Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich auf die Bewegung auswirkt. Obwohl es keine Heilung gibt, können verschiedene Therapien helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Eine dieser Therapien ist die Tanztherapie, die sich als besonders wirkungsvoll, freudvoll und ganzheitlich erwiesen hat.
Was ist Parkinson?
Parkinson ist der Überbegriff für neurodegenerative Erkrankungen, die durch eine krankhafte Zellalterung in bestimmten Gehirnarealen gekennzeichnet ist. Einhergehend kommt es zu einem Mangel an Dopamin, das im Zusammenspiel mit anderen Botenstoffen an der Bewegungssteuerung beteiligt ist. Durch die verminderte Dopaminausschüttung in tiefliegenden Hirnkernen, den Basalganglien, kommt es infolge dessen zu einer Symptomatik wie Bewegungsarmut, Zittern, Muskelsteifigkeit sowie Gang- und Gleichgewichtsstörungen. Die Erkrankung tritt gehäuft zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr auf, sie kann jedoch auch jüngere Menschen betreffen.
Die Rolle der Bewegungstherapie
Die Bewegungstherapie stellt neben der Medikation einen ganz maßgeblichen Baustein in der Behandlung dar, da sie wesentlich zur Verbesserung der Beweglichkeit, Bewegungskoordination, Gangleistung und Gleichgewicht beiträgt. Das kann durch eine speziell abgestimmte Physiotherapie, aber auch durch Tanzen erreicht werden. Bei vielen Patient:innen werden mit fortschreitender Krankheit die Schritte immer kleiner und unsicherer. Der Gleichgewichtssinn macht nicht mehr so mit, und die Sturzgefahr der Patient:innen ist groß. Die flüssigen Bewegungen beim Tanzen können all diesen Problemen entgegenwirken. Auf spielerische Weise kann beim Tanzen beispielsweise das Rückwärtslaufen oder durch das Halten der Partner:in das Gleichgewicht geschult werden.
Tanztherapie: Eine Definition
Die Tanztherapie ist eine psychotherapeutische Disziplin aus dem Bereich der künstlerischen Therapien. Sie wird definiert als „die psychotherapeutische Verwendung von Bewegung im Sinne eines Prozesses, der die emotionale und körperliche Integration des Individuums zum Ziel hat“. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist die starke Vitalisierung im Tanz, zudem spielt das unmittelbare Körpererleben eine bedeutsame Rolle. Der Tanz als „höchster Ausdruck menschlichen Lebensgefühls setzt gewaltige Kräfte im Menschen frei, von denen er im Normalzustand nichts ahnt, der Tanz eröffnet ihm Zugang zum kollektiven Unterbewusstsein“. Der positive Einfluss von Bewegung spiegelt sich ebenso in sozialen und kommunikativen Aspekten wider. Die gemeinsamen Stunden binden die Kranken in die Gemeinschaft ein und verhindern so eine soziale Isolierung.
Wie wirkt Tanztherapie bei Parkinson?
Tanztherapie wirkt auf verschiedenen Ebenen, um die Symptome von Parkinson zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern:
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- Verbesserung der Beweglichkeit: Die fließenden Bewegungen beim Tanzen helfen, die Muskelsteifigkeit zu reduzieren und die Beweglichkeit zu erhöhen. Dies ist besonders wichtig, da viele Parkinson-Patienten mit fortschreitender Krankheit immer kleinere und unsicherere Schritte machen.
- Förderung des Gleichgewichts: Durch gezielte Übungen, wie z.B. Rückwärtslaufen oder das Halten eines Partners, kann das Gleichgewicht geschult und die Sturzgefahr verringert werden.
- Überwindung von "Freezing": Viele Parkinson-Patienten leiden unter dem Symptom des "Freezing", bei dem sie sich fühlen, als ob ihre Füße am Boden festkleben. Die Musik beim Tanzen kann als externer Trigger wirken und diese Blockaden lösen. Es wird angenommen, dass die Musik Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin freisetzen kann, die die Bewegungssteuerung verbessern.
- Stimmungsaufhellung: Tanzen macht Spaß und fördert die soziale Interaktion, was dazu beitragen kann, Depressionen zu reduzieren und die Lebensfreude zu steigern. Viele Parkinson-Patienten sehen sich täglich mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, die sie oft nur schwerlich bewältigen können. Tanztherapie kann ihnen helfen, die Sicht auf ihre Erkrankung zu verändern, ihre Motivation, sich zu bewegen steigern und ihr Leben insgesamt wieder positiver anzugehen.
- Soziale Interaktion: Die Krankheit verändert in vielen Fällen das Erscheinungsbild, wofür sich viele Erkrankte schämen. Daher meiden viele der Betroffenen den Kontakt mit anderen und ziehen sich nach und nach zurück. Die Folge ist eine immer weiter zunehmende Isolation. Musik- und Tanztherapie die soziale Interaktion fördern und verbessern können. Durch die Trainingsgruppen und das regelmäßige Treffen von erkrankten Personen können neue Kontakte geknüpft werden. Die Betroffenen können sich auch über ihre Erfahrungen austauschen und die emotionale Wahrnehmung besser verarbeiten. Die Therapie wird zu einer soziale Aktivität. Die Veranstaltungen in der Gruppe können auch neue Freundschaften initiieren.
