Viele Jugendliche unterschätzen die Gefahren des Rauchens und sehen es als etwas Positives an. Sie glauben, dadurch erwachsener zu wirken, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen, oder sie rebellieren einfach gegen Verbote. Dabei wird oft übersehen, dass Rauchen süchtig machen kann und zahlreiche gesundheitliche Probleme verursacht. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Nikotin, Dopamin und ihren Auswirkungen auf die Synapsen, um ein umfassendes Verständnis der Thematik zu ermöglichen.
Die Gefährlichkeit des Rauchens: Eine Einführung
Weltweit sterben jährlich mehr als 6 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens, was über 10.000 Todesfällen pro Tag entspricht. Trotz dieser alarmierenden Zahlen und der offensichtlichen Gefahren für das eigene Leben rauchen immer noch etwa 25 % der Deutschen, mit einer aufsteigenden Tendenz. Von den Menschen, die jährlich in Deutschland an Lungenkrebs sterben, sind etwa 90 % Raucher, was etwa 140.000 Menschen entspricht. Zusätzlich sterben etwa 3.300 Menschen an den Folgen des Passivrauchens.
Warum ist Rauchen so gefährlich und warum greifen trotz der bekannten Gefahren so viele Menschen, insbesondere Jugendliche, zur Zigarette? Was kann man tun, um gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen? Diese Fragen werden im Folgenden detailliert beantwortet.
Inhaltsstoffe und deren Wirkungen
Der beim Verbrennungsvorgang des Rauchens entstehende Tabakrauch enthält eine Vielzahl organischer und anorganischer Verbindungen, die in vielfältiger Weise auf den Organismus des Rauchers einwirken, einschließlich freier Radikale. Allein im Zigarettenrauch sind mehr als 4000 krebserregende Substanzen enthalten.
Nikotin: Der Hauptakteur
Der wirksamste Bestandteil des Tabakrauchs ist das Nikotin. Es wird beim Rauchen sehr rasch von den Schleimhäuten der Mundhöhle und der Atemwege aufgenommen. Mit dem Blut wird es im Körper verteilt und wirkt dann vor allem auf das zentrale und periphere Nervensystem (nicotinische Acetylcholinrezeptor-Kanäle). Nikotin ist im Wesentlichen für die suchterzeugende Wirkung des Rauchens verantwortlich.
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Bereits bei der ersten Einnahme durch Inhalieren spürt man, dass es sich bei Nikotin um ein Gift handelt. Nicotin ist ein hochgiftiges Pyridin-Alkaloid (chemisch: 3-(1-Methyl-2-pyrrolidinyl)-pyridin), das hauptsächlich in der Tabak-Pflanze (Nicotiana tabacum), aber auch bei Schachtelhalmen, Bärlappen und anderen Pflanzen vorkommt. Die Tabakpflanze gehört zu den Nachtschattengewächsen, die fast alle giftige Stoffe produzieren. Nikotin wird in den Wurzeln der Pflanze produziert und bei Reifung der Pflanze in die oberirdischen Pflanzenteile transportiert.
Die chemische Ähnlichkeit von Nikotin und Acetylcholin
Nikotin ähnelt chemisch dem Acetylcholin (ACH), einer Transmittersubstanz zwischen Nervenzellen, und wirkt durch Bindung an die nikotinischen Acetylcholin-Rezeptoren auf die prä- und postganglionären Nervenfasern. Es besetzt die ACH-Rezeptoren an den Synapsen, und infolgedessen werden mehr Rezeptormoleküle gebildet, die bei Nicotinentzug überflüssig sind und Entzugsprobleme bedingen.
Über diese Beeinflussung kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung von Dopamin, einem Botenstoff, der angenehme Empfindungen auslöst und damit indirekt das Verlangen nach Wiederholung hervorruft. Die tatsächlichen körperlichen Effekte der Nikotinaufnahme sind vielfältig.
