Methotrexat (MTX) ist ein Medikament, das zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt wird, darunter Krebs, rheumatoide Arthritis und Psoriasis. Es gehört zur Gruppe der Antimetabolite und wirkt, indem es die Zellteilung hemmt. Obwohl MTX wirksam sein kann, ist es wichtig, sich der möglichen Nebenwirkungen bewusst zu sein, insbesondere derer, die das Nervensystem betreffen.
Was ist Methotrexat?
Methotrexat ist ein Arzneistoff, der in hoher Dosierung bei zahlreichen Krebserkrankungen, in niedriger Dosierung unter anderem bei rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz kommt. Je nach verwendeter Dosis wirkt es zellteilungshemmend (zytostatisch) oder dämpfend auf das Immunsystem (immunsuppressiv) und entzündungshemmend (antiphlogistisch). Es wird in Kombination mit weiteren gegen Krebs wirksamen Arzneimitteln bei der Behandlung von Blutkrebs (Leukämien), Non-Hodgkin-Lymphomen und Tumoren verwendet. Methotrexat gehört zu der Gruppe der Antimetabolite. Antimetabolite sind künstlich hergestellte (synthetische) Substanzen. Sie greifen in den Zellzyklus ein. Die Wirkung des Methotrexats beruht auf der Hemmung des Enzyms Dihydrofolatreduktase, das ein Schlüsselenzym im Aufbau (Biosysynthese) der Folsäure darstellt.
Anwendungsgebiete von Methotrexat
Zu den Anwendungsgebieten (Indikationen) von Methotrexat gehören:
- Krebserkrankungen (u.a. akute lymphatische Leukämie, Non-Hodgkin-Lymphom, Brustkrebs, Lungenkrebs)
- Rheumatoide Arthritis (rheumatisch bedingte Gelenkentzündungen)
- schwere juvenile idiopathische Arthritis (rheumatische Gelenksentzündung im Kindes- und Jugendalter)
- schwere Schuppenflechte (Psoriasis)
- leichter bis mittelschwerer Morbus Crohn (allein oder in Kombination mit Kortikosteroiden)
Wie wirkt Methotrexat?
Methotrexat wirkt, indem es die Aktivierung von Folsäure hemmt, welche die Zellen des Immunsystems dringend zur Zellteilung benötigen. So wird die akute Entzündungsreaktion unterdrückt. Die Wirkung der Behandlung tritt aber erst ein bis zwei Monaten nach Behandlungsbeginn ein. Krebszellen (Tumorzellen) sind durch ihr schnelles Wachstum gekennzeichnet. Durch die Hemmung der Folsäurebildung kann Methotrexat also das Tumorwachstum blockieren. Auch hier kann durch die zusätzliche Gabe von Folinsäure die giftige Wirkung auf gesunde Körperzellen vermindert werden.
Mögliche Nebenwirkungen von Methotrexat auf das Nervensystem
Methotrexat kann sich auf das Nervensystem auswirken. Es kann Kopfschmerzen, Müdigkeit bis hin zu Benommenheit verursachen. Methotrexat, das in die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit - also intrathekal - verabreicht wird, kann zu einer akuten Entzündung der Spinnwebenhaut (Arachnoidea) im Gehirn führen, der mittleren der drei Hirnhäute. Tage bis Wochen nach der Methotrexat-Gabe kann sich die schädigende Wirkung auf das Nervensystem (Neurotoxizität) durch Halbseitenlähmung (Hemiparese), Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie), Schluckstörungen, Sprachstörungen, Krampfanfällen, Verwirrtheit und emotionalen Störungen äußern. Die chronische Form der Neurotoxizität tritt Monate bis Jahre nach Methotrexat-Gabe auf.
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Weitere mögliche neurologische Nebenwirkungen von Methotrexat sind:
- Kopfschmerzen: Dies ist eine häufige Nebenwirkung, die normalerweise mild ist und von selbst verschwindet.
