Taubheitsgefühle im Arm während des Reitens können verschiedene Ursachen haben und sollten nicht ignoriert werden. Dieser Artikel beleuchtet mögliche Gründe für dieses Phänomen, gibt Hinweise zur Diagnose und stellt Behandlungsansätze vor.
Ursachen für Taubheitsgefühle im Arm beim Reiten
Die Ursachen für Taubheitsgefühle im Arm beim Reiten können vielfältig sein und sowohl reiterliche als auch gesundheitliche Aspekte umfassen. Es ist wichtig, die genauen Symptome und Begleitumstände zu beachten, um die Ursache einzugrenzen.
Nervenkompression
Eine häufige Ursache für Taubheitsgefühle im Arm ist die Kompression von Nerven. Dies kann durch verschiedene Faktoren bedingt sein:
- Nervus peroneus: Obwohl dieser Nerv hauptsächlich das Bein betrifft, kann eine Schädigung des Nervus peroneus, der aus dem Ischiasnerv entspringt und Signale zu den Muskeln leitet, die den Fuß anheben, sowie das Gefühlsempfinden der Haut am seitlichen Unterschenkel und am Fußrücken vermittelt, indirekt zu Missempfindungen führen. Ursachen können langes Knien oder Übereinanderschlagen der Beine sein, was den Nerv einengen kann.
- Karpaltunnelsyndrom: Eine Überlastung des Handgelenks, beispielsweise durch stundenlanges Tippen oder handwerkliche Tätigkeiten, kann zu Verdickungen oder Schwellungen an den Sehnen führen, die Druck auf den Nerv ausüben.
- Schulter-Arm-Syndrom: Beschwerden an der Schulter können ebenfalls ein Kribbeln in Händen und Fingern auslösen, wenn verhärtete oder ungleich trainierte Muskulatur Nerven komprimiert oder einklemmt.
- Plexus brachialis: Dieses Armnerven-Geflecht, dessen Fasern das Rückenmark im Bereich der letzten drei Halswirbel und des ersten Brustwirbels verlassen, kann durch Verspannungen in der Hals- oder Schultermuskulatur komprimiert werden, was zu Taubheitsgefühlen führen kann.
- Kubitaltunnelsyndrom: Dieses Syndrom kann zu einem Kribbeln oder Taubheitsgefühl im kleinen Finger und Ringfinger führen, das sich auf die Handfläche und den Unterarm ausbreiten kann.
Haltungsfehler und Verspannungen
Eine falsche Körperhaltung beim Reiten kann zu Verspannungen führen, die wiederum Nerven einklemmen und Taubheitsgefühle verursachen können:
- Falsche Sitzposition: Eine ungünstige Sitzposition, beispielsweise das Einknicken in der Hüfte, kann zu einer ungleichmäßigen Belastung der Muskulatur führen und Nerven komprimieren.
- Falsche Steigbügellänge: Eine unpassende Steigbügellänge kann ebenfalls zu Verspannungen in Bein und Hüfte führen, die sich auf die Nervenbahnen auswirken können.
- Blockaden: Bewegungseinschränkungen oder Blockaden in der Wirbelsäule, insbesondere im Bereich der Hals- und Brustwirbelsäule, können die Nervenfunktion beeinträchtigen und Taubheitsgefühle verursachen.
Weitere mögliche Ursachen
Neben Nervenkompression und Haltungsfehlern gibt es weitere Faktoren, die Taubheitsgefühle im Arm beim Reiten begünstigen können:
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- Durchblutungsstörungen: Eine schlechte Durchblutung, beispielsweise durch zu enge Kleidung oder langes Verharren in einer Position, kann zu Taubheitsgefühlen führen.
- Stoffwechselerkrankungen: Diabetes, Vitamin-B12-Mangel oder Calciummangel können sich negativ auf die Nerven- und Gefäßfunktionen auswirken und Missempfindungen verursachen.
- Medikamente: Taubheitsgefühle können auch als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auftreten.
- Multiple Sklerose (MS): In seltenen Fällen kann MS, eine Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft, zu Taubheitsgefühlen und anderen neurologischen Symptomen führen.
- Schleudertrauma: Ein Schleudertrauma, beispielsweise durch einen Sturz vom Pferd, kann zu langfristigen Beschwerden führen, darunter auch Taubheitsgefühle in den Armen.
