmung. Das Krankheitsrisiko steigt mit fortschreitendem Alter.

Bei der Parkinson-Krankheit sind bestimmte Hirnregionen erkrankt. Dadurch ist die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin gestört, der zur Steuerung von Bewegungen nötig ist. Das verlangsamt Bewegungs- und Denkabläufe. Parkinson ist eine degenerative Erkrankung. Das heißt, Gewebe oder Funktionen gehen dadurch verloren.

Neben der Parkinson-Krankheit zählen das Restless-Legs-Syndrom (krankhaft unruhige Beine) und der essenzielle Tremor (Zittern als eigenständige Erkrankung) zu den häufigsten Bewegungsstörungen.

Frühe Symptome sind:

Lesen Sie auch: Wie man die Redewendung "auf die Nerven fallen" richtig verwendet

  • Geruchsstörungen
  • Stimmungsprobleme
  • gestörtes Farbensehen
  • ein verändertes Schlafverhalten
  • Schmerzen und Missempfindungen

Parkinson entwickelt sich langsam und schleichend und die Symptome treten zu Beginn meist nur auf einer Körperseite auf.

Die 4 Hauptsymptome bei Parkinson sind:

  • Muskelstarre (Rigor): Rigor bedeutet die Steifheit der Muskeln. Diese sind bei Parkinsonkranken dauerhaft angespannt, auch im Ruhezustand. Symptome wie ein Ziehen im betroffenen Bereich oder das Gefühl, bei jeder Bewegung gegen einen zähen Widerstand anzukämpfen sind typisch. Hauptsächlich betroffen sind die Nacken- und Schultermuskeln. Derdie Ärztin kann die Muskelsteifheit anhand des Zahnradphänomens feststellen: Beim Bewegen von Extremitäten wie der Arme treten Widerstände auf und verschwinden wieder. Die Bewegung ist ruckartig, als würde sich ein Zahnrad bewegen.
  • Bradykinese: Parkinson-Patientinnen mit einer Bradykinese bewegen sich langsamer. Sie gehen langsam und in kleinen Schritten und häufig nach vorne gebeugt. Es fällt ihnen schwer, eine Bewegung überhaupt zu starten. Auch Gestik und Mimik verändern sich bei der Bradykinese, das Gesicht wirkt maskenhaft. Die Betroffenen sprechen leise, monoton und undeutlich. Feinmotorische Fähigkeiten nehmen ab, so wird beispielsweise die Handschrift kleiner und unleserlich. Mit fortschreitender Krankheit kann es zu einer Akinese kommen, bei der die Bewegungen extrem verlangsamt sind oder derdie Betroffene teilweise völlig bewegungslos ist.
  • Parkinson-Tremor (Muskelzittern): Typisch für die Parkinson-Krankheit ist das Zittern, das in Ruhe-Situationen auftritt (Ruhe-Tremor). Deshalb wird sie umgangssprachlich auch „Schüttel-Lähmung“ genannt. Meist fängt es in den Armen und Händen an, im späteren Verlauf zittern auch die Beine und Füße.
  • instabile Körperhaltung mit Neigung zu Stürzen: Bei Parkinson sind die Stell- und Haltereflexe gestört. Betroffenen fällt es schwer, sich stabil aufrecht zu halten. Sie sind unsicher beim Gehen und stürzen leichter.

Andere Anzeichen von Parkinson wie Stürze, Denk- und Gedankenstörungen zeigen sich hingegen verstärkt, wenn die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist.

Neben den sichtbaren Anzeichen treten normalerweise auch nicht-sichtbare Parkinson-Symptome auf. Diese werden in vier Gruppen zusammengefasst:

  • neuropsychiatrische Störungen: Antriebsarmut, Depressive Verstimmungen, Störungen der Impulskontrolle, des Denkens (etwa eine Verlangsamung) und der Gedanken (beispielsweise inhaltliche Einschränkungen, quälendes Grübeln)
  • Schlafstörungen mit häufigem Erwachen, oft als Folge erhöhter Müdigkeit während des Tages
  • autonome Funktionsstörungen: Dadurch kann der Blutdruck schwanken oder die Patient*innen verlieren die Kontrolle über ihre Blase und den Darm.
  • Sinnesstörungen: etwa eine verminderte Fähigkeit, zu riechen und Farben wahrzunehmen, sowie Schmerzen

