Die Liquor-Mikroskopie ist ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Diagnostik. Sie ermöglicht die Beurteilung von Liquor cerebrospinalis (CSF), der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit, unter dem Mikroskop. Diese Untersuchung liefert wertvolle Informationen über den Zustand des zentralen Nervensystems (ZNS) und hilft bei der Diagnose verschiedener Erkrankungen.
Einführung
Die Analyse des Liquors ist ein unverzichtbares diagnostisches Standardverfahren in der Neurologie. Sie ist unerlässlich für die Diagnose von akuten Entzündungen (z.B. Meningitis, Enzephalitis, Myelitis) sowie chronisch-entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie z.B. Multiple Sklerose oder Neuroborreliose. Darüber hinaus können Liquoruntersuchungen Blutungen und Tumorzellen nachweisen.
Gewinnung von Liquor
Der Liquor wird durch eine Lumbalpunktion gewonnen. Dabei wird im Sitzen oder in Seitenlage eine dünne Hohlnadel zwischen zwei Wirbelkörpern im Bereich der Lendenwirbelsäule unterhalb des Rückenmarks in den Wirbelkanal eingeführt. Durch die Nadel werden wenige Milliliter Liquor für die erforderlichen Laboruntersuchungen entnommen. Durch die Verwendung solcher Punktionsnadeln konnte die Häufigkeit von Kopfschmerzen nach der Punktion drastisch gesenkt werden. Längeres Liegen nach einer Punktion ist nicht mehr erforderlich. Das Einführen der Punktionsnadel ist wenig schmerzhaft. Eine örtliche Betäubung kann bei Bedarf vorgenommen werden, ist in der Regel jedoch nicht erforderlich.
Routineuntersuchung und Spezialuntersuchungen
Neben der Routineuntersuchung von Zellzahl, Eiweiß, Glukose, Lactat sind zahlreiche Spezialuntersuchungen möglich. Hierzu zählen:
- Beurteilung des Liquorzellbildes unter dem Mikroskop
- Nachweis von Bakterien (Färbung, Kulturen, Tierversuch)
- Nachweis von Antikörpern gegen Viren und Bakterien
- Nachweis einer Antikörperproduktion im zentralen Nervensystem
- Nachweis oligoklonaler Banden in der isoelektrischen Fokussierung
Die Ergebnisse der Routineparameter bei der Liquoruntersuchung stehen innerhalb etwa einer Stunde zur Verfügung. Auch die eigene Liquorzellbeurteilung ist uns rasch möglich.
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Indikationen für eine Liquoruntersuchung
Mögliche Indikationen für eine Liquoruntersuchung sind:
- Nachweis bzw. Ausschluss einer entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) (Meningitis, Enzephalitis, Myelitis, Polyradikulitis, Multiple Sklerose)
- Nachweis bzw. Verlaufskontrolle nach Antibiotika-Therapie bei Verdacht auf bakterielle Meningitis
- Differenzialdiagnostisch reaktive Zellzahl-Erhöhung bei V. a. Sarkoidose
Liquorlabor und Team
Zur Diagnostik und Therapie von Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose oder entzündlicher Polyneuropathien, Infektionen oder onkologischen Krankheitsbildern steht in der Neurologischen Klinik ein eigenständiges Liquorlabor zur Verfügung. Ein geschultes, spezialisiertes Team von nicht-ärztlichen und ärztlichen Mitarbeitern analysiert heute nahezu 3000 Serum-Liquor Probenpaare pro Jahr. Die Techniken umfassen makroskopische Beurteilung, Mikroskopie, Zytologie, Nephelometrie, ELISA und Gelelektrophorese-Techniken. Ein Befundbericht wird ärztlicherseits unter Berücksichtigung der klinischen Fragestellung verfasst.
Mikroskopische Beurteilung des Liquorzellbildes
Zellarten im Liquor
Im mikroskopischen, panoptisch (MGG) gefärbten Zytosinpräparat können verschiedene Zellarten identifiziert werden:
- Lymphozyten: Normalerweise machen sie einen geringen Anteil der Zellen im Liquor aus. Eine erhöhte Anzahl kann auf eine Entzündung oder eine Autoimmunerkrankung hindeuten.
- Monozyten: Diese Zellen sind ebenfalls normalerweise in geringer Anzahl vorhanden. Eine Erhöhung kann auf eine chronische Entzündung hindeuten.
