Stoßwellentherapie bei Nerven: Anwendung und Wirkung

Die Stoßwellentherapie, auch bekannt als extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT), hat sich in den letzten Jahren zu einer vielversprechenden Behandlungsoption für verschiedene muskuloskelettale Erkrankungen entwickelt. Ursprünglich zur Zertrümmerung von Nierensteinen entwickelt, wird sie heute auch erfolgreich bei der Behandlung von Sehnenentzündungen, Fersensporn, Kalkschulter und schlecht heilenden Knochenbrüchen eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung der Stoßwellentherapie, insbesondere im Hinblick auf ihre Wirkung auf Nerven, sowie die verschiedenen Aspekte dieser Behandlungsmethode.

Was ist Stoßwellentherapie?

Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) ist eine nicht-invasive Behandlungsmethode, bei der energiereiche Schallwellen außerhalb des Körpers erzeugt und auf den zu behandelnden Bereich gerichtet werden. Diese Wellen setzen in tiefer gelegenen Körperregionen gezielt Energie frei, ohne die darüber liegende Haut, das Fettgewebe oder die Muskeln zu beschädigen.

Stoßwellen sind kurze, energiereiche mechanisch-akustische Wellen, die sich durch Wasser oder wasserhaltige Gewebe ohne Abschwächung fortleiten. Auch elastische Körpergewebe wie Muskeln und Fettgewebe leiten die Stoßwellen weiter. Erst wenn die Stoßwelle auf feste Gewebsbestandteile trifft, wie Nierensteine, Gallensteine oder Kalkablagerungen in Sehnen, entlädt sich die in der Stoßwelle enthaltene Energie.

Arten von Stoßwellen

Mediziner unterscheiden zwischen zwei Haupttypen von Stoßwellen:

  • Fokussierte Stoßwellen: Diese Wellen haben einen kürzeren, intensiveren Druck und sind zielgenauer als radiale Stoßwellen. Sie werden hauptsächlich im ärztlichen Bereich eingesetzt, um tiefer liegende Gewebeschichten zu erreichen und gezielt zu behandeln.
  • Radiale Stoßwellen: Diese Wellen sind energieärmer und eher flächig ausgerichtet. Sie werden oft in der Physiotherapie eingesetzt, um Muskelverspannungen zu lösen und oberflächliche Schmerzen zu behandeln.

Durchführung einer Stoßwellenbehandlung

Die Stoßwellentherapie wird in der Regel ambulant durchgeführt. Der Patient liegt entspannt auf einer Behandlungsliege, während der Therapeut den Kopf des Stoßwellengerätes auf den zu behandelnden Körperteil drückt. Der Kopf des Gerätes enthält Wasser, das die Stoßwellen durch die Haut in das Körperinnere überträgt.

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Bei der Behandlung von Kalkherden, beispielsweise bei einer Kalkschulter, werden diese vor Beginn der Behandlung unter Einsatz eines hochauflösenden Ultraschallgerätes genau geortet. Die fokussierte Stoßwelle bündelt dann die Energie im Zentrum des Kalkherdes bzw. des Schmerzpunktes.

Während der Behandlung sollte der Patient die Stoßwellen am Behandlungsort deutlich spüren, ohne dass dies als Schmerz empfunden wird. Die Behandlung erfolgt in ständigem Dialog mit dem Patienten, um die Intensität der Stoßwellen optimal anzupassen.

Eine einzelne Behandlung dauert je nach Anwendung zwischen 5 und 15 Minuten. In der Regel sind 3 bis 5 Behandlungen im Abstand von etwa einer Woche erforderlich, um eine anhaltende Beschwerdefreiheit zu erreichen.

Wirkungsweise der Stoßwellentherapie

Die Stoßwellentherapie entfaltet ihre Wirkung auf verschiedene Weisen:

  • Mechanische Reizung: Die Stoßwellen lösen im erkrankten Gewebe einen mechanischen Reiz aus, der auf zellulärer Ebene zu einer Umwandlung in biochemische Signale führt (Mechanotransduktion).
  • Durchblutungsförderung: Die Stoßwellen regen die Durchblutung im behandelten Bereich an, was die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen verbessert und die Heilungsprozesse unterstützt.
  • Entzündungshemmung: Studien haben gezeigt, dass die Stoßwellentherapie entzündungshemmende Prozesse im Körper aktivieren kann.
  • Kalkablösung: Bei Kalkablagerungen in Sehnen können die Stoßwellen dazu beitragen, die Kalkablagerungen aufzulösen und abzubauen.
  • Knochenneubildung: Hochenergetische Stoßwellen können die Neubildung von Knochenkeimgewebe (Kallus) auslösen und so die Heilung von Knochenbrüchen fördern.

