Stechende Schmerzen in den Gelenken und Sehstörungen: Ursachen und Zusammenhänge

Gelenkschmerzen und Sehstörungen können Symptome verschiedener Erkrankungen sein. Die Kombination beider Beschwerden kann auf spezifische Krankheitsbilder hinweisen, die eine sorgfältige Diagnose und Behandlung erfordern. Dieser Artikel beleuchtet mögliche Ursachen für stechende Schmerzen in den Gelenken in Verbindung mit Sehstörungen und gibt einen Überblick über Diagnose- und Therapieansätze.

Reaktive Arthritis: Eine mögliche Ursache für Gelenkschmerzen und Augenentzündungen

Die reaktive Arthritis, früher als Morbus Reiter bekannt, ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die als Reaktion auf eine bakterielle Infektion außerhalb der Gelenke auftritt. Häufige Auslöser sind Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane oder des Magen-Darm-Trakts.

Definition und Hintergrund

Die reaktive Arthritis ist eine Arthritis, die reaktiv auf einen bakteriellen Infekt außerhalb der Gelenke entsteht. Neben den Gelenken können auch die Harnröhre, die Bindehäute der Augen und die Haut betroffen sein. In manchen Fällen ist auch die Wirbelsäule involviert, was zu einer Spondyloarthritis führen kann. Die meisten Betroffenen sind jünger als 40 Jahre.

Symptome der reaktiven Arthritis

Die Symptome treten meist zwei bis vier Wochen nach einer Infektion der Harn- und Geschlechtsorgane, des Magen-Darm-Trakts oder der Atemwege auf. Zu den Hauptsymptomen gehören:

  • Gelenkbeschwerden: Schmerzhafte Gelenkentzündung (Arthritis) meist im Bereich von Knie-, Sprung- und Hüftgelenken. Es können leichte Gelenkschmerzen (Arthralgie) bis hin zu starken Gelenkentzündungen mit Schwellung und Überwärmung auftreten. Oft sind nur wenige Gelenke betroffen (Mono- bis Oligoarthritis).
  • Augenentzündung: Häufig tritt eine ein- oder beidseitige Entzündung der Bindehaut (Konjunktivitis) auf. Seltener sind Entzündungen der Regenbogenhaut (Iritis) oder Hornhaut (Keratitis). Typische Symptome sind Lichtscheu, gerötete, brennende und schmerzende Augen sowie eventuell gestörtes Sehen. In schweren Fällen kann eine Augenentzündung sogar zur Erblindung führen.
  • Harnröhrenentzündung: Betroffene verspüren häufigen Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen. Auch Ausfluss aus der Harnröhre oder Scheide kann auftreten.
  • Haut- und Schleimhautveränderungen: Es kann zu schuppenflechteartigen Hautveränderungen an Hand- und Fußsohlen (Keratoma blennorrhagicum) kommen. Auch bräunliche Verfärbungen, Verdickungen und krustenartige Erhebungen sind möglich. Die Mundschleimhaut kann ebenfalls betroffen sein, was zu einer sogenannten Landkartenzunge führt.
  • Weitere Symptome: In etwa einem Drittel der Fälle ist die Wirbelsäule mitbetroffen, was zu Kreuzschmerzen und Rückenschmerzen führen kann. Auch Entzündungen von Sehnen, Sehnenscheiden und Sehnenansätzen sind möglich. Allgemeinsymptome wie Fieber, Mattigkeit und Gewichtsverlust können ebenfalls auftreten.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache der reaktiven Arthritis ist unklar. Auslöser ist meist eine Infektion mit Bakterien im Bereich des Magen-Darm-Trakts, der Harn- und Geschlechtsorgane oder (seltener) der Atemwege. Typische Erreger sind Chlamydien und Enterobakterien (Salmonellen, Yersinien, Shigellen, Campylobacter).

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Bei Menschen mit reaktiver Arthritis ist der Körper wahrscheinlich nicht in der Lage, die Erreger der vorausgegangenen Infektion vollständig zu beseitigen. Die Bakterien gelangen über das Blut und die Lymphbahnen in die Gelenke und Schleimhäute, wo sie Entzündungen hervorrufen.

Etwa 50 bis 80 Prozent aller Menschen mit reaktiver Arthritis sind genetisch vorbelastet und tragen das HLA-B27-Merkmal. Dieses Eiweiß auf der Oberfläche fast aller Körperzellen erhöht das Risiko für einen schwereren und längeren Krankheitsverlauf sowie für eine Beteiligung der Wirbelsäule.

Diagnose der reaktiven Arthritis

Die Diagnose basiert auf der Krankengeschichte, der körperlichen Untersuchung und verschiedenen Tests. Der Arzt wird nach vorangegangenen Infektionen, den aktuellen Symptomen und möglichen Risikofaktoren fragen.

