Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, bestehend aus zwei Hälften, die miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten. Die Synchronisation dieser beiden Hälften, auch Hemisphären-Synchronisation genannt, ist ein faszinierendes Thema, das in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Synchronisation beider Gehirnhälften, von den grundlegenden Funktionen der Gehirnhälften bis hin zu praktischen Übungen und Anwendungen.
Die unterschiedlichen Rollen der Gehirnhälften
Grundsätzlich übernimmt jede Hälfte des Gehirns seine eigenen Aufgaben. Die linke Seite ist stärker auf begriffliches Denken ausgerichtet, während die rechte Seite mit bildlichen Visualisierungen arbeitet. Vereinfacht gesagt, ist die linke Seite logisch veranlagt, während die rechte Seite stärker für Kreativität zuständig ist.
Die linke Gehirnhälfte ist in der Regel für sprachliche und logische Funktionen zuständig. Sie verarbeitet Informationen sequenziell und analytisch. Sie steuert die mündliche Darstellung sowie Grammatik und Wortstellung. Die rechte Gehirnhälfte hingegen ist in der Regel für räumliche und kreative Funktionen zuständig. Sie verarbeitet Informationen ganzheitlich und intuitiv. Sie kontrolliert die Körpersprache, Mimik und Gestik und steuert Bewegungen und physische Aktivität sowie künstlerische Leistungen und Erlebnisse wie Musik, Zeichnen und Malen. Konkrete Begriffe wie Fußball, Kaffee oder Computer sind in jeder Gehirnhälfte fast gleichstark repräsentiert. Die rechte Hirnhälfte beinhaltet ihrerseits Sprachmelodie und Subtexte. Ebenso gehören zur rechten Hälfte räumliches Denken, Zahlenverständnisse und die Gesichtserkennung.
Lateralität-Test
Es gibt einen simplen Lateralität-Test, um zu testen, ob deine linke oder rechte Gehirnhälfte stärker ist. Mache diesen Test einmal bevor du eine neowake® Session angehört hast und dann direkt danach nochmal. Du wirst merken, dass du neuronal flexibler geworden bist.
Die Bedeutung der Vernetzung beider Gehirnhälften
Um exzellente und kreative Denkleistungen zu erbringen, müssen beide Gehirnhälften des Großhirns gut zusammenarbeiten und sich ergänzen. Einige Wissenschaftler vermuten, dass erfolgreiche und kreative Menschen besonders gut zwischen der linken und der rechten Gehirnhälfte kommunizieren können.
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Die Großhirnrinde ist verantwortlich für die Vernetzung der beiden Gehirnhälften. Die Erinnerung besteht hauptsächlich aus einer verstärkten Verknüpfung von Nervenzellen. Um das Gedächtnis zu verbessern, müssen Synapsen verstärkt werden. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist die Verbindung zwischen systematischem Denken und Intuition.
Wie das Gehirn Informationen zu einem Gesamteindruck verarbeitet
Im Fall des Hörens konnten Forscher zeigen, dass die leicht unterschiedlichen Höreindrücke der beiden Ohren mithilfe von Gamma-Wellen synchronisiert werden. So können wir Gesagtes als einheitliche Sprachlaute wahrnehmen. Dieser Nachweis gelang durch eine gezielte Beeinflussung des Hörsystems mittels elektrischer Stimulation.
Unsere Ohren sitzen auf gegenüberliegenden Seiten des Kopfes und die meisten Töne erreichen die Ohrmuscheln dadurch mit einer leichten zeitlichen Verzögerung. Sie geben unserem Gehirn somit einen leicht unterschiedlichen Input und das hat auch einen wichtigen Grund: „Dies hilft uns zu bestimmen, aus welcher Richtung Geräusche kommen. Allerdings bedeutet das auch, dass unser Gehirn die Informationen beider Ohren vereinigen muss. Ansonsten würden wir ein Echo hören“, sagt Basil Preisig der Universität Zürich.
Frühere Untersuchungen haben bereits Hinweise darauf geliefert, dass dabei spezielle Schwingungsmuster der Nervenaktivität im Gehirn eine Rolle spielen: die sogenannten Gamma-Wellen. Die Forscher sehen in diesen Ergebnissen nun einen Nachweis dafür, dass die verschiedenen Inputs der beiden Hirnhälften durch die Synchronisation der Gamma-Wellen miteinander abgeglichen werden, was zu einem eindeutigen akustischen Eindruck führt.
Methoden zur Synchronisation der Gehirnhälften
Es gibt verschiedene Methoden, um die Zusammenarbeit und Synchronisation beider Gehirnhälften zu stärken.
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Multisensorische Aktivitäten
Durchführen von Tätigkeiten, die mehrere Sinne ansprechen und somit beide Gehirnhälften gleichzeitig aktivieren. Anstatt also nur das Gelernte zu lesen, können Sie es auch mit Bildern kombinieren, und so die rechte Hälfte mit in den Lernprozess mit einbinden.
