Ein Krampfanfall kann für Betroffene und Außenstehende gleichermaßen beängstigend sein. Dabei verlieren die Betroffenen kurzzeitig die Kontrolle über ihren Körper. In vielen Fällen sinken sie plötzlich zu Boden und fangen an zu zucken und zu krampfen. Eine Störung im Gehirn löst den Krampfanfall aus und ist in manchen Fällen eine Form der Epilepsie. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Krampfanfälle, ihre Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten, um Betroffenen und ihren Angehörigen ein besseres Verständnis zu ermöglichen.
Was ist ein Krampfanfall?
Ein Krampfanfall ist ein plötzlich eintretendes Ereignis, bei dem der Betroffene Verkrampfungen, Zuckungen und Bewusstseinsausfälle erleidet. Häufig ist ein Krampfanfall ein Synonym für einen epileptischen Anfall, auch wenn es nicht zwingend zu einer Verkrampfung kommen muss. Es kann nämlich auch nur zu Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen kommen.
Typischerweise wird ein Krampfanfall durch eine Funktionsstörung von Nervenzellen (Neuronen) in der Hirnrinde hervorgerufen. Die normale Aufgabe einer Nervenzelle ist es, elektrische Signale zu erzeugen beziehungsweise zu empfangen und weiterzuleiten. Dies geschieht in jeder Sekunde millionenfach im Gehirn, jedoch in geordneter Weise. Bei einem zerebralen (= vom Gehirn ausgehenden) Krampfanfall geht aber jede Ordnung verloren, sodass sich plötzlich bestimmte Gruppen von Nervenzellen gleichzeitig entladen und synchron ihre unkoordinierten Signale weiterleiten. Sie stecken nachgeschaltete Nervenzellen damit sozusagen an. Bildlich gesprochen lässt sich ein Krampfanfall auch als „Gewitter im Gehirn“ bezeichnen.
Fokale und generalisierte Krampfanfälle
Die verschiedenen Formen von epileptischen Anfällen kann man grob unterteilen in sogenannte fokale Anfälle, die nur Teile des Gehirns betreffen, und generalisierte Anfälle, die das gesamte Gehirn betreffen.
Fokale Krampfanfälle
Ein fokaler Krampfanfall betrifft nur einen bestimmten Teil des Gehirns, daher sind die Symptome aufgrund der verschiedenen betroffenen Areale oft sehr unterschiedlich. So kann es beispielsweise zu Bewegungsstörungen im linken Bein kommen, wenn der Krampfanfall durch genau diese Hirnregion ausgelöst wird. Neben Bewegungsstörungen, Krämpfen und Zucken kann der Betroffene auch Empfindungs- und Bewusstseinsstörungen erleben.
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Die Symptome bei einem fokalen Anfall hängen davon ab, in welchem Teil des Gehirns die Nervenzellen übermäßig stark feuern. Das, was du als Außenstehender beobachten kannst, sind Zuckungen, Verkrampfungen oder Versteifungen bestimmter Körperteile. Manchmal lässt die Muskelanspannung in einem Körperteil abrupt nach. Einige Betroffene spüren nur ein Kribbeln, plötzliche Wärme oder Kälte und einige haben sogar Halluzinationen. Dann riechen, schmecken, hören oder sehen sie etwas, das gar nicht da ist. In anderen Fällen ist das Bewusstsein der Betroffenen gestört. Sie wirken benommen, verwirrt oder abwesend. Hier spricht man von einem komplexen fokalen Anfall. Häufig kannst du auch Automatismen beobachten wie Kauen und Schmatzen, Scharren mit den Füßen oder Nesteln an der Kleidung. Die Betroffen können sich hinterher nicht daran erinnern.
Fokale Anfälle werden auch als partielle oder lokalisationsbezogene epileptische Anfälle bezeichnet. Diese Anfälle gehen immer von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus und betreffen in der Regel nur eine Gehirnhälfte. Man unterscheidet fokale Anfälle mit Bewusstseinseinschränkung (früher auch komplex-fokal genannt) und fokale Anfälle ohne Bewusstseinseinschränkung (früher einfach fokale Anfälle). Im ersten Fall nimmt der Patient oder die Patientin den epileptischen Anfall nicht bewusst wahr und kann sich später an nichts erinnern. Bei Erwachsenen ist dies die am häufigsten beobachtete Anfallsform.
