Taubheitsgefühl in den Zehen: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Ein Taubheitsgefühl in den Zehen kann viele Ursachen haben. Es kann plötzlich auftreten oder sich langsam entwickeln und von anderen Symptomen wie Kribbeln, Schmerzen oder Schwäche begleitet sein. In manchen Fällen ist es harmlos und verschwindet von selbst, während es in anderen Fällen ein Zeichen für ein zugrunde liegendes medizinisches Problem sein kann. Es ist wichtig, die Ursache des Taubheitsgefühls zu identifizieren, um eine geeignete Behandlung zu beginnen.

Ursachen für Taubheitsgefühle in den Zehen

Die Ursachen für Taubheitsgefühle in den Zehen sind vielfältig. Sie reichen von harmlosen äußeren Einflüssen bis hin zu ernsteren Erkrankungen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

Falsches Schuhwerk

  • Enge Schuhe: Zu enge oder schmale Schuhe können Druck auf die Nerven in den Füßen ausüben und zu Taubheitsgefühlen führen. Dies betrifft oft den großen Zeh.
  • Hohe Schuhe: Hohe Schuhe können den Fuß in eine unnatürliche Position zwingen und den Druck auf die Fußsohle erhöhen, was die Nerven reizen und zu Taubheitsgefühlen führen kann.
  • Fahrradschuhe: Beim Fahrradfahren und Training auf dem Crosstrainer lastet das gesamte Körpergewicht überwiegend auf den Fußballen. Dies kann zu einer Reizung der Nerven führen und eine Taubheit in den Zehen verursachen. Spezielle Fahrradschuhe mit steifer Sohle können Abhilfe schaffen, indem sie den Fuß entlasten.

Fußfehlstellungen

Fußfehlstellungen wie Spreizfüße oder Hallux valgus können ebenfalls eine Ursache für taube Zehen sein. Sie üben oft Druck auf die Nerven im Fuß aus, was ein Taubheitsgefühl hervorrufen kann. Treten diese Beschwerden vermehrt beim Gehen auf, ist es ratsam, das Gangbild in einer orthopädischen Praxis überprüfen zu lassen. Einlagen können helfen, Fehlstellungen zu vermeiden.

Vitamin-B12-Mangel

Ein Vitamin-B12-Mangel kann Taubheitsgefühle und Missempfindungen mit sich bringen. Die Ursache liegt in Schädigungen der Myelinscheiden, die die Nerven umhüllen und schützen. Ein langanhaltender Mangel an Vitamin B12 kann zu dauerhaften Nervenschäden führen, die nicht mehr reversibel sind. Um solch einer Neuropathie vorzubeugen, ist eine ausgewogene Ernährung entscheidend. Bei einer vegetarischen oder veganen Lebensweise sollte besonders auf den B12-Haushalt geachtet werden, da das Vitamin hauptsächlich in tierischen Produkten vorkommt.

Bandscheibenvorfall

Bei einem Bandscheibenvorfall tritt der Gallertkern einer Bandscheibe durch deren Faserring. Übt dieser dann Druck auf die umliegenden Nerven aus, können Taubheitsgefühle entstehen. Typische Begleiterscheinungen sind zudem Kribbeln oder Empfindungsstörungen. Taubheit in den Zehen, Füßen und Beinen entsteht häufig bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule, genauer zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbelkörper sowie zwischen dem fünften Lendenwirbelkörper und dem Steißbein.

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Durchblutungsstörungen

Menschen mit Diabetes haben häufig Durchblutungsstörungen in den Beinen, die durch Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) verursacht werden. Neben Taubheitsgefühlen können zudem brennende Schmerzen, Missempfindungen sowie ein verringertes Schmerzempfinden in den Füßen und Zehen vorkommen. Verschiedene Risikofaktoren begünstigen die Verkalkung der Blutgefäße zusätzlich. Dazu zählen ein schlecht oder gar nicht eingestellter Diabetes, unbehandelter Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen und mangelnde Bewegung.

Alkohol- und Drogenkonsum

Alkohol- und Drogenmissbrauch können neben Mangelerscheinungen auch Nervenschäden verursachen. Sind die Nerven in den Beinen betroffen, kann es zu tauben Zehen kommen.

