Targin bei Nervenschmerzen: Eine umfassende Betrachtung

Chronische Schmerzen, insbesondere solche mit einer neuropathischen Komponente, stellen eine erhebliche Belastung für die Betroffenen dar. Die Behandlung dieser Schmerzen erfordert oft einen multidisziplinären Ansatz, der sowohl pharmakologische als auch nicht-pharmakologische Interventionen umfasst. In den letzten Jahren hat sich die Fixkombination aus retardiertem Oxycodon und retardiertem Naloxon (Targin) als eine vielversprechende Option zur Behandlung chronischer Rückenschmerzen mit neuropathischer Komponente erwiesen.

Was ist Targin?

Targin ist ein Medikament, das zwei Wirkstoffe kombiniert: Oxycodon und Naloxon. Oxycodon ist ein Opioid-Analgetikum, das zur Behandlung von starken Schmerzen eingesetzt wird. Es wirkt, indem es an Opioidrezeptoren im Gehirn und Rückenmark bindet und so die Schmerzwahrnehmung reduziert. Naloxon ist ein Opioid-Antagonist, der die Wirkung von Opioiden aufhebt. Es wird Targin zugesetzt, um Verstopfung entgegenzuwirken, einer häufigen Nebenwirkung von Opioiden.

Opioide: Eine Übersicht

Opioide sind eine Klasse von Schmerzmitteln, die von Opium abstammen oder synthetisch hergestellt werden. Opium wird aus den Kapseln des Schlafmohns gewonnen. Opioide wirken, indem sie an Rezeptor-Moleküle im Gehirn und Rückenmark binden und so die Erregbarkeit von Nervenzellen hemmen. Schmerzreize aus dem peripheren Nervensystem werden weniger oder gar nicht mehr wahrgenommen.

Man unterscheidet zwischen schwach wirksamen und stark wirksamen Opioiden. Schwach wirksame Opioide werden in der Therapie chronischer Schmerzen meist mit einem Nicht-Opioid-Analgetikum kombiniert.

Opioide können verschiedene dauerhafte Nebenwirkungen auslösen. So führen sie beispielsweise immer zu Verstopfung. Außerdem können sie bei langer Anwendung körperlich abhängig machen und zu Entzugserscheinungen führen, wenn sie plötzlich abgesetzt werden. Deshalb sollte die Dosis langsam reduziert werden. Heute gibt es jedoch Retard-Präparate, die den Wirkstoff verzögert freisetzen. Bei korrekter Einnahme dieser Medikamente ist die Suchtgefahr außerordentlich gering. Außerdem bleibt so die Konzentration über einen Zeitraum von 8 bis 12 Stunden weitgehend konstant. Schmerz-Pflaster haben einen ähnlichen Effekt.

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Oxycodon im Detail

Oxycodon ist ein Opioid-Analgetikum, das zur Behandlung von starken Schmerzen angewendet wird. Ein Vorteil von Oxycodon gegenüber Morphin ist seine etwa dreimal höhere orale Bioverfügbarkeit. Oxycodon wirkt aktivierend an µ-, κ- und δ-Opioidrezeptoren in Gehirn und Rückenmark. Oxycodon wirkt an diesen Rezeptoren als Opioid-Agonist ohne antagonistischen Effekt. Seine therapeutische Wirkung ist vorwiegend analgetisch und sedierend. Wie bei allen Opioiden geht die Anwendung von Oxycodon mit dem Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung einher.

Oxycodon weist eine hohe orale Bioverfügbarkeit auf, die bei bis zu 87% liegt. Oxycodon verteilt sich nach der Aufnahme systemisch und weist eine Plasmaproteinbindung von etwa 45% auf. Es passiert die Plazenta und geht in die Muttermilch über. Oxycodon wird in der Leber durch das Cytochrom-P450-System (CYP3A4 und CYP2D6) zu Noroxycodon, Oxymorphon und weiteren Glucuroniden verstoffwechselt. Der Anteil dieser Metaboliten an der Gesamtwirkung ist gering. Oxycodon und seine Metaboliten werden überwiegend renal und in geringerem Maße biliär eliminiert.

