Tablet-Anwendungen zur Unterstützung von Parkinson-Patienten

Die Anwendung von Tablet-PCs bietet Parkinson-Patienten vielfältige Möglichkeiten, ihre Therapie und ihren Alltag aktiv mitzugestalten. Durch die Nutzung von Apps und Programmen können sie ortsunabhängig und flexibel trainieren, ihre Medikamenteneinnahme verwalten und sich über ihre Erkrankung informieren. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Tablet-Anwendungen bei Parkinson und stellt einige konkrete Beispiele vor.

Die Herausforderungen im Alltag von Parkinson-Patienten

Parkinson bedeutet für die Erkrankten ein großes körperliches und psychisches Leid. Die Krankheit verursacht hohe Kosten für das deutsche Gesundheitssystem. Zahlreiche Studien belegen positive Effekte von Physiotherapie auf motorische und nichtmotorische Symptome der Erkrankung. Sie gewinnt bei PmP zunehmend an Bedeutung.

Aktuell ist ein regelmäßiges Training für Parkinson-Patienten nicht immer so selbstverständlich. Aufgrund der Pandemie sind einige Praxen für Sprach- oder Ergotherapie geschlossen, zudem traut sich der ein oder andere nicht, eine Praxis aufzusuchen. Dennoch sind viele Betroffene in ihrem Alltag überwiegend inaktiv. Es bedarf geeigneter Konzepte, die Patienten mit Parkinson (PmP) unterstützen, ein regelmäßiges individualisiertes Eigentraining zu etablieren.

Tablet-Anwendungen als Therapiebegleitung

Wenn man jedoch einen Heim-PC, ein Tablet oder ein Smartphone sein Eigen nennt, gibt es ganz neue Möglichkeiten, sich bei der alltäglichen Bewältigung der Krankheit und auch im Bereich der Begleitbehandlungen helfen zu lassen. Eine Vielzahl an Studien belegt: Körperliche Aktivität bei Morbus Parkinson ist ein wichtiger Therapiebaustein. Eine regelmäßig an die individuelle Situation des Betroffenen angepasste körperliche Aktivität wird beim idiopathischen Parkinson-Syndrom (IPS) auch in der entsprechenden S3-Leitlinie empfohlen (Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 2016).

Bewegungstraining

  • MoveApp: Bietet Menschen mit Parkinson Bewegungsübungen für ein gezieltes Training.
  • YUVEDO: Wurde ebenfalls speziell für Parkinson-Betroffene entwickelt.
  • LSVT Companion®: Ein Computerprogramm, das die LSVT-Therapie von Parkinsonpatienten unterstützt und zu einem schnelleren und nachhaltigerem Therapieerfolg führt. Companion LSVT Companion® ist ein Computerprogramm, das die LSVT-Therapie von Parkinsonpatienten unterstützt und zu einem schnelleren und nachhaltigerem Therapieerfolg führt.

Im Rahmen der ParkProTrain-Studie wurde zu diesem Zweck ein individualisierbares tabletbasiertes Trainingsprogramm entwickelt und eingesetzt. Die PmP nutzten die im Rahmen von ParkProTrain entwickelte videobasierte Tabletapplikation (App) im Anschluss an eine dreiwöchige stationäre PKB (Operationen- und Prozedurenschlüssel [OPS] 8‑97d) über einen Zeitraum von 9 Monaten in der Häuslichkeit. Ziel war es, dass die PmP die in der PKB erlernten körperlich aktivierenden Übungen regelmäßig weiterführen und die App sie bei der Etablierung eines eigenverantwortlichen und effektiven Trainings unterstützt.

Lesen Sie auch: Leitfaden für Senioren-Tablets

Das Trainingsprogramm enthält 122 Videos mit Parkinson-spezifischen Übungen aus den Bereichen Haltung, Kraft und Ausdauer. Der Therapeut erstellt mithilfe eines Administrationspanels individualisierte Trainingspläne aus dem Übungsportfolio. Hierbei werden jeweils drei Übungen zu einer Trainingseinheit zusammengestellt. Insgesamt werden drei Trainingseinheiten je Woche für einen bestimmten Zeitraum zu einem Trainingsplan zusammengestellt. Trainingstage werden nicht vorgegeben, jedoch kann ein Patient nur eine Trainingseinheit pro Tag starten. Der Therapeut empfängt über das Administrationspanel Daten zur Trainingshäufigkeit eines Patienten sowie dessen Bewertung einzelner Übungen. Diese Informationen kann der Therapeut für die Erstellung eines aktualisierten Trainingsplans nutzen, der an die jeweils aktuellen Bedürfnisse eines Patienten angepasst wird.

