Synuclein-Aggregation, neuronale Degeneration und ihre Ursachen

Die Parkinson-Krankheit (PK) und andere Synucleinopathien sind neurodegenerative Erkrankungen, die durch die Akkumulation von α-Synuclein-Aggregaten in Nervenzellen gekennzeichnet sind. Diese Aggregate, die beispielsweise bei der Parkinson-Krankheit den Hauptbestandteil der Lewy-Körperchen bilden, beeinträchtigen die normale Zellfunktion und führen zum Verlust von Neuronen. Die Erforschung der Ursachen für die Entstehung dieser Aggregate und der Mechanismen, die zu neuronaler Degeneration führen, ist entscheidend für die Entwicklung von Therapien, die den Krankheitsverlauf verlangsamen oder aufhalten können.

Synucleinopathien: Ein Überblick

Synucleinopathien umfassen eine Gruppe von neurodegenerativen Erkrankungen, die durch die pathologische Aggregation des Proteins α-Synuclein (ASYN) gekennzeichnet sind. Zu den wichtigsten Vertretern gehören:

  • Parkinson-Krankheit (PK): Charakterisiert durch den Verlust dopaminerger Neurone in der Substantia nigra pars compacta, was zu motorischen Symptomen wie Tremor, Rigor, Bradykinese und posturaler Instabilität führt.
  • Demenz vom Lewy-Körper-Typ (DLK): Geht mit kognitiven Defiziten einher, die oft gleichzeitig mit den motorischen Symptomen beginnen oder diesen vorausgehen.
  • Multisystematrophie (MSA): Eine seltene Erkrankung, die das autonome Nervensystem, das Kleinhirn und die Basalganglien betrifft und zu einer Vielzahl von Symptomen wie motorischer Dysfunktion, Koordinationsstörungen und autonomen Störungen führt.
  • Isolierte autonome Funktionsstörung (PAF): Eine noch seltenere Krankheit.

Die genauen Ursachen, warum sich α-Synuclein bei diesen Erkrankungen in unterschiedlichen Zellpopulationen und Gehirnregionen ansammelt, sind noch unklar. Biochemische Analysen haben gezeigt, dass sich die ASYN-Aggregate in Zusammensetzung und Struktur zwischen PK, DLK und MSA unterscheiden. Es scheint, dass es ähnlich wie bei Prionen auch bei ASYN-Aggregaten verschiedene "Stämme" gibt.

Die Rolle von α-Synuclein

Alpha-Synuclein ist ein Protein, das hauptsächlich in präsynaptischen Nervenenden vorkommt und an der Regulation des synaptischen Vesikeltransports und der Neurotransmitterfreisetzung beteiligt ist. Unter normalen Bedingungen ist α-Synuclein ein ungefaltetes, monomeres Protein, obwohl die Existenz eines physiologischen α-helikal gefalteten Tetramers diskutiert wird.

Bei Synucleinopathien kommt es zur Fehlfaltung und Aggregation von α-Synuclein. Die genauen Ursachen für die erhöhte Aggregationsneigung sind noch unbekannt, aber verschiedene Mechanismen werden diskutiert, darunter:

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  • Oxidativer Stress: Die übermäßige Produktion reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) kann zu Konformationsänderungen von α-Synuclein führen und die Aggregation fördern.
  • Veränderungen der Metallionenkonzentration: Regionale Veränderungen der Konzentration bestimmter Metallionen können die Aggregation beeinflussen.
  • Posttranslationale Modifikationen: Modifikationen wie Phosphorylierung oder Ubiquitinierung können die Aggregation beeinflussen.
  • Punktmutationen im SNCA-Gen: Bestimmte Mutationen im Gen, das für α-Synuclein kodiert, können die Aggregationsneigung erhöhen.

Unabhängig von der Ursache führt die Aggregation von α-Synuclein zur Bildung zelltoxischer Oligomere, die sich im Verlauf zu Fibrillen organisieren und schließlich die mikroskopisch sichtbaren Lewy-Körper oder Papp-Lantos-Körperchen bilden. Die Bedeutung der Lewy-Körper wird kontrovers diskutiert, da unklar ist, ob sie eine zellschädigende Rolle spielen oder als Schutzmechanismus fungieren, um die ASYN-Belastung der Zelle zu mildern.