Symptome, die Verhalten und Psyche betreffen: Manche Betroffene empfinden ihr Verhalten als verändert, sind seltener spontan, weniger motiviert, zeigen ein verringertes Interesse und eine verringerte Eigenleistung. Einige Patient*innen sind tagsüber häufig müde und leiden an Schlafstörungen. Auch Persönlichkeitsveränderungen und Stimmungsschwankungen einschließlich depressiver Symptome und Angst können auf eine Parkinson-Erkrankung hinweisen. Manchmal kommt es zu Halluzinationen und / oder Wahnerleben. Angstsymptome und Stress können bestimmte Bewegungsstörungen deutlich verstärken. Dann kann es zu Bewegungsblockaden und einer Fallneigung kommen. 35 bis 45 Prozent der Betroffenen leiden unter einer Depression, die damit ein wichtiges neuropsychiatrisches Symptom der Parkinson-Krankheit ist.

Lesen Sie auch: Was steckt hinter dem Fallenlassen von Dingen?

Schluckstörungen können ebenfalls auftreten, da die Bewegungsstörungen, die durch eine Parkinson-Erkrankung hervorgerufen werden, auch das Schlucken betreffen können.

Auch die geistige Leistungsfähigkeit kann beeinträchtigt sein. Betroffene stellen möglicherweise fest, dass sie sich nicht immer gut konzentrieren können, dass „alles nicht mehr so schnell geht“ und ihr Kopf langsamer arbeitet. Einige Betroffene fühlen sich unsicher, wenn sie ein Fahrzeug steuern. Eventuell haben Sie auch das Gefühl, dass automatisierte Routinehandlungen im Alltag gut gelingen, während sich das Handeln und Planen in neuen, ungewohnten Situationen schwierig gestaltet. So mancher findet sich in einer neuen Umgebung schwer zurecht. Vielleicht stellen Sie auch fest, dass Ihr Gedächtnis nachgelassen hat.

Risikofaktoren für Parkinson

  • Lebensalter: Das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung steigt mit dem Lebensalter: Nur etwa vier Prozent der Betroffenen sind jünger als 51 Jahre. In der Altersgruppe über 65 Jahren leiden dagegen etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung daran. Wie entscheidend der Risikofaktor Alter ist, zeigt sich daran, dass bei Menschen über 50 Jahren das Risiko, an Parkinson zu erkranken, mit jedem Jahr um neun Prozent wächst.
  • Genetische Vorbelastung: Bei bis zu 30 Prozent der Parkinsonkranken spielt eine genetische, also familiäre Vorbelastung eine Rolle.

Ursachen für Parkinson

Auslöser einer Parkinson-Erkrankung ist eine Schädigung von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin ausschütten. Dadurch kommt es zu einem Dopamin-Mangel. Dieser Botenstoff ist an der Steuerung von Bewegungen beteiligt: Er überträgt Signale aus dem Gehirn auf andere Nervenzellen, die Bewegungen aktivieren oder hemmen. Bei den meisten Parkinson-Erkrankten ist die Ursache für die Zellschädigung im Gehirn unbekannt.

Diagnose von Parkinson

Um die Diagnose Parkinson zu stellen, betrachtet derdie Ärztin im Wesentlichen die klassischen erkennbaren Symptome wie Zittern, verlangsamte Bewegungen, steife Muskeln und Gleichgewichtsstörungen. Verschiedene Untersuchungen können bereits in der frühen Phase der Erkrankung dazu beitragen, die Diagnose zu sichern. Dazu zählt insbesondere das bildgebende Verfahren DAT-Scan. Damit lassen sich Störungen im Dopamin-Stoffwechsel zeigen.

Weiterführende Untersuchungen sind:

Lesen Sie auch: Parkinson und nächtliche Stürze

  • Geruchstest
  • ergänzende neuropsychologische Untersuchungen wie Hirnleistungstests
  • Schlafdiagnostik
  • elektrophysiologische Messungen der Nervenfunktion
  • Laboruntersuchungen
  • zusätzliche bildgebende Verfahren
  • L-Dopa-Test: Dabei erhält der Patient oder die Patientin versuchsweise das Medikament L-Dopa, das den Botenstoff Dopamin ersetzt.

Neben den sichtbaren Anzeichen muss der Arzt oder die Ärztin auch die nicht-sichtbaren Symptome im Blick haben, um die Diagnose Parkinson zu stellen - also Geruchsstörungen, Stimmungsprobleme, gestörtes Farbensehen und ein verändertes Schlafverhalten.

