Subdurale Blutung des Rückenmarks: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Neurochirurgie befasst sich mit der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen, Fehlbildungen und Verletzungen des zentralen und peripheren Nervensystems. Dazu gehören das Gehirn, das Rückenmark und die Wirbelsäule mit ihren zahlreichen Nervenbahnen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der operativen und konservativen Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen. Dabei werden minimalinvasive Techniken bevorzugt, um postoperative Schmerzen zu reduzieren und die Genesungszeit zu verkürzen.

Eine seltene, aber potenziell schwerwiegende Komplikation im Bereich des Rückenmarks ist die subdurale Blutung (Subduralhämatom). Diese entsteht durch eine Blutansammlung im Subduralraum, dem Bereich zwischen der harten Hirnhaut (Dura mater) und der Spinnwebenhaut (Arachnoidea), die das Rückenmark umgeben. Im Folgenden werden die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung detailliert erläutert.

Was ist eine subdurale Blutung des Rückenmarks?

Eine subdurale Blutung (SDH) ist eine pathologische Blutansammlung im Subduralraum, der sich zwischen der Dura mater und der Arachnoidea mater befindet. Normalerweise enthält dieser Raum nur eine geringe Menge Liquor cerebrospinalis, der als mechanischer Schutz des Gehirns und Rückenmarks dient und die Bewegung des Gehirns innerhalb des Schädels bzw. des Rückenmarks innerhalb des Wirbelkanals ermöglicht.

Ursachen einer Subduralblutung des Rückenmarks

Die häufigste Ursache für eine subdurale Blutung ist ein Trauma. Ein direkter Aufprall auf den Kopf oder eine Beschleunigungs-Dezelerations-Verletzung können zu einem Riss von Brückenvenen führen, die durch den Subduralraum verlaufen. Diese Venen sind aufgrund ihrer Lage besonders anfällig für Verletzungen durch Scherkräfte.

Weitere mögliche Ursachen sind:

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  • Antikoagulanzientherapie: Patienten, die gerinnungshemmende Medikamente wie Warfarin oder Thrombozytenaggregationshemmer wie Aspirin einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko für Blutungen, auch im Subduralraum des Rückenmarks.
  • Gerinnungsstörungen: Angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen können ebenfalls zu einer erhöhten Blutungsneigung führen.
  • Arteriovenöse Malformationen (AVM): Selten können AVMs, abnormale Verbindungen zwischen Arterien und Venen im Rückenmarkbereich, zu einer Subduralblutung führen.
  • Tumoren: In seltenen Fällen können Tumoren im Bereich des Rückenmarks oder der Wirbelsäule Blutungen verursachen.
  • Iatrogene Ursachen: Medizinische Eingriffe wie Lumbalpunktionen oder Spinalanästhesie können in sehr seltenen Fällen zu einer Subduralblutung führen.

Symptome einer Subduralblutung des Rückenmarks

Die Symptome einer Subduralblutung des Rückenmarks können je nach Größe und Lokalisation der Blutung variieren. Sie können plötzlich oder allmählich auftreten und folgende Beschwerden umfassen:

  • Rückenschmerzen: Plötzliche, heftige Rückenschmerzen sind ein häufiges Symptom.
  • Radikuläre Schmerzen: Ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Beine, die durch Nervenwurzelreizung verursacht werden.
  • Schwäche oder Lähmung: Muskelschwäche oder Lähmung in den Extremitäten, abhängig von der Höhe der Rückenmarkskompression.
  • Sensibilitätsstörungen: Taubheit, Kribbeln oder Verlust der Sensibilität in bestimmten Körperbereichen.
  • Blasen- und Darmfunktionsstörungen: Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Stuhlgang, bis hin zur Inkontinenz.
  • Querschnittssyndrom: In schweren Fällen kann es zu einem kompletten Querschnittssyndrom mit Verlust aller motorischen und sensorischen Funktionen unterhalb der Läsionshöhe kommen.

