Übungen zur Förderung der Koordination beider Gehirnhälften bei Kindern

Es ist erwiesen, dass wir am besten lernen, wenn beide Gehirnhälften gut aufeinander abgestimmt sind. Eine effektive Methode, diese Abstimmung zu fördern, sind Überkreuzbewegungen. Durch Aktivitäten, die die rechte und linke Hand gleichzeitig beanspruchen, wie beispielsweise beim Sportstacking, wird die Durchblutung des Gehirns verbessert und die Entstehung neuer Nervenverbindungen zwischen den beiden Gehirnhälften angeregt. Dies aktiviert die Zusammenarbeit beider Hemisphären und erleichtert das Erlernen von Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen und dem Spielen eines Musikinstruments. Zudem werden Konzentration und Auge-Hand-Koordination gefördert, was mit viel Spaß verbunden ist.

Die Bedeutung der Zusammenarbeit beider Gehirnhälften

Das menschliche Gehirn besteht aus zwei Hälften, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Die linke Gehirnhälfte wird oft als die analytische bezeichnet und ist zuständig für Einzelheiten, Zahlen, Buchstaben, Strukturen, Planung, Unterschiede, folgerichtiges Denken, Analyse sowie Buchstaben- und Satzkonstruktionen. Die rechte Gehirnhälfte hingegen ist die ganzheitliche, kreative Seite, die für Überblick, Bilder, Gefühle, Spontaneität, Ähnlichkeiten, gleichzeitiges Handeln und Denken, Intuition, Rhythmus und Dialekt verantwortlich ist.

Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass das Gehirnpotential optimiert werden kann, wenn beide Gehirnhälften eingesetzt werden. Ein Ungleichgewicht zwischen Aktivitäts- und Ruhephasen der beiden Gehirnbereiche kann zu Störungen der kognitiven Funktionen führen. Eine zureichende Lernleistung kann erst dann erbracht werden, wenn beide Gehirnhälften gleichermaßen entspannt und aktiv sind. Daher ist es wichtig, die Zusammenarbeit der beiden Hirnhälften gezielt zu trainieren.

Brain Gym: Lernen durch Bewegung

Brain Gym Übungen wurden 1981 von dem Amerikaner Dr. Paul E. Dennison als Bewegungsprogramm entwickelt. Diese Übungen basieren auf der Kinesiologie und werden oft als Edu-Kinestetik bezeichnet. Brain Gym bedeutet "Lernen durch Bewegung" und wird auch als kinesiologische Lerngymnastik bezeichnet. Es handelt sich um ein ganzheitliches, alternativmedizinisches System, das auf Kinesiologie, Gehirnforschung, Lernpsychologie und der chinesischen Meridianlehre gründet.

Prägend sind spezielle Körperbewegungen wie Überkreuzübungen, Spiegelungsübungen sowie Übungen zur Stärkung der Körpermittellinie. Obwohl diese Therapieform wissenschaftlich umstritten ist und oft auf Widerstand trifft, beruht ihre Wirkung auf Erfahrungswerten. Angewandt wird Edu-Kinestetik zumeist von Heilpraktikern und Lerntherapeuten, aber auch manche Ärzte nutzen kinesiologische Übungen.

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Brain Gym Übungen aus der Edu-Kinestetik sind gezielt auf die Steigerung der Gehirnleistung, der Konzentration und des Lernpotentials angelegt sowie auf die Auflösung von Stress. Denn stressbedingte Blockaden verringern das Lernpotential und die Konzentrationsleistung erheblich. Dabei ist die Edu-Kinestetik und Brain Gym auf praktische und sichtbare kognitive Verbesserungen angelegt und zielt auf pädagogische Erfolge.

Brain Gym Übungen unterstützen die Zusammenarbeit der beiden Gehirnhälften und die Dehnung bestimmter Muskeln. Dabei werden Blockaden gelöst, wodurch der Fluss der Meridiane wieder ermöglicht wird. Des Weiteren umfasst die Edu-Kinestetik kleinste Bewegungen und ist nicht auf körperliche Performance ausgelegt. Diese Mikro-Bewegungen bestehen beispielsweise aus einfachen, jedoch konzentrierten Arm- oder Handbewegungen. Bei den Übungen der Brain Gym ist der Fokus auf die Atmung wichtig. Beim Strecken der Gliedmaßen sollte ausgeatmet, beim Einziehen der Gliedmaßen eingeatmet werden. Anfangs ist die Koordination von Bewegung und Atmung schwierig, lässt sich jedoch mit viel Übung verinnerlichen.