- Neutrophile Granulozyten: Diese Zellen sind normalerweise nicht im Liquor vorhanden. Ihr Vorhandensein deutet auf eine akute bakterielle Infektion hin. In der frühen Krankheitsphase, wenn die Antikörperbildung noch nicht begonnen hat, kann ein positiver Nachweis auf eine floride Infektion hinweisend sein.
- Plasmazellen: Diese Zellen produzieren Antikörper. Ihr Vorhandensein kann auf eine chronische Entzündung oder eine Autoimmunerkrankung hindeuten.
Zellzählung und Differenzierung
Bei einer Liquoruntersuchung ist die Zellzahl von Bedeutung. Akute und subakute entzündliche Prozesse innerhalb des Zentralnervensystems gehen in der Regel mit einer Störung der Blut-CSF Schranke und einer Zellvermehrung ab 5/μl einher (Pleozytose). Beide Veränderungen sind jedoch nicht beweisend für das Vorliegen einer Entzündung. Eine Pleozytose kann, außer bei Entzündungen, auch bei Tumoren, Traumen, Parenchymblutungen oder nach einer vorangegangenen Lumbalpunktion (Reizpleozytose) auftreten. Deshalb sind weitere Untersuchungen zur Differenzierung zwischen entzündlicher und nicht entzündlicher Genese erforderlich.
Man unterscheidet verschiedene Zellbilder:
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- Granulozytär: Über 50 % der Leukozyten sind polymorphkernige Granulozyten.
- Lymphozytär: Über 85 % der Leukozyten sind Lymphozyten.
- Gemischtzellig: Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten zu etwa gleichen Teilen.
- Mononukleär: Mono- und Lymphozyten.
Zytologische Beurteilung
Die zytologische Beurteilung des Liquors kann Hinweise auf verschiedene Erkrankungen geben. Im vorliegenden Fall finden sich ca. 30% Lymphozyten, 30% Monozyten und 40% Neutrophile. Die Lymphozyten sind nur mäßig aktiviert, wenige Plasmazellen kommen vor. Dieses Zellbild ist vereinbar mit einer Sarkoidose, es sind aber prinzipiell zytologisch keine sicheren Kriterien für eine solche Diagnose verfügbar.
Bei einer viralen Ursache wären nach 2 Wochen keine Neutrophilen mehr vorhanden, nach bakterieller Meningitis Abräumzellen. Das momentane Zellbild spricht auch der Verlauf für einen chronischen Prozess. Auch die Proteinerhöhung mit Schrankenstörung passt zum Bild der Sakoidose.
Autoantikörpertestung
Die Testung auf antineuronale Antikörper hat in den letzten Jahren an Möglichkeiten aber auch an Komplexität zugenommen. Wie jedes Testsystem können die verwendeten Testsysteme falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse produzieren. Dieses Risiko lässt sich durch eine Reihe an Maßnahmen minimieren.
Testsysteme
Es gibt verschiedene Testsysteme zum Nachweis von Autoantikörpern im Liquor:
- Gewebe-basierte Testsysteme: Bei dieser Testung wird Hirngewebe von Nagern oder Primaten fixiert und ultra-dünn geschnitten und dann mit Patientenserum und/oder -liquor in Verdünnungen überschichtet. Die Darstellung der Bindung der humanen Antikörper erfolgt mit Fluoreszenz-markierten (nicht gezeigt) oder biotinylierten Antihuman-Antikörpern und enzymatischer Farbstoffreaktion. Bräunliche Abschnitte zeigen eine Bindung von humanen Antikörpern an. Dieser Test kann keine direkten Zielantigene nachweisen, sondern dient als Suchtest und ggs. Bestätigungstest für u.g.
- Zell-basierte Testsysteme: Bei diesen werden humane Tumorzelllinien mit dem Zielantigen transfiziert und die Bindung von Antikörpern im Patientenserum und/oder -liquor mit einem anti-humanen, fluoreszenzmarkierten Antikörper markiert und meist unter einem Fluoreszenzmikroskop ausgewertet. Varianten existieren mit fixierten und unfixierten Zellen. Diese Testsysteme kommen bei konformationellen Antigenen zur Anwendung, d.h. bei Antigenen, die in ihrer natürlichen Umgebung und Konformation (Faltung) vorliegen müssen um vom Antikörper erkannt zu werden. Einsatz eines BIOCHIP-Mosaiks mit transfizierten Zellen der Firma EUROIMMUN. Zum Nachweis von bestimmten Autoimmun-Antikörpern können transfizierte Zellen eingesetzt werden, die das Antigen exprimieren, gegen den der zu untersuchende Antikörper binden und mittels Immunfluoreszenz nachgewiesen werden kann.