Eine wichtige Rolle spielt bei der Diagnostik die Feststellung einer möglichen Depression, die in Verbindung mit einer Parkinson-Erkrankung auftreten kann. Depressionen gehören zu den Faktoren, die die Lebensqualität von Parkinson-Patient*innen am stärksten beeinträchtigen. Dabei ist oft weder den Betroffenen noch den Angehörigen bewusst, dass bei Stimmungsschwankungen eine Depression vorliegt. Erschwert wird die Diagnosestellung dadurch, dass sich Symptome der Depression mit denen der Parkinson-Erkrankung überschneiden. Es ist daher für eine erfolgreiche Parkinson-Therapie besonders wichtig, die Symptome sicher zu erkennen, zuzuordnen und zu behandeln.

Therapie von Parkinson

Bislang ist die Parkinson-Krankheit nicht grundsätzlich heilbar. Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, können aber den Krankheitsverlauf beeinflussen. Bei der Therapie unterscheidet man zwischen den motorischen Symptomen, also der Anzeichen, welche die Bewegung betreffen und den nicht-motorischen Symptomen.

Behandlung der Bewegungsstörungen

  • Medikamentöse Behandlung: Die motorischen Symptome lassen sich vor allem mit Medikamenten beeinflussen. Dabei wird der Dopaminmangel im Gehirn ausgeglichen. Dazu setzt man fünf Substanzgruppen ein:
    • Levodopa (kurz L-Dopa) (ersetzt den Botenstoff Dopamin)
    • COMT-Hemmer (hemmen das Enzym Catechol-O-Methyl-Transferase und damit den Abbau von Dopamin)
    • MAO-Hemmer (hemmen das Enzym Monoamin-Oxidase und verlangsamen damit den Abbau von Dopamin)
    • NMDA-Antagonisten (blockieren sogenannte NMDA-Rezeptoren und beeinflussen so die Beweglichkeit)
    • Dopamin-Agonisten (wirken wie Dopamin)

Man verwendet diese Wirkstoffe meist kombiniert. Derdie Patientin muss die Medikamente zu festgelegten Uhrzeiten einnehmen, damit diese richtig wirken können. Dabei ist es wichtig, dass die Einnahme zusammen mit demder Ärztin auf die tageszeitliche Ausprägung der Symptome abgestimmt ist. Man spricht dabei von Chronotherapie, einer Behandlung, die an die innere Uhr angepasst ist. Die medikamentöse Behandlung kann ambulant oder stationär erfolgen. Eine stationäre Einstellung auf die Medikamente hat den Vorteil, dass sich durch den täglichen Kontakt mit Ärztinnen, Therapeutinnen und Pflegekräften besser kontrollieren lässt, ob die Therapie erfolgreich ist oder ob sie ggf. angepasst werden muss. Häufige Nebenwirkungen der Parkinson-Therapie sind Unverträglichkeiten im Magen-Darm-Trakt, mit Appetitlosigkeit und Übelkeit bis hin zum Erbrechen sowie psychische Begleiterscheinungen wie Unruhe, erhöhte Traumaktivität und Sinnestäuschungen.

  • Tiefe Hirnstimulation: In den letzten Jahren wird neben der medikamentösen Behandlung immer häufiger ein operatives Therapieverfahren namens Tiefe Hirnstimulation eingesetzt. Hierbei regt man drei ausgewählte Hirnregionen über Elektroden an. Dazu kommt ein Schrittmacher, der unter die Haut implantiert wird und den der Patient oder die Patientin von außen steuern kann. Die Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson zeigt eine gute bis sehr gute Wirksamkeit mit vertretbaren Nebenwirkungen (neben den typischen Begleiterscheinungen eines chirurgischen Eingriffs). Die Tiefe Hirnstimulation eignet sich für Parkinson-Patient*innen, die bereits längere Zeit behandelt werden und bei denen die Therapie Komplikationen hervorruft, die sich nicht ausreichend mit Medikamenten verbessern lassen.

Behandlung von nicht-motorischen Symptomen

Neben den Bewegungsstörungen behandelt der Arzt oder die Ärztin auch Symptome, die nicht die Beweglichkeit betreffen. Dabei stehen neuropsychiatrische Funktionsstörungen, welche die Psyche und das Verhalten beeinträchtigen, sowie Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit (kognitive Symptome) im Vordergrund. Diese Symptome können bereits zurückgehen, wenn man die Wirkung der Parkinson-Medikamente sorgfältig kontrolliert und die Dosis gegebenenfalls anpasst. Zusätzlich lassen sich einzelne Symptome, etwa Stimmungs-, Schlaf-, Denk- und Impulskontroll-Störungen, mit entsprechenden Arzneimitteln behandeln.