Die Symptome fokaler Anfälle richten sich nach dem Ursprungsort im Gehirn. Eine häufige Anfallsform fokalen Ursprungs sind vegetative fokale Anfälle. Auch plötzliche Angst, Wut oder Halluzinationen werden in der Literatur beschrieben. Die Sinneswahrnehmung kann durch einen fokalen Anfall gestört werden. So kann Sehen, Hören, Schmecken, Riechen oder Tasten durch den Anfall so beeinträchtigt sein, dass Betroffene Blitze sehen, Geräusche oder Stimmen hören, einen komischen Geschmack im Mund haben, etwas Merkwürdiges riechen oder Temperatur-Missempfindungen, Kribbeln oder Lähmungserscheinungen spüren. Fokale Anfälle mit Bewusstseinsverlust sind häufig durch sogenannte Automatismen geprägt. Patienten wiederholen im Anfall bestimmte Handlungsmuster.
Generalisierte Krampfanfälle
Im Gegensatz zu dem fokalen Krampfanfall, ist bei einem generalisierten Krampfanfall das gesamte Gehirn betroffen. Einen generalisierten Krampfanfall teilt man in fünf Untergruppen ein. Zu diesen gehören Absence, klonischer Krampfanfall, tonischer Krampfanfall, atonischer Krampfanfall und der tonisch-klonische Krampfanfall. Ein Krampfanfall kann auch fokal beginnen und sich dann zu einem generalisierten Anfall steigern.
Bei generalisierten Anfällen gibt es eine Bandbreite an Symptomen. Ein Krampfanfall wird durch die Funktionsstörung von Neuronen, beziehungsweise Nervenzellen, in der Hirnrinde ausgelöst. Nervenzellen erzeugen jede Sekunde millionenfach Signale im Gehirn und leiten diese geordnet weiter. Diese Ordnung geht bei einem Krampfanfall verloren und eine bestimmte Gruppe von Nervenzellen entladen sich gleichzeitig, indem sie ihre Signale unkoordiniert weitergeben. In der Regel treten Krampfanfälle in Kombination mit einer Epilepsie auf. Hier sind die Neuronen der Betroffenen anfälliger für eine solche Kettenreaktion im Gehirn. Tritt ein Krampfanfall nur einmalig auf, muss es sich nicht um eine Epilepsie handeln.
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Ein fokaler Anfall kann sich zu einem generalisierten epileptischen Anfall ausweiten, wenn die Nervenzellen im gesamten Gehirn überreagieren. Es kommt zu Muskelzuckungen oder -krämpfen im ganzen Körper, häufig mit Bewusstseinsstörungen. Eine eher milde Form sind die sogenannten Absencen, eine kurze geistige Abwesenheit. Die Betroffenen wirken für einige Sekunden abwesend und blicken ins Leere. Manchmal ist es, als würden sie bei ihren Tätigkeiten einfrieren. Sie stoppen, was sie tun, für ein paar Sekunden. Wenn sie weitermachen, erinnern sie sich nicht daran.
Die häufigste Form des generalisierten epileptischen Anfalls ist der sogenannte große Krampfanfall, auch „Grand Mal“ genannt. Der verläuft in zwei Phasen: Zuerst versteift sich der ganze Körper, die Betroffenen verlieren das Bewusstsein und atmen nur noch sehr flach. In Kombination mit der hohen Muskelanspannung kann das zu Sauerstoffmangel führen. Das erkennst du daran, dass sich die Haut oder die Lippen blau färben. Nach zehn bis 30 Sekunden setzt die zweite Phase mit unkontrollierten Zuckungen ein. Diese Phase dauert in der Regel nur ein bis zwei Minuten.
