Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die oft mit einer Vielzahl von Symptomen einhergeht, darunter auch Stimmungsstörungen wie Depressionen und Angstzustände. Die Behandlung dieser psychischen Begleiterscheinungen ist ein wichtiger Bestandteil der umfassenden Versorgung von MS-Patienten. Dieser Artikel untersucht die Wirksamkeit verschiedener Stimmungsaufheller bei MS, beleuchtet alternative Therapieansätze und gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse.
Einführung in Stimmungsstörungen bei Multipler Sklerose
Stimmungsstörungen sind bei MS-Patienten weit verbreitet und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Depressionen, Angstzustände, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen sind häufige Symptome, die durch die neurologischen Auswirkungen der Erkrankung, die damit verbundenen körperlichen Einschränkungen und die psychische Belastung durch die chronische Erkrankung verursacht werden können.
Es ist wichtig zu beachten, dass Stimmungsstörungen bei MS nicht einfach als Reaktion auf die Krankheit abgetan werden sollten. Sie können eine eigenständige Erkrankung darstellen, die eine gezielte Behandlung erfordert. Eine frühzeitige Diagnose und adäquate Therapie sind entscheidend, um das Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern und die Krankheitsbewältigung zu unterstützen.
Konventionelle Antidepressiva bei Multipler Sklerose
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Fluoxetin, Paroxetin, Citalopram, Escitalopram und Sertralin sind häufig verschriebene Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen bei MS. Diese Medikamente wirken, indem sie die Verfügbarkeit von Serotonin im Gehirn erhöhen, einem Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei der Stimmungsregulation spielt.
Obwohl SSRI im Allgemeinen als wirksam und sicher gelten, können sie auch Nebenwirkungen verursachen, darunter Übelkeit, Verdauungsstörungen, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen und Gewichtszunahme. Bei älteren Menschen mit chronischen Schmerzen können laut Experten zum Beispiel Dronabinol-Tropfen in niedriger Dosis sinnvoll sein. Denn die enthaltenen Cannabinoide wirken auf den Körper und die Psyche. Sie lindern Schmerzen, hellen die Stimmung auf, sorgen für einen besseren Schlaf und erhöhen so die Lebensqualität.
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Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit von Antidepressiva bei MS-Patienten nicht immer eindeutig belegt ist. Eine Studie zeigte, dass Antidepressiva bei Demenzpatienten etwa 60 Prozent häufiger unerwünschte Wirkungen verursachten als Placebo. Daher ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich, bevor eine Behandlung mit Antidepressiva begonnen wird.
Alternative Stimmungsaufheller und Therapieansätze
Neben konventionellen Antidepressiva gibt es eine Reihe von alternativen Stimmungsaufhellern und Therapieansätzen, die bei MS-Patienten in Betracht gezogen werden können. Dazu gehören:
1. Pflanzliche Stimmungsaufheller
- Johanniskraut: Johanniskraut ist ein bekanntes pflanzliches Mittel zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen. Es wirkt, indem es die Verfügbarkeit von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn erhöht.
- Brahmi (Bacopa monnieri): Brahmi ist ein ayurvedisches Kraut, das traditionell zur Verbesserung der geistigen Funktionen und zur Stressreduktion eingesetzt wird. Einige Studien deuten darauf hin, dass Brahmi die Cortisolausschüttung verringern und den Abbau von Serotonin und Dopamin reduzieren kann. Brahmi ist mit seiner nervenzellenschützenden und serotoninharmonisierenden Wirkung einer der besten natürlichen Stimmungsaufheller des Ayurveda.
- Passionsblume und Baldrian: Diese Heilpflanzen haben sich in Kombination als wirksam bei nervösen Störungen und Verstimmungszuständen erwiesen.
2. Cannabis-Therapie
Aufgrund der zunehmenden Forschung zur medizinischen Cannabistherapie hat der Einsatz dieser Option große Aufmerksamkeit erlangt. In Deutschland können Menschen mit bestimmten Krankheiten eine Cannabistherapie in Anspruch nehmen. Dazu gehören chronische Schmerzen, Multiple Sklerose, Epilepsie, das Tourette-Syndrom, Übelkeit nach einer Chemotherapie, Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit bei Krebspatienten sowie bestimmte psychische Störungen wie PTBS und Angstzustände.
Cannabis enthält mehr als 100 Wirkstoffe. Cannabis hat Vorteile, die andere Wirkstoffe nicht haben: Der Körper produziert selbst ganz ähnliche Stoffe, die sogenannten Endocannabinoide. Sie entfalten ihre Wirkung über verschiedene Rezeptoren, die auch für eingenommene Cannabis-Wirkstoffe empfänglich sind. Der Rezeptor CB1 kommt im zentralen Nervensystem und vielen anderen Organen vor, lindert Angst, Stress, Unruhe und Schmerzen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Cannabistherapie nicht für jeden geeignet ist und mit Risiken verbunden sein kann, darunter Suchtgefahr und psychische Nebenwirkungen. Daher sollte sie nur unter ärztlicher Aufsicht und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden.
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3. Psychotherapie
Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie (KVT), kann eine wirksame Behandlung für Stimmungsstörungen bei MS sein. KVT hilft den Patienten, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern, um ihre Stimmung und ihr Wohlbefinden zu verbessern.
4. Bewegung und Sport
Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Freisetzung von Endorphinen fördern, den sogenannten "Glückshormonen", und dazu beitragen, die Stimmung zu heben. Bewegung kann auch Stress reduzieren, die Schlafqualität verbessern und das Selbstwertgefühl steigern.
5. Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung, reich an Nährstoffen, kann dazu beitragen, das körperliche Wohlgefühl zu steigern. Vermeiden sollte man insbesondere übermäßigen Konsum von zucker- und kohlenhydratreichen Lebensmitteln, da sie Blutzuckerschwankungen verursachen können.
6. Soziale Unterstützung
Der soziale Rückzug ist ein klassisches Anzeichen für Depressionen. Eine starke soziale Unterstützung durch Freunde, Familie oder Selbsthilfegruppen kann dazu beitragen, mit Stimmungsstörungen umzugehen und das Gefühl der Isolation zu reduzieren.
Die Rolle von Ananas und Bromelain
Die Ananas enthält eine ganze Reihe von sekundären Pflanzenstoffen, die sich ebenfalls positiv auf die Gesundheit auswirken. Dazu zählen vordergründig phenolische Verbindungen und Carotinoide. Die phenolischen Verbindungen sind im Schnitt zu rund 40 Prozent für den antioxidativen Effekt der Ananas verantwortlich. Wirkt gegen Entzündungen sowie oxidativen Stress. Schützt laut einer Studie an der University of Pavia die Nervenzellen und wirkt bei Leiden wie Alzheimer dem Untergang von Nervenzellen entgegen.
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Bromelain ist ein Enzym, das in der Ananaspflanze vorkommt und entzündungshemmende, antioxidative und verdauungsfördernde Eigenschaften hat. Es gibt Hinweise darauf, dass Bromelain bei der Behandlung von Entzündungen, Schmerzen und Verdauungsstörungen hilfreich sein kann, die häufig mit MS einhergehen.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Forschung zur Wirksamkeit von Ananas und Bromelain bei MS begrenzt ist. Weitere Studien sind erforderlich, um die potenziellen Vorteile und Risiken dieser natürlichen Substanzen besser zu verstehen.
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