Die Supination des Fußes, auch Unterpronation genannt, ist ein Zustand, bei dem der Fuß beim Gehen oder Laufen übermäßig nach außen rollt. Dies kann zu einer ungleichmäßigen Belastung des Fußes und des Unterschenkels führen, was wiederum verschiedene Beschwerden und Verletzungen verursachen kann. Obwohl die Supination weniger häufig vorkommt als die Pronation (das übermäßige Einwärtsrollen des Fußes), ist es wichtig, sie zu erkennen und zu behandeln, um langfristige Probleme zu vermeiden.
Was ist Supination?
Die Supination beschreibt eine komplexe Bewegung des Fußes, die aus drei Komponenten besteht: Plantarflexion (Beugung nach unten), Inversion (Einwärtsdrehung) und Adduktion (Heranführung zur Körpermitte). Im Gegensatz zur Hand, wo Supination eine Auswärtsdrehung des Unterarms bedeutet, handelt es sich beim Fuß um eine Bewegung, bei der der innere Fußrand angehoben und der äußere Fußrand gesenkt wird. Diese Auswärtsdrehung des Fußes führt zu einer charakteristischen Abrollbewegung, bei der die Belastung hauptsächlich über den Fußaußenrand erfolgt.
Ursachen der Supination
Die Entstehung einer Fußsupination hat meist mehrere Ursachen, die sowohl anatomischer als auch funktioneller Natur sein können.
- Hohlfuß: Eine der häufigsten anatomischen Ursachen ist der Hohlfuß, eine Fußfehlstellung, bei der das Längsgewölbe übermäßig hoch ausgeprägt ist. Diese Fußform führt zu einer natürlichen Tendenz zur Supination, da der Fuß nicht vollständig auf dem Boden aufliegen kann. Ein Hohlfuß mit sehr starkem Fußgewölbe sorgt durch seine eingeschränkte Flexibilität ebenfalls für ein Abrollen über den kleinen Zeh.
- Starres, unflexibles Fußgewölbe: Wenn das Fußgewölbe seine natürliche Elastizität verliert, kann es nicht mehr ausreichend als Stoßdämpfer fungieren. Die Folge ist eine verstärkte Supination als Kompensationsmechanismus des Körpers. Diese Steifheit kann angeboren sein oder sich durch Verletzungen oder Überlastung entwickeln.
- O-Beine (Genu varum): Diese Beinachsenfehlstellung verstärkt die Tendenz zur Supination erheblich. Bei dieser Fehlstellung stehen die Knie weiter auseinander, wodurch sich die gesamte Beinachse verändert. Dies führt zu einer veränderten Kraftübertragung auf den Fuß, die eine Supination begünstigt.
- Muskuläre Ungleichgewichte: Ungleichgewichte zwischen den Tibialis- und Peronaeus-Muskeln spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Wenn die Muskeln, die für die Inversion des Fußes verantwortlich sind, stärker sind als die Evertoren, entsteht eine Dysbalance, die zur Supination führt.
- Genetische Veranlagung: Die genetische Veranlagung darf nicht unterschätzt werden. Familiengeschichte zeigt oft ähnliche Fußtypen, da die Grundstruktur des Fußes vererbt wird. Angeborene Fußfehlstellungen können bereits im Kindesalter zu Supinationstendenzen führen, die sich im Erwachsenenalter manifestieren.
- Untrainierte Läufer: Bei untrainierten Läufern kann eine Schwäche des Stützapparates zur Supination beitragen. Wenn die stabilisierenden Muskeln und Bänder nicht ausreichend trainiert sind, kann der Fuß seine neutrale Position nicht halten.
Des Weiteren können Fehlstellung von Füßen und Beinen, also beispielsweise ein ausgeprägter Hohlfuß oder O-Beine, ursächlich sein.
Symptome der Supination
Verschiedene Beschwerden können auf eine überwiegende Supinationsbewegung beim Joggen hinweisen.
