Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Zellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu einer Reihe von motorischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamten Bewegungen und Gleichgewichtsproblemen. Neben medikamentösen Therapien rücken zunehmend auch nicht-medikamentöse Ansätze wie Bewegungstherapie und Lauftraining in den Fokus, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Neurodegenerative Erkrankungen und die Rolle von Sport und Bewegung
Neurodegenerative Erkrankungen, zu denen neben Parkinson auch Alzheimer, Huntington-Krankheit (HK) und Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) gehören, sind durch einen fortschreitenden Abbau von Nervenzellen gekennzeichnet. Obwohl die klinischen Bilder variieren können, weisen die Erkrankungen oft ähnliche Pathomechanismen auf. Ein gemeinsames Merkmal ist die Altersabhängigkeit und der unaufhaltsam fortschreitende Verlauf.
Körperliche Inaktivität gilt als ein modifizierbarer Risikofaktor für neurodegenerative Erkrankungen. Studien deuten darauf hin, dass moderate körperliche Aktivität das Manifestationsalter verzögern und die Progression der Symptome verlangsamen kann. Allerdings fehlen konkrete Leitlinien für wirksame und risikoarme Trainingsprogramme, insbesondere für seltene neurodegenerative Erkrankungen wie HK und ALS.
Die Parkinson-Krankheit: Symptome und Therapieansätze
Bei der Parkinson-Krankheit werden Hirnzellen geschädigt, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Das Dopamin sorgt unter anderem dafür, dass elektrische Impulse vom Gehirn über die Nerven zu den Muskeln übertragen werden. Auf diese Weise werden zum Beispiel Bewegungen gesteuert. Typische Symptome einer Parkinson-Erkrankung sind Bewegungsarmut, Muskelsteife und Zittern in Ruhe. Es kann auch zu Problemen mit dem Gleichgewicht kommen. Die medikamentöse Therapie zielt in der Regel darauf ab, das fehlende Dopamin zu ersetzen. Dies kann häufig die Symptome lindern, aber nicht das Fortschreiten der Krankheit aufhalten. Die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit von Menschen mit Parkinson führt dazu, dass ihre Muskelkraft abnimmt. Bewegungsübungen und Sport sollen helfen, dies auszugleichen. Zudem liefern Studien Hinweise, dass sich Bewegung positiv auf das Gehirn auswirkt, etwa indem sie die Bildung von Hirnzellen stimuliert und die Ausschüttung von Dopamin anregt.
Lauftraining als Therapieansatz bei Parkinson
Der Sportwissenschaftler Christian Haas hat herausgefunden, dass Laufen eine wirksame Therapie bei der Parkinson-Erkrankung sein kann: »Laufen verhindert den Zelltod.« Denn Sport hat positive Wirkungen auf verschiedene Gehirnfunktionen: Die Hirndurchblutung, Neurotransmitter (die Botenstoffe), neurotrophe Faktoren, also die Zellneubildung im Gehirn wird angeregt, Stresshormone.
