Tagesstrukturierende Maßnahmen bei Demenz: Beispiele und Umsetzung

Die Betreuung von Menschen mit Demenz stellt eine besondere Herausforderung dar, die ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Geduld und spezifischem Wissen erfordert. Ein zentraler Aspekt in der Betreuung ist die Gestaltung einer tagesstrukturierenden Maßnahmenplanung, die den Betroffenen Sicherheit, Orientierung und Lebensqualität bietet. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung tagesstrukturierender Maßnahmen, gibt Beispiele für deren Umsetzung und zeigt auf, wie Angehörige und Pflegekräfte den Alltag von Menschen mit Demenz positiv gestalten können.

Einführung

Menschen mit Demenz haben oft Schwierigkeiten, alltägliche Aufgaben zu bewältigen und sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden. Dies führt zu Verunsicherung, Angst und sozialem Rückzug. Tagesstrukturierende Maßnahmen helfen, diesen Problemen entgegenzuwirken, indem sie einen Rahmen schaffen, der Halt und Orientierung gibt.

Bedeutung der Tagesstrukturierung

Eine klare Tagesstruktur bietet Menschen mit Demenz Sicherheit im Alltag. Durch das Erlernen von Gewohnheiten und Ritualen im täglichen Geschehen wird ein Gefühl der Vertrautheit vermittelt. Die Gestaltung dieser Struktur sollte sich an der individuellen Tagesform und den Bedürfnissen des Bewohners orientieren.

Grundregeln für die Tagesstrukturierung

  1. Wertschätzung: Unbedingte Wertschätzung der Person mit Demenz ist die unverzichtbare Grundhaltung und Voraussetzung für eine bewohnerorientierte Pflege.
  2. Beziehungsebene: Eine positive Beziehungsebene zwischen den Pflegenden und den zu versorgenden Bewohnern ist essenziell.
  3. Sinnesansprache: Durch das Ansprechen der Sinne können biographisch vorhandene Fähigkeiten wieder aktiviert werden.
  4. Biographiearbeit: Die biographischen Daten helfen, das Verhalten, die Wünsche und die Bedürfnisse des Bewohners besser zu deuten.

Beispiele für tagesstrukturierende Maßnahmen

Morgenroutine

Eine strukturierte Morgenroutine kann den Tag positiv beginnen lassen.

  • Aufstehen und Morgenpflege: Die Pflegekraft spricht den Bewohner erst an, wenn dieser die Augen geöffnet hat. Falls er weiterschläft, verlässt sie das Zimmer für eine halbe Stunde. Sobald der Bewohner wach ist, wird er gebeten, sich auf die Bettkante zu setzen. Hilfestellung beim Anziehen der Schuhe und Reichen von Wasser. Die Zahnprothese wird unter Beaufsichtigung eingesetzt.
  • Körperpflege: Die Körperpflege wird in einer festen Reihenfolge durchgeführt, wobei die Selbstständigkeit des Bewohners gefördert wird. Die Pflegekraft leitet den Bewohner kleinschrittig bei der kompletten Körperpflege im Stehen vor dem Waschbecken an. Die Hautbeobachtung wird in diesen Ablauf integriert.
  • Ankleiden: Die Pflegekraft hilft beim Ankleiden des Unterkörpers und reicht die Kleidungsstücke für den Oberkörper an, um den Bewohner zur Selbstständigkeit anzuleiten.

Mahlzeiten

Die Gestaltung der Mahlzeiten sollte strukturiert und nach einer festen Tagesstruktur erfolgen.

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  • Feste Zeiten: Regelmäßige Mahlzeiten strukturieren den Tag.
  • Vorlieben berücksichtigen: Abweichen von der Essensreihenfolge auf Wunsch.
  • Kleine Aufmerksamkeiten: Vor dem Frühstück kleine Aufmerksamkeiten zum Essen am Platz bereitlegen.
  • Geeignetes Geschirr: Auswahl von ansehnlichem Trinkgeschirr.

Beschäftigungsangebote

Beschäftigungsangebote sollten auf die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Bewohner zugeschnitten sein.

