Kinesiotaping ist eine Behandlungsmethode, die in der Physiotherapie und anderen medizinischen Bereichen immer beliebter wird. Diese Technik beinhaltet das Anbringen von speziellem elastischem Klebeband auf der Haut, um Schmerzen zu lindern, die Muskelspannung zu regulieren, die Durchblutung zu verbessern und die Körperwahrnehmung zu fördern. Im neurologischen Bereich wird Kinesiotaping erfolgreich bei Patienten mit Spastik eingesetzt, um Schmerzen zu reduzieren und die Bewegungsfähigkeit zu verbessern.
Einführung in das Kinesiotaping
Kinesiotaping ist eine nicht-invasive Methode, die darauf abzielt, die natürlichen Heilungsprozesse des Körpers zu unterstützen. Durch das Anbringen des Tapes auf der Haut entstehen sensorische Reize, die das Nervensystem beeinflussen und so verschiedene physiologische Effekte erzielen können.
Die Grundlagen des Kinesiotapings
Das Kinesiotape ist ein elastisches Klebeband, das sich in Längsrichtung dehnen lässt. Es besteht aus Baumwolle oder synthetischen Fasern und ist mit einer Acrylbeschichtung versehen, die für eine gute Haftung auf der Haut sorgt. Das Tape ist atmungsaktiv und wasserbeständig, sodass es mehrere Tage oder sogar eine Woche getragen werden kann.
Wirkungsweise des Kinesiotapings
Die Wirkungsweise des Kinesiotapings ist vielfältig und beruht auf verschiedenen Mechanismen:
- Schmerzlinderung: Das Tape kann Schmerzen reduzieren, indem es die Schmerzrezeptoren in der Haut stimuliert und die Schmerzsignale an das Gehirn reduziert.
- Muskeltonusregulation: Je nach Anlagetechnik kann das Tape den Muskeltonus erhöhen oder senken. Bei Spastik wird es häufig eingesetzt, um die übermäßige Muskelspannung zu reduzieren.
- Verbesserung der Mikrozirkulation: Das Tape kann die Durchblutung und den Lymphfluss im Gewebe verbessern, was die Heilungsprozesse unterstützt und Schwellungen reduziert.
- Förderung der Körperwahrnehmung: Das Tape kann diePropriozeption verbessern, indem es die sensorischen Rezeptoren in der Haut stimuliert und so die Körperwahrnehmung und -kontrolle verbessert.
Kinesiotaping bei Spastik
Spastik ist eineForm von erhöhter Muskelspannung, die häufig nach neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Multipler Sklerose oder Schädel-Hirn-Trauma auftritt. Sie kann zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und einer verminderten Lebensqualität führen. Kinesiotaping kann eine wertvolle Ergänzung zur Behandlung von Spastik sein.
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Anwendungsbereiche von Kinesiotaping bei Spastik
Kinesiotaping kann bei Spastik in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden:
- Reduktion der Muskelspannung: Durch eine spezielle Anlagetechnik kann das Tape die übermäßige Muskelspannung reduzieren und so die Bewegungsfähigkeit verbessern.
- Schmerzlinderung: Das Tape kann Schmerzen lindern, die durch die Spastik verursacht werden.
- Verbesserung der Gelenkfunktion: Das Tape kann die Gelenke stabilisieren und die Beweglichkeit verbessern.
- Förderung der Körperwahrnehmung: Das Tape kann die Körperwahrnehmung verbessern und so die Kontrolle über die betroffenen Muskeln erleichtern.
Spezifische Tapeanlagen bei Spastik
Je nach betroffenem Muskel und gewünschter Wirkung können verschiedene Tapeanlagen angewendet werden. Einige Beispiele sind:
- Tapeanlage zur Reduktion der Spastik im Handgelenk: Hierbei wird das Tape so angelegt, dass es die Streckmuskulatur des Handgelenks unterstützt und die Beugemuskulatur entspannt.
- Tapeanlage zur Reduktion der Spastik in der Wade: Hierbei wird das Tape so angelegt, dass es die Wadenmuskulatur entspannt und die Dorsalflexion des Fußes erleichtert.
- Tapeanlage zur Verbesserung der Schulterzentrierung bei Schlaganfallpatienten: Hierbei wird das Tape so angelegt, dass es die Schulter stabilisiert und die Beweglichkeit verbessert.
Workshop für den gezielten Einsatz von Kinesiologischem Taping in der Neurologie
Es gibt spezielle Workshops, die Therapeuten den gezielten Einsatz von Kinesiologischem Taping in der Neurologie vermitteln. In diesen Workshops lernen die Teilnehmer, wie sie Tapeanlagen zur Tonusregulation, Bewegungsförderung und Schmerzlinderung einsetzen können. Die Workshops sind praxisorientiert und vermitteln Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die direkt in den Behandlungsalltag übertragen werden können.
Allgemeine Anleitungen zum Tapen
Obwohl spezifische Anwendungen bei Spastik im Vordergrund stehen, sind hier einige allgemeine Anleitungen zum Tapen, die für verschiedene Bereiche relevant sind:
Vorbereitung der Haut
Für eine optimale Haftung des Tapes ist eine sorgfältige Vorbereitung der Haut wichtig:
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- Reinigung: Die Haut sollte sauber, trocken und fettfrei sein. Reinigen Sie die betroffene Stelle gegebenenfalls mit Alkohol.
