Synapsen im Gehirn: Ein Tanz der Forschung

Es ist der perfekt abgestimmte Tanz der Neurone, der es Menschen ermöglicht, zu sehen, zu hören, zu riechen, sich zu bewegen, sich zu erinnern und nachzudenken. Wie genau aber das synaptische Kommunikationsnetzwerk das neuronale Ballett bestimmt, ist weitgehend unbekannt.

Die Choreografie des Gehirns

Eine gelungene Choreografie setzt einen reibungslosen Austausch von Signalen voraus. Allein aus diesem Grund untersuchen Forscherinnen und Forscher Paarbeziehungen zwischen Neuronen. Doch was geschieht, wenn sich mehr als zwei Neurone zum Tanz zusammenschließen? Mit dieser Frage haben sich Stojan Jovanović und Prof. Dr. Stefan Rotter vom Bernstein Center Freiburg (BCF) der Albert-Ludwigs-Universität und dem Exzellenzcluster BrainLinks-BrainTools auseinandergesetzt und ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „PLOS Computational Biology“ vorgestellt.

Mit einer Kombination aus mathematischen Gedankenexperimenten und biophysikalisch inspirierten Simulationen am Computer konnten sie die in früheren Studien entwickelten Ideen zu Paarwechselwirkungen auf den Fall von Korrelationen dritter Ordnung, also Wechselbeziehungen von drei Neuronen, erweitern.

„In einem Experiment zur Erforschung dieser Frage kann aus der unglaublich großen Anzahl beteiligter Neurone immer nur ein sehr kleiner Teil gleichzeitig beobachtet werden, aus rein technischen Gründen“, erläutert Jovanović. „Eine einflussreiche Theorie des Lernens besagt, dass es zunächst nur auf die beiden Neurone ankommt, die über eine konkrete Synapse kommunizieren“, erklärt Rotter. „Zwingt sie die Aktivierung des Netzwerks zu einem bestimmten Tanzschritt, dann verstärkt sich die Synapse. Geraten sie durch den Einfluss des Netzwerks aus dem Takt, dann schwächt sich die Synapse ab.“

Um herauszufinden, welche Rolle in diesem Zusammenhang so genannte Korrelationen dritter Ordnung spielen, haben die Forscher ein mathematisches Modell, den Hawkes-Prozess, angewandt. Damit ist es ihnen gelungen, die relative Bedeutung neuronaler Dreiecksbeziehungen zu berechnen. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, aus der beobachteten elektrischen Aktivität von jeweils drei Nervenzellen Schlüsse über die strukturellen Eigenschaften des Netzwerks zu ziehen und davon vielleicht sogar neue synaptische Lernregeln im Gehirn abzuleiten. S. Jovanović, S. Rotter (2016). Interplay between Graph Topology and Correlations of Third Order in Spiking Neuronal Networks.

Lesen Sie auch: Wie Alkohol die Signalübertragung im Gehirn beeinflusst

Molekulare Einblicke in die Klangverarbeitung

Ein internationales Forschungsteam um Prof. Max Happel von der MSB Medical School Berlin und dem Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg hat nun festgestellt, dass auf molekularer Ebene, die eher zufällige Beweglichkeit bestimmter Ionenkanäle innerhalb der Membran von Nervenzellen, gerade ebendiese zeitlich synchrone Verarbeitung erst ermöglicht. In der aktuellen Studie in Frontiers in Cellular Neuroscience zeigen Prof. Happel und sein Team dies mithilfe moderner optogenetischer Verfahren, welche es erlauben mittels Laserlicht, welches in das Gehirn geleuchtet wird, diese Ionenkanäle auf bestimmte Weise "festzuhalten", was die Fähigkeit zur Klangverarbeitung beeinflusse.

Die Hörrinde stellt die höchste Station der Hörbahn dar und spielt eine zentrale Rolle dabei, die Symphonie der Außenwelt in ein stimmiges Wahrnehmungsbild zu fügen. Hier werden die mitunter sehr komplexen Schallereignisse einer turbulenten Außenwelt in verschiedene Hörobjekte gegliedert und zusammengefügt. Das ermöglicht es uns, das Lachen eines Freundes oder die Melodie eines Liedes zu erkennen.