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Studien zur Wirksamkeit von Bewegungstherapie bei Parkinson
Der Nutzen von Bewegung bei Parkinson wurde in vielen Studien untersucht. Dabei wurden jeweils einer Teilnehmergruppe Bewegungsübungen angeboten, der anderen Gruppe nicht. Solche direkten Vergleiche sind nötig, um die Wirksamkeit von Behandlungen beurteilen zu können. In den Studien wurden sehr unterschiedliche Bewegungsübungen untersucht. Dehnübungen (Stretching), Ausdauertraining, Muskelaktivierung und -entspannung, Krafttraining, Gleichgewichtstraining, Tanzen, Tai Chi, Yoga, Qigong sowie Geh- und Lauftraining. Einige neuere Studien untersuchten das sogenannte Cueing: Dabei erhalten die Betroffenen akustische oder optische Reize, die zum Beispiel Anlaufschwierigkeiten mindern sollen. Solche Reize können markierte Linien auf dem Boden sein, die eine Orientierung beim Gehen bieten, oder Klickgeräusche, die den Schrittrhythmus vorgeben. Sowohl die Übungen selbst als auch die Häufigkeit und Dauer des Trainings unterschieden sich. In den meisten Studien leiteten Physiotherapeutinnen oder -therapeuten die Übungen an. In einigen Studien trainierten die Teilnehmenden in Gruppen, in den anderen einzeln. Die meisten Studien dauerten einige Wochen oder wenige Monate. Es lässt sich deshalb nur sagen, wie sich die Bewegungsübungen über einen Zeitraum von maximal einem Jahr auswirkten. Die Studien zeigen, dass Bewegungsübungen eine positive Wirkung haben können. Die Personen, die an Bewegungsübungen teilnahmen, waren beweglicher, konnten etwas schneller gehen und ihr Gleichgewicht besser halten als Personen, die nicht an den Übungen teilnahmen. Einige Studien sprechen auch dafür, dass Menschen mit Parkinson seltener stürzen, wenn sie regelmäßig Bewegungsübungen machen.
Auswirkungen auf Mobilität und Beweglichkeit im Alltag
In den Studien verbesserten die Bewegungsübungen die Mobilität und Beweglichkeit im Alltag. Um dies festzustellen, wurde beispielsweise folgender Test durchgeführt: Die Teilnehmenden sollten ohne fremde Hilfe von einem Stuhl aufstehen, eine kurze Strecke gehen und sich wieder setzen. Solche Bewegungsabläufe klappten nach den Bewegungsübungen besser. In einigen Studien wurde untersucht, wie sich der Schweregrad der Krankheit verändert. Dies wurde mithilfe einer Skala erfasst, die unter anderem folgende Bereiche misst: geistige Fähigkeiten und Stimmung, Bewältigung von Alltagsaktivitäten, Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit. Dabei wurde festgestellt, dass Bewegungsübungen die Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit verbessern und so auch helfen konnten, Alltagsaktivitäten zu bewältigen.
Intensive versus moderate Trainingsansätze
Forscher um Dr. Dies lässt hoffen, dass viel Bewegung im Frühstadium die Progression bremst. Allerdings ist dies nur schwer nachzuweisen. Ob es sich überhaupt lohnt, solchen Fragen in einer größeren Untersuchung nachzugehen, hat jetzt ein Team um Schenkman in einer Phase-II-Studie mit 128 Patienten geprüft. Alle Beteiligten hatten einen frisch diagnostizierten Parkinson - im Mittel seit vier Monaten - und benötigten noch keine dopaminergen Arzneien. Durch diese Begrenzung sollten medikamentöse Einflüsse vermieden werden. Zwei Drittel wurden gebeten, über ein halbes Jahr hinweg viermal wöchentlich an einem Laufbandtraining teilzunehmen. Die Forscher hatten sich zum Ziel gesetzt, die Teilnehmer mindestens dreimal wöchentlich tatsächlich zum Training zu bewegen. Die ersten beiden Trainingswochen fanden in Klinikambulanzen oder ähnlichen Einrichtungen unter therapeutischer Kontrolle statt, in der übrigen Zeit sollten die Patienten eigenständig üben und dabei eine Pulsuhr tragen. Den Parkinsonkranken schien die Bewegung offenkundig zu gefallen: Jedenfalls kamen sie im Mittel an 2,8 beziehungsweise an 3,2 Tagen pro Woche zum intensiven und moderaten Training. Die Patienten erreichen dabei nicht nur die vorgegebenen Trainingszielwerte, sie bleiben auch überraschend lange bei der Stange. Doch auch bei den motorischen Symptomen zeigten sich deutliche Effekte. Zum Ende des Trainings nach einem halben Jahr hatte sich der motorische UPDRS-Wert mit intensivem Training kaum verschlechtert (plus 0,3 Punkte), wohl aber in der Wartegruppe (plus 3,2 Punkte). Patienten mit moderatem Training lagen dazwischen (plus 2,0 Punkte). Die Wissenschaftler um Schenkman prüften nun den Sinn weiterer Studien (Non-Futility-Analyse). Sollte dieser Wert nicht überschritten werden, besteht praktisch keine Chance auf ein klinisch relevantes Ergebnis. Der obere 90%-Wert lag mit moderatem Training bei 2,8 Punkten. Damit lohnt es sich also nicht, weiter zu forschen. Mit intensivem Training erreichte der Wert 4,7 Punkte. Ob diese jedoch darauf beruhen, dass lediglich die Ausprägung der Symptomatik reduziert oder tatsächlich auch der Krankheitsverlauf gebremst wird, bleibt noch unklar. Letzteres ließe sich annehmen, sollten die Unterschiede nach dem Ende des Ausdauertrainings weiter persistieren.