- Immunoblots/Lineblots: Bei diesen Testsystemen wird die Bindung an rekombinantes Antigen getestet, welches auf Membranen in „Linien“ fixiert wurde. Dieses Testverfahren hat sich zur Bestätigung von Antikörpern gegen intrazelluläre Antigene bewährt, z.B. Oberflächenfärbung von hippocampalen Primärkulturen. Dieses Verfahren steht nur in einzelnen wissenschaftlichen Laboren zur Verfügung.
Diagnostische Wertigkeit
Die Autoantikörpertestung hat unter Berücksichtigung einiger Besonderheiten eine sehr hohe diagnostische Sensitivität und Spezifität für den Nachweis der jeweiligen Enzephalitisform. Sie betragen für die anti-NMDA Rezeptor Enzephalitis: Spezifität 100%, Sensitivität 100% [98,5-100,0%]; für andere Enzephalitisunterformen sind diese Parameter weniger gut untersucht aber erfahrungsgemäß in einem ähnlichen Bereich. Nicht selten finden sich jedoch trotz aller Bemühungen bei klinisch wahrscheinlichen autoimmunen Enzephalitiden keine nachweisbaren Autoantikörper.
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Besonderheiten bei der Autoantikörpertestung
- Bei einzelnen Unterformen ist die Untersuchung des Serums ohne begleitende Liquoruntersuchung deutlich weniger sensitiv und spezifisch [z. B. bei der Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis 16 % falsch negativ bei reiner Serumdiagnostik (Gresa-Arribas 2014)].
- Für den gezielten Nachweis der häufigsten Antikörper stehen standardisierte, kommerzielle Testsysteme zur Verfügung, bei denen rekombinante oder aufgereinigte, native Einzelantigene eingesetzt werden. Diese Untersuchungen werden in vielen Laboren angeboten.
- Aufgrund der Überlappung der Symptome zwischen den verschiedenen Krankheitsbildern kann die Diagnostik im Sinne eines Autoantikörper-Profils unter Einbeziehung der bekannten Einzelantigene und neuronalen Gewebes daher Vorteile gegenüber einer Einzelantikörpertestung bieten.
- Bei der isolierten Untersuchung von Serum auf Antikörper gegen neuronale Oberflächenantigene mit diesen Testsystemen (transfizierte Zellen, sogenannte Zell-basierte Testsysteme) können falsch-positive Raten von 1 - 2 % auftreten.
- Die sicher mit Enzephalitiden assoziierten Autoantikörper gehören ggw. ausnahmslos der Immunglobulinklasse G an (Graus, 2016). Die diagnostische Wertigkeit antineuronaler Antikörper der Klassen IgA und IgM ist unklar.
- Unter experimentell-wissenschaftlichen Untersuchungsbedingungen konnte bei Patienten mit Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis eine Korrelation zwischen Krankheitsaktivität und Antikörpertiter im Liquor nachgewiesen werden (Gresa-Arribas, 2014). Diese Beobachtung ließ sich jedoch nicht auf die Routinediagnostik übertragen, so dass Antikörperverläufe im klinischen Alltag keine Relevanz besitzen.
- Mit den gegenwärtig kommerziell verfügbaren Testsystemen lassen sich die häufigsten antineuronalen Antikörper nachweisen. Für viele seltenere Zielantigene existieren aber keine validierten Testsysteme. Es werden weiter außerdem zunehmend neue Zielantigene identifiziert. Diese diagnostische Lücke kann bei Patienten mit klinischem Verdacht auf eine autoimmune Enzephalitis mit speziellen immunhistochemischen Methoden geschlossen werden, die in der Regel nur in wissenschaftlichen Speziallaboratorien durchgeführt werden. Diese Untersuchungen, bei denen spezifisch und unter Schonung der Integrität von Membranproteinen präparierte Gewebeschnitte eingesetzt werden, stellen ein erweitertes Suchsystem für neue Antikörper dar und dienen gleichzeitig der Überprüfung und Bestätigung bekannter Antikörper.
- Nicht selten lassen sich bei Patienten mit autoimmunen Enzephalitiden zusätzlich weitere systemische (z. B. ANA) oder organspezifische (z. B. anti-TPO) Autoantikörper nachweisen. Diese Befunde, die auf eine allgemeine autoimmune Diathese hinweisen, können in Unkenntnis der spezifischen antineuronalen Antikörper und Krankheitsbilder Anlass zu Fehldiagnosen geben (z. B. neuropsychiatrischer Lupus erythematodes, Hashimoto-Enzephalitis).