Anwendungsgebiete der Stoßwellentherapie

Die Stoßwellentherapie wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen des Bewegungsapparates eingesetzt, darunter:

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  • Kalkschulter (Tendinosis calcarea): Hierbei handelt es sich um Kalkablagerungen in den Sehnen der Rotatorenmanschette, die zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen können.
  • Fersensporn (Fasziitis plantaris): Eine Entzündung der Plantarfaszie, die zu Schmerzen im Fersenbereich führt.
  • Tennisellenbogen (Epicondylitis humeri radialis): Eine Entzündung der Sehnenansätze am Ellbogen, die durch Überlastung verursacht wird.
  • Achillodynie: Schmerzen und Entzündungen im Bereich der Achillessehne.
  • Pseudarthrose: Fehlverheilung von Knochenbrüchen, bei der sich kein stabiles Knochengewebe bildet.
  • Muskelverspannungen (Myogelosen): Verhärtungen und Verspannungen in der Muskulatur, die Schmerzen verursachen können.
  • Patellaspitzensyndrom: Chronische Entzündung der Kniescheibensehne als Folge von Überlastung.

Stoßwellentherapie und Nerven

Die Stoßwellentherapie kann auch bei der Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt werden. Durch die Anregung der Durchblutung und die Aktivierung von Selbstheilungsmechanismen kann sie dazu beitragen, Nervenreizungen zu reduzieren und die Nervenfunktion zu verbessern.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass bei nicht sachgerechter Anwendung der Stoßwellentherapie eine Verletzung von Nervenstrukturen möglich ist. Daher sollte die Behandlung nur von gut ausgebildeten und erfahrenen Therapeuten durchgeführt werden.

Kontraindikationen

Es gibt bestimmte Umstände, unter denen eine Stoßwellenbehandlung nicht durchgeführt werden sollte. Zu den Kontraindikationen gehören:

  • Gerinnungsstörungen oder Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten (z.B. Marcumar): Die Stoßwellen können zu Blutungen im behandelten Bereich führen.
  • Örtliche Infektionen: Eine Infektion im Behandlungsgebiet kann sich durch die Stoßwellen ausbreiten.
  • Frische Verletzungen: Bei frischen Verletzungen sollte zunächst eine andere Behandlungsmethode gewählt werden.
  • Thrombosen: Die Stoßwellen können eine Thrombose verschlimmern oder lösen.
  • Tumorerkrankungen: Bei Tumorerkrankungen sollte die Stoßwellentherapie nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt durchgeführt werden.
  • Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft sollte auf eine Stoßwellenbehandlung verzichtet werden.
  • Lungengewebe im Behandlungsgebiet: Wenn in oder hinter der Behandlungsregion Lungengewebe liegt, ist die Anwendung der Stoßwellentherapie ausgeschlossen.

Nebenwirkungen

In der Regel ist die Stoßwellentherapie eine risikoarme Behandlungsmethode. In seltenen Fällen können jedoch folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Örtlich begrenzte Blutergüsse oder Schwellungen: Diese sind in der Regel harmlos und bilden sich innerhalb weniger Tage zurück.
  • Kurzzeitige Beschwerdezunahme: Insbesondere nach der ersten Behandlung kann es zu einer vorübergehenden Verstärkung der Schmerzen kommen (Erstverschlimmerung).
  • Schmerzen während der Behandlung: Die Behandlung kann schmerzhaft sein, insbesondere wenn sie in einem entzündeten Bereich durchgeführt wird. In diesem Fall kann eine Lokalanästhesie erforderlich sein.
  • Verletzung von Strukturen (z.B. Nerven oder Blutgefäßen): Diese Komplikation ist bei sachgerechter Anwendung sehr selten.
  • Rötungen oder Schwellungen der Haut: Diese sind in der Regel harmlos und verschwinden nach kurzer Zeit.

Kosten und Erstattung

Die Kosten für eine Stoßwellenbehandlung liegen in der Regel zwischen 60 und 100 Euro pro Sitzung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Stoßwellentherapie in den meisten Fällen nicht. Eine Ausnahme bildet die Diagnose "Fersensporn", bei der unter bestimmten Voraussetzungen eine Kostenerstattung möglich ist. Privat versicherte Patienten sollten im Vorfeld einen Antrag auf Kostenübernahme bei ihrer Krankenkasse stellen.

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Fazit

Die Stoßwellentherapie ist eine vielversprechende und schonende Behandlungsmethode für verschiedene Erkrankungen des Bewegungsapparates. Sie kann dazu beitragen, Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu reduzieren und die Heilungsprozesse zu fördern. Bei sachgerechter Anwendung ist sie in der Regel risikoarm und nebenwirkungsarm. Insbesondere bei chronischen Beschwerden, bei denen andere Behandlungsmethoden nicht erfolgreich waren, kann die Stoßwellentherapie eine sinnvolle Alternative zur Operation darstellen. Es ist jedoch wichtig, sich vor der Behandlung von einem erfahrenen Therapeuten beraten zu lassen und die möglichen Risiken und Nebenwirkungen abzuwägen.

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