Neuronale Effekte von Lauftraining
Kanadische Mediziner haben das mit dem Joggen nun einmal ganz wörtlich genommen. Dafür hat das Team um Dr. Während dieser Zeit mussten die Teilnehmer unter Aufsicht dreimal pro Woche zunächst 20 Minuten lang aerobe Übungen absolvieren, allmählich steigerten die Wissenschaftler die Dauer des Trainings auf jeweils mindestens 40 Minuten. Zusätzlich sollte die Gruppe einmal pro Woche selbstständig üben. Vor und nach der sechsmonatigen Intervention ermittelten die Forscher die geistige Leistungsfähigkeit über verschiedene neuropsychologische Tests und bestimmten außerdem sonographisch die Durchblutung des Gehirns. Dabei fanden sie heraus, dass der Sport offenbar half, mehr Blut in den Denkapparat zu befördern. Und das wirkte sich messbar auf die kognitiven Leistungen aus: Vor allem Exekutivfunktionen und Wortflüssigkeit besserten sich deutlich. „Die Werte entsprachen etwa denen, wie man sie von einem fünf Jahre Jüngeren erwarten würde“, erläutert der Leitautor der Publikation, Dr. Marc Poulin von der University of Calgary, in einer Pressemitteilung der American Academy of Neurology.
Bewegungsempfehlungen und praktische Umsetzung
Menschen mit Parkinson können durch Bewegungsübungen ihre Beweglichkeit und ihre Koordinationsfähigkeit verbessern. Regelmäßiges Training kann helfen, Alltagsaktivitäten besser zu bewältigen. Neben Medikamenten sind vor allem Bewegungsübungen und Sprachtherapie wichtige Bestandteile einer Parkinson-Behandlung. Auch eine psychologische Unterstützung und Begleitung kann sinnvoll sein. Viele Menschen mit Parkinson machen Bewegungsübungen oder treiben Sport, um Bewegungseinschränkungen und Muskelsteife vorzubeugen oder um wieder etwas beweglicher zu werden. Das Ziel dieser sogenannten Ergotherapie ist es, die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten. Wenn das Sprechen zunehmend schwerer fällt, kann eine Sprachtherapie (Logopädie) sinnvoll sein. Manchmal werden auch Entspannungsübungen und -hilfen wie die progressive Muskelentspannung, Wärmebehandlungen oder Massagen eingesetzt. Diese Behandlungen sollen vor allem Beschwerden bessern, die sich durch Medikamente nicht ausreichend behandeln lassen. Nicht zuletzt können sich Bewegungs-, Entspannungs- und andere Übungen positiv auf die Psyche auswirken. Mit fortschreitender Erkrankung werden die Bewegungen immer langsamer. Manchmal gelingt es auch gar nicht, in Gang zu kommen. Hinzu kommen Probleme mit dem Gleichgewicht und der Koordination. Da man sich zunehmend schlechter bewegen kann, nimmt die Muskelkraft allmählich ab. Bewegungsübungen und Sport können helfen, diesen Prozess etwas aufzuhalten. Dabei kommt es weniger auf die Art der Bewegung an - sondern mehr darauf, dass man sie langfristig betreibt. Möglich sind zum Beispiel: Dehnübungen (Stretching), Ausdauertraining, Muskelaktivierung und -entspannung, Krafttraining, Gleichgewichtstraining, Tanzen, Musiktherapie, Tai Chi, Qigong, Yoga sowie Geh- und Lauftraining.