- Verbesserung der Körperhaltung: Tanzen verbessert die Körperhaltung und macht die Bewegung allgemein geschmeidiger, das Gehen wird dadurch flüssiger. Es beeinflusst den Gleichgewichtssinn und die Koordinationsfähigkeit. Durch das neue Erleben der Bewegung im Raum wird die Selbstwahrnehmung geschärft. Musik und Tanz vermitteln Lebensfreude und fördern das Gemeinschaftsgefühl. So werden Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen gestärkt.
Tanzformen in der Parkinson-Therapie
Verschiedene Tanzformen können in der Parkinson-Therapie eingesetzt werden, darunter:
- Tango Argentino: Argentinischer Tango verlangt die Kombination aus Augen-, Arm-, Bein- und Rumpfbewegungen, was sowohl die motorische Kontrolle als auch die Reaktionsfähigkeit fördert. Auch die Lernprozesse, die für das Erlernen der Tanzschritte nötig sind, wirken sich positiv auf Gedächtnis und Aufmerksamkeit der Patienten aus.
- Rollstuhltanz: Die Tanzschritte von allen Standard- und Lateinamerikanischen Tänzen (zum Beispiel Walzer, Foxtrott, Boogie, Cha Cha Cha, Samba, Rumba) wurden für den Rollstuhl übersetzt. Rollifahrer sollten zusammen mit Fußgänger-Partnern tanzen können. Ein Ansatz, um Menschen mit körperlicher Behinderung mehr in die Gesellschaft zu integrieren.
- Weitere Tanzformen: Auch andere Tanzformen wie Walzer, Foxtrott oder lateinamerikanische Tänze können in der Therapie eingesetzt werden, um die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben der Patienten zu berücksichtigen.
Studien zur Wirksamkeit der Tanztherapie
Tatsächlich gibt es seit Anfang der 2000er Jahre immer mehr Studien, die auch die medizinische Wirkung von Tanzen auf Parkinson belegen. Bei vielen Patienten werden mit fortschreitender Krankheit die Schritte immer kleiner und unsicherer. Der Gleichgewichtssinn, macht nicht mehr so mit und die Patienten bewegen sich dadurch unsicherer.
Studien haben gezeigt, dass Tanztherapie folgende positive Effekte haben kann:
- Verbesserung der Beweglichkeit und Balance
- Verringerung von Depressionen
- Steigerung der Lebensqualität
- Förderung der sozialen Interaktion
- Verbesserte Gangeinleitung bei Hindernissen
- Erhöhung der Mobilität
- Verbesserte Körperwahrnehmung und Bewegungskontrolle
Angebote für Tanztherapie bei Parkinson
Es gibt verschiedene Angebote für Tanztherapie bei Parkinson, darunter:
- Spezielle Tanzkurse für Parkinson-Patienten: Diese Kurse werden von ausgebildeten Tanztherapeuten oder Tanzpädagogen geleitet und sind auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten zugeschnitten.
- Tanztherapie in Kliniken und Reha-Zentren: Einige Kliniken und Reha-Zentren bieten Tanztherapie als Teil ihres Therapieprogramms an. Im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf hat die Neurologin Monika Pötter-Nerger das Tanzen in den Therapieplan ihrer Parkinson Patienten aufgenommen. Regelmäßig tanzen hier Lena Klein und die Patienten, die gerade auf Station sind.
- Selbsthilfegruppen: Einige Selbsthilfegruppen für Parkinson-Patienten bieten auch Tanztherapie an.
Zertifizierung als Parkinson Fachklinik
Die Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ist zertifizierte Fachklinik für die Behandlung einer der häufigsten chronischen Erkrankungen des Nervensystems: Parkinson. Das UKE ist das erste Universitätsklinikum in Deutschland, das als Parkinson Fachklinik ausgezeichnet wurde, da wir uns mit einem multizentrischen Team fachübergreifend um dieses Krankheitsbild kümmern. Wir decken im UKE nicht nur die akute Behandlung dieser chronischen Erkrankung ab, sondern schaffen durch integrative Konzepte eine langfristige Versorgung der Patient:innen. Der Vorteil für die Betroffenen ist, dass wir ein komplexes ganzheitliches Therapiekonzept nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen individuell auf sie abstimmen. Dieses passen wir dem wechselnden klinischen Bild der Patient:innen stetig an und berücksichtigen dabei ihre zusätzlichen Begleiterkrankungen.
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Fazit
Tanztherapie ist eine vielversprechende Therapieform für Parkinson-Patienten. Sie kann helfen, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die soziale Interaktion zu fördern. Wenn Sie an Parkinson leiden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Therapeuten, um herauszufinden, ob Tanztherapie für Sie geeignet ist.
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