Ein Patient kann ein Training über den Startbildschirm der App starten. Er wird zunächst nach seinem individuellen Wohlbefinden gefragt. Hierauf basierend wird entweder das vom Therapeuten hinterlegte Training oder aber ein alternatives Entspannungstraining angeboten. Anschließend wird dem Patienten eine Vorschau der entsprechenden Trainingseinheit angezeigt (Abb. 1). Der Patient hat die Wahl, dieses Training zu absolvieren oder ein alternatives Training zu wählen. Eine beispielhafte Trainingsansicht ist Abb. 2 zu entnehmen.Abb. Abb.

Entspannung und Achtsamkeit

  • Achtsamkeits-App: Hilft Ihnen, zur Ruhe kommen und sich bewusst wahrzunehmen.
  • Du hast Pause: Eine App, welche geführte Meditationen für tiefe Entspannung, Erholung und Selbsterkenntnis anbietet. Mit der kostenlosen Testversion kann man sich mit diesem Programm bekannt machen.

Medikamentenmanagement

  • MyTherapy oder Digitale Hausapotheke: An die tägliche Medikamenteneinnahme erinnern z.B. Apps wie MyTherapy oder Digitale Hausapotheke. Manche ermöglichen auch die Dokumentation von Beschwerden oder geben Tipps zur Medikamenteneinnahme.
  • Mediteo: Eine kostenlose Medikamenten-Erinnerungs-App.

Telecura-Parkinson

Das Projekt Telecura-Parkinson zielt darauf ab, aktivierende Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie in den häuslichen Lebensalltag der Betroffenen zu integrieren. Als Nachbehandlung nach einem Aufenthalt in der Parkinson-Fachklinik soll die Telerehabilitation die während der stationären Behandlung erreichten Trainingsfortschritte konsolidieren und ausbauen sowie dazu beitragen, dass regelmäßige körperliche Aktivität zu einem Teil des häuslichen Alltags der Patienten wird. Langfristig sollen Motivation und Übungskompetenz der Patienten für ein regelmäßiges häusliches Trainingsprogramm entwickelt werden. Durch den kontinuierlichen Kontakt mit speziell qualifizierten und den Patienten persönlich bekannten Therapeuten soll die Eigenmotivation und Therapieadhärenz der Betroffenen gestärkt werden. Durch den Wegfall von langen Transportwegen ist außerdem eine Kostenersparnis im Vergleich zu konventionellen Versorgungsformen möglich.

Basierend auf dem mobilen MeineReha®-System wurde in dem Projekt Telecura-Parkinson eine Tablet-App zur Übertragung von Therapieeinheiten in das häusliche Umfeld entwickelt. Die behandelnden Ärzte und Therapeuten legen über den Terminplaner tagesgenau die Therapieeinheiten fest und steuern während der Online-Sitzung über ihren Computer- Arbeitsplatz den Verlauf der Therapiesitzung. Außerdem können sie Nachrichten oder therapierelevante Informationen an die Patienten versenden. Als Ergänzung zu der Videokonsultation können Ärzte und Therapeuten während der Online-Therapiesitzung Referenzvideos als Übungsmaterial auf dem Tablet des Patienten ablegen, welche der Patient im Rahmen selbständiger Übungen über die Telecura-App abrufen kann. Die Patienten können alle therapierelevanten Eigenaktivitäten mittels Telecura-App dokumentieren, sodass Ärzte und Therapeuten den Behandlungsfortschritt beurteilen können. Alle therapierelevanten Daten werden sicher auf dem Telecura-Server im Rechenzentrum von Fraunhofer FOKUS gespeichert und archiviert.

Aktuell wird das Basismodul in Kooperation mit der AOK Nordost und dem Neurologischen Fachkrankenhaus für Bewegungsstörungen/ Parkinson in Beelitz-Heilstätten im Rahmen einer Anwenderstudie pilotiert. Hierbei werden Patienten der Klinik nach der Entlassung mit insgesamt zehn Videotherapiesitzungen durch die ihnen aus dem stationären Rahmen bekannten Therapeuten weiter behandelt. Wesentliches Ziel ist es die Motivation der Patienten zum selbstwirksamen Training zu stärken. Auf diese Weise kann erreicht werden, dass während des stationären Aufenthaltes erzielte Verbesserungen von Mobilität, Kommunikation und Selbständigkeit nachhaltig im häuslichen Alltag zum Tragen kommen.

