FSME nach Zeckenbiss: Symptome, Diagnose und Prävention

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine ernstzunehmende, durch Zecken übertragene Viruserkrankung, die Entzündungen des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks verursachen kann. Fast immer erfolgt die Übertragung durch infizierte Zecken. Die FSME-Erreger kommen in vielen Ländern Europas vor und werden hauptsächlich durch Zecken auf den Menschen übertragen. Die Erkrankung tritt vorwiegend im Frühjahr und Sommer auf, vereinzelt auch im Herbst, da Zecken ab einer Außentemperatur von etwa 5 Grad Celsius aktiv werden.

Was ist FSME?

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine akute Entzündung der Hirnhäute, die oft auch das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Sie wird vom FSME-Virus ausgelöst, das in Deutschland fast immer durch Zecken übertragen wird. Daher wird die Erkrankung auch Zeckenenzephalitis genannt. Seltener erfolgt die Übertragung durch virusinfizierte Rohmilch von Ziegen, Schafen und - extrem selten - von Kühen.

Eine FSME-Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nur bei einer Organtransplantation möglich.

Ursachen und Übertragung

Die Ursache der FSME liegt in dem FSME-Virus, das zur Familie der Flaviviren gehört. Es gibt drei Subtypen: den fernöstlichen, den europäischen oder westlichen und den sibirischen Subtyp. In Europa erfolgt die Übertragung hauptsächlich durch Zecken, die als Hauptwirte Vögel und Säugetiere (z. B. Rehe, Rotwild, meistens kleine Säugetiere wie Mäuse) befallen. Auch Menschen können als Wirte dienen und von FSME betroffen sein.

Das FSME-Virus wird überwiegend von Zecken übertragen, indem die Viren durch den Zeckenspeichel in den Körper des Menschen und in dessen Blutbahn gelangen. In äußerst seltenen Fällen kann die Erkrankung auch durch verunreinigte Lebensmittel, wie nicht pasteurisierte Milch von Ziegen, Kühen oder Schafen, übertragen werden.

Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick

Zecken halten sich hauptsächlich in dichten Gräsern, Sträuchern und im Unterholz auf, bis ca. 1,5 m über dem Erdboden. Die Wahrscheinlichkeit, von einer Zecke gebissen zu werden, ist somit vor allem im Wald, an Wegrändern, in Parkanlagen und Gärten erhöht.

Symptome

Nicht in allen Fällen geht eine FSME mit Symptomen einher. Falls doch, kommt es ein bis zwei Wochen nach dem Stich zu leichten Krankheitsanzeichen. Die meisten FSME-Infektionen verlaufen asymptomatisch. Kommt es allerdings zu einer symptomatischen Infektion, äußert sich diese in der Mehrzahl der Fälle in zwei Stadien (biphasischer Krankheitsverlauf).

Erste Krankheitsphase

Etwa 7-14 Tage nach dem Zeckenstich treten grippeähnliche Symptome auf, die ungefähr eine Woche anhalten. Betroffene klagen über ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. Es kann allerdings auch zu Erbrechen und Schwindel kommen. Die Anzeichen werden in dieser Phase oft mit einem Infekt oder einer Grippe verwechselt, vor allem wenn der Zeckenstich unbemerkt blieb.

Zweite Krankheitsphase

Nach der ersten Krankheitsphase kommt es zu einem fieberfreien Intervall, das mehrere Tage bis Wochen anhalten kann. Bei etwa 70% der Patienten, bei denen es zu Symptomen kommt, treten innerhalb von 21 Tagen erneut Symptome auf. Das Fieber steigt wieder und es kommen neurologische Beschwerden (Lähmungen und Bewusstseinsstörungen) hinzu. Grund dafür ist bei etwa 50 % aller Betroffenen eine isolierte Meningitis (Hirnhautentzündung). In etwa 40 % der Fälle sind nicht nur die Hirnhäute, sondern auch das Hirngewebe von der Entzündung betroffen (Meningoenzephalitis). Bei ca. 10 % der Betroffenen kommt es zu einem Entzündungsprozess in Hirn- und Rückenmarksgewebe (Meningoenzephalomyelitis). In seltenen Fällen kann sich die Entzündung auf das Rückenmark allein (Myelitis) oder nur auf Nervenwurzeln, die am Rückenmark entspringen (Radikulitis) beschränken.