Die aktuelle Studie konzentriert sich auf die Rolle sogenannter spannungsabhängiger Calciumkanäle (CaV2.1 VGCCs) in der Membran von Neuronen in der Hörrinde von Mäusen. Mit einem innovativen optogenetischen System, also der genetischen Veränderung der Maus, konnte das Team mittels Laserlicht eine genetisch modifizierte Version dieser Calciumkanäle zeitweise in der Synapse "zusammenkleben". Das schränkte die sonst zufällige und rege Beweglichkeit der Kanäle in der Membran ein. Das Resultat, das „molekulare Durcheinander“, zu reduzieren war eine signifikante Unterdrückung der durch sensorische Reize ausgelösten Aktivität in der Hörrinde. Diese verringerte Aktivität war besonders ausgeprägt, wenn die Reiz-Verarbeitung auf hochsynchronisierten Eingängen beruhte, wie etwa bei schnellen Rhythmen.

Diese Erkenntnisse legen nahe, dass die zeitlich präzise Verarbeitung von Schallsignalen, ein Eckpfeiler der auditiven Verarbeitung, auf der molekularen und eben eher zufälligen Beweglichkeit von Ionenkanälen beruht. "Unsere Forschung unterstreicht das komplexe Zusammenspiel zwischen molekularer Dynamik und der Fähigkeit des Gehirns, Klänge zu verarbeiten", sagte Katrina E. Deane, die Hauptautorin der Studie.

Die Untersuchung des Hörkortex ist dabei nicht nur für die Neurowissenschaft von fundamentaler Bedeutung, sondern hat auch praktische Implikationen für die medizinische Forschung und Behandlung. „Mit dieser innovativen Methode konnten wir erstmalig in einem lebenden Organismus verstehen, wie sehr die Dynamik von Ionenkanälen auf molekularer Ebene mit der Funktionsweise unseres Gehirns und der Wahrnehmung zusammenhängen. Das bessere Verständnis eröffnet uns auch neue Wege bei potenziellen Anwendungen zur Behandlung von Krankheitsbildern, die mit Kalziumkanälen in Verbindung stehen, wie beispielsweise der Epilepsie“, sagte Max Happel, der Leiter dieser Studie.

Lesen Sie auch: Wie Opiate Synapsen beeinflussen

Die Neurowissenschaft des Tanzens

Tanzen hat eine jahrhundertelange Tradition. Schon aus der Antike sind erste Darstellungen des Tanzes aus Indien und Griechenland überliefert. Anthropologen diskutieren sogar, ob nicht bereits die Neandertaler vor 1,8 Millionen Jahren tanzten. Sicher ist, dass der moderne Mensch, Homo sapiens, gerne tanzt. Es gibt keine Kultur, in der rhythmische Bewegungen zu Musik keine Rolle spielen würden - ob in der sibirischen Tundra oder in der Pink Street Lissabons: Wo Menschen sind, wird auch getanzt. Denn Tanz ist nicht nur eine Bewegungsform, sondern auch eine emotionale Art, mit Mitmenschen zu kommunizieren.

„Tanz hat eine lange menschliche Geschichte“, sagt Yu Takagi von der Universität Tokio. Allerdings erfordere das koordinierte, rhythmische Verhalten sowohl das Verständnis von Bewegung als auch von Musik. Und das sei keine triviale Fähigkeit: Computer und künstliche Intelligenz tun sich meist schwer damit, solch „multimodale Daten“ zu analysieren, das menschliche Gehirn hingegen meistert das komplexe Verhalten. Aber wie? Was passiert beim Tanzen im Gehirn?Um das zu untersuchen, bat Takagi 14 Proband:innen im Alter von 22 und 33 Jahren, teils Tanz-Profis, teils Amateur:innen, in einen Kernspintomografen, ließ sie Tanzvideos verschiedenster Genres anschauen und zeichnete währenddessen ihre Gehirnaktivität auf.