Kinesiologische Übungen
Übungen, die die Koordination zwischen beiden Gehirnhälften verbessern sollen. Wollen Sie lernen, beide Gehirnhälften zu gleichen Maßen zu verwenden, können Sie das mithilfe verschiedener Übungen tun. Dies kann Ihnen dabei helfen, ein Problem effektiver anzugehen.
Für die erste Übung brauchen Sie nur die Hände. An der linken Hand kommt der Zeigefinger auf den Daumen, an der rechten der Mittelfinger. Nun wechseln Sie den Finger, zum Beispiel linke Hand Mittelfinger auf Daumen, rechte Zeigefinger auf Daumen. Übung zwei führen Sie im Stehen aus. Dafür legen Sie die linke Hand auf den Bauch, mit der machen Sie kreisende Bewegungen. Die rechte Hand bewegt sich senkrecht über dem Kopf auf und ab. Die dritte Übung können Sie gleich vor dem Aufstehen im Liegen bewältigen. Beim Einatmen bewegen Sie dabei die Zehen in Richtung Kopf, beim Ausatmen bewegen Sie die Zehen in die andere Richtung.
Neurofeedback
Neurofeedback ist eine weitere Methode, die zur Synchronisation der Gehirnhälften eingesetzt werden kann. Dabei lernt der Patient, seine Gehirnfrequenzen zu beeinflussen, während diese gemessen und ihm als unmittelbares Feedback sichtbar gemacht werden.
Psych-K®
Die Methode Psych-K® basiert auf zahlreichen wissenschaftlichen Prinzipien einschließlich dem der Neuroplastizität. Die Methode Psych-K® nutzt dann einen kinesiologischen Muskeltest, welcher als Biofeedbacksystem des Körpers dient.
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brainLight-Technologie
Ganzheitliche Entspannung wird durch die einmalige brainLight-Technologie möglich und führt allgemein zu einer Optimierung der neuronalen Vernetzung im Gehirn und Synchronisation der Gehirnhälften. Durch die innovative und optimal abgestimmte audio-visuelle Entspannungstechnologie - bei der über Visualisierungsbrille sowie Kopfhörer, Licht- und Tonsignale übertragen werden - wird es Ihnen ermöglicht, das Gehirn anzuregen und spezifische positive Geistes- und Gemütszustände zu erreichen.
Weitere Übungen
Eine weitere Übung besteht darin, die eine und andere Gehirnhälfte gleichsam zu stimulieren über die Anwendung von Ton. Ein Ton wird hierfür auf das eine Ohr gelegt und auf das andere kommt ein leicht veränderter Ton. Die Töne werden gleichzeitig abgespielt. Das Ergebnis ist ein dritter Ton, nämlich das Hören von Wellen, welcher das Ergebnis der Zusammenarbeit der beiden Hälften ist. Mit dem Übungstyp 2 wird die Hemisphären-Synchronität angestrebt. Ein Beispiel hierfür ist der Blick auf ein Bild mit zwei verschieden farbigen Punkten oder Figuren. Hebst du dabei leicht den Kopf und schielst minimal über die Nase entwickelt sich zwischen den Punkten / Figuren ein neuer Punkt bzw. eine neue Figur. Der neue Punkt / die neue Figur wird immer wieder seine / ihre Farbe ändern, weil dein Gehirn daran arbeitet, die Farbe neu einzustellen, wofür beide Gehirnhälften gleichsam nötig sind. Die Information (Umweltreiz) wird so immer wieder neu gesehen.
Neurofeedback im Detail
Durch gezieltes Training der betroffenen Gehirnfrequenzen (Frequenzen mit zu niedriger Intensität werden herauftrainiert, Frequenzen mit zu hoher Intensität werden heruntertrainiert) lassen sich die mit den jeweiligen Frequenzen korrelierenden Symptome beeinflussen. Es sprechen nicht alle Betroffenen gleichermaßen an. Bei 50 % der ADHS- Betroffenen lassen sich die Symptome um mindestens 25 % verringern. Erforderlich sind 20 bis 40 Trainingseinheiten. Die Software bietet dem Patienten nun Reize (Grafiken, Spiele, Filme etc.), die er mittels der zu trainierenden EEG-Frequenz steuern kann.
Neurofeedback bei ADHS
Neurofeedback scheint bei ADHS Symptome in etwa so wirksam zu verbessern wie kognitive Verhaltenstherapie und scheint ebenso zu dauerhaften Effekten zu führen. Aufgrund der dauerhaften Wirkung kann man von einer Heilungswirkung durch Neurofeedback sprechen. Diese Heilungswirkung ist jedoch aufgrund der begrenzten Symptomverbesserung, und da nicht alle Betroffene gleichermaßen ansprechen, nur sehr selten vollständig. In der Behandlung lernt der Patient seine Gehirnfrequenzen zu beeinflussen, während diese gemessen und ihm als unmittelbares Feedback sichtbar gemacht werden.