Oxycodon ist v.a. in Form von Retardtabletten erhältlich. Die Anfangsdosis für Opioid-naive Patienten beträgt in der Regel 10 mg im Abstand von 12 Stunden bei Retardformulierungen. Dosisanpassungen erfolgen gemäß Fachinformation und individueller klinischer Situation. Vor Beginn der Therapie mit Oxycodon sollte gemeinsam mit dem Patienten eine individuelle Behandlungsstrategie festgelegt werden. Diese umfasst Behandlungsziele, die geplante Therapiedauer und das Vorgehen beim Therapieende. Eine regelmäßige ärztliche Reevaluation ist erforderlich, um Wirksamkeit, Verträglichkeit und den weiteren Behandlungsbedarf zu beurteilen. Bei ausbleibender Schmerzreduktion ist an Hyperalgesie, Toleranz oder ein Fortschreiten der Grunderkrankung zu denken. Beim Therapieende ist eine schrittweise Dosisreduktion über mindestens eine Woche empfohlen, um Entzugssymptome zu vermeiden.

Naloxon im Detail

Naloxon ist ein Opium-Antagonist, d.h. es unterbindet die Wirkung von Opioiden. In Kombination mit Tilidin blockiert es dessen Wirkung und soll den Missbrauch verhindern. Nach oraler Aufnahme wird Naloxon in der Leber in ein unwirksames Produkt umgewandelt. Bei Missbrauch (Spritzen) oder Überdosierung blockiert Naloxon die Opiat-Rezeptoren.

Die OXYNTA-Studie

Die Daten von OXYNTA, einer nicht-interventionellen Registerstudie der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e. V. im modifizierten PROBE-Design, die auf dem 8. Weltkongress des World Institute of Pain vorgestellt wurden, zeigen, dass unter Alltagsbedingungen und strengen Response-Kriterien die Fixkombination aus retardiertem Oxycodon und retardiertem Naloxon (Targin) zur Behandlung chronischer Rückenschmerzen mit neuropathischer Komponente im Vergleich zu Tapentadol klinisch überlegen ist. Der „patient-relevant outcomes“ (PRO) berücksichtigende Komposit-Endpunkt wurde zum Beobachtungsende von signifikant mehr Patienten unter Oxycodon/Naloxon als unter Tapentadol erreicht [n = 51 (39,8 %) vs. n = 34 (25,6 %); OR (95 %-CI): 1,929 (1,139-3,264), p = 0,014)].

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Anwendungsgebiete von Targin

Targin ist indiziert zur Behandlung von starken Schmerzen, die nur unter Opioid-Analgetika angemessen therapiert werden können. Die Kombination mit Naloxon soll Obstipationen entgegenwirken, die unter einer Opioid-Therapie auftreten können.

Dosierung und Anwendung von Targin

Da die Dosierung des Arzneimittels von verschiedenen Faktoren abhängt, sollte sie von Ihrem Arzt individuell auf Sie abgestimmt werden. Lassen Sie sich zur Dosierung von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Nehmen Sie das Arzneimittel im Ganzen mit Flüssigkeit (z.B. 1 Glas Wasser) ein. Das Arzneimittel darf nicht zerteilt, zerbrochen, zerkaut oder zerkleinert werden. Die Anwendungsdauer richtet sich nach Art der Beschwerde und/oder Dauer der Erkrankung und wird deshalb nur von Ihrem Arzt bestimmt. Das Arzneimittel sollte nur kurzzeitig angewendet werden.

