Erhöhter Dopaminausstoss: Ursachen, Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten

Dopamin, oft als "Glückshormon" bezeichnet, ist ein Neurotransmitter, der eine zentrale Rolle in verschiedenen Funktionen des menschlichen Körpers spielt. Es beeinflusst Stimmung, Motivation, Konzentration, Bewegung und das Belohnungssystem im Gehirn. Ein Ungleichgewicht im Dopaminhaushalt, sei es ein Mangel oder ein Überschuss, kann zu einer Vielzahl von Problemen und Erkrankungen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für einen erhöhten Dopaminausstoss, die damit verbundenen Auswirkungen und mögliche Behandlungsansätze.

Dopamin: Ein Überblick

Dopamin ist ein Botenstoff, der die Kommunikation zwischen Nervenzellen ermöglicht. Es wird bei anregenden Tätigkeiten verstärkt ausgeschüttet und spielt eine wichtige Rolle beim Belohnungslernen. Situationen, die mit Belohnungen einhergehen, werden durch Dopamin markiert und im Suchtgedächtnis abgespeichert. Ein Dopamin-Hoch führt zu einer selektiven Aufmerksamkeit, wodurch Dinge, die mit Dopamin markiert wurden, immer wichtiger werden.

Ursachen für einen erhöhten Dopaminausstoss

Ein erhöhter Dopaminausstoss kann verschiedene Ursachen haben, die sowohl physiologischer als auch pathologischer Natur sein können.

Akuter Stress

Akuter Stress ist durch erhöhte Dopaminspiegel im präfrontalen Kortex (PFC) und Striatum/Nucleus accumbens gekennzeichnet.

Genetische Faktoren

Genetische Faktoren können eine Rolle bei der Regulierung des Dopaminspiegels spielen. Beispielsweise bewirkt das 7-repeat-Allel des DRD4, dass die Empfindlichkeit des D4-Dopaminrezeptors (DRD4) für Dopamin verringert ist. Bestimmte Genpolymorphismen des DAT-Gens (Dopamintransporter-Gens) scheinen ebenfalls zu ADHS beizutragen. Häufig genannt werden 9R und 10R.

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Umwelteinflüsse

Umwelteinflüsse, insbesondere chronischer Stress in der frühen Kindheit, können die Gehirnentwicklung beeinträchtigen und zu dauerhaften Veränderungen der Neurotransmitterspiegel führen. Wiederholter akuter Stress oder chronischer Stress, insbesondere in Phasen von Gehirnentwicklungsschüben, kann dauerhafte Schäden auslösen. Besonders vulnerable Lebensalter sind ab Zeugung bis 3 Jahre und in der Pubertät.

Drogenkonsum

Substanzen wie Kokain und Amphetamine können den Dopaminspiegel im Gehirn drastisch erhöhen. Kokain beispielsweise führt zu einem pulsartigen Anstieg des Dopamins, der bedeutend höher ist als bei natürlichen Belohnungseffekten.

Medikamente

Bestimmte Medikamente, insbesondere Antipsychotika, können bei Langzeitverabreichung und hoher Dosierung zu einer Heraufregulation von Dopamin-D2-Rezeptoren im Gehirn und somit zu einer Dopamin-Supersensitivität führen.

Suchtverhalten

Suchtverhalten, sowohl Substanz- als auch Verhaltenssüchte, können zu einer ständigen Aktivierung des Dopaminsystems führen. Soziale Medien nutzen beispielsweise unser Belohnungssystem des Gehirns und können in Extremfällen zu einer Ähnlichkeit mit klassischen Abhängigkeiten führen.

Auswirkungen eines erhöhten Dopaminausstosses

Ein erhöhter Dopaminausstoss kann sowohl kurzfristige als auch langfristige Auswirkungen auf den Körper und die Psyche haben.

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Kurzfristige Auswirkungen

  • Erhöhte Aufmerksamkeit und Motivation: Dopamin fördert die selektive Aufmerksamkeit und steigert die Motivation, was zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit führen kann.
  • Euphorie und Glücksgefühle: Ein Dopaminüberschuss kann zu euphorischen Gefühlen und einem gesteigerten Wohlbefinden führen.
  • Erhöhte Erregbarkeit: Ein erhöhter Dopaminspiegel kann zu innerer Unruhe und Schlafstörungen führen.