Körperliche Auswirkungen der Nikotinaufnahme
Die unmittelbaren körperlichen Effekte der Nikotinaufnahme umfassen:
- Zunahme der Herz- und Atemfrequenz
- Anstieg des Blutdrucks durch Gefäßverengung
- Abkühlung der Haut aufgrund von Durchblutungsstörungen
- Abnahme der Atemtiefe durch gestörten Sauerstofftransport
- Freisetzung von Adrenalin (stoffwechselsteigernd und fettabbauend, für Notsituationen gedacht)
- Steigerung der allgemeinen Stoffwechseltätigkeit
- Freisetzung von Noradrenalin, ß-Endorphin und Vasopressin
- Erhöhung der Blutkonzentration von Cortisol, Prolactin und Somatotropin
Langfristige Auswirkungen des Rauchens
Durch dauerhaftes Rauchen hervorgerufene Auswirkungen sind gravierend:
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- Kurzatmigkeit und Verstärkung von Asthma
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Erhöhte Herzfrequenz und erhöhte Blutdruckwerte
- Impotenz und Unfruchtbarkeit
- Herzinfarkt und Schlaganfall
- Lungenkrebs und andere Krebsarten (an Kehlkopf, Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Harnblase, Gebärmutter, Leukämie)
- Chronische Atemwegserkrankungen (chronische Bronchitis und Emphysem)
Nikotinvergiftung
Beim Menschen führt eine Dosierung von 50-100 mg durch Atemlähmung zum Tod (Nikotinvergiftung). Beim Inhalieren können aus einer Zigarette 3-8 mg Nikotin resorbiert werden, sodass bereits 10-20 Zigaretten einer tödlichen Dosis von Nikotin entsprechen. Ein Säugling kann durch Aufnahme einer einzigen zerbröselten Zigarette an den Vergiftungserscheinungen sterben. Eine akute Vergiftung bei Rauchern wird nur durch einen raschen oxidativen Abbau (Biotransformation) durch den Organismus (Halbwertszeit 2 Stunden) verhindert, dessen Rate bei chronischer Nicotinzufuhr noch gesteigert ist.
Weitere Auswirkungen auf den Körper
Bei Gewohnheitsrauchern kann die chronische Verengung der Blutgefäße zu deren Verkalkung (Arteriosklerose) und Entzündung führen. Die damit verbundene mangelnde Durchblutung des Körpers hat eine verminderte Sauerstoffversorgung aller Organe zur Folge. Diese wird noch verschlechtert durch das ebenfalls im Tabakrauch enthaltene Kohlenstoffmonooxid, dessen Bindung an Hämoglobin den Sauerstofftransport im Blut hemmt, sodass eine Sauerstoffunterversorgung der Organe vorliegt.
Tabakrauch enthält zudem eine große Anzahl verschiedener Kohlenwasserstoffe, die zum Teil in Form von Teerstoffen (Kondensat) in die Atemwege des Rauchers gelangen und dort zusammen mit Nikotin allmählich die Selbstreinigungskräfte zerstören. In den Bronchien und Lungenbläschen (Alveolen) sammeln sich in zunehmendem Maße Schmutzpartikel an, die Schleimproduktion steigt, was sich bald als sogenannter „Raucherhusten“ äußert. Oft zu beobachtende chronische Bronchitis kann zu schweren Lungenschäden (Lungenemphysem) führen, in deren Folge Atembeschwerden bis hin zum Herzversagen auftreten.
Weitere bei Rauchern gehäuft auftretende Leiden sind Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre sowie Magenschleimhautentzündungen (Gastritis). Zudem werden sowohl das Sehvermögen als auch der Geschmacks- und Geruchssinn durch Rauchen beeinträchtigt. Beim Mann wie bei der Frau vermindert Rauchen die Fruchtbarkeit. Der Prozess der Hautalterung wird beschleunigt. Während einer Schwangerschaft beeinträchtigt es die Entwicklung des Kinds. Vermehrtes Auftreten von Tot- und Frühgeburten sowie ein geringeres Geburtsgewicht sind die Folge. Bei Neugeborenen und Ungeborenen von Raucherinnen finden sich die für Raucher typischen Stoffwechselprodukte bereits im allerersten Urin, der noch vor der Geburt gebildet wird (Fetalentwicklung).