- Wobbler-Syndrom: Obwohl hauptsächlich bei Pferden bekannt, kann dieses Syndrom, das durch Nervenschädigungen im Bereich des Rückenmarks oder der Halswirbelsäule gekennzeichnet ist, auch Auswirkungen auf den Reiter haben, insbesondere wenn dieser durch die Erkrankung des Pferdes zu Ausgleichsbewegungen gezwungen wird.
Diagnose
Um die Ursache für Taubheitsgefühle im Arm beim Reiten zu finden, ist eine sorgfältige Diagnose erforderlich. Diese umfasst in der Regel:
- Anamnese: Der Arzt oder Therapeut wird Fragen zu den genauen Symptomen, Begleitumständen, Vorerkrankungen und reiterlichen Gewohnheiten stellen.
- Körperliche Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung kann helfen, die betroffenen Nerven zu identifizieren und andere mögliche Ursachen auszuschließen.
- Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Neurografie, ENG): Diese Untersuchung misst die Geschwindigkeit, mit der elektrische Signale durch die Nerven geleitet werden, und kann Hinweise auf Nervenkompressionen oder -schädigungen geben.
- Messung der Muskelaktivität (Elektromyografie, EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann helfen, Nervenschäden zu erkennen.
- Ultraschalluntersuchung (hochauflösende Nervensonografie): Diese Untersuchung kann Nervenstrukturen darstellen und Kompressionen oder andere Anomalien aufzeigen.
- Bildgebung der Kniekehle: In manchen Fällen kann eine Bildgebung der Kniekehle erforderlich sein, um andere Ursachen auszuschließen.
- Röntgenbild der Halswirbelsäule: Bei Verdacht auf das Wobbler-Syndrom kann ein Röntgenbild der Halswirbelsäule erstellt werden, um Veränderungen an den Wirbeln zu erkennen.
Behandlung
Die Behandlung von Taubheitsgefühlen im Arm beim Reiten richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Mögliche Behandlungsansätze sind:
- Konservative Therapie:
- Schonung: Bei akuten Beschwerden ist es wichtig, den Arm zu schonen und auslösende Aktivitäten zu vermeiden.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, Verspannungen zu lösen, die Muskulatur zu stärken und die Nervenfunktion zu verbessern.
- Ergonomische Anpassungen: Die Anpassung der Reitausrüstung und der Sitzposition kann dazu beitragen, Nervenkompressionen zu vermeiden.
- Medikamente: Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente oder Muskelrelaxantien können zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden.
- Peroneus-Schiene (Orthese): Bei ausbleibender spontaner Besserung kann eine Peroneus-Schiene (Orthese) verwendet werden.
- Akupunktur: Akupunktur kann in manchen Fällen helfen, die Nervenbahnen zu stimulieren.
- Operative Therapie: In manchen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Nervenkompressionen zu beseitigen oder andere strukturelle Probleme zu beheben.
- Dekompression: Bei einer Kompression wird der Nerv druckentlastet (Dekompression).
- Ganglionentfernung: Bei einer Kompression durch ein Ganglion kann operiert werden.
- Nervennaht: Falls der Nerv durchtrennt wurde, kann eine Operation durchgeführt und die Nervenstümpfe aneinandergenäht werden.
- Musculus-tibialis-posterior-Transfer: Wenn dauerhaft keine Besserung eintritt, gibt es eine weitere Möglichkeit, die Fußhebung wiederherzustellen: Dazu versetzt man ein Sehnenstück des Musculus tibialis posterior, in den Bereich des Fußrückens (Musculus-tibialis-posterior-Transfer).
Vorbeugung
Einige Maßnahmen können dazu beitragen, Taubheitsgefühlen im Arm beim Reiten vorzubeugen:
- Ergonomische Reitausrüstung: Achten Sie auf eine gut passende Reitausrüstung, die keine Druckstellen verursacht oder die Bewegungsfreiheit einschränkt.
- Korrekte Sitzposition: Arbeiten Sie an einer korrekten und entspannten Sitzposition, um Verspannungen zu vermeiden.
- Regelmäßige Bewegung: Sorgen Sie für ausreichend Bewegung und Dehnung, um die Muskulatur geschmeidig zu halten und die Durchblutung zu fördern.
- Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie einseitige Belastungen und Überlastungen des Handgelenks und der Schulter.
- Gesunde Lebensweise: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Stressabbau, um die Nervenfunktion zu unterstützen.
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