Bei generalisierten Anfällen lässt sich keine bestimmte Hirnregion zuordnen, in der der epileptische Anfall entsteht. Während eines Anfalls kann die Ausbreitung unterschiedlich verlaufen und das gesamte Hirnareal betreffen. Bei Absencen kommt es zu einer plötzlichen Bewusstseinsstörung, sodass der Patient bzw. die Patientin seine oder ihre momentane Tätigkeit für die Dauer des Anfalls unterbricht. Die Betroffenen starren bei dieser Form eines epileptischen Anfalls oft ins Leere. Diese Anfälle können mehrere Sekunden dauern und sich stark gehäuft über den Tag wiederholen. Betroffene können sich an den Anfall nicht erinnern und fahren mit ihrer Tätigkeit nach dem Anfall wieder fort. Obwohl diese Anzeichen typisch für Absencen sind, werden sie von Laien vielfach nicht als Symptome einer Epilepsie erkannt. Absencen sind eine häufige Epilepsie-Form des Kindesalters und werden zunächst meist als Unkonzentriertheit oder Träumerei missinterpretiert. Es kann zu wenigen Anfällen innerhalb eines Jahres bis hin zu mehrenden hundert am Tag kommen.
Ein myoklonischer Anfall verursacht keine Bewusstseinsstörungen, sondern äußert sich mit Muskelzuckungen.
Der tonisch-klonische Anfall oder auch Grand-mal-Anfall ist die Anfallsform, die am häufigsten mit der Krankheit Epilepsie in Verbindung gebracht wird. Die Symptome dieses Anfalls äußern sich meist in einem initialen Schrei des Betroffenen, gefolgt von einer Anspannung der Körpermuskulatur, die dann in Zuckungen des Körpers über geht (siehe oben). Ferner kommt es zu einem Bewusstseinsverlust, sodass sich der Patient bzw. die Patientin im Nachhinein nicht mehr an den Anfall erinnern kann. Auch die Blaufärbung der Lippen ist typisch. Sie entsteht durch die Verkrampfung der Atemmuskulatur während des Anfalls, sodass der oder die Betroffene keine Luft bekommt. Der Atemstillstand kann bis zu 30 Sekunden andauern, führt aber nicht zum Ersticken. Verliert man die Muskelkraft, spricht man von einem atonischen Anfall.
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Phasen eines Grand-Mal-Anfalls
Der Ablauf eines Grand-Mal-Anfalls verläuft in mehreren Phasen ab.
- Präiktale Phase (Prodromalphase): In manchen Fällen bemerken Patienten schon vor dem Anfall, dass etwas nicht stimmt. Den Zeitraum bevor ein epileptischer Anfall beginnt, bezeichnet man als präiktale Phase oder Prodromalphase. Diese Phase dauert wenige Minuten bis mehrere Tage und Betroffene verhalten sich eventuell anders oder fühlen sich merkwürdig. Das sogenannte Warnsignal des Körpers bezeichnet man als Prodrom und es wird auch oft mit der Aura in Verbindung gebracht.
- Iktale Phase: Der Zeitraum während eines Anfalls nennt sich iktale Phase. Hier herrscht ein Gewitter im Kopf und es kommt zu physikalischen Veränderungen. Diese können mit medizinischen Geräten, wie EEG und EKG gemessen werden.
- Postiktale Phase: Eine postiktale Phase bezeichnet das Ende vom Anfall und den Übergang in den körperlichen Normalzustand. Sie wird gekennzeichnet durch die Erholungsphase des Gehirns und kann wenige Sekunden bis Stunden andauern.
- Interiktale Phase: Die interiktale Phase beschreibt die Zeit zwischen zwei Krampfanfällen. Vor allem in diesem Zeitraum haben Betroffene mit psychischen Störungen zu kämpfen, die sich in Ängstlichkeit und Depressionen ausdrücken. Diese Beschwerden dauern wenige Stunden bis mehrere Tage an und verschwinden dann meist spontan.
Ursachen von Krampfanfällen
Krampfanfälle haben viele Auslöser. Meist entstehen sie, wenn die elektrische Aktivität im Gehirn aus dem Gleichgewicht gerät. Das passiert zum Beispiel bei einer Epilepsie, aber auch bei anderen körperlichen oder seelischen Belastungen.
