Starkes Taubheitsgefühl im Bein nach Sprunggelenkprothese: Ursachen und Behandlung

Ein starkes Taubheitsgefühl im Bein nach einer Sprunggelenkprothese kann für Betroffene sehr beunruhigend sein. Es ist wichtig, die möglichen Ursachen für dieses Symptom zu verstehen und geeignete Behandlungsstrategien zu kennen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für Taubheitsgefühle im Bein nach einer Sprunggelenkprothese und bietet einen Überblick über mögliche Therapieansätze.

Einführung

Nach einer Sprunggelenkprothese kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen, darunter auch neurologische Beschwerden wie Taubheitsgefühle. Diese können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, die Ursachen für diese Beschwerden zu identifizieren, um eine gezielte Behandlung einzuleiten.

Ursachen für Taubheitsgefühle im Bein nach Sprunggelenkprothese

Mehrere Faktoren können zu Taubheitsgefühlen im Bein nach einer Sprunggelenkprothese beitragen:

Neuropathische Schmerzen

Neuropathische Schmerzen, auch Nervenschmerzen genannt, können nach Operationen auftreten. Kennzeichnend für postoperative neuropathische Schmerzen ist eine veränderte Hautsensibilität. Betroffene reagieren unter- oder überempfindlich auf Reize wie Kälte, Wärme, Berührung oder Druck. Sie berichten von Taubheitsgefühlen und/oder Schmerzattacken, die sich kribbelnd, brennend, stechend, einschießend oder elektrisierend äußern können.

Ursachen für neuropathische Schmerzen nach OP:

  • Nervenschädigung während der Operation: Während des Eingriffs kann es zu Schädigungen des Nervensystems kommen, etwa durch Kompressionen, Dehnungen, Traumen oder die Patientenlagerung.
  • Entzündungsprozesse: Entzündungsprozesse nach der Operation können dazu führen, dass die peripheren Nerven erkranken.
  • Plastische Veränderungen im Nervensystem: Durch eine Nervenverletzung kommt es im Nervensystem zu plastischen Veränderungen, die langfristig irreversibel werden können, sodass die neuropathischen Schmerzen in eine chronische Form übergehen.
  • Vorerkrankungen der peripheren Nerven: Bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit postoperativer Neuropathien, darunter Vorerkrankungen der peripheren Nerven.
  • Nervenschäden begünstigende Erkrankungen: Erkrankungen wie Diabetes, sehr hoher oder sehr niedriger Body-Mass-Index, periphere Gefäßerkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder Arthritis können Nervenschäden begünstigen.
  • Subjektiv erniedrigte Schmerzschwelle oder pessimistische Erlebnisverarbeitung: Diese Faktoren können die empfundene Stärke von Nervenschmerzen beeinflussen.

Kompartmentsyndrom

Eine axonale Schädigung des Nervus peroneus kann wie bei einem Kompartmentsyndrom beschrieben werden. Ein Kompartmentsyndrom entsteht, wenn der Druck innerhalb eines Muskelkompartiments im Bein ansteigt und die Durchblutung der Nerven und Muskeln beeinträchtigt. Dies kann zu Nervenschäden und Taubheitsgefühlen führen.

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Tarsaltunnelsyndrom

Das Tarsaltunnelsyndrom ist eine Nerveneinklemmung im Bereich des Innenknöchels, bei der der Nervus tibialis (Schienbeinnerv) komprimiert wird. Dies kann zu Fußschmerzen, seitlichen Fersenschmerzen und Missempfindungen wie Taubheitsgefühl oder Ameisenlaufen in der Fußsohle führen.

Ursachen für das Tarsaltunnelsyndrom:

  • Fußfehlstellungen: Knick-Senkfüße können das Tarsaltunnelsyndrom verursachen.
  • Verletzungen
  • Entzündliche Erkrankungen: Arthritis, Rheuma und rheumatoide Arthritis können zu Schwellungen und Beschwerden im Bereich des Tarsaltunnels führen.
  • Krampfadern, Knochenbrüche oder Knochensporne: Diese können auf den Tarsaltunnel drücken.
  • Ödeme und Schwellungen
  • Enge Schuhe: Hochhackige oder enge, hohe Schuhe wie Wander- und Skischuhe können die Schmerzen beim Tarsaltunnelsyndrom auslösen oder sogar verstärken.