Krebserregende Substanzen im Tabakrauch
Zu den krebserzeugenden Produkten des Tabakrauchs gehören vor allem die sogenannten polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (u. a. Benzpyren), die sich abhängig von Temperatur und anderen Faktoren in wechselndem Umfang bilden. Weitere bisher nachgewiesene oder stark verdächtige krebserzeugende Substanzen im Tabakrauch sind u. a. Nitrosamine, Benzol und einige Metalle oder Metallsalze, z. B. Nickel oder Cadmium.
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Der Mythos der "Leichtzigaretten"
Das Wechseln auf sogenannte Leichtzigaretten verringert die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, vermutlich nicht, da Untersuchungen ergeben haben, dass die meisten Konsumenten nur tiefer inhalieren und an einer Zigarette öfter ziehen, um auf die gleiche Menge Nikotin zu kommen wie mit der ursprünglich gerauchten Zigarette. Durch dieses Verhalten steigern sie aber die Aufnahme krebserzeugender Schadstoffe.
Passivrauchen
Auch Nichtraucher können bei häufigem Aufenthalt in stark verräucherten Räumen durch passives Rauchen gesundheitlich geschädigt werden. Etwa 3300 Todesfälle werden in Deutschland pro Jahr durch Passivrauchen verursacht. Studien, aus denen sich diese Zahl errechnen lässt, wurden beispielsweise an nichtrauchenden Familienmitgliedern von Rauchern durchgeführt. Dass diese tatsächlich mitrauchen, lässt sich an Tabak- beziehungsweise Rauchabbauprodukten in ihrem Körper nachweisen.
Präventionsmaßnahmen: Wie man das Rauchen verhindert
Am besten ist es sicherlich, mit dem Rauchen gar nicht erst anzufangen. So spart man sich den oft mühevollen Weg des Entzugs. Das Einstiegsalter von Rauchern liegt größtenteils zwischen 12 und 18 Jahren, beginnt also häufig mit dem Einsetzen der Pubertät. Wesentlich für die Entwicklung des Rauchens bei Jugendlichen sind die Nachahmung von Erwachsenen und die Beeinflussung durch Medien und Werbung (Beobachtungslernen). Während der Pubertät wird Rauchen häufig als Hilfsmittel zur Überwindung von Schüchternheit oder Erreichen von Gruppenzugehörigkeit und Akzeptanz bei Gleichaltrigen, später bei Stress als spannungslösendes Mittel eingesetzt. Die zunächst psychologischen Motive des Rauchens werden schließlich durch eine Nicotinabhängigkeit abgelöst.
Ein ständiges Bewusstmachen der schädlichen Folgen und des mittlerweile immensen finanziellen Aufwands können dazu beitragen, die Entscheidung gegen das Rauchen zu vereinfachen. Ebenso wichtig ist das Abwägen der Vor- und Nachteile des Rauchens sowie das Vorhandensein bzw.
Aktuelle Präventionsmaßnahmen
Zur Prävention gibt es heute viele Maßnahmen:
- Erweiterung der Nichtraucherschutzgesetze
- Verbesserung des Jugendschutzes
- Besondere Maßnahmen, um den Anstieg des Rauchens bei Frauen zu reduzieren
- Kampagnen und Wettbewerbe, die vom BZgA gefördert werden (z. B. Kampagne „rauchfrei“, Wettbewerb „Rauchfrei“, „Be Smart - Don't Start“, Förderung des Nichtrauchens in kleinen und mittleren Unternehmen)
- Förderung des Nichtrauchens im Bereich der Schule
- Vielfältige Beratungsprogramme
Gesetzliche Regelungen
Seit dem 1. September 2007 ist das Bundesnichtraucherschutzgesetz in Kraft. Es regelt den Nichtraucherschutz für die Einrichtungen des Bundes und im öffentlichen Personenverkehr. Tabakwaren dürfen danach erst an Menschen ab 18 Jahren abgegeben werden. Im Jahr 2008 verfasste das Bundesverfassungsgericht wegweisende Beschlüsse für den Nichtraucherschutz in der Gastronomie. Kontroverse Diskussionen in den Bundesländern und viele Sonderregelungen brachten aber insgesamt eine durchgreifende Veränderung der Gaststättenkultur. Heute sind „Raucherzimmer, -zelte oder -ecken“ die Ausnahme. Überall kann man rauchfrei das Essen und Trinken genießen.