- Haarentfernung: Bei starker Behaarung sollte die betroffene Stelle rasiert werden, um eine bessere Haftung zu gewährleisten.
- Hautschutz: Bei empfindlicher Haut kann es sinnvoll sein, vor dem Tapen eine Hautschutzcreme aufzutragen.
Anbringen des Tapes
Beim Anbringen des Tapes ist es wichtig, die richtige Technik anzuwenden:
- Tape zuschneiden: Schneiden Sie das Tape in der benötigten Länge und Form zu. Die Ecken können abgerundet werden, um ein Ablösen zu verhindern.
- Trägerpapier entfernen: Entfernen Sie das Trägerpapier an der Basis des Tapes.
- Basis aufkleben: Kleben Sie die Basis des Tapes ohne Zug auf die Haut.
- Tape aufkleben: Kleben Sie das Tape mit dem entsprechenden Zug auf die Haut. Achten Sie darauf, dass das Tape keine Falten wirft.
- Ende aufkleben: Kleben Sie das Ende des Tapes ohne Zug auf die Haut.
- Tape aktivieren: Reiben Sie das Tape leicht an, um die Klebekraft zu aktivieren.
Hinweise zur Tragedauer und Entfernung
- Die Tragedauer des Tapes beträgt in der Regel zwischen zwei und sieben Tagen.
- Bei akuten Prozessen kann das Tape auch schon nach zwei Tagen entfernt werden.
- Das Tape sollte entfernt werden, wenn es sich ablöst, juckt oder andere Beschwerden verursacht.
- Zum Entfernen des Tapes kann es hilfreich sein, die Haut mit Öl oder Lotion einzuweichen.
Weitere Anwendungsbereiche des Kinesiotapings
Kinesiotaping wird nicht nur bei Spastik, sondern auch in vielen anderen Bereichen eingesetzt:
- Orthopädie: Bei Schmerzen und Verspannungen im unteren Rückenbereich, Nackenschmerzen, Knieproblemen, etc.
- Sportmedizin: Bei Sportverletzungen wie Muskelzerrungen, Bänderdehnungen, etc.
- Lymphologie: ZurAnregung des Lymphabflusses bei Schwellungen und Lymphödemen.
- Gynäkologie: Nach Brustoperationen zurAnregung des Lymphabflusses.
- Innere Medizin: Bei Asthma oder Bronchitis zur Unterstützung der Atmung.
- Zahnmedizin: Bei Zahnextraktionen zur Schmerzlinderung.
- Pädiatrie: Bei Kindern mit Zehenspitzengang zur Unterstützung der Fußentwicklung.
- Kieferklemme: Bei eingeschränkter Mundöffnung zur Entspannung der Kaumuskulatur.
Kontraindikationen
Trotz seiner vielfältigenAnwendungsmöglichkeiten gibt es auch Kontraindikationen für das Kinesiotaping:
- Schwangerschaft
- Offene Wunden
- Knochenbrüche
- Unerklärliche Beschwerden
- Allergien und Hautkrankheiten
- Einnahme von Medikamenten wie Blutverdünner
- Thrombose
- Fieber
Kinesiotaping bei Zehenspitzengang
Eine weitere spezielleAnwendung des Kinesiotapings ist die Behandlung des Zehenspitzengangs bei Kindern.
Ursachen des Zehenspitzengangs
Der Zehenspitzengang kann verschiedene Ursachen haben:
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- Verkürzte Achillessehne
- Erhöhte Spannung in der Wadenmuskulatur
- Neurologische Erkrankungen
- Gewohnheitsmäßiges Gehen auf Zehen
Diagnose und Behandlung
Vor der Behandlung des Zehenspitzengangs ist eine gründliche Diagnose erforderlich. Diese umfasst eine Ganganalyse, die Untersuchung der Beweglichkeit des Sprunggelenks und gegebenenfalls neurologische Untersuchungen.
Die Behandlung kann verschiedene Maßnahmen umfassen:
- Physiotherapie
- Dehnübungen
- Kinesiotaping
- Orthopädische Hilfsmittel
Tapeanlage bei Zehenspitzengang
Bei der Tapeanlage wird das Tape so angelegt, dass es die Wadenmuskulatur dehnt und die Dorsalflexion des Fußes unterstützt.
Kinesiotaping bei Kieferklemme
Auch bei Kieferklemme kann Kinesiotaping eine unterstützende Maßnahme sein.
Ursachen der Kieferklemme
Die Kieferklemme kann verschiedene Ursachen haben:
- Muskuläre Verspannungen
- Fasziale Verklebungen
- Entzündungen
- Zahnmedizinische Eingriffe
- Kieferluxation
- Krebserkrankungen
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose der Kieferklemme umfasst eine Anamnese, die Untersuchung der Mundöffnung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren.
Die Behandlung kann verschiedene Maßnahmen umfassen:
- Physiotherapie
- Manuelle Therapie
- Dehnübungen
- Kinesiotaping
- Medikamentöse Therapie
- Zahnärztliche Behandlung
- Chirurgische Eingriffe
Wichtiger Hinweis
Die Informationen in diesem Artikel dienen lediglich zu Informationszwecken und ersetzen nicht den Besuch eines Arztes, Physiotherapeuten oder eines anderen Experten. Die Anwendung von Kinesiotaping sollte immer in Absprache mit einem qualifizierten Therapeuten erfolgen.