  • Erreger-Nachweis: Es wird versucht, ursächliche Infektionserreger in Stuhl-, Urin- oder Abstrichproben nachzuweisen.
  • Blutuntersuchungen: Blutwerte wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit und das C-reaktive Protein (CRP) sind als allgemeine Entzündungsparameter erhöht. Der Nachweis von HLA-B27 im Blut kann ebenfalls hilfreich sein.
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschalluntersuchungen, Kernspintomografien (MRT) und Röntgenbilder können genaueren Aufschluss über die Ausprägung der Gelenkschäden geben.
  • Gelenkpunktion: In manchen Fällen ist eine Gelenkpunktion notwendig, um Gelenkflüssigkeit für eine genauere Untersuchung zu entnehmen und andere Ursachen für die Gelenkentzündung auszuschließen.

Behandlung der reaktiven Arthritis

Die Behandlung zielt darauf ab, die Entzündung zu reduzieren, Schmerzen zu lindern und die Funktion der betroffenen Gelenke zu verbessern.

  • Medikamente:
    • Antibiotika: Bei Nachweis einer bakteriellen Infektion werden Antibiotika eingesetzt, um die auslösende Infektion zu behandeln.
    • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Medikamente wie Diclofenac und Ibuprofen lindern Schmerzen und Entzündungen.
    • Kortikosteroide: In schweren Fällen können Kortikosteroide (Kortison) eingesetzt werden, um die Entzündung zu unterdrücken.
    • DMARDs: Bei chronischem Verlauf können sogenannte DMARDs (Disease-Modifying Antirheumatic Drugs) wie Sulfasalazin oder Methotrexat eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Begleitend können physiotherapeutische Maßnahmen wie Kälte- und Wärmeanwendungen, Bewegungsübungen und Manualtherapie eingesetzt werden.

Prognose

Die reaktive Arthritis heilt meist innerhalb weniger Monate von selbst aus. In einigen Fällen kann die Erkrankung jedoch längerfristig bestehen oder zu Rückfällen führen. Patienten mit dem HLA-B27-Merkmal haben ein höheres Risiko für einen schwereren und chronischen Verlauf.

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Rheuma und Augenentzündungen: Ein möglicher Zusammenhang

"Rheuma" ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen, die vor allem den Bewegungsapparat betreffen. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie Spondylarthropathien (z.B. Morbus Bechterew), juvenile idiopathische Arthritis oder Psoriasis-Arthritis können auch die Augen beeinträchtigen.

Wie Rheuma das Auge beeinflussen kann

Bei rheumatischen Erkrankungen kann es zu einer Störung des Immunsystems kommen, bei der der Körper eigenes Gewebe angreift. Am Auge können alle Strukturen von den entzündlichen Prozessen betroffen sein, von der Zerstörung der Tränendrüse bis zur Schädigung der Strukturen im Inneren des Auges. Häufig ist die Uvea betroffen, die Regenbogenhaut (Iris), den Strahlenkörper (Ziliarkörper) und die Aderhaut (Choroidea) umfasst.

Symptome von Augenentzündungen bei Rheuma

Die Beschwerden können vielfältig sein und reichen von brennenden Augen mit Fremdkörpergefühl und einem roten Auge bis zu Schmerzen und unscharfem Sehen. Kinder äußern oft keine Beschwerden, weshalb regelmäßige Kontrollen wichtig sind. Je nachdem, welcher Augenabschnitt betroffen ist, spricht man von anteriorer (Iritis), intermediärer (Glaskörperentzündung), posteriorer Uveitis (Netzhautentzündung) oder Panuveitis.

Komplikationen von Augenentzündungen bei Rheuma

Bei chronischem Verlauf können Komplikationen wie Verklebungen der Regenbogenhaut mit der Linse, Linsentrübung (grauer Star), erhöhter Augendruck und Flüssigkeitseinlagerungen in der Netzhaut (Makulaödem) auftreten.

Diagnose und Behandlung von Augenentzündungen bei Rheuma

Die Diagnose erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Augenärzten, Rheumatologen, Internisten und Kinderärzten. Bei der Behandlung werden Kortison-haltige Augentropfen zur Pupillenerweiterung eingesetzt. Bei schwereren Entzündungen kann Kortison auch systemisch in Tablettenform oder als Spritze unter die Bindehaut oder hinter das Auge verabreicht werden. Bei häufig wiederkehrenden Entzündungen können immunmodulierende Behandlungen mit Methotrexat oder Cyclosporin A in Betracht gezogen werden.

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Neue Behandlungsmöglichkeiten: Biologika

Fortschritte in der Behandlung rheumatologischer Erkrankungen ermöglichen innovative Ansätze mit Biologika, insbesondere TNF-α-Hemmern wie Infliximab und Adalimumab. Diese Medikamente greifen gezielt in die Entzündungsreaktion ein und können das Wiederaufflammen der Augenentzündung verhindern.

Multiple Sklerose (MS) und ihre Auswirkungen auf Augen und Gelenke

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft. Obwohl MS primär das Nervensystem betrifft, können die Symptome vielfältig sein und auch Augen und Gelenke betreffen.

Wie MS Augen und Gelenke beeinflussen kann

Bei MS werden die Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark durch Entzündungen beschädigt. Diese Schädigungen können die Nervenimpulse stören, die für die Steuerung von Muskeln und Sinnesorganen verantwortlich sind.