Prävention im Jugendalter
Grundlagen für die Rauchsucht werden im Jugendalter gelegt. Deshalb ist die Prävention für diese Altersgruppe besonders wichtig. So wurde der Jugendschutz seit 2009 in Bezug auf Prävention weiter verbessert und es gibt viele Initiativen an den Schulen. Leider gibt es z. Z. noch zu große Unterschiede zwischen den Schultypen. Nach dem Drogen- und Suchtbericht ist die Raucherquote der Raucherinnen und Raucher beispielsweise bei Hauptschülerinnen und Schülern der Sekundärstufe 1 mit 18,8 % inzwischen mehr als viermal so hoch wie an Gymnasien mit 4,3 %. Zahlreiche Wettbewerbe und Aufklärungsveranstaltungen sollen an den Schulen zum Nichtrauchen anregen.
Besondere Risikogruppen: Frauen und Mädchen
Eine große Risikogruppe sind die Frauen und Mädchen. Sie selbst können den schädlichen Wirkungen des Rauchens weniger Schutzfunktionen ihres Körpers entgegensetzen als Männer und sie gefährden entscheidend ihre ungeborenen und heranwachsenden Kinder. Deshalb gibt es umfangreiche Programme zur Prävention und Unterstützung des „Ausstiegs“ aus der Sucht für Frauen und Mädchen.
Betrieblicher Nichtraucherschutz
Durch Gesetzgebungen gibt es tiefgreifende Verbesserung für das Gaststätten-, Büro- und Bahnpersonal u. a. Seit 2002 sind Arbeitgeber von kleinen und mittleren Unternehmen zum betrieblichen Nichtraucherschutz verpflichtet. Wettbewerbe und Ausschreibungen unterstützen die Maßnahmen zum Rauchstopp.
Weitere politische Maßnahmen
Weitere politische Maßnahmen der letzten Zeit sind z. B. das Werbeverbot für Tabakartikel aller Art in Fernsehen und Rundfunk, die über Folgen von Tabakkonsum aufklärende Beschriftung bei Tabakartikelverpackungen, eine verstärkte Aufklärung in Schule und Lebensumfeld sowie die Verdeutlichung der Folgen in Werbekampagnen durch öffentlich platzierte Plakate und Medien.
Wege aus der Sucht: Wie man mit dem Rauchen aufhören kann
Befindet man sich bereits in der Phase der Sucht nach Nicotin, hilft nur ein völliger Entzug der schädigenden Substanz. Bleibt die Nicotinzufuhr aus, treten psychisch und körperlich bedingte Entzugssymptome auf. Mittlerweile existieren Unmengen von Therapievorschlägen in Büchern, Zeitungsartikeln oder Fernsehsendungen bzw. Ersatzsubstanzen, um dem Betroffenen eine Entwöhnung zu erleichtern.
Wichtig ist der konsequente Entzug der Droge, schrittweises Abgewöhnen durch alleinige Reduzierung der Dosierung bzw. Menge führt nur selten zum Erfolg. Wesentlich zum Erfolg beitragen kann die Unterstützung von Familie und Freunden, indem sie Situationen vermeiden, in denen der Griff zur Zigarette erfolgen kann oder Motivation und Mut in „schwachen“ Momenten zusprechen. Ausführliche Beratungen zum Beenden der Nicotinsucht erhält man u.a. in Apotheken, in Arztpraxen oder in Suchthilfe- und Beratungsstellen. Problematisch ist hierbei die meist falsche Selbsteinschätzung.
