Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Hüftschmerzen, Knieschmerzen - Beschwerden am Bewegungsapparat sind weit verbreitet. Doch die Ursachen sind vielfältig und reichen von harmlosen Auslösern bis hin zu komplexen Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die Möglichkeiten der Blutegeltherapie, insbesondere im Zusammenhang mit dem Sulcus-Ulnaris-Syndrom, und gibt einen Überblick über weitere Anwendungsgebiete und wichtige Aspekte dieser traditionellen Behandlungsmethode.
Einführung in die Blutegeltherapie
Die Blutegeltherapie ist ein traditionelles Naturheilverfahren, das seit Jahrhunderten zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt wird. Dabei werden medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) auf die Haut aufgebracht, die sich festsaugen und Blut saugen. Gleichzeitig geben sie über ihren Speichel verschiedene medizinisch wirksame Substanzen ab, die entzündungshemmende, gerinnungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften haben.
Das Sulcus-Ulnaris-Syndrom (Kubitalkunnelsyndrom)
Das Kubitaltunnelsyndrom (KUTS), auch Sulcus-ulnaris-Syndrom (SUS) genannt, ist eine Läsion bzw. Kompression des Nervus ulnaris im Ellenbogengelenksbereich. Es handelt sich um das zweithäufigste Engpasssyndrom (nach dem Karpaltunnelsyndrom). Der linke Arm ist häufiger betroffen, in etwa ein Drittel der Fälle kommt das Syndrom beidseitig vor.
Symptome des Sulcus-Ulnaris-Syndroms
Typische Symptome des Kubitaltunnelsyndroms (KUTS) sind:
- Kribbelparästhesien ("Ameisenlaufen")
- Taubheitsgefühl und Schmerzen im Bereich des Klein- und Ringfingers
- Kraftminderung in der Hand der betroffenen Seite - zunächst Ungeschicklichkeit/Kraftlosigkeit der Hand, so dass Dinge fallen gelassen werden oder einfache Handlungen, wie z. B. das Aufschließen der Tür nur noch schwer oder gar nicht mehr möglich sind.
- Erst in einem späten Stadium vollständige Ausbildung der sogenannten „Krallenhand“
- Atrophie des ersten Zwischenfingerraums (zwischen Daumen und Zeigefinger). Das "Verschwinden" des Muskelgewebes ist zum großen Teil durch absterben der Muskelfasern bedingt und auch nach einer erfolgten Dekompression meist nicht mehr rückläufig.
Ursachen des Sulcus-Ulnaris-Syndroms
Es werden zwei Formen unterschieden:
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- Primäres/idiopatisches Kubitaltunnelsyndrom
- Sekundäres Kubitaltunnelsyndrom oder auch Spätparese des N. ulnaris (Bedingt durch Verletzungen/Veränderungen des Ellenbogengelenkes oder des Nerven)
Die Ursache des Kubitaltunnelsyndroms kann im Einzelnen oft nicht direkt ermittelt werden. Aus unbekannten Gründen wird das bindegewebliche Dach des Kubitaltunnels straf und komprimiert den Nerven. Man spricht dann von einem idiopathischen Kubitaltunnelsyndrom. Diabetes mellitus, Übergewicht sowie Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises und voraus- gegangene Verletzungen stellen Risikofaktoren für ein Kubitaltunnelsyndrom dar. Des Weiteren kann Überlastung durch einen intensiven Armeinsatz die Entstehung eines Kubitaltunnelsyndroms begünstigen.
In der zweiten (sekundären) Form spielen Veränderungen des Knochengewebes und des Bandapparats infolge einer Verletzung eine ursächliche Rolle. Da die oft auftretende Lähmung nicht direkt nach der Verletzung auftritt, sondern erst nach einer gewissen Zeit, spricht man von einer Spätlähmung oder Spätparese des N. ulnaris.
Diagnose des Sulcus-Ulnaris-Syndroms
Die genaue Beschwerdeschilderung des Patienten ist wegweisend. Die elektrophysiologische Untersuchung (ENG/EMG) und ggf. die Durchführung einer Nervensonographie kann die Verdachtsdiagnose bestätigen.