Lesen Sie auch: Smartphones und Gehirnentwicklung bei Kindern

Frühzeitige Erkennung von Parkinson durch Tablet-basierte Tests

MELBOURNE. Entwickeln Parkinson-Patienten die ersten sichtbaren Anzeichen für ihre Krankheit, ist das Hirn schon irreversible beschädigt. Forscher an der australischen RMIT University haben jetzt einen Test entwickelt, der Parkinson schon nachweisen soll, bevor die ersten Symptome auftreten, wie Zittern oder Steifheit von Gliedmaßen.

Für den Test benötigen Ärzte einen Stift, ein Blatt Papier und ein Tablet, auf dem die App der Melbourner Forscher installiert ist. Der Patient zeichnet anhand von vorgezeichneten Punkten eine archimedische Spirale nach, wobei das Blatt auf dem Tablet liegt. Anhand der Zeichenbewegung und der Abweichung der Striche von den vorgegebenen Punkten analysiert die Software, ob ein Patient Parkinson entwickelt. An der Teststudie nahmen 62 Probanden mit Parkinson teil, wobei die Hälfte keine sichtbaren Symptome aufwies. Laut eigenen Angaben verglichen die Forscher unterschiedliche Testmethoden - einen Satz schreiben, einen Brief verfassen, mehrere Briefe schreiben und eben eine archimedische Spirale nachzeichnen. Nichtsdestotrotz hoffen die Forscher, dass ihre Methode langfristig zum Standardtest wird, um die Krankheit frühestmöglich zu entdecken.

Erfahrungen und Ergebnisse aus der ParkProTrain-Studie

Im Rahmen des ParkProTrain-Projekts wurde eine Mixed-methods-Studie durchgeführt. In einer quasirandomisierten prospektiven Längsschnittstudie erhielt die Interventionsgruppe (IG) das individualisierbare tabletbasierte Trainingsprogramm während und für 9 Monate nach der PKB, die Kontrollgruppe (KG) erhielt die Standard-PKB und die Standardversorgung danach. Die Evaluation der Intervention erfolgt durch eine schriftliche Befragung zu drei Messzeitpunkten (Beginn und Ende PKB sowie nach 9 Monaten). Darüber hinaus erfolgte eine qualitative Analyse von Interviews und Fokusgruppen hinsichtlich „feasibility“ und Akzeptanz. Eine derartige Kombination von Methoden ist in der empirischen Sozialforschung üblich. Ein Vorteil ist die komplementäre Ergänzung der Ergebnisse beider Methoden, um bspw. Erklärungslücken zu schließen. Da die ParkProTrain-Intervention äußerst komplex ist, wurde dieser Ansatz im Rahmen der Studie gewählt. Der qualitative Teil bestand u. a. aus einer Befragung von PmP der Interventionsgruppe.

Die Rekrutierung der Studienteilnehmer erfolgte monozentrisch an einer Fachklinik für Parkinson und Bewegungsstörungen in Norddeutschland. Zunächst wurden die Patienten für die Kontrollgruppe und anschließend die Teilnehmer der Interventionsgruppe rekrutiert. Dieses sequenzielle Vorgehen wurde gewählt, da es aus organisatorischen Gründen nicht möglich war, beide Gruppen gleichzeitig in der Partnerklinik zu betreuen. Eingeschlossen wurden Patienten mit einem idiopathischen Parkinson-Syndrom (G20.0 und G20.1), die für eine dreiwöchige PKB in die Klinik aufgenommen wurden. Zudem erfolgte ein MoCA- (Montreal Cognitive Assessmemnt) und ein BBS-Screening (Berg Balance Scale). Patienten mit einem MoCa-Wert unter 18 Punkte und einem BBS-Wert unter 41 Punkten wurden von einer Studienteilnahme ausgeschlossen. Außerdem führten eine schwere depressive Episode, eine mittelgradige bis schwere Demenz sowie kardiovaskuläre und orthopädische/chirurgische sowie andere gesundheitliche Gründe zu Ausschlüssen. Darüber hinaus mussten die Patienten über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, um sowohl die Fragebögen ausfüllen als auch das Training mit der deutschsprachigen App durchführen zu können. Insgesamt wurden 127 Patienten in die Interventionsgruppe eingeschlossenen, von denen 93 Teilnehmer das neunmonatige Training komplett absolvierten.