Verhaltensregeln für den Weg zum Nichtraucher
- Suchen Sie sich einen günstigen Zeitpunkt zum Aufhören. Der Zeitpunkt, an dem der Entschluss verwirklicht werden soll, hat auch einen Einfluss auf das Durchhaltevermögen. (Das kann z. B. nach einer Erkältungskrankheit sein, wenn die Zigarette sowieso nicht „schmeckt“, oder eine Zeit mit weniger Hetze und Stress.)
- Die Erfahrung zeigt, dass derjenige, der sich von einer Gruppe Gleichgesinnter gestützt fühlt, größere Chancen hat, Nichtraucher zu werden, als derjenige, der ganz allein aufhören will. Findet man keine Gruppe, kann sich auch schon ein „Kontroll-Vertrag“, den man mit einem Nahestehenden schließt, günstig auf das Aufhören wollen auswirken.
- Da viele Raucher auch Untätigkeit und Langeweile mit Rauchen ausfüllen, ist es empfehlenswert, sich um eine aktive Freizeitgestaltung zu bemühen. Planen Sie vor allem in der ersten Zeit des Nichtrauchens Freizeitaktivitäten im voraus, achten Sie auf (sportliche) Aktivitäten mit Freunden und keine freie Zeit, die wieder zum Rauchen animiert.
- Nehmen Sie anfangs immer etwas zum Kauen oder Lutschen mit: Zuckerfreien Kaugummi, Diabetikerbonbons, Pfefferminz oder saure Drops.
- Entfernen Sie aus Ihrer Umgebung alles, was ans Rauchen erinnert: Vor allem Zigaretten, Streichhölzer, Aschenbecher, Feuerzeuge.
- Meiden Sie in der ersten Zeit Getränke, die Appetit auf eine Zigarette machen. Vor allem: Kein Alkohol! Trinken Sie eine aromatische Teesorte, wenn Sie gewohnt sind, zum Kaffee zu rauchen.
- Rauchen kostet Geld. Schaffen Sie sich ein Sparschwein an, in dem zukünftig das gesparte Zigarettengeld gesammelt wird. Bald können Sie sich etwas Schönes kaufen.
- Wenn Ihnen jemand eine Zigarette anbietet, müssen Sie diese nicht annehmen.
Nikotin als Synapsengift: Eine detaillierte Betrachtung
Nikotin ist ein Nervengift, das natürlich in der Tabakpflanze und anderen Nachtschattengewächsen vorkommt. Es bindet an und aktiviert sogenannte nikotinische Acetylcholin-Rezeptoren. Diese befinden sich unter anderem auf der motorischen Endplatte und im vegetativen Nervensystem. Nikotin führt zur Freisetzung unterschiedlicher Botenstoffe. Dadurch wirkt es in geringen Dosen anregend. Da Nikotin auch Dopamin im Belohnungssystem freisetzt, macht es abhängig. Die Suchtwirkung wird nur von Kokain und Heroin übertroffen. Nikotin greift auch in den Zucker- und Fettstoffwechsel ein. Insbesondere durch letzteres kann es Gefäßerkrankungen und Herzinfarkte begünstigen.
Die Wirkung auf Acetylcholin-Rezeptoren
Nikotin aktiviert im Nervensystem sogenannte nikotinische Acetylcholin-Rezeptoren, indem es sich an sie bindet. Diese werden eigentlich vom Botenstoff Acetylcholin stimuliert. Nikotinische ACh-Rezeptoren finden sich vor allem auf den motorischen Endplatten, an denen Signale von Nervenzellen an Muskeln weitergeleitet werden. Im Gehirn sitzen die Rezeptoren unter anderem auf den nachgeschalteten Nervenzellen von Sympathikus und Parasympathikus. Dieser Teil des vegetativen Nervensystems steuert unbewusste Vorgänge wie die Darmtätigkeit und den Herzschlag. Da Nikotin ähnlich wirkt wie der eigentliche Botenstoff, stört es hier wichtige Funktionen.