Vordere und hintere Tarsaltunnelsyndrome

Beim "vorderen Tarsaltunnelsyndrom" liegt der Druck auf dem Tarsaltunnel im Bereich des Fußrückens oder Sprunggelenks. Ursachen können eine Fußverletzung oder ein Überbein sein, aber oft ist die Ursache unbekannt. Symptome sind ein stechender Schmerz an der Vorderkante des Schienbeins und eine verminderte Sensibilität im Hautareal zwischen der 1. und 2. Zehe.

Beim "hinteren Tarsaltunnelsyndrom" handelt es sich um eine krankhafte Einengung des tiefen hinteren Unterschenkelbereichs, die den Bereich hinter und unter dem Innenknöchel betrifft. Symptome sind Taubheitsgefühl in den Zehen, Kribbeln oder Prickeln im Fuß bis hin zu starken und brennenden Schmerzen im Bereich der Fußsohle.

Verletzung des Nervus peroneus

Im Rahmen einer Knie-Endoprothese wurde über eine Verletzung des Nervus peroneus links mit einem neuropathischen Schmerz berichtet. Die Schmerzen bestanden vor allem im Bereich der Einstichstelle des Schmerzkatheters. Bei der Untersuchung fanden sich Zeichen einer Schädigung der Nerven im Bereich des Nervus peroneus und des Nervus ischiadicus mit Sensibilitätsstörungen in den entsprechenden Arealen.

Impingement im oberen Sprunggelenk

Überlastungen und Fehlbelastungen können zu einem Impingement des oberen Sprunggelenks führen. Dabei kommt es zu einer schleichend eingetretenen Verengung, die eine Beeinträchtigung von Sehnen, Muskeln und Nerven verursacht. Neben Schmerzen in der Knöchelregion können auch neurologische Auffälligkeiten wie Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl in den Zehen oder in der Fußsohle auftreten.

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Hämatome

Ausgeprägte Blutergüsse (Hämatome) nach der Operation können zu Wundheilungsstörungen und Infektionen führen und in seltenen Fällen eine Schlagader am Fuß verletzen.

Falsche Anwendung von Tapeverbänden

Bei übermäßiger Anschwellung der Zehen kann der Tapeverband die Zehen einschnüren. Bei Ablösung der Tapes können sich die durchtrennten Knochen verschieben und die Zehenstellung verändern.

Andere Ursachen

  • Schwellungen: Nach Fuß- und Sprunggelenk-Operationen gehört die Schwellung zu einer normalen Heilung. Eine anhaltende Schwellung kann jedoch auch das Zeichen einer Komplikation sein (z.B. Infektion oder Nichtverheilung des Knochens).
  • Thrombose: Eine tiefe Venenthrombose des Beins kann ebenfalls Taubheitsgefühle verursachen.
  • Diabetes: Die Klägerin in einem Fall war Diabetikerin, was das Risiko für Nervenschädigungen erhöhen kann.

Diagnose

Um die Ursache für das Taubheitsgefühl im Bein nach einer Sprunggelenkprothese zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Maßnahmen erforderlich:

  • Anamnese: Der Arzt wird den Patienten ausführlich nach seinen Beschwerden, Vorerkrankungen und dem Operationsverlauf befragen.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Sensibilität, Motorik und Reflexe des Beins und Fußes untersuchen. Ein wichtiger Test ist der Tinel-Test, bei dem der Arzt den Schienbeinnerv hinter dem Innenknöchel beklopft, um ein elektrisierendes Gefühl in der Fußsohle auszulösen.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektrophysiologische Untersuchungen wie die Elektroneurographie (ENG) und Elektromyographie (EMG) können helfen, Nervenschädigungen zu lokalisieren und ihren Schweregrad zu bestimmen.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) können eingesetzt werden, um Weichteilstrukturen, Nerven und Blutgefäße darzustellen und andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.
  • Ganganalyse: Eine Ganganalyse kann Fehlbelastungen aufzeigen und helfen, die Muskeln zu identifizieren, die trainiert werden müssen.