Behandlungsmöglichkeiten des Sulcus-Ulnaris-Syndroms
Eine konservative Therapie ist nur bei der leichten Form des Kubitaltunnelsyndroms zu empfehlen, z.B. wenn nur Kribbeln und gelegentlich ein leichtes Taubheitsgefühl vorhanden sind. In diesen Fällen ist eine nächtliche Ruhigstellung mit einer Ellenbogengelenksschiene mit guter Polsterung von der Mitte des Oberarmes bis zur Hand und mit ca 30° Beugung am Ellenbogen zu empfehlen. Bei ausgeprägter Taubheit oder sogar schon aufgetretener Schwäche droht dauerhafte Schädigung des Nervs und der kleinen Handmuskeln, wenn die Ursache der Schädigung nicht beseitigt wird.
Mit der Operation wird die Einengung des Nervus ulnaris im Kubitaltunnel am Ellenbogengelenk beseitigt. Es gibt zwei Methoden der operativen Entlastung des Nervs:
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- Alleinige Dekompression des N. ulnaris (offen oder endoskopisch)
- Subcutane/submuskuläre Vorverlagerung des N. ulnaris
Die Entscheidung, welches Verfahren zur Anwendung kommt und ob eine alleinige Dekompression ausreichend oder eine Vorverlagerung des Nerven von Nöten ist, wird am Einzelfall entschieden. Der Goldstandard ist leitliniengemäß die einfache Dekompression des Nervs, die standardmäßig endoskopisch durchgeführt wird. Der Vorteil der Endoskopie liegt in der kleineren Narbe, bei der sehr oft auch kein Fadenzug erforderlich ist. Eine Vorverlagerung ist für ausgeprägte anatomische Veränderungen des Ellenbogens reserviert, so dass diese seltener schon im Vorfeld geplant wird. Häufiger wird über eine Vorverlagerung erst intraoperativ entschieden, wenn sich die ursprüngliche Loge des Nervs als ungeeignet zeigt.
Nachsorge nach einer Operation
Um eine rasche Wundheilung und Genesung des Armes zu erreichen, sollte der Arm in den ersten Tagen geschont werden. Bereits ab dem ersten postoperativen Tag ist ein vorsichtiges Bewegen des Ellenbogens erforderlich. Am dritten Tag nach der Operation kann der Wickelverband abgelegt werden.
Schwere Arbeiten mit dem betroffenen Arm sollten für 2-4 Wochen unterlassen werden.
Nach 2-3 Wochen ist der Arm zum alltäglichen Gebrauch wie auch für die meisten beruflichen Tätigkeiten wieder einsatzfähig. Zur Schonung des Ellennerven sollte eine starke Beugung des Ellenbogens über einen längeren Zeitraum, z.B. beim Abstützen am Schreibtisch oder beim Einschlafen, sowohl nach der Operation als auch in der Zukunft vermieden werden.
Blutegeltherapie als alternative oder ergänzende Behandlung
Obwohl die Datenlage zur Wirksamkeit der Blutegeltherapie beim Sulcus-Ulnaris-Syndrom begrenzt ist, könnte sie in bestimmten Fällen eine sinnvolle Ergänzung zu anderen konservativen Behandlungen darstellen. Die entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften der von den Blutegeln abgegebenen Substanzen könnten dazu beitragen, die Symptome zu lindern und die Heilung zu fördern. Es ist jedoch wichtig, die Blutegeltherapie nur in Absprache mit einem erfahrenen Arzt oder Therapeuten in Betracht zu ziehen.
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Anwendungsgebiete der Blutegeltherapie
Die Blutegeltherapie wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt, darunter:
- Schmerzhafte Venenerkrankungen: Krampfadern, Besenreiser, chronisch venöse Insuffizienz
- Arthrose: Gelenkverschleiß, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen
- Tinnitus: Ohrgeräusche
- Tennisellbogen und Golferellbogen: Reizungen und Entzündungen der Sehnenansätze am Ellenbogen
- Rückenschmerzen: Verspannungen, Blockaden, Bandscheibenprobleme
- Hüftschmerzen: Arthrose, Schleimbeutelentzündung
- Knieschmerzen: Arthrose, Meniskusschäden
- Weitere Anwendungsgebiete: Kopfschmerzen, Migräne, rheumatische Erkrankungen, Wundheilungsstörungen
Wie funktioniert die Blutegeltherapie?