Freisetzung von Botenstoffen
Hat Nikotin an den ACh-Rezeptor gebunden, kommt es zur Freisetzung unterschiedlicher Botenstoffe wie Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin und Serotonin, aber auch von Hormonen wie Cortisol. Während Acetylcholin schnell wieder abgebaut wird, bindet Nikotin lange an den Rezeptoren. Dadurch hält die Erregung der jeweiligen Zelle länger an. In Folge braucht die Zelle auch länger, um nach der Aktivitätsphase ihren Ruhezustand zu erreichen und ein neues Signal feuern zu können - das Nikotin hemmt also die Zelle.
Anpassung der Zellen und Suchtentwicklung
Langfristig passen sich die Zellen diesem Mechanismus an und bauen weitere Rezeptoren in die Zellmembran ein. Fehlt nun Nikotin, sind plötzlich zu viele freie Rezeptoren verfügbar, die nachgeschalteten Nervenzellen können nicht mehr in dem Maß erregt werden, wie sie es eigentlich müssten. Der Dopaminlevel sinkt, es entsteht das Verlangen nach einer neuen Zigarette.
Da die ACh-Rezeptoren für die Übertragung von Nervenimpulsen auf Muskelzellen wichtig sind, kann eine hohe Nikotindosis lähmend auf die Muskulatur wirken. Sind davon auch die Atemmuskulatur oder der Herzmuskel betroffen, kann dies tödlich enden.
Abbau von Nikotin im Körper
Nikotin wird im Körper recht schnell wieder abgebaut. Nach lediglich 30 bis 60 Minuten wird es von der Leber oxidiert. Deshalb vergiften sich selbst starke Raucher meist nicht an Nikotin: Sie entgiften über Nacht. Nikotin kann die Plazentraschranke durchdringen und gelangt auch in die Muttermilch.
Anregende und beruhigende Wirkung
Durch die vermehrte Freisetzung von Noradrenalin, Adrenalin und Vasopressin wirkt Nikotin anregend. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Gefäße verengen sich. Das führt kurzfristig zu einer höheren Leistungsfähigkeit. Nikotin lässt zudem die Zuckerkonzentration im Blut ansteigen, wodurch es das Hungergefühl dämpft. Allerdings treten die anregenden Wirkungen nur bei geringen Dosen auf. Eine hohe Nikotindosis wirkt beruhigend, bisweilen sogar lähmend. Dies erklärt, warum viele Menschen das Rauchen als entspannend empfinden. Der anregende Effekt bei niedriger Dosierung und die Tatsache, dass Nikotin so schnell abgebaut wird, sind andererseits die Ursache dafür, dass die erste Zigarette des Tages am stärksten wirkt. Danach geht es nur noch um das Halten eines konstanten Nikotinlevels.
Das Belohnungssystem und die Sucht
Nikotin verursacht die Freisetzung des Botenstoffs Dopamin im Nucleus accumbens im Gehirn. Dadurch aktiviert es das Belohnungssystem, was zu einer schnellen Entwicklung einer Sucht mit psychischer und körperlicher Abhängigkeit führt. Tatsächlich ist das Abhängigkeitspotential von Nikotin im Tabakrauch Forschern zufolge nur noch vom dem von Kokain und Heroin übertroffen. Während die körperlichen Entzugserscheinungen wie Unruhe, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Kopfschmerzen nach ein bis zwei Wochen verschwinden, kann die psychische Abhängigkeit noch lange fortbestehen.
Weitere Risiken und Auswirkungen
Bei vielen der hier erwähnten Risiken muss erwähnt sein, dass sich nicht alle Effekte auf das Nikotin allein zurückführen lassen, sondern auch durch andere im Tabak vorkommende Substanzen begünstigt oder verstärkt werden. Kurzfristig können hohe Nikotindosen Vergiftungserscheinungen auslösen. Die Symptome rangieren zwischen Kopfschmerzen, Übelkeit und kaltem Schweiß, aber auch Zittern und Herzrasen. Schwere Vergiftungen können Krämpfe, Schock und Koma auslösen. Es kann zum Kreislaufkollaps und bei Dosen ab einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zu Tod durch Atemlähmung kommen. Solche Vergiftungen sind fast ausnahmslos Unfälle„ bei denen Personen versehentlich nikotinhaltige Flüssigkeiten wie Pestizide oder durch Zigaretten verunreinigte Getränke zu sich nehmen.