Typische Ursachen für Krampfanfälle sind:
- Epilepsie: Eine chronische Erkrankung mit wiederkehrenden Anfällen. Bei einer Epilepsie kommt es durch unterschiedlichste Ursachen und Auslöser zu einer übermäßigen elektrischen Entladung von Nervenzellen im Gehirn. So können zum Beispiel Stoffwechselstörungen, genetische Faktoren, Kopfverletzungen, gutartige und bösartige Tumore, Hirnhautentzündungen oder Schlaganfälle entsprechende Veränderungen im Gehirn verursachen, welche solche übermäßigen Entladungen der Neuronen begünstigen. Dann kommt es zu Symptome wie Muskelkrämpfen, Stürzen und Bewusstlosigkeit, aber auch zu durchaus subtileren Anfallsformen. Oft ist die genaue Ursache jedoch unbekannt.
- Fieber: Vor allem bei kleinen Kindern kommt es bei hohem Fieber zu Fieberkrämpfen. Säuglinge und kleine Kinder entwickeln oft einen Anfall, wenn sie hohes Fieber haben. Es wird bei Kindern von einem Fieberkrampf gesprochen.
- Unterzuckerung: Besonders bei Menschen mit Diabetes.
- Elektrolytmangel: Zu wenig Magnesium, Natrium oder Kalzium stört die Nervenleitung.
- Medikamente oder Drogenentzug: Plötzlicher Entzug bringt das Nervensystem aus dem Takt.
- Psychische Belastung: Dissoziative oder psychogene Krampfanfälle entstehen oft bei starker innerer Anspannung.
- Reizüberflutung: Flackerndes Licht, laute Geräusche oder Stress setzen das Gehirn unter Druck.
- Schlafmangel: Zu wenig Schlaf erhöht die Anfallsbereitschaft.
- Akut symptomatische Anfälle (ASA): Die ILAE definiert einmalige Krampfanfälle als sogenannte ASA. Sie werden nicht als Teil einer epileptischen Erkrankung eingestuft, sondern sind den epileptischen Anfällen lediglich ähnlich. Die Ursachen für einen solchen akut symptomatischen Anfall sind jedoch andere. ASA treten in engem zeitlichen Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auf, wie z. B. als Folge einer Unterzuckerung, einer Hirnschädigung oder eines Schlaganfalls.
- Strukturelle Veränderungen im Gehirn: Ursachen wie Schlaganfälle oder Verletzungen können zu dauerhaften strukturellen Veränderungen im Gehirn führen, die fortan wiederholt epileptische Anfälle auslösen. Dann spricht man von einer strukturellen Epilepsie, die früher auch als symptomatische Epilepsie bezeichnet wurde. Dazu zählen auch epileptische Anfälle, welche durch Tumore ausgelöst werden.
- Infektionen: Führen Infektionen, etwa Hirnhautentzündungen, zu entsprechenden chronischen Veränderungen im Gehirn, so spricht man von infektiösen Epilepsien.
- Stoffwechselstörungen: Sind Stoffwechselstörungen der Grund, handelt es sich um eine metabolische Epilepsie.
Psychogene Anfälle
Anders als ein epileptischer Anfall entsteht ein psychogener Anfall bzw. psychogener Krampfanfall nicht durch neuronale Störungen mit entsprechenden pathologischen elektrischen Aktivitäten des Gehirns. Stattdessen liegt diesem eine psychische Ursache zu Grunde. Bei psychogenen Anfällen handelt es sich um eine dissoziative Störung, auch als Konversionsstörung bezeichnet. Das bedeutet, dass die Betroffenen in der Regel körperlich gesund sind. Die Ursachen psychogener Anfälle sind somit keine körperlichen Beschwerden, sondern seelische Belastungen, die zu Krankheitszeichen und einer speziellen Symptomatik führen. Ursachen eines psychogenen Anfalls können schwere seelische Belastungen in der Kindheit und Jugend sein, die den Betroffenen teilweise nicht bewusst sind. Hieraus können psychogene Anfälle in Form von automatisierten, reflexartigen Körperreaktionen als Krankheitsbild entstehen, die ursprünglich eine schützende oder abwehrende Funktion hatten. Insbesondere Missbrauch und Vernachlässigung gelten als prädisponierende Faktoren. Das bedeutet, dass diese Erlebnisse die Anfälligkeit für die Entwicklung psychogener Anfälle immens erhöhen können und folglich häufig Ursache für die Anfälle sind.