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Es ist möglich, sich von Physiotherapeutinnen oder -therapeuten begleiten zu lassen. Sie können Bewegungsübungen anleiten und zeigen, wie man sie eigenständig durchführen kann. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Welche Übungen sinnvoll sind, hängt sehr von den persönlichen Vorlieben und dem körperlichen Allgemeinzustand ab: So ist im Frühstadium ein stärker belastendes Training möglich als bei schon ausgeprägten Beschwerden. Je nach Krankheitsphase hat die Behandlung unterschiedliche Schwerpunkte: Anfangs geht es meist darum, die körperliche Fitness und Beweglichkeit zu erhalten. Eine Ergotherapie soll helfen, solange wie möglich eigenständig den Alltag zu gestalten und für sich selbst zu sorgen. Dazu kann gehören, die Wohnung und die Arbeitsumgebung an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Zusammen mit den Therapeutinnen oder Therapeuten werden Möglichkeiten erarbeitet, besser mit den Beschwerden zurechtzukommen. Ergotherapeutische Übungen können auch die Grob- und Feinmotorik fördern. Es wird beispielsweise geübt, sich anzuziehen, Essen zuzubereiten und mit Hilfsmitteln (wie Rollatoren oder speziellem Besteck) umzugehen. Auch handwerkliche und kreative Übungen wie Basteln oder Malen können Teil einer Ergotherapie sein.
SportvereinePraxen für KrankengymnastikVolkshochschulenSelbsthilfegruppenFitnessstudiosZum Teil werden spezielle Parkinson-Kurse angeboten. Es gibt auch die Möglichkeit, sich Physiotherapie ärztlich verschreiben zu lassen.
Sportliche Aktivität und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit
Die positiven Wirkungen von sportlicher Aktivität auf das körperliche und geistige Wohlbefinden sind vielfach nachgewiesen. Ein Viertel aller durch chronische Erkrankungen bedingten Todesfälle stehen in Zusammenhang mit mangelnder körperlicher Aktivität. Dies haben die Krankenkassen erkannt und fördern Herzsportgruppen, Lauftraining für Menschen mit Durchblutungsstörungen, Bewegungsprogramme für Menschen mit Diabetes und anderes mehr. Auch für krebskranke Menschen ist nachgewiesen, dass sie von Sport profitieren - neben Laufgruppen von Frauen mit Brustkrebs gibt es weitere Angebote, die zum Teil schon in die Krankenhausbehandlung oder Früh-Reha eingebunden sind. Sportliche Aktivität braucht Energie. Bei jeder körperlichen Belastung entsteht ein erhöhter Sauerstoffbedarf - das führt dazu, dass man stärker und tiefer atmet und das Herz kräftiger schlägt. Besonders bei längeren Belastungen werden die Energiespeicher im Körper geleert und aktiviert: Es werden Fette, Zucker und Eiweiß freigesetzt und verbraucht. Gesteuert wird das Ganze über körpereigene Hormone, auch Kortisol und Adrenalin. Bei regelmäßigem Ausdauersport kommt es zu Anpassungen im Körper: Die Muskeln werden kräftiger, das Herz schlägt stärker und langsamer, die Durchblutung der Lungen passt sich an, die feinen Adern in den Muskeln (Kapillaren) werden kräftiger, sodass der im Blut vorhandene Sauerstoff besser ausgenutzt werden kann. Die Muskulatur selbst wird empfindlicher für Insulin, das