Behandlung von Störungen der autonomen Funktionen

Neben den motorischen und den nicht-motorischen Symptomen leiden viele Parkinson-Patient*innen unter Störungen der autonomen Funktionen. Es kommt vor allem zu Blutdruckschwankungen, Störungen der Blasen- und Darmfunktion sowie der Sexualfunktionen. Auch hier können jeweils gezielte Medikamente eingesetzt werden.

Weitere Behandlungselemente

  • Krankengymnastik: Ergänzend zur Behandlung mit Medikamenten sind Krankengymnastik und Physiotherapie die wichtigsten Bestandteile der Parkinson-Behandlung. Dabei sollen Beschwerden gelindert werden, die Bewegungsverhalten und die Haltung der Betroffenen beeinträchtigen wie Steifheit (Rigor), Zittern (Tremor) und Bewegungsarmut (Hypokinese).
  • Ergotherapie: Ergotherapie unterstützt Parkinson-Patientinnen dabei, Alltagsfunktionen zu erhalten und zu verbessern. Ergotherapeutinnen beraten Betroffene auch in Bezug auf ihr Wohn- und Arbeitsumfeld und überdenken zusammen mit den Patient*innen tägliche Abläufe neu. Dazu gehört es etwa, Stolperfallen wie Teppiche und Schwellen zu entfernen und Haltegriffe im Bad, bei der Toilette oder vor Türen anzubringen.
  • Schmerzen und Schmerztherapie: Viele Parkinson-Patient*innen gehen zunächst wegen Schmerzen oder Missempfindungen, häufig des Rückens und der oberen Extremitäten zu einem Arzt oder einer Ärztin. Schmerzen bei der Parkinson-Krankheit werden häufig als krampfartig-ziehender Muskelschmerz wahrgenommen, aber auch als schmerzhaft.

Sturzrisiko bei Parkinson

Stürze sind markante klinische Meilensteine der Parkinsonerkrankung. Im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen besteht ein dreifach erhöhtes Sturzrisiko. Stürze stehen im Zusammenhang mit Frakturen, insbesondere des Femurhalses. Die Folgen sind eine verminderte Lebensqualität von Patienten und Angehörigen.

Stürze sind eine der häufigsten Unfallursachen weltweit und stellen ein ernstes Gesundheitsrisiko dar. Besonders gefährlich sind sie für ältere Menschen, aber auch jüngere Personen sind nicht davor bewahrt. Die Konsequenzen eines Sturzes können weitreichend und verheerend sein, von leichten Prellungen bis hin zu schweren Verletzungen wie Knochenbrüchen oder Kopftraumata.

Ursachen für Stürze

Stürze sind oft das Ergebnis einer Kombination aus internen und externen Risikofaktoren.

  • Körperliche Einschränkungen: Mit zunehmendem Alter nimmt die Muskelkraft und -koordination ab. Die Muskelmasse und -kraft nehmen im Alter erheblich ab, was die Fähigkeit zur Stabilisierung und Balance beeinträchtigt.
  • Chronische Erkrankungen: Krankheiten wie Arthritis, Osteoporose, Parkinson oder Diabetes beeinflussen das Sturzrisiko erheblich. Arthritis verursacht Gelenkschmerzen und -steifigkeit, was die Mobilität einschränkt. Osteoporose führt zu einer erhöhten Brüchigkeit der Knochen, was die Schwere der Verletzungen bei Stürzen verstärkt.
  • Medikamenteneinnahme: Viele ältere Menschen nehmen mehrere Medikamente ein, was als Polypharmazie bekannt ist. Medikamente wie Blutdrucksenker, Beruhigungsmittel oder Schmerzmittel können Schwindel, Benommenheit oder eine verlangsamte Reaktionsfähigkeit verursachen.
  • Schlechte Sehkraft: Eine verminderte Sehkraft ist ein erheblicher Risikofaktor für Stürze. Menschen mit Sehbehinderungen haben oft Schwierigkeiten, Hindernisse auf ihrem Weg zu erkennen.
  • Rutschige Böden und Stolperfallen: Im häuslichen Umfeld sind glatte Böden, insbesondere in Feuchträumen wie Badezimmern oder Küchen, sowie lose Teppiche und Kabel häufige Stolperfallen.
  • Schlechte Beleuchtung: Eine unzureichende Beleuchtung ist ein weiterer bedeutender Risikofaktor. Dunkle Flure, unzureichend beleuchtete Treppen und andere schlecht beleuchtete Bereiche erhöhen das Risiko, Hindernisse nicht rechtzeitig zu erkennen.
  • Ungeeignetes Schuhwerk: Schuhe ohne festen Halt oder mit glatten Sohlen tragen ebenfalls zur Sturzgefahr bei. Besonders ältere Menschen sollten darauf achten, stabil sitzende Schuhe mit rutschfesten Sohlen zu tragen.
  • Umweltbedingungen im Außenbereich: Wetterbedingungen wie Regen, Schnee oder Eis können das Sturzrisiko im Freien erhöhen.
  • Gait-Disorder (PIGD), Freezing und Gleichgewichtsdefiziten