Symptome eines Krampfanfalls
Ein Krampfanfall zeichnet sich durch verschiedene Symptome aus, die sich je nach Art und Ausprägung des Anfalls unterscheiden:
- Unwillkürliche, krampfende oder zuckende Bewegungen
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle
- Bewusstlosigkeit
- Plötzliche Ohnmachtsanfälle
- Psychogene Bewegungsstörung: Kontrollverlust und automatisierte Bewegungen
- Starren in die Luft
- Unterbrechen der aktuellen Tätigkeit
- Schweißausbrüche
- Halluzinationen
- Aufsteigendes Unwohlsein in der Magengegend
- Herzrasen
- Störungen des Geruchssinns
- Wutausbrüche
- Migräne
- Übelkeit
- Plötzliches Aufspringen und Umherwerfen von Gegenständen
- Unkontrolliertes Umherrennen
Es können also eine Vielzahl unterschiedlicher Symptome und Anfallsformen auf eine Epilepsie hinweisen, was die Diagnose der Erkrankung deutlich erschwert. Sowohl die Dauer, als auch Form und Ausprägung der motorischen und nicht-motorischen Symptome können erheblich variieren. Manche Anfälle dauern nur wenige Sekunden, andere mehrere Minuten. Mal äußern sie sich durch das allseits bekannte Erscheinungsbild der verkrampfenden und zuckenden Muskulatur, andere wiederum äußern sich durch nicht-motorische Symptome. Die häufigste Anfallsform bei Erwachsenen sind komplex-fokale Anfälle, die mit Bewusstlosigkeit einhergehen.
Erste Hilfe bei einem Krampfanfall
Epileptische Anfälle äußern sich oft unterschiedlich und Betroffene fühlen sich danach verunsichert oder ängstlich. Es ist enorm hilfreich ihnen in diesem Zeitpunkt beizustehen und Sicherheit zu geben. Auch während dem Anfall gibt es viele verschiedene Erste Hilfe Maßnahmen, die beachtet werden müssen.
Als Ersthelferin oder Ersthelfer ist es deine Aufgabe, die Betroffenen vor Verletzungen zu schützen und zu erkennen, wann du unbedingt den Notarzt rufen solltest.
Hier sind einige wichtige Maßnahmen, die bei einem Krampfanfall zu beachten sind:
- Umgebung sichern: Entfernen Sie scharfe oder harte Gegenstände in der Nähe, um Verletzungen zu vermeiden.
- Nicht festhalten: Lassen Sie die Bewegungen zu. Festhalten kann zu Verletzungen führen.
- Nichts in den Mund stecken: Es besteht Erstickungsgefahr. Dem Betroffenen sollten auf keinen Fall Gegenstände als Beißkeil in den Mund gesteckt werden, um zu verhindern, dass man sich auf die Zunge oder Backen beißt.
- Auf den Kopf achten: Es kann helfen unter den Kopf einen weichen Gegenstand, wie eine Jacke oder ein Kissen, zu legen.
- Zeit stoppen: Dauert der Anfall länger als 5 Minuten, rufen Sie den Notruf. Es ist wichtig während einem Anfall auf die Uhr zu schauen, um zu beobachten, wie lange der Anfall dauert. In der Regel beginnt der Anfall plötzlich und endet nach wenigen Minuten.
- Kleidung lockern: Sitzt die Kleidung durch die Krampfposition des Betroffenen zu eng am Hals, hilft es diese zu lockern.
- Atemwege sichern: Nach einem solchen Anfall muss man unbedingt kontrollieren, ob die Atemwege frei sind. Um die Atemwege zu sichern, sollte der Patient in die Bauch- oder stabile Seitenlage gedreht werden.
- Nach dem Anfall: Legen Sie die Person in die stabile Seitenlage, bleiben Sie dabei und sprechen Sie beruhigend. Auch nach dem Anfall sollte man bei der Person bleiben. Es dauert einige Zeit, bis die Person wieder ganz zu sich kommt und sie braucht zunächst Orientierung. Handelt es sich um einen Anfall in der Öffentlichkeit, ist es wichtig Schamgefühle zu beachten und zu vermeiden. Es kann durchaus sein, dass sich mehrere Menschen aufgrund des Anfalls ansammeln und der Betroffene sich beispielsweise vor der Masse ungewollt eingenässt hat.