Mechanismen der neuronalen Degeneration

Die Akkumulation von α-Synuclein-Aggregaten in Neuronen kann verschiedene zelluläre Prozesse stören und zur neuronalen Degeneration beitragen. Zu den wichtigsten Mechanismen gehören:

  • Störung des Proteinabbaus: Fehlgefaltetes α-Synuclein kann den Abbau von Proteinen durch das Ubiquitin-Proteasom-System und die Autophagie beeinträchtigen, was zu einer weiteren Akkumulation von Aggregaten führt.
  • Mitochondriale Dysfunktion: α-Synuclein-Aggregate können die Funktion der Mitochondrien beeinträchtigen, was zu oxidativem Stress, Energiemangel und Zelltod führt.
  • Neuroinflammation: α-Synuclein-Aggregate können eine Entzündungsreaktion im Gehirn auslösen, bei der aktivierte Mikroglia und Astrozyten Zytokine und andere Entzündungsmediatoren freisetzen, die Neuronen schädigen können.
  • Störung des Kalziumhaushaltes: α-Synuclein-Aggregate können den Kalziumhaushalt in Neuronen stören, was zu Exzitotoxizität und Zelltod führt.
  • Beeinträchtigung des axonalen Transports: α-Synuclein-Aggregate können den axonalen Transport von Vesikeln und Organellen beeinträchtigen, was zu einer Störung der synaptischen Funktion und zum Zelltod führt.

Genetische Risikofaktoren

Neben den sporadischen Formen von Synucleinopathien gibt es auch genetische Formen, die durch Mutationen in bestimmten Genen verursacht werden. Zu den wichtigsten genetischen Risikofaktoren gehören:

  • SNCA-Gen: Mutationen, Duplikationen oder Triplikationen des SNCA-Gens, das für α-Synuclein kodiert, können zu einer autosomal-dominant vererbten PK führen.
  • GBA-Gen: Mutationen im GBA-Gen, das für die Beta-Glucocerebrosidase kodiert, sind der häufigste genetische Risikofaktor für PK.
  • LRRK2-Gen: Mutationen im LRRK2-Gen sind der zweithäufigste genetische Risikofaktor für sporadische PK und eine häufige Ursache für familiäre PK.
  • PRKN-Gen: Mutationen im PRKN-Gen, das für die E3-Ubiquitin-Protein-Ligase Parkin kodiert, sind die häufigste Ursache für früh einsetzende PK.
  • VPS35-Gen: Mutationen im VPS35-Gen, das für das vakuoläre Proteinsortierungsprotein 35 kodiert, sind mit einem erhöhten PK-Risiko verbunden.

Diese genetischen Faktoren können die Anfälligkeit für die Entwicklung von Synucleinopathien erhöhen, indem sie die α-Synuclein-Aggregation, den Proteinabbau, die Mitochondrienfunktion oder andere zelluläre Prozesse beeinflussen.

Aktuelle Forschungsansätze

Die Erforschung der Synucleinopathien konzentriert sich auf verschiedene Bereiche, darunter:

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  • In-vitro-Modelle: Die Entwicklung von Zellmodellen, die die Bildung von α-Synuclein-Aggregaten und deren toxische Wirkungen nachbilden, ist entscheidend für das Verständnis der Pathogenese und die Identifizierung potenzieller therapeutischer Ziele.
  • Tiermodelle: Tiermodelle, die die Symptome und neuropathologischen Merkmale von Synucleinopathien nachbilden, werden verwendet, um die Wirksamkeit neuer Therapien zu testen.
  • Biomarker: Die Entwicklung von Biomarkern zur frühzeitigen Erkennung von Synucleinopathien ist ein wachsendes Forschungsfeld, das darauf abzielt, Patienten in einem möglichst frühen Stadium zu identifizieren, in dem therapeutische Interventionen am wirksamsten sein könnten.
  • Therapeutische Strategien: Es werden verschiedene therapeutische Strategien entwickelt, um die α-Synuclein-Aggregation zu verhindern, den Proteinabbau zu fördern, die Mitochondrienfunktion zu verbessern und die Neuroinflammation zu reduzieren.

Zu den vielversprechenden Therapieansätzen gehören:

  • Antisense-Oligonukleotid(ASO)-Therapie: ASOs zielen darauf ab, die Genexpression des für ASYN codierenden SNCA-Gens auf RNA-Ebene zu reduzieren und die Proteinsynthese zu verringern.
  • Inhibitoren der ASYN-Aggregation: Diese Substanzen zielen darauf ab, die Entstehung pathophysiologisch relevanter toxischer ASYN-Oligomere zu verhindern und die interzelluläre Ausbreitung der ASYN-Pathologie zu unterbinden.
  • Immuntherapie: Die Immuntherapie basiert auf der Hypothese, dass die Ausbreitung von ASYN im Sinne eines prion-ähnlichen Mechanismus stattfindet, und zielt darauf ab, die extrazelluläre Elimination toxischer ASYN-Aggregate zu fördern.
  • Eisenchelatoren: Da Eisenionen die α-Synuclein-Aggregation fördern können, werden Eisenchelatoren untersucht, um den Eisengehalt im Gehirn zu reduzieren und die Aggregation zu verhindern.

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