Wenn die Synapsen den wilden Pogo tanzen … so scheint es im Hirn abzugehen, wenn wir sporteln. Dass Sport die Bildung neuer Gehirnzellen anregen kann, ist schon länger bekannt. Neu ist, dass Forscher nun auch dem Prozess auf die Schliche kommen, der die Leistungsfähigkeit des Hirns steigern kann. Was genau passiert also bei körperlicher Anstrengung im Gehirn? Die verstärkte Muskelanspannung führt zu einer erhöhten Ausschüttung des Proteins FNDC5. Dieses gelangt über die Blutbahn ins Gehirn. Hier löst es die Produktion von wiederum anderen Proteinen aus. Das Ergebnis: verbesserte Hirnfunktionen. Bis hier reichte bislang die Erkenntniskette der Forscher. Des Rätsels Lösung liegt im Hippocampus, einer Hirnregion, die unter anderem für Jobs wie das Erinnerungsvermögen oder die Lernfähigkeit verantwortlich ist. Hierhin gelangt das Protein FNDC5, das schon bei leichtem Ausdauersport freigesetzt wird. Es regt im Hippocampus die Produktion des Proteins BDNF an. Und das Wissen um diese glückliche Liaison ist nagelneu, so themindunleashed.org. Genau dieses Protein ist es nun, welches das Wachstum neuer Nervenzellen stimuliert. Wenn die Kettenreaktion der Proteine wie geschmiert läuft, dann kommt das Hirn also richtig auf Touren, es wächst regelrecht - zum Glück nur in seinem Inneren und in neuronaler Größenordnung.

Tanz als kognitives Training

Richard Powers fasst aus verschiedenen Studien Erkenntnisse über die aussergewöhnliche, positive Wirkung auf die kognitive Leistungsfähigkeit durch Tanzen zusammen. Er kennt sich damit aus! Richard Powers unterrichtet seit über 40 Jahren an der Stanford University’s Dance Division “historic and contemporary social dance”. Bis anhin wurde dem Tanzen vor allem positive Effekte bei der Steigerung des körperlichen Wohlbefindens und ein sozialer Nutzen zugeschrieben. Seit einiger Zeit belegen nun Studien, dass Tanzen auch einen wesentlichen Einfluss auf die mentale Leistungsfähigkeit des Menschen hat. Ein Vergleich mit anderen kognitiven und körperlichen Aktivitäten belegt, dass Tanzen nicht nur einen sehr hohen Einfluss auf die Bildung von neuen Nervenbahnen im Gehirn hat und sogar Demenz-Erkrankungen vorbeugen kann, sondern auch schon bei Kindern die mentale Leistungsfähigkeit erhöht. Der Schlüssel liegt darin, dass Tanzen mehrere Funktionen des Gehirns - namentlich kinästhetische, rationale, musikalische und emotionale - gleichzeitig aktiviert. Der Tanzstil ist nicht relevant.

Seit Jahrhunderten loben Tanzanleitungen und andere Schriften, die gesundheitlichen Vorteile des Tanzens, meist wegen der körperlichen Bewegung. Eine grosse Studie verdeutlicht, dass durch Tanzen und der damit verbundenen Stimulierung des Geistes, Alzheimer und anderen Demenz-Krankheiten vorgebeugt werden können. Sie haben möglichweise von dem im New England Journal of Medicine publizierten Bericht über die Auswirkungen von Freizeitaktivitäten auf die mentale Klarheit bei der Alterung gehört. Die Langzeitstudie mit Senioren ab 75 Jahre, wurde vom Albert Einstein College of Medicine in New York City, welches vom National Institute on Aging unterstützt wurde durchgeführt und im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Die Studie fokussierte auf die Beeinflussung mentaler Klarheit durch körperliche oder kognitive Freizeitaktivitäten. Einige der Aktivitäten hatten einen signifikanten positiven Effekt. Eine der Überraschungen der Studie war, dass fast keine der körperlichen Aktivitäten einen Einfluss auf das Vorkommen von Demenz bei den Probanden zu haben schien. Tanzen hingegen reduziert das Risiko zu 76%.

