Der Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der eine sofortige und spezialisierte Behandlung erfordert. Stroke Units, spezialisierte Einheiten für Schlaganfallpatienten, haben sich als entscheidend erwiesen, um die Sterblichkeit zu senken und das Ausmaß der Behinderung nach einem Schlaganfall drastisch zu reduzieren. Sie stellen sicher, dass die Patienten schnell, umfassend und fächerübergreifend betreut werden. Dieser Artikel beleuchtet die Behandlung von Hirnblutungen auf einer Stroke Unit und gibt einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte.
Was ist eine Stroke Unit?
Der Begriff "Stroke Unit" bedeutet Schlaganfall-Einheit. Eine Stroke Unit verfügt über die notwendigen apparativen und personellen Voraussetzungen für die erforderlichen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen. Die lebensnotwendigen Funktionen der Betroffenen können rund um die Uhr überwacht werden, ein erfahrenes Team unterschiedlicher Fachärzte, bestehend aus Neurologen, Kardiologen sowie Radiologen und teilweise auch Neuro- und Gefäßchirurgen arbeitet zusammen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Bezeichnung "Stroke Unit" in Deutschland gesetzlich nicht geschützt ist. Daher ist eine leitliniengerechte Schlaganfall-Behandlung nicht automatisch garantiert.
Erste Schritte und Diagnostik
Wenn ein Schlaganfallpatient im Krankenhaus ankommt, trifft er auf ein erfahrenes und geschultes Team, das ausschließlich für die Schlaganfallbehandlung zuständig ist. Bereits in der Notaufnahme werden Therapieentscheidungen getroffen und Maßnahmen eingeleitet, die dann im Schlaganfallschwerpunkt fortgeführt und engmaschig überwacht werden.
Zunächst wird entschieden, ob eine rekanalisierende Behandlung in Frage kommt und welche Option die beste ist. Zur Wahl stehen die systemische oder lokale Thrombolyse, gefäßchirurgische Behandlung, mechanische Thrombektomie oder eine Stentanlage.
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Parallel dazu erfolgen umfassende neurologische und internistische Untersuchungen. Wenn ein Hirninfarkt vorliegt, wird sofort geprüft, ob das verstopfte Gefäß durch eine spezifische Infusion (Thrombolyse) wieder geöffnet werden kann.
Behandlungsmethoden auf der Stroke Unit
Die Behandlung auf der Stroke Unit ist vielfältig und umfasst:
- Überwachung der Vitalparameter: Die Patienten werden an einen Monitor angeschlossen, um Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung im Blut, Blutzucker und Körpertemperatur fortlaufend zu messen und zu kontrollieren.
- Herzuntersuchungen: Kardiologen untersuchen das Herz mittels Ultraschall (transthorakale Echokardiografie) oder von der Speiseröhre aus (transösophageale Echokardiografie), um kleine Blutgerinnsel und Klappenveränderungen genau zu erkennen.
- Gefäßuntersuchungen: Mittels Ultraschall werden die Gefäße des Halses und des Gehirns auf Verengungen oder Verschlüsse untersucht.
- Neurologische Untersuchungen: Die Patienten werden nach einem standardisierten Schema alle 6 bis 8 Stunden neurologisch untersucht.
- Aufrechterhaltung der Hirnperfusion: Um das unterdurchblutete Hirngewebe zu erhalten, wird in den ersten Tagen auf einen ausreichend hohen Blutdruck, eine genügende Sauerstoffzufuhr, einen normalen Blutzucker und eine normale Körpertemperatur geachtet.
- Behandlung von Komplikationen: Mögliche frühe Komplikationen, wie z.B. ein Hirnödem, werden engmaschig überwacht und behandelt.
- Bildgebende Verfahren: In den folgenden Tagen können der Kopf des Patienten mit Hilfe der Kernspintomografie (MRT) untersucht oder die Gefäße kontrastmittelunterstützt im MRT oder CT dargestellt werden.
- Weitere kardiologische Untersuchungen: Z.B. ein Langzeit-EKG, können notwendig sein, um über die langfristige Therapie entscheiden zu können.
- Behandlung von Risikofaktoren: Während der Akutbehandlung ist es wichtig, beeinflussbare Risikofaktoren wie Blutdruck und Blutzucker einzustellen.