Behandlung

Die Behandlung von Taubheitsgefühlen im Bein nach einer Sprunggelenkprothese richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:

Konservative Behandlung

  • Medikamentöse Therapie:
    • Schmerzmittel: Gegen neuropathische Schmerzen werden typischerweise Antikonvulsiva, trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer oder Opioide eingesetzt. Eine lokale Therapie erfolgt zum Beispiel mittels Lidocain-Pflastern.
    • Entzündungshemmende Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können bei Entzündungen eingesetzt werden. Bei schweren Entzündungen und Schwellung des Nerven ist zudem eine Kortisoninjektion möglich.
  • Nicht-medikamentöse Therapie:
    • Physiotherapie: Lymphdrainage, Massage, Bewegungsübungen und Krafttraining können helfen, Schwellungen zu reduzieren, die Beweglichkeit zu verbessern und die Muskulatur zu stärken.
    • Ergotherapie:
    • Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, die Schmerzakzeptanz zu verbessern.
    • Fußbäder: Warme Fußbäder können die Durchblutung fördern und Schmerzen lindern.
    • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
    • Akupunktur
    • Milde Infrarotstrahlung
    • Applikation von Kälte
    • Einlagen und Orthesen: Bei Fußfehlstellungen können Schuheinlagen oder Schienen helfen, den Fuß zu stabilisieren und den Druck auf den Nerv zu reduzieren.
    • Kompressionsstrümpfe: Das Tragen eines Kompressionsstrumpfes wird vor allem bei Patienten mit vorbestehenden Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Krampfadern empfohlen. Nach Hallux valgus Operationen sollten spezielle Kompressionsstrümpfe getragen werden, welche über ein spezielles Fach für die Großzehe verfügen.
    • Hochlagerung und Kühlung: Die Hochlagerung des Beines und Kühlung mit Eis können helfen, Schwellungen zu reduzieren.
    • Ganganalyse und Training: Eine Ganganalyse kann Fehlbelastungen aufzeigen, sowie die Muskeln isolieren die mittels regelmäßiger und intensiver Beübung auftrainiert werden müssen.
    • Hyaluroninfiltration: Eine Hyaluroninfiltration kann als gleitende Flüssigkeit in den verengten Bereich des oberen Sprunggelenks gelegt werden und Reibung und Kompression reduzieren.
    • Eigenbluttherapie: Das Plasma, das sich vom Blut absetzt, wird herauspippetiert und in den Bereich des oberen Sprunggelenks injiziert, um den entzündungshemmenden und wundheilenden Effekt geziehlt zu nutzen.

Invasive Therapie

  • Injektionen: Selektive Nervenblockaden oder Ganglionblockaden können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Neuromodulationsverfahren:
  • Operative Therapie:
    • Dekompression des Nervus tibialis: Beim Tarsaltunnelsyndrom kann eine operative Dekompression des Nervus tibialis erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu reduzieren.
    • Arthroskopische oder offene Operation: Beim Impingement im oberen Sprunggelenk kann operativ ein Zugang zu dem verengten Bereich geschaffen und die verengenden Strukturen abgetragen werden.
    • Entfernung von Hämatomen: Ausgeprägte Hämatome können operativ entfernt werden, um Wundheilungsstörungen und Infektionen zu vermeiden.

Rehabilitation

Nach der Behandlung ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um die Funktion des Beins und Fußes wiederherzustellen. Die Rehabilitation kann Physiotherapie, Ergotherapie und spezielle Übungen umfassen.

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Vorbeugung

Einige Maßnahmen können helfen, Taubheitsgefühle im Bein nach einer Sprunggelenkprothese vorzubeugen:

  • Sorgfältige Operationstechnik: Eine sorgfältige Operationstechnik kann das Risiko von Nervenschädigungen reduzieren.
  • Optimale Patientenlagerung: Eine optimale Patientenlagerung während der Operation kann Nervenkompressionen vermeiden.
  • Frühzeitige Mobilisierung: Eine frühzeitige Mobilisierung nach der Operation kann die Durchblutung fördern und Schwellungen reduzieren.
  • Thromboseprophylaxe: Eine angemessene Thromboseprophylaxe kann das Risiko von Thrombosen reduzieren.
  • Kontrolle von Risikofaktoren: Die Kontrolle von Risikofaktoren wie Diabetes und Übergewicht kann das Risiko von Nervenschäden reduzieren.

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