Alle IG-Teilnehmer nahmen im Rahmen ihrer PKB an drei Einführungsseminaren (zwei Einzelseminare und ein Gruppenseminar) teil und erhielten hier bereits ein mit der Trainings-App ausgestattetes Tablet, um den Umgang mit dem Programm zu erlernen. Vor der Entlassung hinterlegte die betreuende Physiotherapeutin einen individuellen Trainingsplan für die PmP. Die PmP wurden gebeten, nach Entlassung dreimal wöchentlich ein Training zu absolvieren. Außerdem sollte einmal wöchentlich eine frei wählbare Ausdaueraktivität durchgeführt und dokumentiert werden. Im Abstand von 3 Wochen fanden Gespräche mit der Physiotherapeutin statt (jeweils zwei Telefonate gefolgt von einem Vor-Ort-Termin in der Klinik1). Diese hatten zum Ziel, die PmP kontinuierlich zum Training zu motivieren. Zudem fand ein Austausch über die Machbarkeit des Trainings statt. Derartige Informationen über das Training halfen der Physiotherapeutin neben den übermittelten Trainingsdaten dabei, den Trainingsplan an die aktuellen Bedürfnisse der Studienteilnehmer anzupassen.

Lesen Sie auch: NeuroNation auf Tablet und Laptop

Die qualitativen, leitfadengestützten Interviews wurden mit 16 PmP zu zwei Zeitpunkten geführt. Das erste Interview erfolgte 9 Wochen nach PKB-Ende (T1), wenn die PmP bereits Erfahrungen mit dem ersten Trainingsplan gesammelt haben. Das zweite Interview erfolgte am Ende der Intervention 36 Wochen nach PKB-Ende (T2), um eine Einschätzung auf die gesamte Trainingszeit zu erhalten. In Abb. 3 ist der Ablauf der Studie für die Interventionsgruppe dargestellt.Abb. 3Studienablauf. Die PmP sollten bei den Kriterien Geschlecht, Krankheitsschwere, Bildungsniveau und körperliche Aktivität unterschiedliche Ausprägungen aufweisen (Tab. 1). Die Interviewpartner waren im Mittel 64,5 Jahre alt. Die Krankheitsschwere nach Hoehn und Yahr betrug durchschnittlich 2,69.Tab.

Die Interviews erfolgten anhand eines halbstandardisierten Interviewleitfadens. Themen waren 1. die Machbarkeit der Umsetzung des Trainings zu Hause und die Trainingsmotivation sowie der persönliche Nutzen und 2. die Zufriedenheit mit einzelnen Aspekten des Programms sowie weitere Wünsche und Bedürfnisse der PmP (Tab. 2).Tab. Die Interviews wurden zwischen dem 10.10.2019 und 25.01.2021 vor Ort in der Klinik bzw. Die Interviews wurden digital aufgezeichnet und wörtlich transkribiert. Die Auswertung erfolgte mit dem Programm MAXQDA (12; 2020); es wurde die inhaltlich-strukturierende qualitative Inhaltsanalyse [11] angewandt.

Ergebnisse der qualitativen Befragung

Alle PmP beschrieben das Training mit der App zu beiden Zeitpunkten als gut machbar. Sie bauten das Training in den ersten 9 Wochen auf verschiedene Art und Weise in ihren Alltag ein: Trainiert wurde zu bestimmten Tageszeiten oder an bestimmten Wochentagen. Ich habe so viel schon aufgeschrieben und gemacht an Bewegungsübungen. Ich habe jetzt 10 Jahre lang Parkinson. Aber das hat man aufgeschrieben, dann liegt das irgendwo im Ordner oder irgendwo drin. Und bei Ihnen da sieht man das und macht es einfach nach. Das ist also sehr gut, muss ich sagen.