- Vorbeugung gegen Aspiration: Magensonde, endoskopische Schluckdiagnostik
- Optimale Sauerstoffversorgung
- Behandlung von Herzfrequenz und Herzrhythmus
- Blutdruckregulation
- Ausschluss eines Herzinfarktes
- Maßnahmen zur Vorbeugung eines Hirnödems, frühzeitige Indikationsstellung zu einer operativen Dekompression bei raumfordernden zerebralen Infarkten
- Blutzuckereinstellung
- Stabilisierung des Elektrolyt-Haushalts
- Überwachung und Behandlung der Körpertemperatur
- Infektbehandlung
- Thromboseprophylaxe
- Flüssigkeits- und Kalorienzufuhr
Spezifische Therapien bei Hirnblutungen
Bei einer Hirnblutung, die durch den Riss eines Blutgefäßes im Gehirn entsteht, ist eine schnelle Behandlung entscheidend. Die Behandlung zielt darauf ab, die Blutung zu stillen, den Blutdruck zu senken und gegebenenfalls angestautes Hirnwasser zu entfernen.
Zur Behandlung kommen verschiedene operative Verfahren in Betracht: von minimalinvasiven Lösungen zum Druckabbau bis hin zu offenen Operationen, um die Blutung zu stillen. Die Wahl des Verfahrens hängt von der Größe und Lage der Blutung ab.
Thrombolyse und mechanische Thrombektomie
Bei einem Hirninfarkt, der durch den Verschluss eines Blutgefäßes verursacht wird, kann eine Thrombolyse (medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels) oder eine mechanische Thrombektomie (Entfernung des Blutgerinnsels mit einem Katheter) in Frage kommen.
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Die Thrombolyse ist jedoch nur in den ersten viereinhalb Stunden, nachdem die Symptome begonnen haben, sinnvoll. Je früher sie durchgeführt wird, desto größer sind die Heilungschancen.
Die mechanische Thrombektomie wird bei einem akuten großen zerebralen Gefäßverschluss eingesetzt. Dabei wird versucht, das Gerinnsel unter Einsatz eines Stent-Retrievers zu entfernen und die Durchblutung wieder herzustellen.
Sekundärprophylaxe
Ein wichtiger Aspekt der Behandlung auf der Stroke Unit ist die Sekundärprophylaxe. Da nach einem Schlaganfall das Risiko besteht, einen zweiten zu bekommen, sollen nachfolgende Schlaganfälle verhindert werden.
Die Sekundärprophylaxe beinhaltet:
- Medikamente: Gabe von Medikamenten, die verhindern sollen, dass Blutplättchen verklumpen und zu neuen Gefäßverschlüssen führen.
- Operation oder Stent-Anlage: Bei einer hochgradigen Einengung der Halsschlagader kann eine Operation oder eine Aufdehnung durch einen Katheter mit Stent-Anlage nötig und sinnvoll sein.
- Behandlung von Vorhofflimmern: Da Vorhofflimmern ein gefährlicher Auslöser für einen zweiten Schlaganfall sein kann, ist dessen Nachweis auf der Stroke Unit wesentlich. Im St. Augustinus Krankenhaus wird das Screening-Verfahren SRAclinic eingesetzt, welches das vorübergehende Vorhofflimmern auch feststellen kann, wenn es vor dem Schreiben des EKGs stattgefunden hat.
- Lebensstiländerungen: Anpassung des Lebensstils zur Reduktion von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und Übergewicht.
Frührehabilitation
Nach Stabilisierung der Vitalparameter und Abklärung der Risikofaktoren kann in ausgewählten Fällen unmittelbar die Frührehabilitation beginnen. Diese wird von Logopädinnen, Physiotherapeutinnen und Ergotherapeut*innen unmittelbar nach dem Ereignis durchgeführt.
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Die Frührehabilitation zielt darauf ab, die durch den Schlaganfall verursachten Schäden so weit wie möglich zu reduzieren und die Selbstständigkeit des Patienten wiederherzustellen.
Ursachen von Hirnblutungen
Bei der Blutung in die Hirnsubstanz liegt die Ursache meist in einer Schädigung mittelkleiner Arterien, vor allem durch nicht oder nicht ausreichend behandelten hohen Blutdruck. Seltenere Ursachen für Blutungen sind angeborene Gefäßmissbildungen und gestörte Gerinnbarkeit des Blutes. Treten Gehirnblutungen wiederholt auf, liegt die Ursache oft in einer erworbenen Stoffwechselstörung der Hirngefäße („Amyloidangiopathie“).
Symptome eines Schlaganfalls
Typische Zeichen eines Schlaganfalls sind plötzliches Auftreten von Lähmungen, Unfähigkeit zur Durchführung gezielter Bewegungen, Störungen des Sprechens, Sehstörungen und manche Formen von Schwindel. Bei Auftreten dieser Symptome sollte sofort der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 alarmiert werden.
Die Vorteile der Behandlung auf einer Stroke Unit
Die Behandlung auf einer Stroke Unit bietet für die Betroffenen zahlreiche Vorteile:
- Kürzerer Krankenhausaufenthalt
- Bessere Behandlungsergebnisse
- Deutliche Reduktion von Spätfolgen
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