Der Begriff Schlaganfall ist irreführend, da er aus einer Zeit stammt, in der die Entstehung dieses Krankheitsbildes noch nicht bekannt war. Betroffene schienen plötzlich "wie vom Schlag getroffen" nicht mehr sprechen, sehen oder gehen zu können. In den meisten Fällen steckt hinter einem Schlaganfall eine akute Durchblutungsstörung von Teilen des Gehirns, ein Hirninfarkt, bei dem ein Gebiet von Nervenzellen abstirbt. Ob ein Hirninfarkt zu einem Schlaganfall mit Beschwerden und Folgeerscheinungen führt, hängt von der betroffenen Hirnregion ab.
Genauso wie am Herzen können auch im Gehirn "stumme" oder "stille" Infarkte entstehen, die keine oder nur geringe Symptome verursachen. Diese lakunären Infarkte entstehen überwiegend im Bereich der Endverzweigungen der Blutgefäßversorgung in tiefer liegenden Hirnregionen. Obwohl sie keinen "Schlag" verursachen, sind sie nicht weniger gefährlich.
Ursachen stummer Hirninfarkte
Der stumme Hirninfarkt ist überwiegend eine Folge alternder Blutgefäße und tritt daher häufiger im höheren Lebensalter auf. Schon bei 40-Jährigen können stumme Infarkte nachgewiesen werden, und bei den über 80-Jährigen sind etwa ein Viertel der Menschen betroffen. Wie in anderen Körperregionen hinterlässt das Absterben von Gewebe eine Narbe. Die empfindlichste Methode zur Erkennung von Narben im Gehirn ist die Magnetresonanz-Tomografie (MRT).
Der größte Risikofaktor für große, lähmende Schlaganfälle, stumme Schlaganfälle und vaskuläre Demenz ist Bluthochdruck. Erhöhte Blutdruckwerte im mittleren Lebensalter erhöhen die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer Demenz im höheren Alter um das vier- bis fünffache. Weitere Risikofaktoren sind Lebensstilfaktoren wie Rauchen, ungesunde Ernährung, mangelnde Bewegung, Übergewicht, Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte.
Symptome und Diagnose
Häufigster Anlass zur Durchführung einer MRT ist das Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit, um zu klären, ob eine Demenz vorliegt. Es erscheint einleuchtend, dass das Absterben von Nervenzellen im Gehirn mit einem Leistungsverlust einhergeht. Früher sprachen Neurologen von einer Post-Infarkt-Demenz, heute allgemeiner von einer vaskulären Demenz, da die Ursache für die Hirninfarkte in einer Veränderung der Hirnarterien liegt.
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Manche Symptome sind nur vorübergehend, und wenn ein solcher Schlaganfall im Schlaf passiert, spüren die Betroffenen beim Aufwachen nichts mehr. Der Schlaganfall kann auch in einer Hirnregion auftreten, in der keine kritischen Funktionen verortet sind, deren kleiner Ausfall besonders auffällt. Erst wenn sehr viele kleine stumme Infarkte auftreten, werden Symptome wie Gedächtnisstörungen, Wesensänderungen oder Gangstörungen bemerkt. Manche Patienten nehmen solche Symptome aber auch schlicht nicht wahr oder wollen sie nicht wahrnehmen. In Studien fand man heraus, dass sie mindestens fünfmal häufiger sind. Das ist auch abhängig vom Alter.
Die Folgen des stummen Infarktes sind zunächst ein allgemein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, d.h. der „stumme“ Schlaganfall kann ein Vorbote eines weiteren, offensichtlichen Schlaganfalls sein.
Therapie und Rehabilitation
Eine konsequente Behandlung des Bluthochdruckes ist die beste Maßnahme, um das Auftreten einer Demenz zu verhindern. Damit ist nicht zwangsläufig eine Behandlung mit Medikamenten gemeint. Viel wirksamer - und zwar je früher desto besser - ist körperliche (sportliche) Aktivität. Beobachtungsstudien haben bewiesen, dass eine Blutdrucksenkung durch Sport auch mit einer Senkung des Risikos für Schlaganfall und Demenzerkrankungen verbunden ist. Wir wissen, dass viele Schlaganfälle vermeidbar oder in ein späteres Lebensalter verschiebbar sind. Sie gehen zurück auf bestimmte Lebensstilfaktoren wie Rauchen, ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung. Damit einher gehen häufig Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte.
Während des Aufenthalts in der Akutklinik wird der behandelnde Arzt mit Ihnen bzw. Ihren Angehörigen die weitere Behandlung besprechen. Ein großer Teil der Schlaganfall-Patienten absolviert nach der Akutklinik eine Rehabilitation, meistens stationär in einer Rehabilitationsklinik. Für ältere Schlaganfall-Patienten kommen grundsätzlich zwei medizinische Fachrichtungen in Frage: die neurologische und die geriatrische Rehabilitation. Neurologen empfehlen in der Regel die Rehabilitation in einer neurologischen Fachklinik, da Patienten hier deutlich mehr Therapie-Einheiten erhalten. Studien konnten nachweisen, dass hiervon auch ältere Patienten profitieren.
Neben der stationären Rehabilitation gibt es ambulante Rehabilitationszentren. Diese haben den Vorteil, dass Patienten abends und am Wochenende Zuhause sind und im heimischen Umfeld erproben können, ob das Training mit den Therapeuten sie gut auf die Aktivitäten ihres täglichen Lebens vorbereitet. Für die ambulante Rehabilitation müssen Patienten in der Lage sein, sich selbst zu versorgen oder die Versorgung im heimischen Umfeld muss durch Angehörige und/oder einen Pflegedienst gesichert sein.
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Der Ablauf einer stationären neurologischen Rehabilitation ist in allen Kliniken vergleichbar. Nach einer Eingangsuntersuchung und einem Aufnahmegespräch werden Therapieziele formuliert und ein Therapieplan erstellt. Das Ziel der Rehabilitation ist, verlorengegangene Funktionen so weit wie möglich wiederherzustellen oder Kompensationsstrategien einzuüben. Ein weiteres Ziel der Reha ist es, Patienten bei einer notwendigen Umstellung des Lebensstils zu unterstützen, um einen wiederholten Schlaganfall zu vermeiden. Zum Ende der Rehabilitation wird das Behandlungsteam mit Ihnen bzw. Ihrem Angehörigen die weitere, ambulante Versorgung besprechen und ggfs. erste Schritte in die Wege leiten.
Neurologische Rehabilitation ist in der Regel harte Arbeit für den Patienten. Die körperliche Rehabilitation erfordert viel Fleiß, Willen und ständige Wiederholung, damit das Gehirn lernt. Die Therapie-Einheiten allein sind in der Regel nicht ausreichend.
Prävention und Lebensstiländerung
Da viele Schlaganfälle vermeidbar oder in ein späteres Lebensalter verschiebbar sind, ist die Prävention von entscheidender Bedeutung. Dies beinhaltet die Reduzierung von Risikofaktoren durch Lebensstiländerungen:
- Blutdruckkontrolle: Eine konsequente Behandlung von Bluthochdruck ist essenziell.
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige sportliche Betätigung senkt den Blutdruck und das Risiko für Schlaganfall und Demenz.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse trägt zur Gefäßgesundheit bei.
- Nichtrauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Schlaganfallrisiko.
- Gewichtsmanagement: Übergewicht erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte.
- Diabeteskontrolle: Eine gute Blutzuckereinstellung ist wichtig, um Gefäßschäden zu vermeiden.
- Cholesterinspiegel: Erhöhte Cholesterinwerte sollten behandelt werden.
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