Die Symptome sind davon abhängig, wo die Entzündung zu verorten ist:

Lesen Sie auch: Korsakow-Demenz: Ein umfassender Überblick

Entzündung der Hirnhaut (Meningitis)

  • Allgemeinbefinden stark eingeschränkt
  • Kopfschmerzen, schmerzhafte Nackensteifigkeit (Meningismus), hohes Fieber
  • Ggf. Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheue, Unruhe
  • Bei Säuglingen, Kindern und Neugeborenen können weitere Symptome auf eine Meningitis hinweisen

Entzündung der Hirnhäute und des Hirngewebes (Meningoenzephalitis)

Da es sich bei einer Meningoenzephalitis um eine Infektion der Hirnhäute und des Hirngewebes handelt, können alle Symptome einer Meningitis (Hirnhautentzündung) ebenfalls bei einer Meningoenzephalitis vorkommen. Weitere Symptome einer Enzephalitis können beispielsweise sein:

  • Bewusstseinsstörungen
  • Orientierungsstörungen
  • Aufmerksamkeit- und Gedächtnisstörungen
  • Halluzinationen
  • Schlafstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Epileptische Anfälle
  • Sprachstörungen
  • Lähmungen
  • Verhaltensänderungen
  • Koordinationsstörungen

Entzündung des Gehirn, der Hirnhäute und des Rückenmarks (Meningoenzephalomyelitis)

Bei einer Meningoenzephalomyelitis kommt es neben einer Entzündung der Hirnhäute und des Hirngewebes zusätzlich zu einer Entzündung des Rückenmarksgewebes, was sich durch folgende zusätzliche Symptome äußern kann:

  • Sensibilitätsstörungen
  • Abgeschwächte Reflexe
  • Lähmungen bis hin zur Querschnittslähmung

Diagnose

Ein zurückliegender Aufenthalt in einem FSME-Gebiet verbunden mit einem Zeckenstich ist ein erster Hinweis auf eine Infektion mit dem Virus. Spezielle Untersuchungen ermöglichen eine sichere Diagnose.

Blutuntersuchung

Im Verlauf der Erkrankung bildet der Körper sogenannte IgM- und IgG-Antikörper gegen das FSME-Virus. Diese speziellen Abwehrstoffe des Immunsystems lassen sich im Blut und im Nervenwasser (Liquor) nachweisen. Der behandelnde Arzt kann mithilfe einer Lumbalpunktion eine Liquorprobe entnehmen und sie unter anderem auf entsprechende Antikörper untersuchen, um so eine Frühsommer-Meningoenzephalitis nachzuweisen.

Direkter Virusnachweis

Der Virus selbst ist bereits zu Beginn der Erkrankung im Blut und Liquor nachweisbar. Ein direkter Erregernachweis ist zwar nicht Voraussetzung für die Diagnosestellung, allerdings kann man so vor einem Antikörpernachweis bereits eine Diagnose stellen.

Lesen Sie auch: Ein umfassender Leitfaden zur idiopathischen generalisierten Epilepsie

Therapie

Da keine antivirale Therapie verfügbar ist, die FSME behandelt, können durch die Therapie nur die Symptome gelindert werden. Eine Heilung erfolgt allerdings nicht. Die Symptome werden hauptsächlich durch beruhigende, krampflösende und schmerzlindernde Medikamente verringert. Sind mit der FSME schwerwiegende Folgen (z. B. Lähmungen) verbunden, sind außerdem Rehabilitationsmaßnahmen erforderlich (z. B. Krankengymnastik).