  • Augen: Sehstörungen sind häufige Symptome von MS. Eine Entzündung des Sehnervs (Neuritis nervi optici) kann zu verschwommenem Sehen, gestörtem Farbensehen oder Doppelbildern führen. Auch Augenbewegungsstörungen können auftreten.
  • Gelenke: Obwohl MS keine primäre Gelenkerkrankung ist, können Schmerzen in den Armen und Beinen auftreten. Diese Schmerzen können durch Muskelverspannungen, Spastik oder Nervenschädigungen verursacht werden.

Symptome von MS, die Augen und Gelenke betreffen können

  • Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, Doppelbilder, Schmerzen beim Bewegen der Augen, Lichtblitze oder Gesichtsfeldausfälle.
  • Schmerzen: Arm- und Beinschmerzen, die morgens nach dem Aufstehen besonders stark sein können.
  • Motorische Störungen: Schwierigkeiten beim Gehen, Stehen oder Greifen.
  • Spastik: Muskelverspannungen und Steifheit, die zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen können.

Diagnose von MS

Die Diagnose von MS ist oft komplex und erfordert eine sorgfältige Untersuchung durch einen Neurologen.

  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Nervenfunktion, einschließlich der Sehfähigkeit, Muskelkraft, Koordination und Reflexe.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT des Gehirns und Rückenmarks kann Läsionen (Entzündungsherde) zeigen, die typisch für MS sind.
  • Liquoruntersuchung: Eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) kann oligoklonale Banden nachweisen, die auf entzündliche Prozesse im Gehirn hindeuten.
  • Ausschluss anderer Ursachen: Es ist wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können.

Behandlung von MS

MS ist nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Behandlungen, die den Verlauf der Erkrankung verlangsamen und die Symptome lindern können.

  • Schubtherapie: Bei akuten Schüben werden Kortikosteroide eingesetzt, um die Entzündung zu reduzieren.
  • Basistherapie: Medikamente wie Interferone, Glatirameracetat oder Dimethylfumarat können den Verlauf der Erkrankung verlangsamen und die Anzahl der Schübe reduzieren.
  • Symptomatische Therapie: Medikamente und Therapien zur Linderung der Symptome, wie Schmerzmittel, Muskelrelaxantien, Physiotherapie und Ergotherapie.

Weitere Ursachen für Gelenkschmerzen und Sehstörungen

Neben den genannten Erkrankungen gibt es weitere mögliche Ursachen für Gelenkschmerzen in Verbindung mit Sehstörungen:

  • Lupus erythematodes: Diese Autoimmunerkrankung kann Entzündungen in verschiedenen Organen verursachen, einschließlich Gelenken und Augen. Typisch ist ein schmetterlingsförmiger Hautausschlag im Gesicht.
  • Riesenzellarteriitis: Diese rheumatische Gefäßerkrankung betrifft vor allem ältere Menschen und kann zu starken Kopfschmerzen, Sehstörungen und Kauschmerzen führen.
  • Infektionen: Bestimmte Infektionen, wie Lyme-Borreliose, können sowohl Gelenkschmerzen als auch neurologische Symptome verursachen.

Kopfschmerzen und Augenschmerzen: Ein häufiges Zusammenspiel

Kopf- und Augenschmerzen können eng miteinander verbunden sein und verschiedene Ursachen haben.

Ursachen von Kopf- und Augenschmerzen

  • Überanstrengung der Augen: Langes Lesen, Bildschirmarbeit, eine falsch eingestellte Brille oder eine nicht korrigierte Fehlsichtigkeit können die Augenmuskeln anstrengen und Kopfschmerzen verursachen.
  • Verspannungen: Verspannungen der Halsmuskeln oder Veränderungen an den Halswirbeln können ebenfalls Kopfschmerzen im Bereich der Augen, Stirn und Schläfen verursachen.
  • Erkrankungen des Auges: Grüner Star (Glaukom) oder Entzündungen des Sehnervs können Augenschmerzen und Kopfschmerzen verursachen.
  • Migräne: Migräne kann mit Sehstörungen wie Augenflimmern oder Lichtblitzen einhergehen.
  • Clusterkopfschmerzen: DieseForm von Kopfschmerz geht oft mit Augentränen, einer verstopften Nase und einem hängenden Augenlid einher.

Was Sie bei Kopf- und Augenschmerzen tun können

  • Arbeitsplatz optimieren: Achten Sie auf eine gute Ergonomie am Arbeitsplatz, um Verspannungen zu vermeiden.
  • Pausen einlegen: Gönnen Sie Ihren Augen regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit.
  • Fehlsichtigkeit korrigieren: Lassen Sie Ihre Augen regelmäßig überprüfen und passen Sie Ihre Brille oder Kontaktlinsen gegebenenfalls an.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Verspannungen zu lösen.
  • Schmerzmittel: Bei Bedarf können rezeptfreie Schmerzmittel eingenommen werden.
  • Arzt aufsuchen: Bei plötzlich auftretenden und sehr starken Kopf- und Augenschmerzen sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

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