Bei einer Überdosierung kann es unter anderem zu Schläfrigkeit, Pulserniedrigung, niedrigem Blutdruck sowie zu Atemstörungen kommen. Setzen Sie sich bei dem Verdacht auf eine Überdosierung umgehend mit einem Arzt in Verbindung. Setzen Sie die Einnahme zum nächsten vorgeschriebenen Zeitpunkt ganz normal (also nicht mit der doppelten Menge) fort, wenn Sie die Einnahme vergessen haben. Achten Sie vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen auf eine gewissenhafte Dosierung. Im Zweifelsfalle fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker nach etwaigen Auswirkungen oder Vorsichtsmaßnahmen. Eine vom Arzt verordnete Dosierung kann von den Angaben der Packungsbeilage abweichen. Da der Arzt sie individuell abstimmt, sollten Sie das Arzneimittel daher nach seinen Anweisungen anwenden. Das Präparat ist nicht dosisgleich teilbar. Darf nicht geteilt werden. Darf nicht zerkaut werden. Darf nicht zerbrochen/zerkleinert werden.

Gegenanzeigen von Targin

Targin darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
  • Atemschwäche
  • Sauerstoffmangel (Hypoxie)
  • Erhöhter Kohlendioxidgehalt im Blut (Hyperkapnie)
  • Chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (chronische Atemwegserkrankung mit einer Verengung der Atemwege)
  • Cor pulmonale (Schwäche des rechten Herzens, infolge einer Lungenerkrankung)
  • Asthma bronchiale
  • Darmverschluss durch eine Darmlähmung
  • Mäßig bis stark eingeschränkte Leberfunktion
  • Arzneimittelmissbrauch, auch wenn er schon längere Zeit zurückliegt

Unter Umständen - sprechen Sie hierzu mit Ihrem Arzt oder Apotheker - darf Targin nicht angewendet werden bei:

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  • Darmverschluss durch eine Darmlähmung (opioidbedingt)
  • Eingeschränkte Lungenfunktion
  • Atemaussetzer während des Schlafens (Schlafapnoe)
  • Teigige Haut (Myxödem)
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Nebennierenrindenerkrankungen
  • Psychose
  • Gallensteinleiden
  • Prostatavergrößerung
  • Alkoholmissbrauch, auch in der Vorgeschichte
  • Delirium tremens (Verwirrtheit mit Zittern und Krämpfen)
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse
  • Niedriger Blutdruck
  • Bluthochdruck
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Kopfverletzungen
  • Erhöhter Hirndruck
  • Epilepsie
  • Neigung zu Krampfanfällen, d.h. in der eigenen Vorgeschichte sind epileptische Anfälle bekannt
  • Drogenabhängigkeit, auch in der Vorgeschichte
  • Leicht eingeschränkte Leberfunktion
  • Eingeschränkte Nierenfunktion
  • Gallenwegserkrankung
  • Verengung im Verdauungstrakt
  • Hirnverletzungen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Zustand vor und nach einer Operation

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen Targin nicht anwenden. Ältere Patienten sollten Targin mit besonderer Vorsicht anwenden.

Während der Schwangerschaft sollten Sie sich an Ihren Arzt wenden. Es spielen verschiedene Überlegungen eine Rolle, ob und wie das Arzneimittel in der Schwangerschaft angewendet werden kann. Von einer Anwendung während der Stillzeit wird nach derzeitigen Erkenntnissen abgeraten. Eventuell ist ein Abstillen in Erwägung zu ziehen.

Ist Ihnen das Arzneimittel trotz einer Gegenanzeige verordnet worden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Der therapeutische Nutzen kann höher sein, als das Risiko, das die Anwendung bei einer Gegenanzeige in sich birgt.