Verlauf und Prognose

Die Prognose der FSME ist individuell und davon abhängig, unter welcher Verlaufsform man leidet. In den meisten Fällen heilt die Krankheit folgenlos aus. Bei schweren Verläufen können jedoch bleibende Schäden am Nervensystem entstehen, es kann sogar zum Tod kommen. Der konkrete Verlauf hängt davon ab, welche Strukturen des Nervensystems betroffen sind.

  • Prognose: Sind nur die Hirnhäute entzündet (isolierte Meningitis), heilt die FSME in der Regel ohne Folgeschäden zu hinterlassen aus. Wenn zusätzlich das Gehirngewebe entzündet ist (Meningoenzephalitis) bleiben bei etwa 20% der Patienten neurologische Defizite. Ist zusätzlich das Rückenmarksgewebe betroffen (Meningoenzephalomyelitis), bleiben bei etwa 50% der Patienten neurologische Defizite zurück.

Die Prognose hängt also von unterschiedlichen Faktoren ab. Eine schlechtere Prognose haben in der Regel immungeschwächte Patienten, sowie Patienten, die zum Erkrankungszeitpunkt bereits über 60 Jahre alt sind. Außerdem gilt es als prognostisch ungünstig, wenn Männer an FSME erkranken. Die allgemeine Letalität bei FSME liegt bei ca. 1 %, handelt es sich um eine FSME die sich als (Meningo)Enzephalomyelitis zeigt, liegt die Letalität sogar bei ca. 30%.

Risikogebiete

Nicht alle Zecken sind mit FSME infiziert. Die Wahrscheinlichkeit, dass es an Orten mit FSME infizierte Zecken gibt, ist stark gebietsabhängig. Regionen, in denen regelmäßig Infektionen auftreten, bezeichnet man als Risikogebiete. In Deutschland gelten einige Bundesländer, vorrangig im Süden, als Risikogebiete. Zu diesen gehören: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen (Odenwald, Bergstraße, Darmstadt, Fulda, Groß-Gerau, Main-Kinzig-Kreis, Marburg-Biedenkopf, Offenbach) sowie im Thüringen (Altenburger Land, Gera, Greiz, Hildburghausen, Ilm-Kreis, Jena, Saale-Holzland-Kreis, Saale-Orla-Kreis, Saalfeld-Rudolstadt, Schmalkalden-Meiningen, Sonneberg, Suhl, Weimarer Land), Rheinland-Pfalz (Birkenfeld), Sachsen (Bautzen, Chemnitz, Dresden, Erzgebirgskreis, Görlitz, Meißen, Mittelsachsen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Vogtlandkreis, Zwickau), Nordrhein-Westfalen (Solingen), Niedersachsen (Emsland), Brandenburg (Frankfurt Oder, Oberspreewald-Lausitz, Oder-Spree, Spree-Neiße), Sachsen-Anhalt (Anhalt-Bitterfeld, Dessau-Roßlau) und das Saarland (Saarpfalz-Kreis). Außerhalb der Risikogebiete werden in Deutschland nur vereinzelte FSME-Infektionen beobachtet.

Darüber hinaus treten FSME-Erkrankungen auch in anderen Ländern Europas auf. Weitere Risikogebiete befinden sich unter anderem in:

  • Österreich
  • Schweiz
  • Estland
  • Lettland
  • Litauen
  • Tschechien
  • Ungarn
  • Slowakei
  • Polen
  • Russland
  • Weißrussland
  • Schweden
  • Dänemark
  • Finnland
  • Italien
  • Slowenien
  • Kroatien
  • Albanien

Vorbeugung

Effektive Vorbeugung kann zum einen durch Prävention und zum anderen durch eine entsprechende Impfung erfolgen. Bei Aufenthalten in Risikogebieten sollten Sie sich unbedingt impfen lassen, da >98% der FSME Infizierten in Deutschland, Österreich und der Schweiz beispielsweise nicht oder nicht vollständig geimpft waren.