den Blutzuckergehalt regelt. Im Gehirn werden verschiedene Botenstoffe aktiviert. Weiter fand man Hinweise darauf, dass körperliche Aktivitäten die Abgabe von neuroprotektiven Stoffen stärkt, also Stoffe, die die Nervenzellen vor dem Absterben schützen. Die meisten dieser Effekte sind bei Ausdauersportarten nachgewiesen. Zahlreiche Untersuchungen haben erbracht, dass Sport sich bei Menschen mit psychischen Erkrankungen positiv auswirkt. Häufiger untersucht wurde die Lauftherapie bei Depressiven und bei Angsterkrankungen. Neuere Ergebnisse zu Sport bei Psychose-Kranken zeigen spannende Ergebnisse. Generell kann man sagen, dass unabhängig von der Art der vorliegenden psychischen Erkrankung sportliche Aktivitäten sinnvoll sind. Psychisch kranke Menschen sterben früher, vor allem aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, den Folgen von Übergewicht und rauchen. Natürlich hängt dies auch mit der notwendigen Einnahme von Medikamenten zusammen; aber gerade deshalb: Durch Sport kann man vorbeugen und die körperliche Gesundheit verbessern. An der Münchener Universitätsklinik wurden an Psychose erkrankte Menschen über drei Monate untersucht. Sie nahmen an einem Fahrradergometer-Training teil, das einmal pro Woche 30 Minuten stattfand. Am Ende wurde in bestimmten Hirnregionen eine Volumenzunahme, also die Neubildung von Nervenzellen, festgestellt. In einer weiteren Studie untersuchte man die Wirkung der Kombination von körperlichem Training (Fahrrad) und Cogpack, ein Hirnleistungstraining, das oft angeboten wird. Es gibt eine Reihe von Wissenschaftlern, die erforscht haben, wie Sport sich auf das Krankheitsbild der Depression auswirkt. So wurde untersucht, ob das Risiko, an einer Depression zu erkranken, durch sportliche Aktivität beeinflusst werden kann. Einige große amerikanische Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen, die regelmäßig Sport treiben, seltener an Depressionen erkranken als sportlich inaktive. Auch über die Auswirkungen von Sport bei Menschen, die akut an einer Depression leiden, gibt es einige Ergebnisse. Hier wurde meistens eine Gruppe von Patienten zum Beispiel zu einem regelmäßigen Lauftraining (drei bis fünfmal pro Woche, Dauer zwischen einer halben Stunde und einer Stunde) motiviert während die Vergleichs-Patientengruppe ein anderes nicht sportliches Angebot bekam. Es zeigte sich, dass (meist nach einigen Wochen) diejenigen, die zur Laufgruppe gehörten, weniger depressive Symptome hatten als die Vergleichsgruppe. Auch positive Langzeitergebnisse, wenn die sportliche Aktivität beibehalten wurde, sind berichtet worden (das heißt, das Risiko der Wiedererkrankung sinkt). Viele Untersuchungen zeigen, dass Sport anxiolytisch, also die Angst auflösend, wirkt. Menschen die mit Angst oder Panikattacken kämpfen, vermeiden oft Sport, weil insbesondere Panikzustände mit ähnlichen körperlichen Veränderungen, also beschleunigter Puls, schwitzen, einhergehen wie Effekte einer körperlichen Belastung. Wenn man aber sportliche Aktivität in der Behandlung einsetzt, lassen sich beispielsweise Panikattacken weniger leicht auslösen.