Wichtige Hinweise zu Targin

Das Reaktionsvermögen kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch, vor allem in höheren Dosierungen oder in Kombination mit Alkohol, beeinträchtigt sein. Achten Sie vor allem darauf, wenn Sie am Straßenverkehr teilnehmen oder Maschinen (auch im Haushalt) bedienen, mit denen Sie sich verletzen können. Das Arzneimittel kann zu einer körperlichen Abhängigkeit führen und bei Absetzen können Entzugserscheinungen auftreten. Bei regelmäßiger Einnahme kann es zu einer psychischen Abhängigkeit kommen. Durch plötzliches Absetzen können Probleme oder Beschwerden auftreten. Deshalb sollte die Behandlung langsam, das heißt mit einem schrittweisen Ausschleichen der Dosis, beendet werden. Lassen Sie sich dazu am besten von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Dieses Arzneimittel enthält Stoffe, die unter Umständen als Dopingstoffe eingeordnet werden können. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker. Achtung: Wenn Sie das Arzneimittel über längere Zeit anwenden, kann sich der Körper daran gewöhnen und Sie brauchen evtl. eine immer höhere Dosierung, damit Sie eine Wirkung spüren. Vorsicht bei einer Unverträglichkeit gegenüber Lactose. Wenn Sie eine Diabetes-Diät einhalten müssen, sollten Sie den Zuckergehalt berücksichtigen. Es kann Arzneimittel geben, mit denen Wechselwirkungen auftreten. Sie sollten deswegen generell vor der Behandlung mit einem neuen Arzneimittel jedes andere, das Sie bereits anwenden, dem Arzt oder Apotheker angeben. Das gilt auch für Arzneimittel, die Sie selbst kaufen, nur gelegentlich anwenden oder deren Anwendung schon einige Zeit zurückliegt. Alkoholgenuss soll während einer Dauerbehandlung möglichst vermieden werden. Gelegentlicher Alkoholkonsum in kleinen Mengen ist erlaubt, aber nicht zusammen mit dem Medikament. Auf Grapefruit sowie Grapefruit-Zubereitungen soll während der Behandlung mit dem Medikament vollständig verzichtet werden.

Nebenwirkungen von Targin

Nebenwirkungen sind unerwünschte Wirkungen, die bei bestimmungsgemäßer Anwendung des Arzneimittels auftreten können.

Welche unerwünschten Wirkungen können auftreten?

  • Magen-Darm-Beschwerden, wie:
    • Übelkeit
    • Erbrechen
    • Durchfälle
    • Blähungen
    • Verstopfung
    • Bauchschmerzen
    • Appetitlosigkeit
    • Gewichtsverlust
    • Schluckauf
    • Aufstoßen
    • Mundtrockenheit
    • Geschmacksstörungen
    • Entzündungen der Mundschleimhaut
    • Geschwüre auf der Mundschleimhaut
  • Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Schwindel
  • Koordinationsstörung
  • Schläfrigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Unruhe
  • Delirium (Verwirrtheit)
  • Aufmerksamkeitsstörung
  • Konzentrationsstörungen
  • Angstzustände
  • Hyperaktivität (psychomotorische)
  • Sedierung
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Euphorie
  • Nervosität
  • Denkstörung
  • Halluzinationen
  • Depressionen
  • Missempfindungen, wie:
    • Verminderte Berührungsempfindlichkeit
    • Kältegefühl
    • Wärmegefühl
  • Sprachstörungen
  • Störungen der Stimme
  • Hörstörungen
  • Sehstörungen
  • Verschlechtertes Sehen bei Dunkelheit
  • Laufende Nase
  • Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut, wie:
    • Hautausschlag
    • Juckreiz
    • Allergische Reaktionen
  • Gefäßerweiterung
  • Niedriger Blutdruck
  • Bluthochdruck
  • Herzklopfen
  • Angina pectoris
  • Wassereinlagerungen (Ödeme), vor allem an den Beinen oder Armen
  • Husten
  • Atemschwäche
  • Verengung der Atemwege
  • Kurzatmigkeit (Dyspnoe)
  • Verstärkter Harndrang
  • Störungen beim Wasserlassen, wie schmerzhafte Blasenentleerung (Dysurie)
  • Anstieg der Leberwerte
  • Gallenkolik
  • Erhöhter Muskeltonus (Spannungszustand des Muskels)
  • Zittern
  • Muskelschmerzen
  • Muskelzuckungen
  • Muskelkrämpfe
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Schwitzen
  • Schüttelfrost
  • Erektionsstörungen
  • Libidoabnahme (Abnahme der Lust zum Geschlechtsverkehr)
  • Unwohlsein
  • Allgemeine Schwäche
  • Teilnahmelosigkeit
  • Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) durch Medikamente
  • Unterfunktion der Keimdrüsen (Hypogonadismus)
  • Entzugssyndrom beim Medikamentenmissbrauch
  • Vermindertes Ansprechen auf Medikamente (Arzneimitteltoleranz)