- Nicht allein lassen: Bleiben Sie, bis die betroffene Person wieder vollständig ansprechbar ist.
Manche Betroffene haben ein extra Notfallmedikament bei sich, welches Begleitpersonen während einem Anfall einsetzen können. Sobald der Anfall länger dauert, kann man das Medikament in Tablettenform in die Wangentasche legen oder als Creme mit einer kleinen Tube in den After spritzen. Das Medikament beendet den Anfall dann.
Wann den Notarzt rufen?
In vielen Fällen dauert ein Anfall nur wenige Minuten und die Betroffenen sind danach wieder voll funktionsfähig. Handelt es sich um einen großen Anfall, muss immer ein Notarzt gerufen werden. Ist der Arzt zur Stelle hilft eine genaue Schilderung des Krampfanfalles.
Wann bei einem Krampfanfall den Notarzt rufen?
- Wenn ein Krampfanfall erstmals auftritt
- Wenn ein Krampfanfall länger als drei Minuten andauert (Gefahr eines sogenannten Status epilepticus)
- Wenn mehrere Krampfanfälle innerhalb von 30 Minuten auftreten
- Wenn der Betroffene sich ernsthaft verletzt hat (z. B. durch einen Sturz)
- Wenn der Anfall im Wasser oder im Schlaf passiert
- Wenn die betroffene Person nicht atmet oder sich bläulich verfärbt
Komplikationen und Folgeschäden
Bei einem Krampfanfall kann es durchaus zu Komplikationen und Folgeschäden kommen. Zu diesen gehören das Beißen auf Zunge und Wange und starke Muskelkontraktionen, die zu Knochenbrüchen führen können. Dauert ein Anfall mehr als zwanzig Minuten, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall, auch Status epilepticus genannt. Ein Krampfanfall kann auf Außenstehende sehr dramatisch und gefährlich wirken, jedoch ist das bei den meisten nicht der Fall. In sehr seltenen Fällen kommt es zu einem Herz-Kreislauf-Versagen und einem plötzlich unerwarteten Tod durch Epilepsie. Der Status epilepticus ist ebenfalls lebensgefährlich, jedoch gehört dies ebenfalls zu den sehr seltenen Fällen.
Diagnose von Krampfanfällen
Ein Arzt klärt zunächst ab, ob es sich tatsächlich um einen Krampfanfall gehandelt hat. Hier müssen andere mögliche Ursachen mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden. Dabei hilft es eine genaue Schilderung der Symptome parat zu haben, die der Patient entweder selbst oder durch einen Angehörigen, der den Anfall mitbekommen hat, dem Arzt mitteilt.
Die genaue Schilderung der Symptome - entweder durch den Patienten selbst oder durch Angehörige - ist bereits sehr hilfreich. Außerdem fragt der Arzt unter anderem:
- Wie lange hat der Krampfanfall angehalten?
- Was ist dem Anfall vorausgegangen? (Manchmal treten kurz vorher ungewöhnliche Empfindungen wie Bauchkribbeln oder ein ungewöhnliches Geruchsempfinden auf oder der Patient hat eine Vorahnung, dass gleich ein Anfall folgt.)
- Wie rasch haben Sie sich / hat sich der Patient nach dem Anfall erholt?
- Gibt es irgendwelche Faktoren, die als Auslöser des Krampfanfalls in Frage kommen (Geräusche, Blitzlicht etc.)?
- Liegt eine Vor- bzw. Grunderkrankung (z. B. Gehirn-Infektion) oder eine kürzliche Kopfverletzung vor?
- Konsumieren Sie / konsumiert der Patient Drogen wie etwa Alkohol? Findet gerade ein Entzug statt?
Für weitere Untersuchungen wird ein EEG, also ein Elektroenzephalogramm, durchgeführt. Damit werden die Hirnströme untersucht, welche Auskunft über den Krampfanfall geben können. Zusätzlich führt man auch oft ein MRT, Magnetresonanztomographie, durch.