  • Erinnerungsstunde: Ein Austausch der Bewohner über ihr Leben untereinander. Eine Stunde wird ein Thema behandelt, und die Bewohner bringen, wenn sie möchten, persönliche Fotos und Gegenstände mit.
  • Basale Stimulation: Gezieltes Berühren, um den Körper wieder erfahrbar zu machen und Vertrauen zu gewinnen.
  • Sitzgymnastik und Sitztanzgruppe: Regelmäßige Angebote, um den Bewegungsdrang zu fördern.
  • Kreative Tätigkeiten: Basteln mit Naturmaterialien, um die Sinne anzuregen und die biografische Erinnerung zu fördern.
  • Musikhören und Singen: Bekannte Schlager aus der Jugendzeit stimulieren fröhliche Erinnerungen und können die Stimmung aufhellen.

Abendroutine

Eine klare Abendroutine kann die nächtliche Unruhe reduzieren.

  • Feste Zeiten: Strukturieren Sie den Tagesablauf über feste Zeiten für das Zubettgehen.
  • Rituale: Schaffen Sie feste Abläufe, indem Sie zu einer bestimmten Uhrzeit die Vorhänge zuziehen, das Licht dimmen oder leise Musik anmachen.

Umsetzung in der Praxis

Maßnahmenplanung

Für die tagesstrukturierende Planung ist es wichtig, dass die Mitarbeiter die einzelnen Maßnahmen so individuell wie möglich für den jeweiligen Bewohner beschreiben.

  1. Grundregeln festlegen: Überlegen Sie, ob es wichtige Grundregeln im Umgang mit dem Bewohner gibt, die vorangestellt werden sollten, etwa Initialberührungen, besondere Vorleben, Bedürfnisse oder Gewohnheiten oder ein ritualisiertes validierendes Vorgehen.
  2. Vorstrukturierung: Teilen Sie den Tagesablauf grob in einzelne Abschnitte ein.
  3. Detaillierte Beschreibung: Beschreiben Sie die Pflegemaßnahmen so detailliert, dass jeder Mitarbeiter genaue Kenntnis über jeden Bewohner und die zu leistenden Maßnahmen hat.

Hilfsmittel und Konzepte

  • Orientierungshilfen: Kalender, Uhren, Symbole an der Tür und persönliche Gegenstände aus dem Alltag helfen bei der Orientierung.
  • Milieutherapie: Ein ganzheitlicher Ansatz, der an der Persönlichkeit des Menschen mit Demenz selbst, seinem Wohn- und Lebensraum, seinem sozialen Umfeld und an der Betreuungsatmosphäre ansetzt.
  • Validation: Eine Methode, um mit Menschen mit Demenz zu kommunizieren, Stress abzubauen und Würde und Glück wiederzuerlangen.
  • Realitäts-Orientierungs-Training (ROT): Fördert vorhandene Fähigkeiten, wird aber individuell entschieden.

Herausforderungen und Lösungen

Überforderung vermeiden

Beachten Sie das Stadium der Demenz. Überforderung bewirkt negative Reaktionen.

Fehler tolerieren

Schimpfen Sie auf keinen Fall, wenn etwas nicht funktioniert.

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Flexibilität bewahren

Je weiter die Demenz fortschreitet, desto mehr wird sich die erkrankte Person verändern.

Angehörige einbeziehen

Angehörige sind Vertrauenspersonen und wichtige Ansprechpartner für die Mitarbeiter. Sie sind außerdem der entscheidende Zugang zur Biographie der Bewohner.

Unterstützung für Angehörige

Angehörige, die Menschen mit Demenz betreuen, stehen vor großen Herausforderungen. Es gibt jedoch zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten.

  • Ambulante Pflegedienste: Bieten Unterstützung bei der Betreuung zu Hause.
  • Stundenweise Betreuung: Schafft Entlastung für pflegende Angehörige.
  • Tagespflegeeinrichtungen: Bieten tagsüber Betreuung und Entlastung.
  • Betreuungsgruppen: Ermöglichen soziale Kontakte und fördern die Aktivität.
  • Beratungsgespräche: Angehörige können kurzfristig einen Termin vereinbaren, um situationsbezogene Unterstützung zu erhalten.

Finanzielle Hilfen

Um finanzielle Hilfen der Pflegeversicherung beanspruchen zu können, benötigt die demenzerkrankte Person einen Pflegegrad. Die Pflegeversicherung bietet verschiedene Leistungen, die je nach Pflegegrad in Anspruch genommen werden können. Dazu gehören Pflegesachleistungen, Pflegegeld, der Entlastungsbetrag und Leistungen für Kurzzeit- oder Verhinderungspflege.

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