Synapsen, Schmerz und ihre komplexe Funktion im menschlichen Körper

Synapsen sind essenzielle Verbindungsstellen im Nervensystem, die eine sichere Informationsübertragung zwischen Zellen ermöglichen. Ihre Funktionsweise und Veränderungen spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Behandlung von Krankheiten, insbesondere im Zusammenhang mit Schmerzen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Funktionen von Synapsen, ihre Bedeutung bei der Schmerzentstehung und Chronifizierung sowie mögliche Therapieansätze.

Einführung in die Welt der Synapsen

Synapsen sind die Verbindungsstellen zwischen zwei Nervenzellen (Neuronen) oder zwischen einem Neuron und einer anderen Zelle, beispielsweise einer Muskel- oder Drüsenzelle. Sie ermöglichen die Weitergabe elektrischer oder chemischer Signale und sind somit ein fundamentaler Bestandteil der Kommunikation im Nervensystem. Man unterscheidet zwischen chemischen und elektrischen Synapsen, wobei chemische Synapsen beim Menschen im Nervensystem überwiegen.

Chemische Synapsen: Die Botenstoff-Übermittler

Chemische Synapsen nutzen Neurotransmitter, um Informationen zu übertragen. Ein Aktionspotential erreicht das Axonende der präsynaptischen Zelle, wodurch sich spannungsabhängige Calcium-Kanäle öffnen und Calcium-Ionen in die Zelle einströmen. Dies führt zur Freisetzung von Neurotransmittern aus Vesikeln in den synaptischen Spalt. Die Neurotransmitter binden an Rezeptoren auf der postsynaptischen Membran und lösen dort eine Reaktion aus, die entweder erregend oder hemmend sein kann.

Elektrische Synapsen: Die direkten Verbindungen

Elektrische Synapsen sind seltener und ermöglichen eine direkte, sehr schnelle Signalübertragung über sogenannte Gap Junctions. Diese Zell-Zell-Kontakte erlauben den Austausch von Ionenströmen zwischen den Zellen.

Neurotransmitter: Die chemischen Boten des Nervensystems

Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die an den Synapsen die Signalübertragung ermöglichen. Es gibt eine Vielzahl von Neurotransmittern, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen.

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Acetylcholin: Ein vielseitiger Neurotransmitter

Acetylcholin wirkt häufig erregend und spielt eine wichtige Rolle im Großhirn, Hirnstamm und Rückenmark. Es bindet an muscarinerge oder nicotinerge Rezeptoren, wobei erstere vor allem im Zusammenhang mit dem vegetativen Nervensystem von Bedeutung sind.

Monoamine: Stimmungsaufheller und mehr

Zu den Monoaminen gehören Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin, Histamin und Serotonin. Noradrenerge Synapsen finden sich vor allem im Hirnstamm und in vegetativen, sympathischen Fasern. Histamin ist an der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt, während Dopamin und Serotonin im limbischen System eine Rolle spielen.

GABA: Der wichtigste hemmende Neurotransmitter

GABA (Gamma-Aminobuttersäure) wirkt in vielen Bereichen des zentralen Nervensystems hemmend, indem es an verschiedene Rezeptoren bindet.

Neuropeptide: Vielfältige Aufgaben

Neuropeptide beeinflussen vielfältige Prozesse wie Schmerzempfinden, Appetit, Schlaf, Stimmung oder Stressreaktionen.

Schmerz: Ein komplexes Zusammenspiel von Nozizeption und Wahrnehmung

Die Wahrnehmung von Schmerzen ist ein komplexer Prozess, der verschiedene Reizarten (thermisch, chemisch, mechanisch, Stoffwechselvorgänge) umfasst. Schmerzreize werden von Sinneszellen, den sogenannten Nozizeptoren, registriert und weitergeleitet.

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Nozizeptoren: Die Schmerzrezeptoren

Nozizeptoren sind freie Nervenendigungen, die in der Haut und fast allen inneren Organen vorhanden sind. An ihrer Oberfläche befinden sich verschiedene Rezeptoren für unterschiedliche Reizarten. Man unterscheidet polymodale Nozizeptoren, die auf mechanische, thermische und chemische Reize reagieren, sowie spezialisierte Nozizeptoren, die nur auf eine Reizart ansprechen. Stumme Nozizeptoren werden im Zusammenhang mit Entzündungen sensibilisiert und spielen eine Rolle bei der Chronifizierung von Schmerzen.

Die Weiterleitung des Schmerzsignals

Im Rückenmark befinden sich Nervenschaltstellen, die Synapsen, die das Schmerzsignal mittels Neurotransmittern von einer Nervenzelle auf die nächste weiterleiten. So gelangt das Signal zum Gehirn, wo die eigentliche Schmerzempfindung entsteht. In der Großhirnrinde findet eine Bewusstmachung und Beurteilung des Schmerzes statt, während im limbischen System der Schmerz emotional verarbeitet wird.