Folgen von Stürzen

Die Folgen eines Sturzes sind nicht nur physischer Natur, sondern können auch tiefgreifende psychische Auswirkungen haben.

  • Knochenbrüche: Hüftfrakturen sind eine der häufigsten und schwerwiegendsten Folgen eines Sturzes.
  • Kopfverletzungen: Stürze können auch schwere Kopfverletzungen verursachen, insbesondere bei Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen. Diese Verletzungen sind oft schwer zu diagnostizieren und können zu langfristigen neurologischen Schäden führen.
  • Verstauchungen und Prellungen: Auch weniger schwere Verletzungen wie Verstauchungen oder Prellungen können erheblich schmerzhaft sein und die Mobilität beeinträchtigen.
  • Sturzangst: Nach einem Sturz entwickeln viele Menschen eine starke Angst vor weiteren Stürzen. Diese sogenannte Sturzangst kann dazu führen, dass Betroffene ihre Bewegungsfreiheit einschränken, was wiederum zu Muskelabbau und einer weiteren Verschlechterung des Gleichgewichts führt.
  • Depressionen und soziale Isolation: Die Auswirkungen eines Sturzes können auch psychische Erkrankungen wie Depressionen verursachen. Menschen, die nach einem Sturz in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, neigen oft zu sozialer Isolation, was das Risiko für Depressionen erhöht.

Sturzprävention bei Parkinson

Die Prävention von Stürzen erfordert ein umfassendes Verständnis der Risikofaktoren und die Umsetzung gezielter Maßnahmen. Eine frühzeitige Intervention sollte in den frühen Stadien beginnen, da dann die Effektivität größer ist.

Maßnahmen zur Sturzprävention

  • Wohnraumanpassung:
    • Teppiche und Bodenbeläge sichern: Lose Teppiche sollten mit rutschfesten Unterlagen befestigt oder entfernt werden, um Stolperfallen zu vermeiden. In Badezimmern und Küchen sollten rutschfeste Matten verwendet werden, um das Risiko des Ausrutschens auf nassen Böden zu reduzieren.
    • Beleuchtung verbessern: Eine ausreichende Beleuchtung in allen Bereichen des Hauses ist entscheidend. Besonders in Fluren, Treppenhäusern und Badezimmern sollten hellere Lampen installiert werden.
    • Kabel und Gegenstände wegräumen: Kabel, Spielzeug und andere lose Gegenstände sollten regelmäßig aus dem Weg geräumt werden, um Stolperfallen zu vermeiden.
    • Barrierefreie Badezimmer: Im Badezimmer sollten Haltegriffe an WC und Badewanne installiert werden. Eine rutschfeste Duschmatte kann das Risiko von Ausrutschern während des Duschens verringern.
    • Stufenkanten und Türschwellen mit Rampen versehen und farbig markieren.
  • Körperliches Training:
    • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßiges körperliches Training, insbesondere Kraft- und Gleichgewichtsübungen, kann das Sturzrisiko erheblich reduzieren. Studien zeigen, dass gezielte Trainingsprogramme das Risiko von Stürzen um bis zu 45% senken können.
    • Tai Chi: Tai Chi und postural stability in patients with Parkinson’s disease verbessern.
    • Argentine tango Argentine tango in Parkinson disease kann eine Option sein.
    • Wassergymnastik ist gelenkschonend und insbesondere bei Sturzangst geeignet.
  • Gesundheitsüberwachung:
    • Regelmäßige Gesundheitschecks: Regelmäßige Gesundheitschecks zur Überwachung von Erkrankungen und der Wirkung von Medikamenten sind wichtig. Die Überprüfung der Sehfähigkeit und die Anpassung von Brillen oder Kontaktlinsen können ebenfalls zur Sturzprävention beitragen.
  • Geeignetes Schuhwerk tragen: Das Tragen von stabilen, gut sitzenden Schuhen mit rutschfesten Sohlen kann das Sturzrisiko im Freien erheblich reduzieren.
  • Rutschhemmende Maßnahmen im Freien: Bei Schnee oder Eis sollten Gehwege regelmäßig geräumt und gestreut werden.
  • Hilfsmittel nutzen: Bei Unsicherheiten beim Gehen können Hilfsmittel wie Gehhilfen oder Rollatoren nützlich sein. Auch Notfallarmbänder sind Hilfreich falls es doch zu einem Sturz kommst.
  • Beratung und Schulung:
    • Beratung zur Vorbeugung von Stürzen in der Wohnung können Betroffene auch durch geschultes Personal (z.B. Ergotherapeuten) erhalten.
    • Münchner Anti Freezing Training (MAFT)
    • NET-PD LS1 cohort
  • Medikamentenmanagement: Überprüfung der Medikamente auf sturzfördernde Wirkung und ggf. Anpassung der Medikation in Absprache mit dem Arzt.
  • Psychologische Betreuung: Abbau von Sturzangst und Förderung des Selbstvertrauens durch psychologische Unterstützung.

