Die Ankunft eines Babys ist ein überwältigendes Ereignis, das jedoch oft von Erwartungen, Druck und Stress begleitet wird, insbesondere beim Stillen. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Stress und Stillen, gibt praktische Tipps zur Stressbewältigung und zeigt, wie Stillen selbst zur Stressregulation beitragen kann.
Stress und Stillen: Ein Teufelskreis?
Viele Mütter, die stillen möchten, geraten unter Druck, wenn es nicht sofort reibungslos funktioniert. Verständlicherweise möchten sie ihrem hungrigen Säugling sofort geben, was er braucht. Diese Situation wirft die Frage auf, wie Stillen und psychischer Stress zusammenhängen.
Stress kann tatsächlich Stillprobleme wie Brustentzündungen, eine zu geringe Milchproduktion oder Milchstau verursachen. Der Milchspendereflex, der durch das Saugen des Babys oder sogar durch das Anschauen des Babys ausgelöst wird, ist sehr empfindlich. In diesem Moment wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Stress kann diesen Reflex hemmen. Ursprünglich war dies ein Schutzmechanismus, der in Gefahrensituationen den Milchfluss stoppte, damit sich die Mutter in Sicherheit bringen konnte. Heutzutage ist es der Dauerstress, der durch eigene Erwartungen und den Druck von außen entsteht, der diesen Mechanismus beeinträchtigt. Versagensängste und Störungen können zusätzlichen Druck erzeugen.
Was können gestresste Mütter tun?
Vertrauen und Ruhe bewahren
Es gibt meist keinen Grund anzunehmen, dass das Stillen nicht klappen wird. Unter normalen Umständen bringen Mütter alles mit, was sie zum Stillen benötigen. Der Säugling ist ein Experte, der genau weiß, was zu tun ist. Haben Sie Vertrauen und bewahren Sie Ruhe, auch wenn es mal nicht klappt. Tief ein- und ausatmen und es nochmals versuchen oder eine Pause einlegen.
Entspannungstechniken für Körper und Geist
Um zu entspannen, ist es wichtig, den Körper zu entspannen und für eine ruhige und angenehme Atmosphäre zu sorgen. Nehmen Sie eine entspannte und bequeme Position ein, schalten Sie das Handy aus, machen Sie sanfte Musik an und dimmen Sie das Licht.
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Still-Tipps zur Entspannung:
- Bequeme Haltung: Testen Sie verschiedene Stillpositionen und verwenden Sie ein Stillkissen, um Arme und Schultern zu entlasten. Achten Sie auf eine entspannte Haltung und lassen Sie die Schultern bewusst sinken.
- Atemübung: Atmen Sie langsam ein, lassen Sie den Atem in den Bauch fließen und zählen Sie dabei langsam bis vier. Atmen Sie langsam aus, lassen Sie alle Atemluft entweichen und zählen Sie dabei langsam bis acht.
- Berührungen: Sanfte Brustmassagen vor dem Stillen können den Milchfluss fördern. Reiben Sie die Hände aneinander, bis sie warm sind, und streichen Sie mit kreisenden Bewegungen von der Achselhöhle zur Brustwarze.
- Angenehme Umgebung: Schaffen Sie eine ruhige und angenehme Umgebung. Verwenden Sie Noise-Cancelling-Kopfhörer, um störende Geräusche auszublenden.
- Positive Gedanken: Beobachten Sie Ihr inneres Selbstgespräch und ersetzen Sie Stress verstärkende Gedanken durch positive.
Ehrlich sein und Hilfe annehmen
Seien Sie ehrlich zu Ihrer Familie, zu Freunden und zu sich selbst. Wenn Ihnen alles zu viel wird, sagen Sie es. Nehmen Sie Hilfe an, wenn sie Ihnen angeboten wird, oder fragen Sie danach.
Umgang mit Stillproblemen
- Stillprobleme: Holen Sie sich Unterstützung bei einer Stillberaterin.
- Körperliche Beschwerden: Ihre Hebamme oder Gynäkologin stehen Ihnen zur Seite.
- Unruhiges Baby: Haut-zu-Haut-Kontakt beruhigt und fördert das Stillen. Stellen Sie sicher, dass Ihr Baby genügend Milch bekommt. Auch Osteopathie oder psychologische Begleitung können helfen.
- Druck von außen: Setzen Sie klare Grenzen und hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.
Stillen als Stressregulation
Auch wenn die Stillzeit stressig sein kann, hat das Stillen selbst einen positiven Effekt auf den mütterlichen Stress. Es hilft, die Herausforderungen der Elternschaft zu bewältigen, indem es den körperlichen Stress reduziert. Studien zeigen, dass Stillen die Sensibilität der Mutter gegenüber den Signalen ihres Babys erhöht und zu mehr Tiefschlaf verhilft. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Stillen das Risiko einer postpartalen Depression verringern kann, da bei nicht depressiven Müttern höhere Oxytocinspiegel festgestellt wurden.
Was tun, wenn es nicht mit dem Stillen klappt?
Es ist wichtig zu wissen, dass es in Ordnung ist, wenn es mit dem Stillen nicht klappt. Vielleicht haben Sie alles Mögliche versucht, um stillen zu können. Denken Sie daran, dass alle diese Bemühungen viel mehr Anstrengung erforderten als eine eingespielte Stillbeziehung. Sie haben damit sehr viel für Ihr Baby getan.
Alternativen zur Förderung der Mutter-Kind-Bindung
- Füttern Sie Ihr Baby immer in Ihrem Arm, nahe an Ihrer Brust.
- Tragen Sie Ihr Baby so viel wie möglich am Körper.
- Lassen Sie Ihr Baby in der Nacht in Ihrem Bett schlafen.
- Baden Sie mit Ihrem Baby zusammen.
- Gehen Sie freiwillig keine Trennung von Ihrem Baby ein, die länger als einige Stunden dauert.
Unterstützung für Väter
Auch Väter erleben in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett Ausnahmesituationen. Sie können ihre Frau beim Stillen unterstützen, indem sie Ruheräume schaffen, Getränke und gutes Essen bereitstellen, den Haushalt schmeißen und die Babypflege übernehmen. Es ist wichtig, die Partnerin in ihren Entscheidungen zu unterstützen und ihr gut zuzureden.
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