Nikotin greift in den Fettstoffwechsel ein und erhöht die Konzentration freier Fettsäuren und Cholesterol im Blut. Damit erhöht sich das Risiko einer Arteriosklerose und für Herzgefäßerkrankungen. Arteriosklerose und Herzinfarkt stellen die häufigste Todesursache in den Industrieländern dar. Da das Rauchen immer noch weit verbreitet ist, kann ein Zusammenhang hier nicht ausgeschlossen werden. Zusätzlich kommt es zur vermehrten Bildung von Salzsäure im Magen und in der Folge zu Gastritis und Magengeschwüren. Abgesehen davon beeinflusst Nikotin auch die Blutgerinnung und erhöht das Risiko für eine Thrombose. Es kann zu Gefäßspasmen und zum Raucherbein führen.
Bei starken Rauchern verändert sich der Stoffwechsel. Der Abbau der Droge steigt stark an. Das Problem dabei ist, dass in Folge auch andere Stoffe stärker umgesetzt werden. Dadurch kommt es zur Aktivierung krebserregender Stoffe und zu einer Erhöhung des Krebsrisikos durch Nikotin, obwohl Nikotin und dessen Abbauprodukte selber nicht krebserregend sind. Eine Studie aus dem Jahr ergab, dass das Risiko zu sterben für Raucher zwischen 25 und 79 Jahren drei Mal höher ist als für Nichtraucher.
Auswirkungen auf das Gehirn
Schon der erste Zug an der Zigarette löst Prozesse im Gehirn aus, die Denken, Fühlen und Verhalten spürbar beeinflussen. Die gute Nachricht: Viele dieser Veränderungen sind nicht dauerhaft. Wenige Sekunden nach dem Inhalieren gelangt das Nikotin ins Gehirn. Diese Wirkungen empfinden viele Menschen als angenehm. Mit der Zeit passt sich das Gehirn an den ständigen Reiz an: Es bildet mehr Nikotinrezeptoren, die zunehmend stimuliert werden wollen. Ohne Nikotin entstehen Entzugserscheinungen.
Rauchen beeinflusst das Gehirn nicht nur durch das Nikotin, sondern auch durch eine Vielzahl schädlicher Begleitstoffe im Zigarettenrauch.
- Schadstoffe wie Kohlenmonoxid führen dazu, dass sich Blutgefäße im Gehirn verengen. Die Folge: Sauerstoff und Nährstoffe gelangen nicht mehr in ausreichender Menge zu den Nervenzellen.
- Rauchen fördert systemische Entzündungen im gesamten Körper, auch im Gehirn.
- Zigarettenrauch enthält viele aggressive Substanzen, die die Bildung sogenannter freier Radikale fördern. Diese Moleküle greifen Zellbestandteile an und setzen die Nervenzellen unter oxidativen Stress.
- Langjähriges Rauchen kann das Volumen bestimmter Hirnregionen verringern, besonders in Bereichen, die für Gedächtnis, Lernen und Konzentration wichtig sind.
Regeneration des Gehirns nach dem Rauchstopp
Die gute Nachricht: Ja, zumindest teilweise.
- Kurzfristig (Stunden bis Tage): Nach dem letzten Zug sinkt der Nikotinspiegel rasch ab. Das Gehirn beginnt, überaktivierte Rezeptoren zurückzufahren.
- Mittelfristig (Wochen): Die neuronalen Verbindungen stabilisieren sich. Konzentration, Schlaf und Stimmung verbessern sich meist deutlich.
- Langfristig (Monate bis Jahre): Durch die sogenannte Neuroplastizität kann das Gehirn geschädigte Strukturen teilweise neu organisieren. Selbst Funktionen, die vorübergehend beeinträchtigt waren, lassen sich oft wiederherstellen.
Rauchen schädigt das Gehirn auf vielfältige Weise - durch Durchblutungsstörungen, chronische Entzündungen, oxidativen Stress und strukturelle Veränderungen. Doch selbst nach Jahren des Konsums ist Regeneration möglich.