Lesen Sie auch: Funktionsweise hemmender Synapsen

Der Neurologe Dr. Robert Katzman kommt im Rahmen dieser Studie zum Schluss, dass die erhöhte Resistenz mit einer grösseren kognitiven Reserve und erhöhter Komplexität der neuronalen Synapsen im Zusammenhang steht. Ein Psychiater der Harvard Medical School, Dr. Unser Gehirn verbindet je nach Bedarf, ständig neue Nervenbahnen. Wenn Gehirnzellen sterben und Synapsen mit dem Altern schwächer werden, vergessen wir unsere ersten Substantive, wie Namen von Personen, denn es gibt nur eine Nervenbahn, das heisst eine Verbindung zu diesen gespeicherten Informationen. Wenn die einzige neuronale Verbindung zu diesen Namen schwindet, verlieren wir Zugang zu ihr. Gemäss Dr. Katzman liegt der Schlüssel auf der Betonung der Komplexität unserer neuronalen Synapsen. Mehr ist besser. Tun Sie was Sie können, um neue Nervenbahnen zu schaffen.

Der Fokus dieses Aphorismus war kreatives Denken, um so viele alternative Wege wie möglich zu einer kreativen Lösung zu finden. Aber mit zunehmendem Alter wird eine parallele Verarbeitung kritischer. Jetzt ist es nicht mehr eine Frage des Stils, es ist eine Frage des Überlebens - Hauptsache über den Bach kommen. Zufällig sterbende Gehirnzellen sind wie Trittsteine ​​die aus dem Bach entfernt werden. Einer nach dem anderen. Diejenigen, die nur einen ausgetretenen Pfad zur Verfügung hatten, sind vollständig blockiert, wenn einige Steine entfernt werden. Sie werden wahrscheinlich zustimmen, dass Intelligenz nicht auf eine numerische Messung, mit einer Anzahl von 100 plus oder minus, reduziert werden kann.

Um diese Frage zu beantworten, gehen wir zurück zu elementaren Zusammenhängen. Warum haben Tiere ein Gehirn? Um zu überleben? Nein, Pflanzen haben kein Gehirn und sie überleben. Um länger zu leben? Neuro-Erzieher Robert Sylwester stellt fest, dass Mobilität von zentraler Bedeutung für alle kognitiven Prozesse ist, ob es sich dabei um körperliche Bewegung oder die geistige Bewegung der Informationen geht. Pflanzen müssen ertragen, was auch immer kommt. Dem gegenüber können sich Tiere fortbewegen um Nahrung, Unterkunft und Kollegen zu suchen sowie aus ungünstigen Bedingungen zu entkommen. Semantik ist für jeden von uns grundlegend, aber nach Ansicht vieler, hat dies nichts mit Intelligenz zu tun, weil viele Reiz-Reaktions-Beziehung automatisch ablaufen. Wir verwenden das Wort „intelligent“ nicht, um eine Bananenschnecke zu beschreiben, auch wenn sie ein rudimentäres Gehirn hat. In dieser Hinsicht greift die Studie zu kurz. Glücklicherweise handelt es sich hier nicht um eine eigenständige Studie. Es ist eine der vielen Studien, über Jahrzehnte, die gezeigt haben, dass wir durch die Anregung von kognitiven Prozessen unsere geistigen Fähigkeiten zu erhöhen vermögen. Das grundlegende Merkmal der Intelligenz, liegt in der Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Der beste Rat, wenn es um die Verbesserung Ihrer mentale Klarheit geht, ist, sich in Aktivitäten, die in Sekundenbruchteilen Schnellfeuer-Entscheidungen erfordern, zu beteiligen. Eine Möglichkeit, zur Verbesserung der mentalen Klarheit ist, etwas Neues zu lernen. Nicht nur tanzen, sondern irgendetwas Neues. Machen Sie sich keine Sorgen über die Wahrscheinlichkeit, dass Sie das Gelernte in Zukunft nie benutzen werden. Buchen Sie einen Kurs, um Ihren Geist herauszufordern. Es wird die Konnektivität des Gehirns zur Erzeugung von neuen Wegen stimulieren. Und - nehmen Sie an einem Tanzkurs teil!