Bemerken Sie eine Befindlichkeitsstörung oder Veränderung während der Behandlung, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Für die Information an dieser Stelle werden vor allem Nebenwirkungen berücksichtigt, die bei mindestens einem von 1.000 behandelten Patienten auftreten. Wenden Sie mehrere Arzneimittel gleichzeitig an, kann es zu Wechselwirkungen zwischen diesen kommen. Das kann Wirkungen und Nebenwirkungen der Arzneimittel verändern.

Wechselwirkungen von Targin

Bitte verzichten Sie auf alkoholische Getränke und Speisen, solange Sie das Arzneimittel einnehmen. Bitte verzichten Sie auf Grapefruit, Grapefruit-artige Früchte (z. B. Pampelmusen) und Grapefruitsaft während der Behandlung mit dem Medikament vollständig.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Oxycodon und Arzneimitteln, die eine Wirkung auf das ZNS besitzen, kann die ZNS-dämpfende Wirkung verstärkt werden. Darunter fallen andere Opiode, Sedativa, Hypnotika, Antidepressiva, Phenothiazine, Neuroleptika, Anästhetika, Muskelrelaxantien, Antihistaminika und Antiemetika. Hemmer der Monoaminooxidase (MAO-Hemmer) und Oxycodon sollten zusammen nur mit Vorsicht verabreicht werden. Das gilt auch für Patienten, die MAO-Hemmer in den vergangenen zwei Wochen erhalten haben. Die gleichzeitige Einnahme von Oxycodon und Alkohol sollte vermieden werden. Die anticholinergen Nebenwirkungen von Oxycodon, z. B. Obstipation und Mundtrockenheit, können durch andere Arzneimittel mit anticholinerger Wirkung verstärkt werden.

CYP3A4-Inhibitoren können zu einer reduzierten Clearance von Oxycodon führen. Der dadurch entstehenden Erhöhung der Plasmakonzentration von Oxycodon muss ggf. durch eine Dosisanpassung begegnet werden. Zu den CYP3A4-Inhibitoren zählen: Makrolidantibiotika, z. B. Erythromycin, Azol-Antimykotika, z. B. Ketoconazol, Proteaseinhibitoren, z. B. Ritonavir, Cimetidin und Grapefruitsaft.

CYP3A4-Induktoren können eine verstärkte Clearance von Oxycodon bewirken. Auch hier muss die Oxycodon-Dosierung ggf. angepasst werden, um eine Reduktion der Plasmakonzentration zu vermeiden. Zu den CYP3A4-Induktoren gehören: Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin und Johanniskraut.

CYP2D6-Inhibitoren, etwa Paroxetin und Chinidin, können zu einer verminderten Clearance und damit zum Anstieg der Plasmakonzentration von Oxycodon führen. In wie weit der Metabolismus von Oxycodon durch andere relevante Isoenzyminhibitoren des Cytochrom-Systems beeinflusst wird, ist unklar. Mögliche Wechselwirkungen sollten bedacht werden. In seltenen Fällen zeigte sich eine klinisch relevante Abnahme oder Zunahme der International Normalised Ration (INR) bei gleichzeitiger Anwendung von Oxycodon und Antikoagulantien auf Cumarin-Basis.