Lauftraining und die Möglichkeit, den verpassten Sport am Wochenende nachzuholen
Im stressigen Alltag regelmäßig Zeit für Trainingseinheiten zu finden, fällt vielen Menschen schwer. Das ist aber kein Grund, dann frustriert ganz darauf zu verzichten. Denn wie eine im Fachmagazin „Nature Aging“ veröffentlichte Studie verdeutlicht, kann man Sport auch am Wochenende „nachholen“. Mit anderen Worten: Für die langfristige Gesundheit scheint egal zu sein, ob man verteilt über die Woche kürzer oder an nur zwei Tagen wöchentlich, z. B. Genau an diesen Richtlinien orientierte sich auch die Studie aus dem Jahr 2024. Die verantwortlichen Forscher basierten ihre Untersuchung auf Daten der UK Biobank, einer großen britischen Kohortenstudie, die die Gesundheit von rund einer halben Million Menschen trackt. Für die Sport-Studie kamen die Daten von 75.629 Personen (Durchschnittsalter 62 Jahre) infrage, von denen validierte Beschleunigungsmessdaten vorlagen. Diese waren über den Verlauf von sieben Tagen aufgezeichnet worden. Der Nachbeobachtungszeitraum betrug durchschnittlich 8,4 Jahre. In dieser Zeit beobachteten die Forscher anhand von Krankenhausdaten und Todesfällen das Auftreten neurologischer Erkrankungen - Schlaganfall, Demenz, Parkinson - sowie mentaler Störungen wie Angststörungen und Depression. „Weekend Warriors“: Personen, die die empfohlene Bewegungsmenge erreichten, 50 Prozent davon aber auf ein oder zwei Tage die Woche (z. B. In ihrer Analyse achteten die Forscher auch auf andere Lifestyle-Faktoren, die einen Einfluss auf die Gehirngesundheit und die Entstehung von Erkrankungen haben könnten: Alter, Geschlecht, Gewohnheiten wie Rauchen, Alkoholkonsum und generelle Ernährung. Auch mögliche Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Krebs fanden Berücksichtigung. Die Auswertung der Daten lieferte Hinweise, dass Menschen, die ihren Sport auf nur zwei Tage konzentrieren bzw. Im Vergleich zu den inaktiven Personen hatten die sogenannten „Weekend Warriors“ ein 26 Prozent geringeres Risiko für Demenz, ein 21 Prozent kleineres Schlaganfallrisiko sowie ein 45 Prozent geringeres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Bezüglich psychischer Erkrankungen war ihr Risiko um 40 Prozent (Depression) bzw. 37 Prozent (Angststörungen) reduziert. Dabei brauchte die Zwei-Tage-Sport-Gruppe auch nicht den Vergleich mit den regelmäßig Trainierenden zu scheuen. Als die Forscher in ihrer Analyse zusätzlich nach dem Alter ihrer Probanden differenzierten, zeigte sich, dass die Risikominimierung durch „Wochenend-Sport“ für die neuronalen Erkrankungen (Schlaganfall, Demenz, Parkinson) besonders bei über 65-Jährigen ausgeprägt war.
Risiken und Nebenwirkungen
Forschungsergebnisse zu möglichen Nebenwirkungen wie Verletzungen fehlen weitgehend. Es gibt insgesamt zu wenige Studien zu einzelnen Übungsangeboten, um sagen zu können, ob bestimmte Übungen besser wirken als andere. Die Auswahl passender Übungen hängt auch von persönlichen Vorlieben sowie von der eigenen körperlichen und psychischen Situation ab.
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Fazit: Lauftraining als vielversprechender Therapieansatz
Die vorliegenden Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Lauftraining und andere Formen der Bewegungstherapie einen positiven Einfluss auf die Symptome und den Krankheitsverlauf von Parkinson haben können. Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Beweglichkeit verbessern, das Gleichgewicht stabilisieren, die kognitiven Funktionen fördern und die Lebensqualität steigern.
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Auswahl des geeigneten Trainingsprogramms individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Patienten abgestimmt werden muss. Eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten, Physiotherapeuten und anderen Fachkräften ist dabei unerlässlich, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen und Risiken zu minimieren.
Zukünftige Forschung sollte sich auf die Entwicklung spezifischer Trainingsleitlinien konzentrieren, die auf die besonderen Bedürfnisse von Parkinson-Patienten zugeschnitten sind. Zudem sind Langzeitstudien erforderlich, um die langfristigen Auswirkungen von Lauftraining und anderen Bewegungstherapien auf den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität zu untersuchen.
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