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- Schmerzen im Fußaußenrand: Durch die verstärkte Belastung des Fußaußenrandes kann es zu Schmerzen und Druckstellen an der höchsten Stelle des Spanns, an der Fußsohle des Ballens und den Zehen kommen, was zu Fußschmerzen und zu Schwierigkeiten beim Gehen führen kann.
- Umknicktrauma: Die extreme Belastung der Außenbänder im Sprunggelenk kann ein Umknick- bzw. Supinationstrauma und den Riss eines der Bänder (Ligamentum talofibulare anterius, seltener: Lig. calcaneofibulare, Lig. talofibulare posterius) bedingen. Verstauchte Knöchel sind die Folge. Während der Heilung wird dann oft unbewußt eine Schonhaltung eingenommen. Diese zusätzliche Überlastung der Sehnen und Bänder führt zur Überdehnung oder sogar einem Riß im Bandapparat.
- Abnutzung der Schuhe: Am Ballen und am äußeren Rand verschleißen die Schuhe leicht.
- Morton-Neuralgie: Die Morton-Neuralgie, auch Morton-Metatarsalgie, Morton-Syndrom oder Morton-Neurom genannt, ist eine schmerzhafte Erkrankung im Bereich der Füße, ausgehend von einer Kompression (neural entrapment) der Plantarnerven (Nervi plantares des Nervus tibialis) zwischen den Köpfchen der Mittelfußknochen.
- Lähmung: Eine dauerhafte Fehlbelastung fördert weitere Schädigungen der Nerven im Bereich des Sprunggelenkes. Muskellähmungen sind hier die Folge. Der Nervus peroneus ist ein Nerv am Bein. Eine Beschädigung kann zu Empfindungsstörungen und zum Steppergang führen.
- Weitere mögliche Folgen: Außerdem können Entzündungen der Achillessehne, sowie Schäden an Knien, Hüftgelenken und der Wirbelsäule entstehen.
Diagnose der Supination
Bei der Diagnose Supination des Fußes kommt es während der Abrollbewegung zu einer verstärkten Belastung der Fußaußenseiten hin zum 5. Mittelfußkopf. Dieses Diagnose ist relativ selten. Nur rund 10 Prozent aller Läufer leiden an diesem Bewegungsbild.
Um die Schutzbedürftigkeit des Patienten eindeutig festlegen zu können, ist die Früherkennung einer Neuropathie von großer klinischer Bedeutung; dazu werden Rydel-Seiffer-Stimmgabel, Monofilament-, Pinprick-Test, Temperaturdiskrimination, Muskeleigenreflex- und weitere Tests eingesetzt.
- Ganganalyse: Eine Ganganalyse ermöglicht es, subtile Abweichungen und Unregelmäßigkeiten im Gang- und Laufmuster zu identifizieren, die mit bloßem Auge oft nicht erkennbar sind.
- Laufbandanalyse: Die Laufbandanalyse ist sehr zielführend für die Diagnostik der Fußfehlstellung bei Läufern, da der Fuß gezielt während der problematischen Bewegung beobachtet werden kann. Beurteilt wird das Laufverhalten, die Stellung der Gelenke und gegebenenfalls die Wirksamkeit und das Erforderlichsein von Einlagen. Videokameras nehmen die Laufbewegung von allen Seiten auf und helfen so bei einer differenzierten Beurteilung der Fußstellung insbesondere während der Aufprallbewegung, die bei der Supinationsstellung besonders problematisch ist. Eine Druckmessplatte ermöglicht die Darstellung der Druckverteilung und der Kraft vom Fuß bis zum Hüftgelenk. Dies gibt Auskunft unter anderem über die Gelenkbelastungen und die Schonhaltung des Fußes.
Behandlungsmöglichkeiten der Supination
Die Behandlung der Supination erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die Ursachen als auch die Symptome berücksichtigt.