Brain Gym geht davon aus, dass Blockaden zwischen den Energieflüssen im Körper zur Störung der kognitiven Informationsverarbeitung führen, was Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, Gereiztheit sowie Lerndefizite zur Folge hat. Die Brain Gym Übungen sollen dabei helfen, das energetische Gleichgewicht im Körper auszugleichen und die Leistungsnachteile wieder aufzuheben. Mit diesen Übungen werden Kinder zur Bewegung angeregt und werden konzentrierter, ruhiger und aufmerksamer. Alle Übungen sind unkompliziert und zeichnen sich durch einfache Übungsabfolgen aus. Die bekannteste Übung von Brain Gym und der Edu-Kiestetik ist die „Liegende Acht“ in unterschiedlichen Ausführungsarten. Insgesamt gibt es 26 Brain Gym Übungen. Ein Großteil arbeitet mit dem Prinzip der Überkreuzung oder der Spiegelung sowie der Zentrierung auf die Körpermittellinie.

Beispiele für Übungen zur Förderung der Koordination beider Gehirnhälften

Hier sind einige Beispiele für Übungen, die die Koordination beider Gehirnhälften fördern und leicht in den Alltag integriert werden können:

  • Überkreuzbewegungen:

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    • Knie-Ellenbogen-Berührung: Im Stehen in einer leichten Grätsche abwechselnd mit der linken Hand das rechte Knie und mit der rechten Hand das linke Knie berühren. Diese Übung kann mit flotter Musik dynamisch ausgeführt werden.
    • Überkreuz-Klatschspiele: Zwei Kinder finden sich zu einem Paar zusammen und setzen oder stellen sich einander gegenüber. Ihre Hände sind erhoben. Sie klatschen nun abwechselnd in die eigenen Hände und in die Hände des Partners, so dass eine Überkreuzbewegung entsteht.
    • Die Eule: Eine Hand wird fest auf die gegenüberliegende Schulter gelegt, wobei der Schultermuskel festgehalten wird. Mit der Einatmung wird der Kopf langsam in Richtung der gehaltenen Schulter gedreht und versucht, über die Schulter nach hinten zu schauen. Mit der Ausatmung zur Mitte zurückdrehen und drei bis vier Mal wiederholen, wobei der Radius jedes Mal etwas größer wird.
  • Spiegelübungen:

    • Simultanzeichnen: Das Kind hält in jeder Hand einen Stift und positioniert sich vor einem Whiteboard oder einem Flip-Board. Es bewegt nun die Stifte simultan und spiegelbildlich, indem es Kringel, Kreise oder Vierecke zeichnet. Anfangs sollten einfache Formen gezeichnet werden, mit zunehmender Übung können sie komplexer werden.
    • Die liegende Acht: Im Stehen wird ein Arm ausgestreckt, wobei der Kopf zur gleichen Seite geneigt wird, sodass das Ohr auf der Schulter aufliegt. Der ausgestreckte Arm wird wie ein „Rüssel“ in einer großen liegenden Acht geschwungen. Der Kopf dreht sich dabei mit der Bewegung des Arms, als ob das Kind einen Elefantenrüssel bewegen würde; die Augen folgen der Bewegung.
  • Aktivierung der Gehirnpunkte:

    • Eine Hand liegt auf dem Bauchnabel. Daumen sowie Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand massieren währenddessen für 30 Sekunden die kleinen Grübchen unterhalb der Schlüsselbeine, beidseitig vom Brustbein. Diese kleinen Einbuchtungen am äußeren Rand des Brustbeins werden als Gehirnpunkte bezeichnet. Anschließend wechseln die Hände für die gleiche Zeit ihre Position.
  • Ohrenmassagen:

    • Das Kind zieht bei dieser Einschaltübung mit beiden Händen zeitgleich an seinen beiden Ohren. Dabei greift es die Ohrränder und zieht die Ohren sanft vom Kopf weg. Es beginnt am oberen Ohrenrand und arbeitet sich bis zum Ohrläppchen herunter. Die Übung dauert eine Minute.
    • Das Kind massiert sanft seine Ohren mit Daumen und Zeigefinger, als wollte es die Ohren "auffalten". Dabei wird entlang der Ohren bis zur Spitze massiert und leicht an den Ohrläppchen gezogen.
  • Weitere Übungen:

    • Denkmütze: Dein Kind massiert sanft seine Ohren mit Daumen und Zeigefinger, als wollte es die Ohren "auffalten". Dabei wird entlang der Ohren bis zur Spitze massiert und leicht an den Ohrläppchen gezogen. Die Denkmützen-Technik dient zur Aktivierung beider Gehirnhälften, beruhigt das Nervensystem, verbessert die Aufmerksamkeit und erleichtert das Denken. Sie wird oft vor Schulaufgaben oder bei Lernblockaden empfohlen.
    • Gähnen: Dein Kind öffnet den Mund weit, als ob es gähnen würde, und hält diese Position kurz. Dabei wird sanft mit den Fingerspitzen auf die gespannten Wangenmuskeln gedrückt (besonders über den hinteren Backenzähnen), um die Gesichtsmuskulatur zu entspannen. Diese Übung ist besonders vor dem Schlafengehen oder bei nervösen Kindern hilfreich.
    • Positive Punkte: Die positiven Punkte befinden sich auf der Stirn direkt über der Mitte beider Augenbrauen und lassen sich oft ganz leicht finden, da sie sich bei Berührung wie kleine Vertiefungen anfühlen. Dein Kind legt sanft die Fingerspitzen (Zeige- und Mittelfinger) auf die positiven Punkte und übt leichten Druck aus.

