Tanzen mit Parkinson in Berlin: Angebote, Vorteile und Projekte

Tanzen bietet Menschen mit Parkinson eine einzigartige Möglichkeit, ihre Lebensqualität zu verbessern, Koordination und Balance zu fördern und Freude an Bewegung zu erleben. In Berlin gibt es vielfältige Angebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Parkinson zugeschnitten sind. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Initiativen, Kurse und Projekte in Berlin, die das Tanzen mit Parkinson ermöglichen und die positiven Auswirkungen dieser Aktivität hervorheben.

Ursprung und Entwicklung des Tanzes für Menschen mit Parkinson

Die Idee des Tanzens als Therapieform für Menschen mit Parkinson entstand im Jahr 2001 in New York unter der Leitung von Mark Morris. Diese erste Tanzklasse, die sich an die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Parkinson richtete, war der Ausgangspunkt für eine weltweite Bewegung. Inzwischen gibt es Parkinson-Tanzklassen rund um den Globus, und zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen die positiven Auswirkungen des Tanzes auf Koordination, Balance und Lebensqualität von Menschen mit Parkinson.

Tanzangebote in Berlin: Die TanzTangente als Pionier

In Berlin wurde im Jahr 2012 das erste Tanzangebot für Menschen mit Parkinson von Leanore Ickstadt, der Gründerin der TanzTangente, gemeinsam mit Dr. med. Annemirl Schild ins Leben gerufen. Seitdem hat sich die TanzTangente eine umfassende Expertise auf diesem Gebiet angeeignet.

Der Unterricht in der TanzTangente wird von Johannes Schuchardt und Nadja Raszewski geleitet, die von tänzerisch ausgebildeten Assistenten unterstützt werden. Der Kurs umfasst ein tänzerisches Warm-up mit Übungen für die Wirbelsäule und die Füße, Dehnungen und Muskelaktivierung. Durch eine Mischung aus Bewegungsvorgaben und Improvisation mit Tüchern, Bällen und anderen Objekten werden verschiedene Bewegungsmöglichkeiten ausprobiert und Balance, Koordination und Kondition verbessert.

Zitat einer Teilnehmerin

Eine Teilnehmerin des Parkinson-Tanzkurses in der TanzTangente beschreibt ihre Erfahrung so: „Der Tanz löst Bewegungsfreude aus und ich vergesse meine Unbeweglichkeit.“

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Kooperationen und Projekte der TanzTangente

Die TanzTangente hat in den Jahren 2019 und 2023 in Kooperation mit der Take Root Company aus Detroit eine Seminarwoche bzw. Dance Exchange Conference veranstaltet. Diese Veranstaltungen umfassten Vorträge, Seminare und Tanzklassen rund um das Thema "Tanz für Menschen mit Parkinson".

Personal Landscapes: Ein interdisziplinäres Tanzprojekt

Ein besonderes Projekt der TanzTangente ist "Personal Landscapes", ein interdisziplinäres Tanz-, Kunst- und Forschungsprojekt von und mit Tänzer*innen mit Parkinson und der Tangente Company. Dieses Projekt, das unter dem Titel "Freifall, Unfall, Überfall, Verfall, Beifall" läuft, verbindet auf ungewöhnliche Weise unterschiedlichste Bewegungs- und Lebenserfahrungen zu einem besonderen Kunsterlebnis.

"Personal Landscapes" ist die Weiterentwicklung des Parkinson-Tanzangebots der TanzTangente und zugleich ein kreatives Forschungsprojekt für alle Beteiligten.

Inklusive Tanzangebote für Menschen mit Parkinson und Multipler Sklerose

Neben den spezifischen Angeboten für Menschen mit Parkinson gibt es in Berlin auch inklusive Tanzkurse, die sich sowohl an Menschen mit Parkinson als auch an Menschen mit Multipler Sklerose richten. Diese Kurse ermöglichen die Begleitung durch einen Partnerin und bieten eine wunderbare Möglichkeit, sich selbst zu verbinden, den Körper zu stärken und psychologische sowie psychosoziale Vorteile zu erlangen.

Ein solcher Kurs wird beispielsweise von der Tanzpädagogin und Coach Soraya Bruno geleitet, die mit einem Team qualifizierter Pädagog*innen die Teilnehmenden anleitet, sich im Tanz und in Bewegungen in einer kreativen Atmosphäre selbst zu entdecken. Der Kurs kombiniert sanfte Bewegungen mit kreativen Tanztechniken, die auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden abgestimmt sind, und fördert Koordination, Flexibilität und Körperwahrnehmung. Jede Sitzung endet mit einem entspannten und offenen Austausch unter den Teilnehmenden.