- Fußgymnastik: Wenn eine Hohlfuß-Fehlstellung, eine muskuläre Problematik oder generelle Instabilität ursächlich ist, hilft Fußgymnastik und das gezielte Trainieren der schwächeren Muskelgruppen, um die Strukturen zu stärken und somit mit einer Pronationsbewegung der Supination entgegenzuwirken. Geeignet sind unter anderem der Zehen- und Fersengang, das Auf- und Abwippen beziehungsweise Abrollen über die Ferse, Seilspringen, Greifbewegungen mit den Zehen, Fußkreisen und der Einbeinstand.
- Schuhe: Beim Kauf der Laufschuhe ist zu beachten, dass ein Neutralschuh gewählt wird. Eine Pronationsstütze, also eine Verstärkung der Sohle an der inneren Seite wäre kontraproduktiv, da die Fußaußenseite noch stärker belastet werden würde. Ein guter Halt durch festeres Obermaterial verhindert die unerwünschte Bewegung des Fußes seitlich über die Schuhsohle hinaus. Supinierer benötigen eine Verstärkung im Zehenbereich und einen gebogenen Leisten mit entsprechender Dämpfung. Passgenaue Schuhe mit einer stabilisierenden, dem Bewegungsablauf angepassten Sohle, sind notwendig.
- Einlagen: Bei starken Beschwerden und angeborenen Fehlstellung der Beine oder Füße können Einlagen mit stützender und dämpfender Funktion sinnvoll sein. In der Regel wird bei einer Supination eine sogenannte Pronationsstütze eingebaut. Das ist eine Erhöhung auf dem vorderen Außenrand der Einlage um den Fuß beim Abrollen Richtung Großzehe zu bringen. Dies muss aber vorab mit einer Laufbandanalyse abgeklärt werden. Diese dient zur genauen Bestimmung der Druckverteilung beim Abrollen in Bezug auf die Fuß-, Knie- und Hüftstellung. Einlagen können nur passive die Fehlstellung der Supination korrigieren. Eine unter Angaben der Schmerzen oder der Diagnose angepasste Anti-Schmerz-Schuheinlage von myonso® kann einer Fehldynamik im Gang vorbeugen.
- Operation: Operiert wird bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden, andauernden Schmerzen und einer fehlenden Besserung einer Druckläsion. In diesen Fällen wird der Nerv druckentlastet (Dekompression). Auch bei einer Kompression durch ein Ganglion kann operiert werden. Falls der Nerv durchtrennt wurde, kann eine Operation durchgeführt und die Nervenstümpfe aneinandergenäht werden. Wenn dauerhaft keine Besserung eintritt, gibt es eine weitere Möglichkeit, die Fußhebung wiederherzustellen: Dazu versetzt man ein Sehnenstück des Musculus tibialis posterior, in den Bereich des Fußrückens (Musculus-tibialis-posterior-Transfer).
Prävention
- Vermeiden Sie einseitige Überlastungen.
- Tragen Sie bequeme, gut passende Schuhe mit ausreichend „Fußbett“, benutzen Sie bestenfalls Einlagen und achten Sie darauf, dass die Zehen genug Platz finden.
- Betätigen Sie sich regelmäßig körperlich. Kontinuierliche Bewegung kräftigt Fuß- und Wadenmuskulatur, fördert die Durchblutung und trainiert neben der Koordination und dem Gleichgewichtssinn zudem auch Ihr Herz-Kreislaufsystem. Wählen Sie dazu am besten gelenkschonende Sportarten wie beispielsweise Schwimmen, Radfahren oder geeignete Geräte im Fitness-Center.
- Erhalten Sie Ihr Idealgewicht. Bedenken Sie einmal wie viele Kilogramm Körpergewicht sich auf die verhältnismäßig kleine Tragfläche der Fußsohlen verteilt.
- Barfuß laufen auf unterschiedlichen Böden fördert die Entwicklung. Da sich das kindliche Fußgewölbe meist von alleine aufrichtet, ist eine ärztliche Behandlung in der Regel nicht erforderlich. Im Gegenteil: Bei kleinen Kindern führen stützende und führende orthopädische Einlagen in Schuhen eher zur Schonung und damit zu geschwächten Bändern und Muskeln.
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