Blut-Hirn-Schranke und Liquorproteine
Die komplexe Anatomie des Gehirns erfordert ein übersichtliches Modell für die Interpretation von Befunden aus Serum und Cerebrospinalflüssigkeit (CSF). Wesentliche Strukturen sind die Tight junctions (Zonulae occludentes) der Hirnkapillaren. Zwischen dem CSF Raum und dem Extrazellulärraum besteht ein Diffusionsgleichgewicht, auch für Makromoleküle. Die Blut-Hirn Schranke, auch CSF-Serum Schranke bezeichnet, ist relativ gut durchlässig für hydrophile Makromoleküle, z.B. α2-Makroglobulin und IgM. Die Passage kleiner Moleküle, auch über 500 Dalton wird durch Lipophilität zusätzlich erleichtert, z.B. Antibiotika und Zytostatika, je nach Oktanol/Wasser-Verteilungskoeffizient.
Die Zusammensetzung der extrazellulären Flüssigkeit des Hirnparenchyms ist unbekannt. Sie ähnelt der CSF nur in einem schmalen Saum von wenigen Millimetern in der Nachbarschaft des freien CSF Raums, einer Zone, in der eine eingeschränkte Diffusion wasserlöslicher Moleküle möglich ist. Die Zusammensetzung der CSF ist gut bekannt, weil der Subarachnoidalraum an seinem untersten Ende punktiert werden kann. Obwohl weit von den Bildungsstätten, dem Choroidplexus entfernt, besitzt er auch im Lumbalsack noch alle Eigenschaften eines Filtrates.
Für hydrophile Moleküle besteht eine klare Korrelation zwischen den CSF/Serum-Quotienten und den hydrodynamischen Molekülgrößen. Das gilt nur im Steady-state Gleichgewicht, d.h. bei stabilen Serumkonzentrationen und ungestörten Austauschbedingungen an der Blut-Hirn Schranke. Der CSF/Serum Quotient für Wasser ist gemäß Konvention 1,0. Die Konzentration des (kleineren) Chlorids ist in der CSF höher als im Serum und fällt deshalb bei Störungen der Blut-CSF Schranke im Vergleich zu allen anderen größeren Molekülen ab.
Bei jeder Schrankenstörung nimmt die Selektivität der Filtration ab, d.h. die Konzentration der Proteine in der CSF steigt stärker an als die kleinerer Serumbestandteile. Substanzen mit unerwartet niedriger CSF Konzentration sind entweder zwischen Ventrikel und Lumbalsack selektiv aufgenommen worden, z.B. Glycin oder wurden metabolisiert, z.B. Sorbit.
Etwa 20 % der Proteine in der normalen CSF stammen aus dem Hirnparenchym wie Neuronen spezifischen Enolase (NSE), Tau-Protein, β-Amyloid 1-42, Protein 14-3-3 und S100 haben eine diagnostische Bedeutung. Bei einem Zerfall von Nervengewebe werden Hirnparechymproteine frei, deren CSF Konzentration bleibt jedoch unter 1 mg/l. Aus Hirntumoren stammende Proteine wie das carcinoembryonale Antigen (CEA) erreichen selten Werte in der CSF über 100 μg/l. Bei einer Schrankenstörung steigt der prozentuale Anteil von Protein aus dem Serum zunehmend an und der Anteil der CSF Proteine lokalen Ursprungs fällt ab.
Der Quotient CSF/Serum des Totalproteins ist ein orientierender Permeabilitätsparameter, zuverlässiger ist aber der Quotient CSF/Serum für Albumin. In vielen Laboratorien wird das Totalprotein nur noch als Verdünnungsindikator für die quantitative Bestimmung der Immunglobuline gemessen.
Die Konzentration der CSF Proteine, die aus dem Blutplasma stammen, treten mittels Diffusion und abhängig von der Molekülgröße in die CSF über. Mit Reduzierung des CSF Flusses und aufgrund einer Störung der Blut-Hirn Schranke erhöht sich die Konzentration der Proteine in der CSF. Mit Verminderung des CSF Flusses erhöht sich die Nettodiffusion und als Folge nimmt die Proteinkonzentration in der CSF zu. Der Quotient CSF/Serum der Proteine zeigt eine hyperbole Funktion. Ist die Konzentration der hydrophilen Proteine in der CSF höher als aufgrund der Molekülgröße zu erwarten ist, wird eine intrathekale Proteinsynthese angenommen. Die intrathekalen Proteine der CSF stammen vorwiegend aus den benachbarten Geweben.