Diagnose einer Subduralblutung des Rückenmarks

Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung. Folgende diagnostische Maßnahmen werden in der Regel durchgeführt:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und führt eine umfassende neurologische Untersuchung durch, um die Symptome zu beurteilen und die Lokalisation der Schädigung zu bestimmen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist das bildgebende Verfahren der Wahl, um eine Subduralblutung des Rückenmarks zu diagnostizieren. Sie ermöglicht eine detaillierte Darstellung des Rückenmarks und der umgebenden Strukturen und kann die Blutung sowie eventuelle Begleitverletzungen wie eine Rückenmarkskompression darstellen.
  • Computertomographie (CT): Eine CT-Untersuchung kann in bestimmten Fällen durchgeführt werden, insbesondere wenn eine MRT nicht verfügbar oder kontraindiziert ist. Sie ist jedoch weniger sensitiv für die Darstellung von Subduralblutungen als die MRT.
  • Liquoruntersuchung: In einigen Fällen kann eine Lumbalpunktion durchgeführt werden, um eine Probe der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit zu entnehmen und auf Blut zu untersuchen. Dies ist jedoch nicht immer notwendig und kann bei Vorliegen einer Raumforderung kontraindiziert sein.

Behandlung einer Subduralblutung des Rückenmarks

Die Behandlung einer Subduralblutung des Rückenmarks hängt von der Größe und Lokalisation der Blutung, dem Ausmaß der Rückenmarkskompression und den neurologischen Symptomen des Patienten ab. Es gibt sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten:

  • Konservative Behandlung: Bei kleinen Blutungen ohne signifikante Rückenmarkskompression oder neurologische Ausfälle kann eine konservative Behandlung ausreichend sein. Diese umfasst:
    • Beobachtung: Regelmäßige neurologische Untersuchungen und bildgebende Kontrollen, um die Entwicklung der Blutung zu überwachen.
    • Schmerzlinderung: Medikamente zur Schmerzlinderung, wie z.B. nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide.
    • Kortikosteroide: In einigen Fällen können Kortikosteroide eingesetzt werden, um die Entzündung und das Ödem im Bereich des Rückenmarks zu reduzieren.
  • Operative Behandlung: Eine Operation ist in der Regel erforderlich, wenn die Blutung zu einer signifikanten Rückenmarkskompression führt oder neurologische Ausfälle verursacht. Ziel der Operation ist es, die Blutung zu entfernen und das Rückenmark zu entlasten.
    • Laminektomie: Bei diesem Eingriff wird ein Teil des Wirbelbogens (Lamina) entfernt, um Zugang zum Subduralraum zu erhalten.
    • Durale Inzision und Hämatomentfernung: Die Dura mater wird eröffnet und das Hämatom vorsichtig entfernt.
    • Drainage: Eine Drainage kann eingelegt werden, um restliches Blut oder Flüssigkeit abzuleiten und eine erneute Ansammlung zu verhindern.
    • Stabilisierung: In einigen Fällen kann eine Stabilisierung der Wirbelsäule erforderlich sein, insbesondere wenn die Blutung durch eine Fraktur oder Instabilität verursacht wurde.

Mögliche Komplikationen

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff gibt es auch bei der operativen Behandlung einer Subduralblutung des Rückenmarks potenzielle Komplikationen. Dazu gehören:

  • Infektion: Infektionen der Wunde oder des Rückenmarks (Meningitis, Myelitis).
  • Blutungen: Nachblutungen oder erneute Bildung eines Hämatoms.
  • Nervenverletzungen: Verletzungen von Nervenwurzeln oder des Rückenmarks, die zu Sensibilitätsstörungen, Schwäche oder Lähmung führen können.
  • Liquorleck: Austritt von Hirn-Rückenmarksflüssigkeit.
  • Thrombose: Bildung von Blutgerinnseln in den Venen der Beine oder Lunge.

Prognose

Die Prognose nach einer Subduralblutung des Rückenmarks hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Ursache der Blutung, die Schwere der Rückenmarkskompression, das Vorhandensein neurologischer Ausfälle und der Zeitpunkt der Behandlung. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können die Chancen auf eine gute Erholung verbessern. Einige Patienten erholen sich vollständig, während andere bleibende neurologische Schäden zurückbehalten können.

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Prävention

Einige Risikofaktoren für eine Subduralblutung des Rückenmarks lassen sich beeinflussen. Dazu gehören:

  • Vermeidung von Traumata: Tragen Sie bei sportlichen Aktivitäten oder bei der Arbeit Schutzkleidung, um Kopf- und Rückenverletzungen vorzubeugen.
  • Kontrolle von Gerinnungsstörungen: Patienten, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, sollten regelmäßig ihren INR-Wert überprüfen lassen und ihre Medikamente gemäß den Anweisungen des Arztes einnehmen.
  • Behandlung von Grunderkrankungen: Grunderkrankungen, die das Risiko für Blutungen erhöhen, wie z.B. Bluthochdruck oder Gerinnungsstörungen, sollten behandelt werden.

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