Langfristige Auswirkungen

  • Dopamin-Supersensitivität: Eine langfristige Überstimulation des Dopaminsystems kann zu einer Dopamin-Supersensitivität führen, bei der die Dopaminrezeptoren im Gehirn überempfindlich werden.
  • Psychosen: Hohe Dopaminwerte werden mit seelischen Erkrankungen wie Psychosen und Schizophrenie in Verbindung gebracht.
  • Suchtverhalten: Ein ständiger Dopaminüberschuss kann zu Suchtverhalten führen, da das Gehirn immer mehr von der stimulierenden Substanz oder Tätigkeit verlangt.
  • Abstumpfung des Dopaminsystems: Wer in jeder Pause im Alltag durch Instagram scrollt und jeden Abend eine Verabredung hat, für den sind das Scrollen auf Social Media und auch die Verabredungen irgendwann weniger „besonders“, sie sorgen für weniger Befriedigung. „Das kann im Laufe der Zeit zu einer Art Abstumpfung des Dopaminsystems führen.“

Dopamin und ADHS

Die Rolle von Dopamin bei ADHS ist komplex und nicht vollständig verstanden. Die Fachliteratur geht davon aus, dass ADHS durch verringerte Dopamin- und Noradrenalinspiegel im PFC und Striatum / Nucleus accumbens gekennzeichnet ist. Es gibt jedoch auch Tiermodelle mit überhöhtem Dopaminspiegel, die ADHS-Symptome zeigen. Nach einer Auffassung haben ADHS-Betroffene zu viele DAT im Striatum, was mit dem Alter zurückgeht. Dies führt zu einem Mangel an Dopamin.

Dopamin und Sucht

Dopamin spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Suchtverhalten. Dopamin hat die Aufgabe, auf mögliche Belohnungen hinzuweisen, also eine belohnungsankündigende Wirkung. Das spielt beim Belohnungslernen eine große Rolle. Wenn wir etwas Positives erleben, dann wird Dopamin ausgeschüttet und markiert diese Situation als wichtig. Situationen, die mit Belohnungen einhergehen, werden gewissermaßen durch das Dopamin gelikt und dann im Suchtgedächtnis abgespeichert als etwas, das mit Belohnung verbunden ist.

Behandlungsmöglichkeiten bei einem erhöhten Dopaminausstoss

Die Behandlung eines erhöhten Dopaminausstosses hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.

Medikamentöse Behandlung

  • Antipsychotika: Bei Psychosen und Schizophrenie können Antipsychotika eingesetzt werden, um den Dopaminspiegel im Gehirn zu senken.
  • Dopamin-Partialagonisten: Partialagonisten sind in der Lage, heraufregulierte Dopaminrezeptoren wieder zu reduzieren und induzieren selbst keine Dopamin-Supersensitivität.

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Dopamin-Detox: Beim „Dopamin Detox“, auch Dopaminfasten genannt, zieht man sich für eine bestimmte Zeit in eine möglichst ruhige Umgebung zurück und vermeidet alles, was sonst eine Dopaminausschüttung stimuliert.
  • Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, Suchtverhalten zu bewältigen und gesunde Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
  • Ernährung und Bewegung: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung können dazu beitragen, den Dopaminhaushalt zu stabilisieren.
  • Stressmanagement: Der Abbau von chronischem Stress kann die Produktion von Dopamin fördern.

Tipps zur Förderung eines gesunden Dopaminhaushalts

Um einen gesunden Dopaminhaushalt zu fördern, können folgende Tipps hilfreich sein:

  • Ausreichend Schlaf: Schlafmangel kann das Dopaminsystem durcheinanderbringen. Ausreichend Schlaf ist sehr wichtig für den Körper und das Gehirn insgesamt - er kann vermutlich auch helfen, den Dopaminhaushalt zu stabilisieren.
  • Regelmäßige Bewegung: Bereits nach 10 Minuten Bewegung kommt es zur Ausschüttung von Dopamin, und nach 20 Minuten ist die Konzentration an Dopamin am höchsten.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, insbesondere die mediterrane Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse, Olivenöl und Fisch sowie weißem Fleisch, hat eine stabilisierende Wirkung auf das Nervensystem.
  • Entspannungstechniken: Das Praktizieren von Entspannungstechniken wie Meditation und Yoga kann helfen, Stress abzubauen und den Dopaminhaushalt zu regulieren.
  • Sonne tanken: Sonnenstrahlen fördern die Herstellung von Dopamin.
  • Genuss von Musik: Die Hirnaktivität im Belohnungszentrum ist reich an Dopaminrezeptoren und wird dabei angesprochen.
  • Vermeidung von Suchtverhalten: Der Konsum von Suchtmitteln und exzessive Nutzung von sozialen Medien sollten vermieden werden, um eine ständige Aktivierung des Dopaminsystems zu verhindern.

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