Der Medizinische Blutegel wird bereits seit Jahrhunderten zur medizinischen Behandlung eingesetzt. Sein Beißwerkzeug besteht aus drei Chitinkiefern, mit denen er mit Leichtigkeit selbst dickes Tierfell durchdringen kann. Er saugt ca. 10 - 15 ml Blut und gibt gleichzeitig über den Speichel verschiedene medizinisch wirksame Substanzen, wie Hirudin, Eglin C, Calin, Bdellin und andere, ab. Die erwünschte Wirkung wird einerseits über den lokalen Aderlass und andererseits über die Substanzwirkungen (gerinnungs-, entzündungshemmend, lymphabstrombeschleunigend) erreicht.
Ablauf einer Blutegeltherapie
- Vorbereitung: Einen Tag vor und am Tag der Behandlung sollten Sie keine parfümierte Creme, kein Duschgel oder medizinische Salben und Öle verwenden.
- Behandlung: Die eigentliche Blutegeltherapie beläuft sich auf ca. 2 Stunden. Sie sollten sich in diesem Zeitraum ruhig verhalten.
- Nachsorge: Am Tag der Behandlung und am Folgetag sollten Sie sich schonen und keine starke körperliche Aktivität vornehmen. Nach Abschluss der Behandlung bekommen Sie einen wattierten Saugverband, der Sie eventuell in der Bewegungsfreiheit einschränkt. Wir raten Ihnen dazu, weite Kleidung, ggf. weite (offene) Schuhe zu tragen. Der Verband muss bis zum nächsten Tag belassen werden. Anschließend können handelsübliche Pflaster verwendet werden, bis die Nachblutung vollständig beendet ist. Um eine Reizung der Bissstelle zu verhindern, sollten Sie Wärmeanwendungen, sowie längere Aufenthalte im Wasser (Duschen) und das Auftragen ätherischer Öle in den nachfolgenden 1-2 Tagen vermeiden.
Mögliche Reaktionen nach der Behandlung
Häufig kommt es zu einer juckenden Rötung um die Bissstellen. Dies ist in der Regel nicht bedrohlich und Teil der Wirkung. Diese Symptome lassen sich meist mit einfachen Mitteln (z.B. Kälteauflagen, Salbe gegen Insektenstiche) gut behandeln. Kratzen sollte unbedingt unterlassen werden, um eine Infektion zu vermeiden. An der Bissstelle des Blutegels bildet sich anschließend eine kleine punktförmige Narbe aus, die im Lauf der Zeit verblasst.
Wiederholung der Behandlung
Aus medizinischer Sicht ist es oft sinnvoll, die Blutegelbehandlung zu wiederholen und drei Blutegelbehandlungen im Abstand von 2-3 Monaten durchzuführen.
Wichtige Hinweise zur Blutegeltherapie
- Qualität der Blutegel: Die hier genutzten Blutegel werden ausschließlich für medizinische Zwecke in Deutschland gezüchtet. Sie sind daher als Fertigarzneimittel eingestuft.
- Kostenübernahme: Die Kosten der Behandlung werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel übernommen.
- Kontraindikationen: Eine Blutegeltherapie darf nicht erfolgen, wenn blutverdünnende Medikamente eingenommen werden. Wir raten dringend von einem eigenmächtigen Pausieren ab und bitten um vorherige Rücksprache über das Sekretariat.
- Ärztliche Beratung: Eine umfassende Anamnese und körperliche Untersuchung sind vor der Blutegeltherapie unerlässlich, um mögliche Risiken auszuschließen und die bestmögliche individuelle Behandlung zu gewährleisten.
Weitere konservative Behandlungsansätze bei Beschwerden am Bewegungsapparat
Neben der Blutegeltherapie gibt es eine Vielzahl weiterer konservativer Behandlungsansätze, die je nach Art und Ursache der Beschwerden in Frage kommen:
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung.
- Manuelle Therapie: Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates durch spezielle Handgriffe.
- Akupunktur: Traditionelle chinesische Medizin zur Schmerzlinderung und Aktivierung der Selbstheilungskräfte.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Förderung der Durchblutung und Entspannung der Muskulatur.
- Schmerzmedikamente: Linderung von Schmerzen und Entzündungen.
- Injektionen: Injektion von entzündungshemmenden oder schmerzlindernden Medikamenten in die betroffene Region.
- Orthopädische Hilfsmittel: Bandagen, Orthesen oder Einlagen zur Unterstützung und Entlastung der Gelenke.
- Ergonomie: Anpassung des Arbeitsplatzes und derAlltagsaktivitäten zur Vermeidung von Fehlbelastungen.
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