Verhalten nach einem Sturz

Wenn man auf jemanden stößt, der gestürzt ist, ist schnelles und überlegtes Handeln entscheidend.

  1. Überprüfen Sie die Umgebung: Bevor Sie sich dem Verletzten nähern, stellen Sie sicher, dass die Umgebung sicher ist und keine weiteren Gefahren bestehen. Schalten Sie ggf.
  2. Sprechen Sie den Verletzten an: Versuchen Sie, den Verletzten vorsichtig anzusprechen, um herauszufinden, ob er bei Bewusstsein ist und sich bewegt. Ein einfaches „Wie fühlen Sie sich?“ oder „Können Sie mich hören?“ reicht aus.
  3. Stabilität sicherstellen: Wenn der Verletzte bei Bewusstsein ist, bitten Sie ihn, sich nicht zu bewegen, es sei denn, es ist unbedingt notwendig (z.B. wenn er sich in unmittelbarer Gefahr befindet, wie auf einem befahrenen Straßenabschnitt).
  4. Bewusstseins- und Atmungskontrolle: Überprüfen Sie, ob der Verletzte bei Bewusstsein ist und normal atmet. Wenn der Verletzte bewusstlos ist, aber atmet, legen Sie ihn vorsichtig in die stabile Seitenlage, um die Atemwege freizuhalten.
  5. Positionierung: Wenn der Verletzte bei Bewusstsein ist und keine schweren Verletzungen wie Knochenbrüche oder Kopfverletzungen aufgetreten sind, können Sie ihn vorsichtig in eine bequeme Position bringen, die Schmerzen und Unannehmlichkeiten minimiert.

Tests zur Beurteilung des Sturzrisikos

  • Timed-Up-and-Go-Test: Aufstehen aus einem Stuhl mit Armlehnen, 3 Meter geradeaus gehen, umdrehen, zurückgehen und wieder hinsetzen. Gehhilfen, die auch sonst benutzt werden, dürfen eingesetzt werden. Der Test soll die Muskelkraft, Gelenkfunktionen und das Gleichgewicht bewerten.
  • Mobilitätstest nach Tinetti: Der Tinetti-Test ist deutlich aufwendiger als die beiden oberen Tests und kann nur von geschulten Ärzten oder Therapeuten durchgeführt und bewertet werden. Durchzuführen sind mehrere Übungen, die anhand verschiedener Kriterien bewertet werden, z.B.: Stand und Balance werden durch Aufstehen, die ersten Sekunden des Stehens, mit offenen und geschlossenen Augen, das Drehen auf der Stelle, leichte Stöße gegen Brust oder Schultern und anschließendes Hinsetzen beurteilt. Beim Gehen wird das Gangbild analysiert.
  • Stehversuch nach Romberg: Aufrecht Stehen mit geschlossenen Augen, aneinanderliegenden Füßen und nach vorne gestreckten Armen. Die Bewegungen des Körpers werden beurteilt.
  • Tretversuch nach Unterberger/Fukuda: 50 mal auf der Stelle treten, mit geschlossenen Augen und vorgestreckten Armen. So können Rückschlüsse auf das Gangbild und die Standfestigkeit geschlossen werden.

tags: #standigs #fallen #bei #parkinson