Nein, nicht alle Tanzstile haben den gleichen Nutzen. Besonders wenn man sich nur auf die äussere Wirkung konzentriert oder immer die gleichen Schritte abläuft ist der Nutzen geringer. Machen sie so viele Sekundenbruchteil-Entscheidungen wie möglich. Darin liegt der Schlüssel zur Aufrechterhaltung unserer kognitiven Fähigkeiten. Wir hätten uns gewünscht, dass das Albert Einstein College of Medicine vor 25 Jahren daran gedacht hätte, dies Quervergleiche zwischen unterschiedlichen Arten von Tanzformen zu untersuchen, um herauszufinden, welche besser war. Aber wir können es herausfinden, indem wir einen Blick auf die Probanden der Studien werfen: Senioren, 75 Jahre und älter in den 1980er Jahren. Diejenigen, die in dieser spezifischen Ära tanzten, sind ehemaligen Roaring Twenties Tänzer (im Jahr 1980), oder ehemalige Swing-Ära Tänzer (heute). Ich beobachte schon mein ganzes Leben lang Senioren beim Tanzen, von meinen Eltern (die sich bei einem Tommy Dorsey Tanz trafen), über Gesellschaften im Ruhestand, bis hin zum Roseland Ballroom in New York. Ich sehe fast nie Sequenzen oder Muster auf der Tanzfläche. Was ich sehe sind easygoing, ziemlich einfacher Gesellschaftstanz - freestyle Führung. Aber Freestyle Gesellschaftstanz ist nicht so einfach! Es erfordert eine Menge von Sekundenbruchteil-Entscheidungen, sowohl in der führenden als auch der geführten Rolle.

An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass ich auswendig gelernte Tanzsequenzen oder ausdrucksorientierten und musterbasierten Gesellschaftstanz nicht verachte. Obwohl diese nicht viel Einfluss auf die kognitive Reserve haben, gibt es bei jeglicher Art von Tanz einen Nutzen, wie zum Beispiel der Stressreduktion, der Verbesserung des Herz-Kreislauf-System durch körperliche Bewegung oder aber das Gemeinschaftsgefühl, als soziale Komponente. Tanzen birgt vielerlei Nutzen. Aber wenn es um die Erhaltung (und Verbesserung) unsere mentalen Klarheit geht, dann sind einige Formen deutlich besser als andere. Während alle Tanzarten eine gewisse Intelligenz erfordern, ermutige ich Sie, Ihre vollständige Intelligenz zu nutzen, beim Tanzen, sowohl in der führenden als auch in der geführten Rolle. Im Gesellschaftstanz erhält die Rolle der oder des Geführten automatisch einen Vorteil, indem sie Hunderte von Sekundenbruchteilen-Entscheidungen darüber, was als nächstes zu tun ist treffen müssen manchmal auch unbewusst. Dieser Vorteil wird durch das Tanzen mit unterschiedlichen Partnern, verstärkt. Mit verschiedenen Tanzpartner müssen Sie sich viel mehr einstellen und mehr Variablen bewusst sein. Achten Sie wirklich auf Ihre Partnerin und, was am besten für sie ist. Beachten Sie, was für sie bequem ist, welche Richtung sie einschlägt, welche Signale auf Resonanz stossen und welche nicht und passen Sie ihren Führungsstil ständig Ihren Beobachtungen an. Führen Sie nicht immer im selben Muster und auf die gleiche Art und Weise. Fordern Sie sich selbst, indem Sie neue Dinge ausprobieren beim Tanzen. Entscheiden Sie mehr und öfter. Die wunderbare Begleiterscheinung ist, dass Ihre Partnerin viel mehr Spass am Tanz mit Ihnen haben wird, wenn Sie ihr Aufmerksamkeit schenken, Ihre Tänze und ständigen Anpassung an ihrem Komfort messen und auf die Kontinuität in der Bewegung bedacht sind. Diejenigen, die ihre Intelligenz beim Tanzen auf allen Ebenen zu nutzen wissen, lieben es, wie es sich anfühlt. Spontanes Führen und Folgen bewirkt eine Art Flow-Zustand. Das ist die prägnanteste Definition die ich für „intelligentes Tanzen“ kenne: Das aufmerksame Gewahrsein und Forschen nach neuen Möglichkeiten. Die besten Führenden anerkennen die vielen Möglichkeiten, die die Folgende in jeder Sekunde beachten muss und betrachten ihre Mitbestimmung mit Respekt und Wertschätzung. Die Folgende kommt im Hier-und-Jetzt an, in entspannter Reaktionsfähigkeit.