Albuminquotient
Die Blut-Hirn-Schranke ist eine physikalische Schranke und bestimmt den Proteingehalt in der CSF. Albumin ist ein guter Marker der Blut-Hirn-Schranke, denn es stammt exklusiv aus dem Plasma. Albumin wird nur in der Leber gebildet und hat einen Radius von 35,8 Angstroem. Der Quotient CSF/Serum für Albumin (QAlb) ist der anerkannte Referenzwert zur Charakterisierung der Blut-Hirn Schranke. Der CSF/Serum Quotient des Albumins ist ein Kriterien zur Charkterisierung und ein Kriterium für die aus dem Blut in die CSF übertretenden Proteine. Der Quotient ist im mittleren Erwachsenenalter kleiner als 7 × 10-3. Jedoch ist der CSF/Serum Quotient des Albumins nicht nur abhängig von der Schrankenpermeabilität, sondern auch vom Flüssigkeitsturnover des punktierten CSF Raumes (normal 14 % des Flüssigkeitsturnover in 1 Std.). Sowohl bei ansteigender Permeabilität, als auch bei abfallendem Turnover wird sich die CSF-Konzentration des passiv durch die Schranke permeierenden Albumins der Serumkonzentration annähern.
Bei Raum fordernden Prozessen, z.B. Tumor, Blutung, Bandscheibenvorfall, hängt das Ausmaß der Schrankenstörung von der Lokalisation und Größe des Prozesses ab. Die Blut-Hirn Schranke des Neugeborenen ist permeabler als die des Erwachsenen. Der Albuminquotient fällt dann kontinuierlich im ersten Monat ab, erreicht zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr den niedrigsten Wert und steigt dann langsam wieder an. Deshalb ist es ratsam das Lebensalter zu berücksichtigen bei Beurteilung des Albuminquotienten, besonders bei Kindern und alten Menschen.
Intrathekale Immunglobulinsynthese
Immunglobuline der Klassen IgA, IgG und IgM werden von den lokalen B-Zellen im Zentralnervensystem gebildet und können in der CSF bestimmt werden. Der obere Grenzwert des jeweiligen Referenzintervalls (Qlim) bezieht sich auf den Wert, der 99 % der Patienten ohne intrathekale Immunglobulinsynthese erfasst. Die intrathekalen Fraktionen von IgG, IgA, IgM in Bezug auf den Qlim können direkt vom Diagramm abgelesen werden. Diese kalkulierten Werte repräsentieren die minimale Menge an intrathekaler Ig-Synthese. Die relativen Werte der intrathekalen Fraktionen berücksichtigen, dass IgG, IgA und IgM in unterschiedlichen Mengen gebildet werden und IgG mehr als IgA und IgM. Bei dem Muster IgMIF > IgGIF >IgAIF (drei Klassen Reaktion), ist IgM die dominante intrathekale Fraktion. Die graphische Ermittlung im Quotientendiagramm (Reiber Diagramm) gibt auf einem Blick Information sowohl zur Immunantwort als auch zur Schrankenfunktion.
Antikörperindex
Unter der Anwendung konventioneller Tests (Komplementbindungsreaktion, Hämagglutinations-Test) wir ein AI ≥ 4,0 als pathologisch befundet. Die Messung spezifischer Antikörper mit einem ELISA erhöht die Richtigkeit der Antikörperbestimmung.
Eine intrathekale Antikörperbildung kann vorgetäuscht werden nach einer Plasmapherese oder einer massiven Blutung. Bei einigen infektiösen Erkrankungen normalisiert sich die humorale Immunantwort im Zentralnervensystem rasch, das ist auch der Fall, wenn der Patient erfolgreich therapiert wurde. Jedoch kommt es in einem Teil der Fälle noch zu einer deutlichen intrathekalen Antikörpersynthese mit pathologischen Werten des Antikörperindex auch mehrere Jahre nach einer Infektion. Das ist beispielsweise der Fall bei einer Enzephalitis durch Herpesviren oder erfolgreich behandelter progressiven Paralyse. Bei einigen durch Infektionserreger verusachten Erkrankungen werden Werte des Antikörperindex von über 20 bestimmt, z.B.