Maßnahmen gegen Zeckenstiche

  • Tragen Sie in der freien Natur schützende Kleidung (lange Hosen und Ärmel, Strümpfe, feste Schuhe, Hosenbeine in die Strümpfe gesteckt)!
  • Benutzen Sie zeckenabweisende Mittel! (Achtung: Zeitlich begrenzte Wirkung und kein vollständiger Schutz)
  • Meiden Sie FSME-Risikogebiete!
  • Sollten Sie eine Zecke entdecken, entfernen Sie sie umgehend am besten mit einer Pinzette oder einem Instrument zur Zeckenentfernung
    • Zecke mit Zeckenpinzette so nah wie möglich an der Haut, an der Stichstelle greifen und langsam und gerade herausziehen
    • Desinfektion der Einstichstelle
    • die Zecke nicht zusammendrücken oder verdrehen (sonst besteht die Gefahr, dass infizierter Speichel in die Wunde gelangt)
    • auf keinen Fall Hausmittel (z. B. Öl) benutzen, da auf diese Weise ebenfalls infizierter Speichel in den Körper gelangen kann

FSME-Impfung

Die FSME-Impfung (Zeckenimpfung) bietet sicheren Schutz. Sie besteht aus 3 Teilimpfungen und wird in die Muskulatur des Oberarms gespritzt. Zwei Impfungen verleihen Ihnen höchstens zeitlich begrenzten Schutz (z. B. während eines Urlaubs in einem Risikogebiet).

  • Konventionelles Impfschema: Die ersten beiden FSME-Impfungen erhalten Sie je nach verwendetem Impfstoff im Abstand von 2 Wochen bis 3 Monaten. Die dritte Impfung erfolgt nach weiteren 5-12 oder nach 9-12 Monaten. 2 Wochen nach der zweiten Impfung setzt der vorübergehende Impfschutz bereits ein, der für die laufende Saison zunächst ausreichend ist. Die Grundimmunisierung schützt mindestens 3 Jahre vor der Erkrankung und ist nach der dritten Impfung abgeschlossen. Bei weiterbestehender Indikation sollte nach 3 Jahren eine erste Auffrischimpfung erfolgen. Weitere Auffrischimpfungen sind in der Regel im Abstand von 5 Jahren nötig.
  • Schnellimmunisierung: Ist ein schneller Impfschutz gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis nötig, kommt dieses spezielle Impfschema zum Einsatz. Auch hier hängt das Impfschema vom verwendeten Impfstoff ab. Beispielweise können die ersten beiden Impfungen dabei im Abstand von einer Woche erfolgen. Die dritte erfolgt zwei Wochen nach der zweiten FSME-Impfung, also drei Wochen nach der ersten Impfung. Ein verlässlicher, aber nur vorübergehender Impfschutz, besteht ab dem Tag der letzten Impfung (etwa nach 3 Wochen). Alternativ ist es möglich, die beiden ersten Impfungen in einem Abstand von zwei Wochen zu verabreichen und eine dritte Impfung nach 5-12 Monaten.

Eine erste Auffrischimpfung wird nach 3 Jahren notwendig. Weitere Auffrischimpfungen (bei Menschen unter 50 Jahren) sind erst wieder nach 5 Jahren zu empfehlen. Bei Personen ab 50 Jahren ist der Impfschutz jedoch nur sicher, wenn die Auffrischung weiterhin alle 3 Jahre stattfindet, denn in dieser Altersklasse reagiert das Abwehrsystem schwächer auf die Impfung.

Wer ist besonders gefährdet?

Als Risikogruppe sind vor allem solche Menschen einzustufen, die sich in der freien Natur der Risikogebiete aufhalten, sei es aus privaten oder beruflichen Gründen (Wanderer, Landwirte, Förster,..). Besonders anfällig für Komplikationen sind allerdings vor allem ältere Menschen (>60 Jahre), immungeschwächte Menschen und ungeimpfte Menschen.

tags: #symptome #meningitis #nach #zeckenbiss