Die subjektive Natur des Schmerzes

Die Stärke des Schmerzes ist subjektiv. Der Schmerzreiz wird von Nervenfasern über das Rückenmark ins Gehirn weitergeleitet. Aδ-Fasern leiten Reize schnell und bewirken einen scharfen, ersten Schmerz, während C-Fasern Reize langsamer leiten und einen dumpfen, anhaltenden zweiten Schmerz verursachen. Der Schmerz führt unbewusst zu körperlichen Reaktionen wie erhöhtem Blutdruck oder beschleunigter Atmung.

Schmerzhemmende Mechanismen des Körpers

Der Körper kann selbst Stoffe herstellen, die Schmerzen reduzieren oder ausschalten können: Endorphine. Das Nervensystem sendet schmerzauslösende Signale an das Gehirn, aber es gibt auch schmerzhemmende Impulse direkt zu den Synapsen im Rückenmark, die zur Ausschüttung von Substanzen wie Noradrenalin führen. Körperliche Bewegung bewirkt, dass verschiedene Hormone (Noradrenalin und Serotonin) ausgeschüttet werden.

Synaptische Plastizität und Schmerzchronifizierung

Starker oder andauernder Schmerz kann bleibende Spuren im Nervensystem hinterlassen. Calcium-Ionen, die infolge der synaptischen Erregung in Nervenzellen eindringen, können epigenetische Veränderungen hervorrufen, die dazu führen, dass Schmerz chronisch wird. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit der Bildung des Langzeitgedächtnisses.

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Zentrale Sensibilisierung

Durch die repetitive Stimulation von Nozizeptoren kann es zu einer zentralen Sensibilisierung kommen. Hierbei verstärken die Rückenmarkneurone ihre Reizantwortmuster auf die periphere Stimulation. Die synaptische Übertragungsstärke wird erhöht, und jedes Aktionspotential wird mit einer gesteigerten Ausschüttung von Neurotransmittern beantwortet.

Die Rolle von Gliazellen

Gliazellen, insbesondere Astroglia, übernehmen wichtige Funktionen bei der Signalverarbeitung im Gehirn und zentralen Nervensystem. Es gibt Hinweise darauf, dass Gliazellen auch am Entstehen von chronischem Schmerz beteiligt sein können.

Der Homunkulus und chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen können sich in der Großhirnrinde, insbesondere im somatosensorischen Kortex, manifestieren. Der Homunkulus, eine Repräsentation des Körpers im Gehirn, kann sich bei chronischen Schmerzen verändern. So kann beispielsweise die Repräsentation des Rückens im Homunkulus in benachbarte Areale übergehen.

Synapsen und spezifische Schmerzerkrankungen

Synapsen können von verschiedenen Erkrankungen betroffen sein, die zu Schmerzen führen können.

Depressionen

Bei Depressionen spielen Störungen der synaptischen Signalübertragung eine zentrale Rolle. Besonders betroffen sind die Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin.

Autoimmunerkrankungen

Das Lambert-Eaton-Syndrom und Myasthenia gravis sind Autoimmunerkrankungen, die die Signalübertragung an der neuromuskulären Synapse stören.

Vergiftungen

Vergiftungen mit Phosphorsäureestern oder bakteriellen Toxinen wie Botulinumtoxin und Tetanustoxin können die Funktion von Synapsen beeinträchtigen und zu Lähmungen oder Krämpfen führen.

Therapieansätze: Beeinflussung der synaptischen Funktion zur Schmerzlinderung

Die Erkenntnisse über die synaptische Funktion und ihre Rolle bei der Schmerzentstehung haben zu verschiedenen Therapieansätzen geführt.

Pharmakologische Interventionen

Verschiedene Medikamente entfalten ihre Wirkung an Synapsen. Dazu gehören Antidepressiva, die die Wiederaufnahme von Noradrenalin oder Serotonin in die Präsynapse verhindern, sowie Antikonvulsiva und Neuroleptika, die in Kombination mit anderen Analgetika eingesetzt werden können.

Placebo-Effekt

Placebos können Schmerzen lindern, indem sie körpereigene Opiate ausschütten, die die Schmerzinformation bereits im Rückenmark reduzieren.

Bewegung und Entspannung

Körperliche Bewegung bewirkt die Ausschüttung von Hormonen wie Noradrenalin und Serotonin, die schmerzlindernd wirken können. Entspannungstechniken können ebenfalls helfen, Schmerzen zu reduzieren.

Interventionelle Schmerztherapie

Bei schweren Schmerzzuständen können Opiate mit einem Katheter gezielt an die Nervenzellen im Rückenmark gebracht werden, um die Schmerzübertragung zu hemmen.

Die Bedeutung der interdisziplinären Schmerzforschung

Die Behandlung von Schmerzen erfordert einen interdisziplinären Ansatz, der verschiedene Fachrichtungen wie Medizin, Psychologie und Physiotherapie einbezieht. Die weitere Erforschung der synaptischen Funktion und ihrer Rolle bei der Schmerzentstehung ist entscheidend, um neue und wirksamere Therapieansätze zu entwickeln.

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