Spielerische Übungen und Integration in den Alltag

Viele der Übungen lassen sich spielerisch gestalten und in den Alltag integrieren. Hier einige Beispiele:

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  • Kreisspiele: Spiele wie „Chef-Vice“ oder „Blutwurst-Leberwurst“ sowie „Ich packe in meinen Koffer“ fordern das Gehirn durch die Kombination von Bewegungen und Gedächtnisleistungen heraus.
  • Zollstock-Zelte: Zwei Zollstöcke werden ausgeklappt und in der Mitte in einem 90-Grad-Winkel abgewinkelt. Die Kinder verwandeln sich in Krabbeltiere und krabbeln durch den Raum. Wenn der Spielleiter ruft: „Alle Tiere krabbeln in ihre Zelte!“, suchen sich die Kinder blitzschnell eine „Zollstockunterkunft“ und krabbeln unten durch.
  • Seilspringen: Je nach Farbe, Zahl oder Aufgabe werden Varianten eingebaut, um die Koordination und Konzentration zu fördern.
  • Hüpfspiele: Auf den Boden gemalte Felder werden mit unterschiedlichen Aufgaben verknüpft (z.B. Feld A einbeinig, Feld B beidbeinig, Feld D nur in Kombination mit Feld C, Feld E nie rückwärts).
  • Steh-Auf-Spiel: Je nach Farbe, Zahl oder Eigenschaft (z.B. Monat des Geburtstags) stehen bestimmte Gruppen von Kindern auf.
  • Ballspiele:
    • In jeder Hand wird ein Tennisball gehalten. Beide Bälle werden gleichzeitig nach oben geworfen und wieder aufgefangen. Schwieriger wird es, wenn die Bälle über Kreuz mit der jeweils anderen Hand gefangen werden.
    • Ein Ball wird bei der Nennung der Farbe Grün zweimal rechts und einmal links geprellt.
    • Ein Ball wird unter dem Bein durchgeprellt (Farbe Grün = rechtes Bein, Farbe Rot = linkes Bein).
    • Ein Ball wird dem Gegenüber mit dem Fuß zugekickt, während ein zweiter Ball mit den Händen geworfen wird.
    • Gleichzeitig wird mit dem linken Arm eine Bewegung wie eine liegende Acht durchgeführt, während der rechte Fuß eine Kreisbewegung ausführt.

Life Kinetik

Life Kinetik ist eine weitere Methode, die darauf abzielt, Synapsen im menschlichen Gehirn miteinander zu verbinden, beide Gehirnhälften zu aktivieren und verschiedene Fähigkeiten zu verbessern. Die Übungen eignen sich für Schüler, Sportler, Studenten, Berufstätige und ältere Menschen. Wenige Minuten Training am Tag genügen bereits, um sehr gute Resultate zu erzielen. Die Wirkung der Life Kinetik ist inzwischen vielfach wissenschaftlich bestätigt.

Beispiele für Life Kinetik Übungen:

  • Mit einer Hand wird ein fiktiver Telefonhörer ans Ohr gehalten, während der Spielleiter Zahlen oder Farben nennt.
  • Der Vulkaniergruß (Finger zwischen Mittel- und Ringfinger zu einem „V“ gespreizt) wird mit Anweisungen zum Wippen kombiniert (gerade, ungerade Zahlen, nach Farben, Kombination von Zahlen & Farben).

Fazit

Die vorgestellten Übungen und Spiele sind leicht zu erlernen und zeigen große Wirkung bei der Förderung der Koordination beider Gehirnhälften. Sie können einfach in den Alltag integriert werden und tragen dazu bei, die Konzentration, die Lernfähigkeit und das allgemeine Wohlbefinden von Kindern zu verbessern. Es ist wichtig, dass die Übungen in einer entspannten und spielerischen Atmosphäre durchgeführt werden, damit die Kinder Spaß daran haben und die positiven Effekte optimal genutzt werden können. Durch die gezielte Anwendung von Übungen, die auf der Integration von Bewegung und Lernprozessen basieren, können nicht nur die akademischen Leistungen gesteigert, sondern auch die intrinsische Motivation und emotionale Ausgeglichenheit gefördert werden.

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