Die Studie beinhaltet einen weiteren wichtigen Vorschlag: tun Sie es oft. Bei Senioren, die an vier Tage pro Woche Kreuzworträtsel lösten, verringerte sich das für Demenz gegenüber denjenigen, die die Rätsel nur einmal in der Woche lösten signifikant. Wenn Sie nicht an vier Tagen pro Woche Kurse besuchen oder zum Tanzen gehen können, dann tun Sie es so oft Sie eben können. Und beginnen Sie heute! Je früher desto besser. Es ist wichtig, dass Sie Ihre kognitive Reserve frühzeitig aufbauen. Eines Tages sind Sie dankbar über möglichst viele dieser Trittsteine, welche über den Bach führen.

Die wissenschaftliche Perspektive auf den Tanz

„War die Drehung links oder rechts herum? Jetzt nach vorne - oder waren das schon zwei Schritte zu viel? "Mache ich jetzt schon den doppelten Ausfallschritt, und kommt dann der linke Arm nach oben, oder war es doch die andere Figur, wo ich mich seitlich wegdrehe und wir dann nach dem Chassé Schritt die Promenade zu Ende tanzen?”

Tanzen ist in allen menschlichen Kulturen verbreitet und ist wohl bereits vor ca. 1,8 Millionen Jahren entstanden [1]. Weltweit gibt es schätzungsweise mehrere hundert bis über tausend verschiedene Tanzarten, die von klassischen und gesellschaftlichen Tänzen über traditionelle Volkstänze bis hin zu modernen und urbanen Stilen reichen und sich ständig weiterentwickeln oder miteinander verschmelzen. Von Tango, Wiener Walzer, Hip-Hop und Cha-Cha-Cha über Charleston, Contemporary und Bachata bis hin zu Gruppenchoreografien, Ballett und Solotänzen - jeder Tanz hat seine ganz eigenen Merkmale und seinen Charme. Doch warum sollte man ausgerechnet tanzen? Ist Krafttraining oder Ausdauersport nicht sowieso besser? Studien zeigen: Nicht unbedingt! Tanzen ist weit mehr als nur Sport für den Körper - es ist auch ein echtes Fitnessprogramm für unser Gehirn und hat das Potenzial, Erstaunliches zu bewirken! Doch was genau passiert im Gehirn, wenn wir Wiener Walzer, Salsa oder Hip-Hop tanzen?

Gehirnregionen, die das Tanzbein schwingen

Im Gehirn sind beim Tanzen verschiedene Regionen aktiv. Der auditive Kortex verarbeitet die Musik und hilft uns dabei, den Takt wahrzunehmen, sodass wir unsere Bewegungen daran ausrichten können. Natürlich wird auch der motorische Kortex aktiv, der für unsere bewusste Bewegungsausführung verantwortlich ist - also immer dann, wenn wir denken: „Jetzt drehe ich mich nach links“ oder „Arme nach oben“. Die Basalganglien und das Cerebellum dienen der feinen Motorkontrolle und dem Gleichgewicht. Der Hippocampus hilft dabei, sich an die erlernten Schrittfolgen zu erinnern [2]. Aber auch Areale der Aufmerksamkeit und Planung, also der Präfrontalkortex, sowie Areale für Emotionen, das limbische System, werden beim Tanzen aktiviert. Der Präfrontalkortex hilft dabei, gerade neu gelernte Schrittfolgen in der richtigen Reihenfolge wiederzugeben und ist auch an der Flexibilität beteiligt, spontan auf die Bewegungen des Partners zu reagieren.

