Strabismus, besser bekannt als Schielen, und Myasthenia Gravis (MG) sind zwei unterschiedliche Erkrankungen, die jedoch in seltenen Fällen miteinander in Verbindung stehen können. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen diesen beiden Krankheitsbildern und gibt einen Überblick über Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist Strabismus?
Strabismus ist eine Fehlstellung der Augen, bei der die Augen nicht parallel zueinander ausgerichtet sind. Dies führt dazu, dass die Augen unterschiedliche Bilder an das Gehirn senden, was zu Doppelbildern oder einer Unterdrückung des Bildes eines Auges führen kann. Strabismus kann verschiedene Ursachen haben, darunter:
- Angeborene Faktoren: Fehlbildungen der Augenmuskeln oder Nerven.
- Erworbene Faktoren: Verletzungen, Schlaganfall, Schädigung der Hirnnerven oder Muskelerkrankungen wie Myasthenia Gravis.
Was ist Myasthenia Gravis?
Myasthenia Gravis ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die durch eine Schwäche der Skelettmuskulatur gekennzeichnet ist. Ursächlich ist eine Dysfunktion oder Zerstörung von Acetylcholinrezeptoren an der neuromuskulären Endplatte durch Autoantikörper. Dies führt zu einer gestörten Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln, was zu einer Muskelschwäche führt.
Zusammenhang zwischen Strabismus und Myasthenia Gravis
Myasthenia Gravis kann sich auf die Augenmuskeln auswirken und zu Strabismus führen. Dies geschieht, wenn die Muskeln, die die Augenbewegung steuern, durch die Autoimmunerkrankung geschwächt werden. In solchen Fällen spricht man von okulärem Strabismus.
Symptome des Strabismus bei Myasthenia Gravis
- Doppelbilder (Diplopie)
- Herabhängen eines oder beider Augenlider (Ptosis)
- Verschwommenes Sehen
- Müde Augen
- Verstärkte Anstrengung beim Lesen oder Fernsehen
Diagnose
Die Diagnose von Strabismus im Zusammenhang mit Myasthenia Gravis erfordert eine umfassende Untersuchung durch einen Augenarzt und einen Neurologen. Zu den diagnostischen Maßnahmen gehören:
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- Neurologische Untersuchung: Zur Beurteilung der Muskelfunktion und zum Ausschluss anderer neurologischer Ursachen.
- Okulomotorische Untersuchung: Beurteilung der Augenbewegungen unter Zuhilfenahme von Abdecktests, Okulomotoriktrommel und Prüfung des vestibulookulären Reflexes.
- Elektrophysiologie: Zum Nachweis von Antikörpern und zur Beurteilung der neuromuskulären Funktion.
- Bildgebende Verfahren: MRT oder CT, um andere Ursachen auszuschließen.
Differentialdiagnose
Es ist wichtig, andere Ursachen für Augenbewegungsstörungen auszuschließen. Zu den Differentialdiagnosen gehören:
- Hirnnervenerkrankungen: Erkrankungen der Hirnnerven III, IV und VI.
- Mechanische Beeinträchtigungen: Restriktive Augenmuskelerkrankungen.
- Supranukleäre Lähmungen: Störungen der Schaltzentren im Gehirn, die für die koordinierte Blickmotorik verantwortlich sind.
- Endokrine Orbitopathie: Entzündliche Erkrankung der Augenhöhle aufgrund von Schilddrüsenerkrankungen.
- Chronische orbitale Myositis: Entzündung der Augenmuskeln.
- Okulopharyngeale Muskeldystrophie: Genetisch bedingte Muskelerkrankung.
- Botulismus: Vergiftung durch das Bakterium Clostridium botulinum.
- Guillain-Barré-Syndrom: Autoimmunerkrankung des peripheren Nervensystems.
Therapie
Die Behandlung von Strabismus im Zusammenhang mit Myasthenia Gravis zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Zu den Behandlungsoptionen gehören:
- Medikamentöse Therapie: Medikamente zur Verbesserung der neuromuskulären Übertragung, wie Cholinesterasehemmer.
- Immunsuppressiva: Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems und zur Reduzierung der Antikörperproduktion.
- Prismenbrillen: Spezielle Brillen mit Prismen, die die Doppelbilder korrigieren.
- Okklusionstherapie: Abdecken eines Auges, um die Doppelbilder zu beseitigen.
- Schieloperation: In manchen Fällen kann eine Operation zur Korrektur der Augenfehlstellung erforderlich sein.
- Thymektomie: Entfernung des Thymus bei Patienten mit Thymomen oder Thymushyperplasie.
Umgang mit der Erkrankung
Patienten mit Strabismus und Myasthenia Gravis sollten einige wichtige Punkte beachten:
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige, dosierte Bewegung kann helfen, die Muskeln zu stärken, ohne sie zu überlasten.
- Ausgewogene Ernährung: Eine gesunde Ernährung kann das allgemeine Wohlbefinden verbessern.
- Stressmanagement: Stress kann die Symptome von Myasthenia Gravis verstärken. Entspannungstechniken können helfen, Stress abzubauen.
- Vermeidung von Überanstrengung: Übermäßige Belastung kann die Beschwerden verstärken.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Regelmäßige Besuche beim Arzt sind wichtig, um den Krankheitsverlauf zu überwachen und die Therapie anzupassen.
Spezialfälle und verwandte Krankheitsbilder
Chronisch progressive externe Ophthalmoplegie (CPEO)
CPEO ist eine Mitochondriopathie, die sich durch eine fortschreitende Lähmung der äußeren Augenmuskeln und Ptosis auszeichnet. CPEO kann auch mit Strabismus einhergehen.
Kearns-Sayre-Syndrom (KSS)
KSS ist eine schwere Form der CPEO, die zusätzlich zu Augenmuskelstörungen auch Herzrhythmusstörungen, Retinopathia pigmentosa und andere neurologische Symptome umfasst.
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Muskeldystrophien
Muskeldystrophien sind eine Gruppe genetisch bedingter Muskelerkrankungen, die ebenfalls zu Augenmuskelstörungen und Strabismus führen können. Beispiele hierfür sind die fazioskapulohumerale Muskeldystrophie und die okulopharyngeale Muskeldystrophie.
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