Zu Interventionsende konnten sechs PmP aufgrund ihrer gesundheitlichen Verfassung manche Übungen nicht immer wie vorgegeben durchführen. Hilfreich war in diesem Fall das auswählbare Alternativprogramm. Aufgrund der guten Passung des Trainings in den Alltag waren alle PmP dauerhaft motiviert, das Training durchzuführen. Vor allem zu T2 bemerkten alle Studienteilnehmer positive Wirkungen des regelmäßigen Trainings auf ihre körperliche Verfassung sowie jeweils zwölf auf die Bewältigung des Alltags und ihre wahrgenommene Lebensqualität. Der regelmäßige Kontakt und die Übermittlung der Trainingsdaten an die Physiotherapeutin lösten bei den Teilnehmern einen motivierenden, positiven Trainingsdruck aus. Die konkrete Vorgabe, dreimal wöchentlich nach einem definierten Trainingsplan zu trainieren, war für die PmP hilfreich. Ein wesentlicher Nutzen lag vor allem in der zeitlichen und örtlichen Flexibilität der Nutzung des Programms begründet. Die Tatsache, dass das Training zu Hause durchgeführt werden konnte, wurde vor allem während der Corona-Pandemie von drei PmP als positiv empfunden. Also auch generell bin ich sehr zufrieden mit dem Programm, eben auch weil man merkt, dass man zu Hause was machen kann. Ohne viel Geräte zu haben. Gerade jetzt in der Zeit ist das natürlich wichtig gewesen. Das auch mal zu merken, wie man zu Hause was macht, wenn man nicht in eine Praxis irgendwo gehen würde. Die Möglichkeit mit dem Partner zu trainieren, bewirkte ebenso wie ein neuer Fokus der Übungen und verschiedene Details im Programm eine Trainingsmotivation. Alle bis auf einen Studienteilnehmer würden das Programm anderen PmP weiterempfehlen. Macht da mit! Das würde ich durchaus ohne Zweifel sagen. Macht da mit, da habt ihr ein Video mal an die Hand bekommen, das gut fundiert ist. Die Leute, die da vorturnen und die die Übungen sich ausgedacht haben und sie ausführen, die haben da Ahnung von. Die wissen was gut ist und das ist gut für euch. Also das würde ich Parkinsonleuten weiterempfehlen.

Mit den Seminaren während der PKB waren alle PmP zufrieden. Sie fühlten sich gut auf die Interventionszeit in der Häuslichkeit vorbereitet. Die Seminare haben den PmP vor allem geholfen, die Technik zu verstehen und dienten der Besprechung des ersten Trainingsplans. Der regelmäßige Austausch mit der Physiotherapeutin wurde zu T1 von allen bis auf zwei und zu T2 von allen bis auf einen Befragten als hilfreich beschrieben. Die Häufigkeit der Telefongespräche alle 3 Wochen beurteilten die meisten Befragten zu T2 rückblickend als angemessen. Ein Patient hätte sich zu T2 rückblickend noch mehr Kontakt gewünscht. Dies begründet er jedoch mit dem angenehmen persönlichen Kontakt und nicht mit einem Mehrbedarf an Unterstützung beim Training. In erster Linie hatten die Telefonate eine motivierende Wirkung auf die PmP. Sie boten Raum, über einzelne Übungen zu sprechen. Da war jemand, der sich erkundigte, wie es mir geht. Ob ich mit dem Sport klarkomme oder nicht. Ob es da Verbesserung oder was anderes gibt. Ich fühlte mich aufgehoben, ich hatte jemanden. Das ist der Motivator.

Die Vor-Ort-Termine in der Klinik boten Gelegenheit, ausführlich über das Training der vergangenen Wochen zu sprechen. Dies half bei der gemeinsamen Gestaltung des jeweils neuen Trainingsplans. Die Vor-Ort-Termine wurden als persönlicher wahrgenommen als die Telefonate. Die Selbstreflektion war zudem vorab intensiver. Allerdings erwähnten vier PmP, dass die Termine in der Klinik bei weiter Anreise schwierig umzusetzen sind. Das Trainingsprogramm wurde zu T1 als abwechslungsreich beschrieben. Für einige PmP war es hilfreich, wenn ihnen Übungen teilweise schon bekannt waren, andere profitierten vor allem von neuen Übungen. Der Schweregrad der Übungen wurde zu Beginn der Intervention unterschiedlich wahrgenommen. In fünf Fällen waren es einzelne Übungen oder spezifische Haltungen, die Schwierigkeiten bereiteten. Die PmP profitierten zu beiden Zeitpunkten davon, dass die Übungen speziell für PmP und an die aktuelle Tagesverfassung angepasst zusammengestellt wurden. Damit waren die Befragten über die gesamte Interventionszeit hinweg überwiegend zufrieden. Zwei PmP hätten sich zum Ende der Intervention mehr Abwechslung gewünscht.