Lagerung von Targin

Das Arzneimittel muss vor Hitze geschützt und im Dunkeln (z.B. im Umkarton) aufbewahrt werden. Das Arzneimittel darf nach Anbruch/Zubereitung höchstens 6 Monate verwendet werden! Das Arzneimittel muss nach Anbruch/Zubereitung bei Raumtemperatur im Dunkeln (z.B. im Umkarton) aufbewahrt werden! Diese Angabe gilt nur für Tabletten in der Flasche. Für Tabletten in der Durchdrückpackung gilt das aufgedruckte Verfalldatum.

Moderne Schmerztherapie

Eine moderne Schmerztherapie muss sich an den Entstehungsmechanismen des Schmerzes und dem Chronifizierungsgrad orientieren. Laut des Schmerzexperten sollte der am besten geeignete Wirkstoff stets individuell ausgewählt werden. Zudem ist es oft sinnvoll, frühzeitig starke Opioide einzusetzen.

Fallbeispiele

Ein 55-jähriger Patient mit Schmerzen von NRS 8 (Numerische Ratingskala 0 = keine Schmerzen, 10 = stärkste vorstellbare Schmerzen) als Folge eines Prostatakarzinoms mit Wirbelsäulenmetastasen wurde mit Morphin, einem Antikonvulsivum und Antiphlogistikum behandelt, jedoch ohne ausreichende Schmerzlinderung. Nach Umstellung auf zweimal täglich 20 mg/10 mg Targin in Kombination mit schnell wirksamem Oxycodon zur Therapie von Durchbruchschmerzen reduzierte sich die Schmerzintensität auf durchschnittlich NRS 3,5.

Eine 42-jährige Patientin mit einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom (Morbus Sudeck) in der rechten Hand und einer Schmerzintensität von NRS 8 konnte durch eine Therapie mit Targin, einem Cox-2-Hemmer sowie einem Antikonvulsivum ihre Schmerzintensität auf NRS 2 reduzieren. Sie konnte nachts durchschlafen, hatte keine Schweißausbrüche mehr und konnte ihrer Arbeit als Grafikdesignerin wieder nachgehen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung von Oxycodon

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Oxycodon zu beachten:

  • Atemdepression: Eine potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkung bei Überdosierung; engmaschige Überwachung erforderlich.
  • Schlafbezogene Atemstörungen: Opioide können zentrale Schlafapnoe und Hypoxämie verursachen; Dosisanpassung sollte erwogen werden.
  • Kombination mit Sedativa: Gleichzeitige Anwendung mit Benzodiazepinen oder vergleichbaren Wirkstoffen erhöht das Risiko für Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod; Kombination nur bei zwingender Indikation, niedrigste wirksame Dosis und kurze Behandlungsdauer empfohlen.
  • Anwendung mit MAO-Hemmern: Nur mit Vorsicht anwenden; Risiko schwerwiegender Wechselwirkungen.
  • Leber- und Gallenerkrankungen: Risiko für Funktionsstörungen und Spasmen des Sphinkter Oddi; bei entsprechender Vorgeschichte ist Vorsicht geboten.
  • Nieren- und Leberfunktionsstörung: Bei eingeschränkter Organfunktion ist eine sorgfältige Überwachung notwendig.
  • Opioidgebrauchsstörung: Risiko für Toleranz, physische und psychische Abhängigkeit sowie Missbrauch. Besondere Vorsicht bei Risikopatienten mit Substanzgebrauchsstörungen oder psychiatrischen Vorerkrankungen. Ein auffälliges Konsumverhalten sollte frühzeitig erkannt und ggf. suchtmedizinisch bewertet werden.
  • Behandlungsende: Therapie sollte ausschleichend beendet werden, um Entzugssymptome zu vermeiden.

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