Use it or lose it

Okay, viele Gehirnregionen sind nun aktiv, wenn man tanzt. Und wieso ist das jetzt so gut? Studien konnten zeigen, dass Tanzen im Gehirn strukturelle und funktionelle Veränderungen hervorruft. Dabei kommt der berühmte Spruch „Use it or lose it“ ins Spiel. In besonders aktiven Gehirnregionen werden die Neuronen und deren Synapsen verstärkt, sodass eine bessere Kommunikation zwischen ihnen entstehen kann. Diese Fähigkeit des Gehirns, sich aufgrund von Erfahrungen, Übungen und Training strukturell (z.B. vergrößertes Gehirnvolumen in einem aktiven Areal) und funktionell (eine verbesserte Leistung durch ein vergrößertes Hirnareal) zu verändern und anzupassen, nennt man kognitive Plastizität. Das Gehirn wird dadurch anpassungsfähiger und bleibt länger leistungsfähig. Beim Tanzen werden besonders auch die Verbindungen zwischen den beiden Gehirnhälften verstärkt, da die verschiedenen Bereiche alle miteinander kommunizieren müssen. Ein konkretes Beispiel, wie sich das Gehirn durch Tanzen verändert, ist die Anpassung des Körpers an die schnellen Drehungen. Durch jahrelanges Training sind Tänzer in der Lage, Signale von den Gleichgewichtsorganen im Innenohr und Kleinhirn zu unterdrücken, die Schwindelgefühle auslösen [3]. Übrigens ist es egal, welche Form von Tanz man ausübt - alle Formen sind gut für unser Gehirn. Während Solotanz, wie Hip-Hop oder Ballett besonders Selbstwahrnehmung und Selbstausdruck fördert, werden beim Paartanz besonders soziale Kognition wie Timing und Abstimmung geschärft. Im Paartanz muss dann zudem auch noch auf die Umgebung geachtet werden, damit man nicht im Tanzsaal mit anderen Paaren kollidiert.

Doch Tanzen schärft nicht nur Fähigkeiten wie Gleichgewichtssinn, Timing oder Selbstausdruck - es stärkt auch die geistige Leistungsfähigkeit, fördert das emotionale Wohlbefinden und kann sogar therapeutisch wirksam sein.

Tanzen vs. andere Sportarten

Tanzen - das klingt so einfach, wenn man es von außen betrachtet: Musik, ein paar elegante Bewegungen, fertig. In Wirklichkeit ist es jedoch nicht so einfach, wie man denkt. Was mit einem entspannten Grundschritt beginnt, kann sich schnell zu einer komplexen Abfolge entwickeln - wie jeder weiß, der schon einmal selbst getanzt hat. Da kommt man auch gut und gerne mal ins Schwitzen. Durch Tanz werden das Herz-Kreislauf-System, Muskelkraft, Ausdauer und Haltung trainiert - man kann pro Stunde zwischen 400 und 700 Kalorien verbrennen und steht damit klassischen Ausdauersportarten wie Joggen und Schwimmen in nichts nach!

Zahlreiche Studien legen nahe, dass Tanz in einigen Bereichen klassische Sportarten sogar übertreffen kann - besonders wenn es um die Wirkung auf das Gehirn geht. Da im Alter neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz häufiger auftreten, konzentriert sich die Forschung besonders auf ältere Erwachsene. Eine Metastudie von 2018 verglich eine Tanzgruppe mit einer Sportgruppe mit sich wiederholenden Fitnesstrainings. Die Ergebnisse zeigten, dass in der Tanzgruppe nach sechs Monaten eine signifikante Zunahme des Gehirnvolumens festgestellt wurde. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Tanzprogramm die Neuroplastizität im Gehirn der älteren Menschen positiv beeinflusst und den altersbedingten Verlust der grauen Substanz im Gehirn entschleunigt [5]. Auch weitere Studien fanden heraus, dass Tanztraining zu strukturellen Veränderungen im Hippocampus führen kann, einem Areal, das für Gedächtnis und Orientierung entscheidend ist [6]. Die Teilnehmer trainierten besonders ihr räumliches Gedächtnis, was die Orientierung und Erinnerung an Objekte im Raum schärfte. Auch weitere Studien konnten nachweisen, dass Tanzen nicht nur körperlich fit hält, sondern auch geistige Fähigkeiten stärkt - von der Balance bis zur Kognition [7].

Im Gegensatz zu vielen klassischen Sportarten wie Joggen oder Krafttraining fordert Tanzen nicht nur Ausdauer oder Muskelkraft, sondern auch die Koordination von Bewegung im Rhythmus der Musik, das Einprägen komplexer Bewegungsfolgen und oft die Interaktion mit anderen Personen - all das beansprucht Körper und Gehirn gleichermaßen [7]. Man sieht also, dass Tanzen nicht nur körperlich fit hält, sondern auch das Gehirn auf vielfältige Weise fördert - und das anscheinend oft sogar mehr als herkömmliche Fitnessprogramme. Doch was genau unterscheidet Tanzsport von anderen Sportarten?

#

tags: #synapsen #gehirn #tanzen #spruch