Mittels Elektroenzephalografie (EEG) werden dann die Hirnströme des Patienten gemessen und aufgezeichnet, um eventuelle Auffälligkeiten zu entdecken. Der Arzt versucht gegebenenfalls auch während der Messung, einen Anfall zu provozieren - zum Beispiel durch bestimmte Lichtreize oder indem er den Patienten absichtlich hyperventilieren lässt.
Ein EEG lässt sich auch über längere Zeit aufzeichnen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, den Patienten währenddessen zu filmen (Video-EEG-Überwachung), sodass der Arzt genau sieht, was während eines (möglichen) weiteren Krampfanfalls passiert.
Um mögliche Ursachen für Krampfanfälle ausfindig zu machen, fertigt der Arzt gegebenenfalls mithilfe von Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) detaillierte Schnittbilder des Gehirns an. Möglicherweise lassen sich darauf strukturelle Veränderungen (wie durch einen Schlaganfall oder einen Tumor) erkennen, die Anfälle hervorrufen.
Blutuntersuchungen geben Hinweise auf Stoffwechselstörungen als eventuelle Auslöser von Krampfanfällen. Urinuntersuchungen sind ebenfalls manchmal hilfreich - etwa zum Nachweis von konsumierten Drogen, die der Patient nicht angegeben hat.
Gegebenenfalls sind weitere Untersuchungen angezeigt. Dazu zählt etwa die Entnahme und Analyse einer Probe der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit (Lumbalpunktion), wenn der Verdacht auf eine Infektion des Gehirns als Ursache von Krampfanfällen besteht.
Behandlung von Krampfanfällen
Treten Krampfanfälle häufiger auf oder es wird eine Epilepsie festgestellt, behandelt man diese mit speziellen Medikamenten, wie Antiepileptika. Diese heilen die Krankheit zwar nicht, reduzieren aber die Anfallhäufigkeit. Die Medikamente haben häufig zahlreiche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.
Selbst wenn der letzte Krampfanfall schon einige Zeit zurückliegt, sollte man die Erkrankung auf keinen Fall vergessen oder unterschätzen. Mit Medikamenten kann man die Häufigkeit zwar reduzieren, jedoch nicht komplett ausschließen.
Für die Diagnose von psychogenen Anfällen ist es wichtig, das Anfallsleiden gegenüber dem der Epilepsie abzugrenzen, sodass eine effektive individuelle psychotherapeutische Behandlung veranlasst werden kann.
Wenn Sie nach einer Klinik für die Behandlung von psychogenen Anfällen suchen, steht Ihnen das Team zur Seite. Mit direktem Blick auf den schönen Rhein, in der Natur gelegen, erhalten unsere Patient:innen neueste Behandlungs- und Therapieverfahren. Kontaktieren Sie uns gerne für ein persönliches Beratungsgespräch. Gemeinsam suchen wir die Ursachen für Ihr Problem, erstellen eine differenzierte Diagnose und widmen uns der Behandlung einer eventuell vorliegenden psychogenen Erkrankung.
Vorbeugung von Krampfanfällen
Viele Krampfanfälle lassen sich vermeiden - vor allem, wenn keine chronische Erkrankung wie Epilepsie vorliegt. Wer seine Gewohnheiten kennt und Warnzeichen ernst nimmt, kann das Risiko deutlich senken.
- Regelmäßig schlafen: Zu wenig oder unregelmäßiger Schlaf gehört zu den häufigsten Anfallsauslösern.
- Stress abbauen: Entspannungstechniken wie Atemübungen, Yoga oder Spaziergänge helfen, das Nervensystem zu entlasten.
- Alkohol und Drogen vermeiden: Diese Stoffe bringen das Gehirn aus dem Gleichgewicht, besonders beim Entzug.
- Ernährung im Blick behalten: Ein stabiler Blutzuckerspiegel und ausreichend Elektrolyte (z. B. Magnesium, Kalzium) sind wichtig für die Nervenfunktion.
- Medikamente zuverlässig einnehmen: Wer Epilepsie hat, sollte seine Therapie konsequent umsetzen.
- Anfallskalender führen: Damit erkennen Sie Muster und besprechen Veränderungen gezielt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Ketogene Diät (bei Epilepsie): Eine spezielle Ernährungsform, die in Absprache mit Fachleuten positiv wirkt, vor allem bei therapieresistenter Epilepsie.