Verschiedene Trainingsmethoden im Neurofeedback
- SCP - langsame kortikale Potenziale: SCP-Training langsamer corticaler Potentiale zielt auf phasische Aspekte corticaler Exzitabilität.
- Frequenzbandtraining: Für ein allgemeines EEG-Frequenzbandtraining genügt ein 1-Kanal EEG-Messgerät. Für eine räumliche Auflösung von Gehirnaktivitäten auf einzelne Gehirnareale wird eine Vielzahl von EEG-Kanälen (in der Regel 19) benötigt. Insbesondere eine Kombination von Frequenzbandtraining und nachfolgendem SCP-Training scheint gute Ergebnisse zu ermöglichen.
- SMR-Training: SMR-Training verringert Impulsivität und Affektdurchbrüche und fördert eine gelassene allgemeine Aufmerksamkeit.
- Theta-Beta Training: Die beiden Trainingsmethoden Theta herunter - Beta herauf und Theta herunter - Alpha herauf unterschieden sich in ihren Ergebnissen nur wenig. Beide Protokolle linderten die Symptome von ADHS im Allgemeinen (p <0,001), die Symptome von Hyperaktivität (p <0,001), Unaufmerksamkeit (p <0,001) und Auslassungsfehler (p <0,001), nicht aber die oppositionellen und impulsiven Symptome. Möglicherweise ist ein Protokoll, das lediglich Theta hochreguliert, besonders geeignet, um Inhibition zu fördern.
- Z-Score-Training: Auch beim Z-Score-Training könnte die Wirksamkeit möglicherweise durch das Trainieren der Selbststeuerungsfähigkeit des EEGs erreicht werden.
- ILF-Training: Das Training von ILF wurde von Othmer entwickelt und wird deshalb zuweilen auch als Othmer-Methode bezeichnet. Es handelt sich ebenfalls um ein Training sehr niedriger Frequenzen.
- LORETA: LORETA (Low Resolution Brain Electromagnetic Tomography) ist eine dreidimensionale elektromagnetische Gehirnbildgebung mit niedriger Auflösung.
EEG-Frequenzen und ihre Bedeutung
Das Gehirn kommuniziert mittels Nervenzellgruppen, die in einem synchronisierten Rhythmus senden und pausieren. Die verschiedenen EEG-Frequenzen spiegeln unterschiedliche Zustände des Gehirns wider:
- Alpha (7/8 bis 12/13 Hz): Wache Entspanntheit, nach innen gerichtete Aufmerksamkeit, geschlossene Augen. Gesunder physiologischer Grundrhythmus des ruhenden Gehirns. Tritt vorwiegend bei geschlossenen Augen auf und wird beim Öffnen der Augen oder beim Nachdenken unterdrückt.
- Beta: Je nach Alter im Bereich 14 bis 30 Hz. Das bei ADHS bei Entspannung ansteigende Beta ist nach unserer Ansicht eine schlüssige Begründung, warum für ADHS-Betroffene Meditation so aversiv ist. Ebenso erklärt es das Gedankenkreisen beim Schlafen gehen (zusammen mit der Tatsache, dass denken Dopamin freisetzt - Denken kann so gesehen eine Sucht sein, um den Dopaminbedarf zu stillen).
Veränderungen der Gehirnfrequenzen mit dem Alter
Bei allen Menschen verändert sich die Power (Stromstärke) des EEG mit zunehmendem Alter, insbesondere von Kindheit zu Adoleszenz. Mit zunehmendem Alter nehmen die langsamen Frequenzen (Delta und Theta) ab, während die schnellen Frequenzen (Alpha und Beta) stärker werden. Die Gesamtpower (die Summe aller Einzelfrequenz-Powerwerte) nimmt mit zunehmendem Alter ab. Altersbedingte Veränderungen gibt es zwar bei ADHS-Betroffenen ebenso wie bei Nichtbetroffenen, jedoch unterschiedlich stark.
Die Rolle der Dominanz einer Gehirnhälfte
Es gibt eine Vorstellung, dass Menschen eine „Linkshirn-“ oder „Rechtshirn-Dominanz“ haben können. Die linke Gehirnhälfte ist für die Logik zuständig, während die rechte Gehirnhälfte für Kreativität und Emotionen verantwortlich ist. Die meisten Menschen verlassen sich jedoch überwiegend auf ihre linke Gehirnhälfte, da sie vor allem in Berufen wie Juristen, Schriftstellern, Buchhaltern, Ärzten und Steuerexperten, die mit logischen, sprachbezogenen Informationen zu tun haben, benötigt wird.
Kritik und Einschränkungen
Es ist wichtig zu beachten, dass Übungen, die angeben, lediglich eine Gehirnhälfte zu trainieren, wissenschaftlich nicht fundiert sind. Bei jeglicher Art von Gehirntraining werden immer beide Hälften aktiv, jedoch in unterschiedlicher Form. Ebenso ist es nicht möglich, nur eine Gehirnhälfte zu trainieren, weil immer beide angeregt werden.
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