Insgesamt kamen die PmP mit der Technik gut zurecht. Die App wurde von den Befragten zu T1 mit Begriffen wie „benutzerfreundlich“ und „kann jeder bedienen“ umschrieben. Die Darstellung der Videos wurde als professionell bewertet, die Videos mit der Physiotherapeutin als anspornend. Die PmP lobten zu T2 die Darstellung der Physiotherapeutin in den Videos von allen Seiten, da man so die korrekte Bewegung erkennt. In den ersten 9 Wochen der Intervention traten bei drei PmP lediglich kleinere Bedienungsschwierigkeiten auf, die mit der Physiotherapeutin geklärt werden konnten. Bei neun PmP traten zudem technische Fehler auf (z. B. Tonausfall), trotzdem war ein Training möglich. Sieben PmP äußerten zu T1 den Wunsch, häufiger als dreimal wöchentlich trainieren zu können. Dieser Wunsch wurde zu T2 lediglich noch von zwei aktiven PmP geäußert, die sich durch die dreimal wöchentliche Trainingsvorgabe ausgebremst fühlten. Die PmP waren sich zu T1 uneinig bzgl. der Pausenlänge zwischen den einzelnen Übungen. Während diese für einen PmP genau die richtige Länge hatten, empfanden zwei sie als zu lang. Darüber hinaus wurde ein Wunsch nach weiterer Individualisierbarkeit der eingesetzten Kleingeräte, einer Ansage der Atmung sowie der genauen Ausführung der Bewegungen in den Videos geäußert. Es fehlte die Möglichkeit, eine in der Vorwoche absolvierte Ausdauertätigkeit nachträglich sowie mehr als eine Einheit wöchentlich einzutragen. Eine Einsicht in bereits absolvierte Einheiten hätten Gespräche mit der Physiotherapeutin über absolvierte Übungen erleichtert. Aus den von den Interviewpartnern genannten positiven und negativen Aspekten des Trainingsprogramms können Erfolgsfaktoren und Barrieren abgeleitet werden (Tab. 3).Tab.

Empfehlungen für die zukünftige Umsetzung

Im Folgenden werden aus den identifizierten Erfolgsfaktoren und Barrieren vier zentrale Empfehlungen für eine zukünftige Umsetzung ähnlicher Vorhaben abgeleitet. Physiotherapie bei Parkinson sollte fortlaufend an die individuellen Bedürfnisse der PmP angepasst werden. In ParkProTrain wird diese Empfehlung der S3-Leitlinie durch die Erstellung individualisierter Trainingspläne alle 9 Wochen umgesetzt. Zudem wird die Wahl eines Entspannungs- oder Alternativtrainings je nach aktueller Tagesverfassung ermöglicht. Zusätzlich zu den Individualisierungsmöglichkeiten, die das Programm b…

Weitere Initiativen und Entwicklungen

Brandenburger, die an Parkinson erkrankt sind, können künftig ihre Therapie mit einem Tablet-Computer von zu Hause fortsetzen. Ein entsprechendes Pilotprojekt will die AOK Nordost in Kooperation mit der Parkinson-Klinik in Beelitz-Heilstätten im Februar 2017 starten, sagte Marina Otte, die für das Thema Rehabilitation zuständige Fachbereichsleiterin der AOK, am Mittwoch in Potsdam.„Gerade in dünner besiedelten Regionen ist es für viele Patienten schwer, Ärzte und Therapeuten zu konsultieren.“ Das Ergebnis sei, dass oft die Therapie darunter leide. Mit dem Tablet könnten die Patienten mit den Ärzten und Therapeuten in Kontakt bleiben, die sie schon aus der Behandlung in der Klinik kennen. „Wir wollen, dass die Patienten an ihren Therapiezielen weiterarbeiten, auch wenn sie schon zu Hause sind.“Rund 30.000 Brandenburger leiden an der neurologisch verursachten Schüttelkrankheit. Um die Aufmerksamkeit für die Krankheit zu erhöhen, findet einmal pro Jahr die Tulip-Parkinson-Gala in Potsdam statt, an der in diesem Jahr unter anderem Modern-Talking-Sänger Thomas Anders, die amtierende Miss Germany Lena Bröder und das Model Franziska Knuppe teilnehmen. Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) würdigte die Gala gar als ein „Hochamt für das Ehrenamt“.

tags: #tablet #pc #fur #parkinson #disease