Bei Infektionen mit Herpesviren sind die intrathekal synthetisierten Immunglobuline meist gegen Antigene des Erregers gerichtet, z.B. bei der Herpes simplex-Virus-Enzephalitis, der Herpes zoster Virus Ganglionitis, der Varicella Virus Cerebellitis und der Cytomegalie Virus Enzephalitis. Jedoch gibt es auch polyspezifische Immunantworten, bei denen die spezifischen Antikörper, die bestimmt werden sollen, nur einige von vielen sind.
Oligoklonale Banden
Bei einigen klinischen Fragestellungen, bei denen der Antikörperindex für IgG bestimmt wurde, kann es nützlich sein das intrathekal gebildete IgG mittels Isoelektrofokussierung zu bestimmen, denn dieses Verfahren ist bis zu 50-fach empfindlicher als die quatitative Bestimmung mittels Immunnephelometrie und Immunturbidimetrie. Oligoklonale Banden ermöglichen die Bestimmung von intrathekalem IgG, wenn der Anteil geringer als 0,5 % des totalen IgG in der CSF ist.
Der Nachweis von intrathekal gebildetem IgG in der CSF basiert auf dem Vergleich der parallelen Fokussierung von CSF und Serum. Serum IgG Moleküle sind polyklonal und repräsentieren theoretisch eine große Vielfalt von individuellen Antikörpern, also das Endprodukt der zahlreichen Immunantworten des Patienten. Demgegenüber stellen die intrathekal gebildeten Antikörper die begrenzte immunologische Antwort gegen ein oder wenige Pathogene oder ein Autoantigen dar. In diesen Fällen ist die Immunantwort durch ein kleines Spektrum von Plasmazellen der Leptomeningen vermittelt. Die Immunantwort ist nicht polyklonal, sondern oligoklonal. Deshalb unterscheidet sich intrathekal gebildetes IgG im Kappa/Lambda-Verhältnis, dem Muster der elektrischen Ladung der IgG-Moleküle, den IgG-Subklassen und der Antigenspezifität. Aufgrund ihrer Singularität im Vergleich zu den Antikörpern im Serum werden oligoklonale Banden in der CSF als zusätzliche Banden, die nicht im Serum präsent sind, speziell im alkalischen Trennbereich der Isoelektrofokussierungs-Elektrophorese (IFE) erkannt. Die Anzahl und Lokalisation dieser Banden hat jedoch keine differentialdiagnostische Relevanz.
Es gibt fünf Standardinterpretationen in der Beurteilung der IFE:
- Akute Infektion des Zentralnervensystems mit einer spezifische Immunreaktion auf ein singuläres Pathogen, z.B.
- Infektionen in der Vergangenheit mit einer persistierenden anamnestischen Immunantwort in der CSF, z.B.
- Chronisch inflammatorische oder autoimmune Erkrankung des Zentralnervensystems. Hier liegt eine polyspezifische Immunantwort und eine intrathekale Bildung von Antikörpern vor, z.B.
Eine monoklonale Immunglobulin-Bande in der Immunfixatios-Elektrophorese in Abwesenheit einer Blut-Hirn-Schrankenstörung ist selten und diagnostisch nicht relevant. Anders ist jedoch der Fall, wenn eine leptomeningeale Myelomatose, z.B.
Bedeutung der PCR in der Liquordiagnostik
Der Nachweis Erreger spezifischer Nukleinsäuresequenzen vermittels der Polymerasekettenreaktion (PCR) ist von großer Bedeutung in der CSF Diagnostik von infektiösen Erkrankungen des Zentralnervensystems. In der frühen Krankheitsphase, wenn die Antikörperbildung noch nicht begonnen hat, kann ein positiver Nachweis auf eine floride Infektion hinweisend sein. Der qualitative Nachweis viraler DNA oder RNA in der CSF zeigt bei nahezu allen Infektionen eine floride Infektion an. Die PCR kann eine wichtige Zusatzuntersuchung sein, ist jedoch im Vergleich zu den viralen Erkrankungen weniger zuverlässig. Die Aussagekraft der PCR ist z.B. zum Nachweis der Toxoplasmose gering.
Tumormarker im Liquor
Intrathekal gebildetes CEA ist ein Marker für Tumoren, die in das Zentralnervensystems metastasiert haben. CEA und IgA haben eine vergleichbare Molekülgröße, so dass das IgA-Differenzierungsdiagramm für die Feststellung einer lokalen Synthese verwendet werden kann.
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