Morton Neurom

Hierbei handelt es sich um eine Verdickung der Nerven, genauer gesagt der bindegewebigen Anteile, im Mittelfuß. Dieses gutartige Nervengewebswachstum führt häufig neben brennenden und stechenden Schmerzen im Mittelfuß auch zu tauben Zehen. Das Morton Neurom ist eine der häufigsten Mittelfußerkrankungen bei Frauen und meist Folge einer Spreizfuß-Fehlstellung.

Chemotherapie-induzierte Neuropathie

Bestimmte Chemotherapeutika können die peripheren Nerven schädigen und eine Polyneuropathie auslösen. Diese macht sich meist zuerst an den Füßen bemerkbar. Typisch sind Taubheitsgefühle in den Zehen, begleitet von Kribbeln, Brennen oder Schmerzen. Im Verlauf der Behandlung breitet sich das Gefühl dann weiter Richtung Arme/Beine aus. Daneben sind Muskelkrämpfe, Muskelschwäche und Bewegungseinschränkungen möglich.

Multiple Sklerose (MS)

Bei MS greift das Immunsystem die Schutzhülle der Nervenfasern an. Störungen in der Reizweiterleitung sind die Folge.

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Weitere Ursachen

  • Erfrierungen: Grad 1 einer Erfrierung zeigt sich durch Blässe und Taubheit, häufig in Fingern oder Zehen, aufgrund mangelnder Durchblutung.
  • Polyneuropathie: Verschiedene Erkrankungen, die das periphere Nervensystem betreffen, können zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen in Beinen, Füßen oder Zehen führen. Diabetes mellitus ist ein wesentlicher Risikofaktor für Polyneuropathie, da unausgeglichene Blutzuckerwerte die Nerven schädigen können.
  • Tarsaltunnelsyndrom: Eine Einengung des Schienbeinnervs im Tarsalkanal kann zu Taubheitsgefühl, Kribbeln und/oder Schmerzen am inneren Fußrand führen.
  • Spinalkanalstenose: Eine Einengung des Wirbelkanals kann ähnliche Beschwerden wie ein Bandscheibenvorfall hervorrufen, einschließlich Kribbeln und/oder Taubheitsgefühl im Bein.
  • Restless-Legs-Syndrom: Die Betroffenen verspüren ein tiefsitzendes Kribbeln, Zuckungen und einen heftigen Bewegungsdrang in den Beinen, was sich in Ruhe, vor allem abends und nachts, verschlimmert.
  • Krampfadern (Varizen): Schweregefühl, Schmerzen, Jucken und/oder Kribbeln im Bein - genauer im Unterschenkel - können durch Krampfadern bedingt sein.
  • Schlaganfall: Plötzliche Taubheitsgefühle und Lähmungen auf einer Körperseite können auf einen Schlaganfall hinweisen.
  • Raynaud-Syndrom: Kälte oder Stress lösen Gefäßkrämpfe aus, die zu anfallsartigen Durchblutungsstörungen führen, vor allem in den Händen, manchmal auch an den Füßen.
  • Angst-/Panikattacken und Angststörungen (Phobien): Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle können begleitend zu Panikattacken oder Angstzuständen auftreten.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Gelegentliche Taubheitsgefühle in den Zehen, die nach einer Änderung der Position oder durch Lockern der Schuhe verschwinden, sind in der Regel harmlos. Es gibt jedoch bestimmte Situationen, in denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:

  • Taubheit setzt plötzlich ohne erkennbaren Grund ein.
  • Taube Zehen halten über einen längeren Zeitraum an.
  • Zusätzliche Symptome treten auf (zum Beispiel Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen, Schmerzen).
  • Sich die Taubheit über eine gesamte Körperhälfte ausbreitet.
  • Besteht Unsicherheit über die Ursache der tauben Zehen.
  • Wenn die Symptome länger anhalten, sich verschlimmern oder mit Schmerzen oder Schwellungen einhergehen.

Diagnose

Um die Ursache für taube Zehen zu ermitteln, wird der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben. Dabei werden Fragen zu den genauen Symptomen, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und möglichen Risikofaktoren gestellt. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der unter anderem die Sensibilität, Reflexe und Durchblutung der Füße überprüft werden.

Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein:

  • Neurologische Untersuchung: Um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
  • Blutuntersuchung: Um beispielsweise einen Vitamin-B12-Mangel, Diabetes oder Entzündungen festzustellen. Gemessen werden zum Beispiel: der Blutzuckerspiegel die Menge bestimmter Vitamine und Mineralstoffe Entzündungswerte
  • Elektrophysiologische Untersuchungen (Nervenleitgeschwindigkeit): Um die Nervenfunktion genauer zu beurteilen.
  • Bildgebende Verfahren (MRT, CT): Um beispielsweise einen Bandscheibenvorfall oder andere strukturelle Veränderungen der Wirbelsäule auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung von Taubheitsgefühl im Fuß richtet sich stets nach der zugrunde liegenden Ursache.

  • Falsches Schuhwerk: Ein Wechsel zu orthopädischen oder besser sitzenden Schuhen kann schnelle Linderung bringen.
  • Fußfehlstellungen: Einlagen können helfen, Fehlstellungen zu vermeiden.
  • Vitamin-B12-Mangel: Vitamin B12 kann durch Injektionen oder Tabletten zugeführt werden.
  • Diabetes: Bei Diabetes ist eine optimale Blutzuckerkontrolle entscheidend.
  • Durchblutungsstörungen: Bei Durchblutungsstörungen können durchblutungsfördernde Medikamente und Bewegungstherapie hilfreich sein.
  • Bandscheibenvorfall: Die Behandlung reicht von konservativen Maßnahmen wie Physiotherapie und Schmerzmittel bis hin zu operativen Eingriffen.
  • Morton Neurom: Die Behandlung kann konservativ mit Einlagen und Physiotherapie erfolgen oder operativ durch Entfernung des verdickten Nervengewebes.
  • Chemotherapie-induzierte Neuropathie: Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Nervenfunktion zu verbessern.
  • Schwere Fälle: In schwereren Fällen, wie bei Bandscheibenvorfällen oder chronischen Durchblutungsstörungen, kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein.

Diabetiker sollten ihre Füße regelmäßig kontrollieren und pflegen, um Schäden an den Nerven frühzeitig zu erkennen und Komplikationen vorzubeugen.

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Vorbeugung

Um einem tauben großen Zeh vorzubeugen, sollten einige Maßnahmen ergriffen werden. Dazu zählen eine gesunde Lebensweise, die Kontrolle von Blutzucker und Blutdruck, das Tragen von gut sitzendem Schuhwerk und die regelmäßige Bewegung.

Hier sind einige hilfreiche Tipps, um taube Zehen zu vermeiden:

  • Gut sitzendes Schuhwerk: Egal ob beim Spaziergang, Radfahren oder Joggen, mit dem richtigen Schuhwerk können Sie tauben Zehen optimal vorbeugen. Die Schuhe sollten Halt geben, dennoch die Füße genug Spielraum haben, um sich frei bewegen zu können. Wer sich nicht sicher ist, sollte sich in einem Schuhladen von qualifiziertem Personal beraten lassen. Zusätzlich können Einlegesohlen verwendet werden, die den Fuß im Schuh stützen und fehlerhafte Belastungen besser ausgleichen. Auch hier empfehlen wir Ihnen, sich beraten zu lassen.
  • Fußpflege: Regelmäßige Pflege der Füße und Zehen ist wichtig. Zu lange Nägel können zum Beispiel zu einer Veränderung der Belastung auf den Fuß führen, wodurch es zu Nervenstörungen kommen kann. Hier sollten Diabetespatienten besonders aufmerksam sein. Ein kleiner Schnitt in das Nagelbett kann schnell zu einer Entzündung werden.
  • Massagen: Regelmäßige Massagen an Fuß und Zehen sind empfehlenswert. Mögliche kleinere Verspannungen können so gelöst werden. In Kombination mit einem wohltuenden Fußbad sind Ihre Füße gut versorgt.
  • Mehr Bewegung: Bewegung ist gesund, auch für Ihre Füße. Kurze Wege zu Fuß erledigen oder Rad fahren, sorgen für eine gesunde Durchblutung und unterstützt den Körper dabei fit zu bleiben.

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