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Dieser spezielle Kurs findet dreimal monatlich am Sonntag in den Studios des Staatsballetts Berlin an der Deutschen Oper statt und ist barrierefrei zugänglich. Die Teilnahme ist kostenlos, jedoch wird um eine verbindliche Anmeldung gebeten.

Move Neuro e.V.: Inklusives Tanztraining für Menschen mit neurologischen Bewegungsstörungen

Seit 2017 bietet Move Neuro e.V. ein inklusives Tanztraining an, das sich insbesondere an Menschen richtet, die an chronischen neurologischen Bewegungsstörungen wie Multipler Sklerose und/oder Parkinson leiden. Gleichzeitig sind aber auch alle anderen Menschen, die Freude am Tanzen erleben möchten, in der Gruppe herzlich willkommen. Move Neuro e.V. wird durch die Heidehof Stiftung unterstützt.

Kommende Termine von Move Neuro e.V.

    1. März 2025 10:00 bis 13:30
    1. April 2025 10:00 bis 13:30
    1. Mai 2025 10:00 bis 13:30
    1. Juni 2025 10:00 bis 13:30
    1. September 2025 10:00 bis 13:30
    1. Oktober 2025 10:00 bis 13:30

Die Trainings finden im Nachbarschaftshaus Urbanstraße statt.

Weitere Termine

    1. April 2025 11:30 bis 14:30
    1. Mai 2025 11:30 bis 14:30
    1. Juni 2025 11:30 bis 14:30
    1. September 2025 11:30 bis 14:30
    1. Oktober 2025 11:30 bis 14:30
    1. November 2025 11:30 bis 14:30

TanzTangente: Parkinson Tanzkurs - wöchentliches Angebot

Die TanzTangente bietet einen wöchentlichen Parkinson-Tanzkurs an, der von Johannes Schuchardt geleitet wird. Jede/r Interessierte ist herzlich willkommen, eine Stunde auszuprobieren.

  • Termin: Montag 14:45-15:45 Uhr
  • Ort: TanzTangente, Ahornstraße 24, 12163 Steglitz, Berlin

Der Kurs beinhaltet ein einfaches tänzerisches Warm-up mit Übungen aus verschiedenen Tanzstilen, das Erlernen kleiner Choreografien und Schrittkombinationen sowie die Verbesserung von Koordination und Kondition. Im Vordergrund stehen jedoch das gemeinsame Tanzen auf Musik, ohne Druck und mit viel Spaß und Humor.

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Zitat eines Teilnehmers

Rafi Eldor, Teilnehmer des Parkinson-Tanzkurses, sagte in einem Interview mit dem TANZEN Magazin (Mai 2017): „Wenn ich tanze, werde ich glücklich und ich spüre, wie ich die Krankheit besiege. Ich lerne neue Schritte, neue Choreografien und neue Techniken, die mein Gehirn sowohl an mein Gedächtnis wie auch an meinen Körper weitergibt. Auf beides hat es also eine Wirkung."

Die vielfältigen Vorteile des Tanzens für Menschen mit Parkinson

Tanzen ist mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung; es ist eine wirkungsvolle Therapieform, die zahlreiche Vorteile für Menschen mit Parkinson bietet:

  • Verbesserung der Koordination und Balance: Durch gezielte Bewegungen und Schrittkombinationen werden Koordination und Gleichgewichtssinn geschult.
  • Steigerung der Kondition und Muskelkraft: Das Tanzen aktiviert die Muskulatur und fördert die Ausdauer.
  • Erhöhung der Flexibilität und Beweglichkeit: Dehnübungen und tänzerische Elemente tragen zur Verbesserung der Flexibilität bei.
  • Förderung der Körperwahrnehmung: Durch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper im Raum wird die Körperwahrnehmung geschult.
  • Anregung des Geistes und des Gedächtnisses: Das Erlernen von Choreografien und Schrittfolgen fordert das Gehirn und verbessert das Gedächtnis.
  • Steigerung der Lebensqualität: Das Tanzen vermittelt Freude, stärkt das Selbstbewusstsein und fördert soziale Kontakte.
  • Psychologische und psychosoziale Vorteile: Der Tanz bietet eine Möglichkeit, Stress abzubauen, Emotionen auszudrücken und sich selbst neu zu entdecken.

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