- Müdigkeit: MTX kann Müdigkeit und Schwäche verursachen.
- Schwindel: Einige Patienten berichten über Schwindelgefühle während der Einnahme von MTX.
- Kognitive Beeinträchtigungen: MTX kann Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und Verwirrung verursachen.
- Reizbarkeit: Einige Patienten können während der MTX-Behandlung reizbarer oder stimmungsabhängiger sein.
- Depression: In seltenen Fällen kann MTX Depressionen oder Angstzustände verursachen.
- Krampfanfälle: MTX kann das Risiko von Krampfanfällen erhöhen, insbesondere bei Patienten mit einer Vorgeschichte von Krampfanfällen.
- Enzephalopathie: Dies ist eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung, die zu Verwirrung, Krampfanfällen und Koma führen kann.
- Leukenzephalopathie: Es liegen Berichte vor über das Auftreten von Leukenzephalopathie bei Patienten, die Methotrexat oral eingenommen haben.
Risikofaktoren für neurologische Nebenwirkungen
Bestimmte Faktoren können das Risiko für neurologische Nebenwirkungen von MTX erhöhen:
- Hohe MTX-Dosis: Höhere Dosen von MTX sind mit einem höheren Risiko für Nebenwirkungen verbunden.
- Nierenfunktionsstörung: MTX wird über die Nieren ausgeschieden. Wenn die Nieren nicht richtig funktionieren, kann sich MTX im Körper anreichern und das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen.
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Einige Medikamente können die Wirkung von MTX verstärken oder das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen.
- Alter: Ältere Menschen sind möglicherweise anfälliger für Nebenwirkungen von MTX.
- Vorherige neurologische Erkrankungen: Patienten mit einer Vorgeschichte von neurologischen Erkrankungen haben möglicherweise ein höheres Risiko, neurologische Nebenwirkungen von MTX zu entwickeln.
Vorbeugung und Behandlung von neurologischen Nebenwirkungen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, neurologischen Nebenwirkungen von MTX vorzubeugen oder sie zu behandeln:
- Niedrigstmögliche wirksame Dosis: Ihr Arzt sollte Ihnen die niedrigstmögliche Dosis von MTX verschreiben, die zur Kontrolle Ihrer Erkrankung erforderlich ist.
- Folsäure: Die Einnahme von Folsäure kann dazu beitragen, einige der Nebenwirkungen von MTX zu reduzieren, einschließlich neurologischer Nebenwirkungen.
- Regelmäßige Überwachung: Ihr Arzt sollte Sie regelmäßig auf Nebenwirkungen überwachen, einschließlich neurologischer Nebenwirkungen.
- Dosisanpassung: Wenn Sie neurologische Nebenwirkungen entwickeln, kann Ihr Arzt Ihre MTX-Dosis reduzieren oder das Medikament ganz absetzen.
- Symptomatische Behandlung: Einige neurologische Nebenwirkungen, wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit, können mit rezeptfreien Medikamenten oder anderen Behandlungen behandelt werden.
Wichtige Hinweise zur Einnahme von Methotrexat
- Nehmen Sie Methotrexat genau nach Anweisung Ihres Arztes ein.
- Informieren Sie Ihren Arzt über alle anderen Medikamente, die Sie einnehmen, einschließlich rezeptfreier Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.
- Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie Nierenprobleme oder andere gesundheitliche Probleme haben.
- Seien Sie sich der möglichen Nebenwirkungen von Methotrexat bewusst und informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie welche entwickeln.
- Gehen Sie regelmäßig zu Ihren Kontrollterminen, damit Ihr Arzt Ihre Behandlung überwachen und gegebenenfalls anpassen kann.
Methotrexat und Schwangerschaft
Wenden Sie MTX HEXAL 7.5mg Tabletten während der Schwangerschaft oder wenn Sie versuchen, schwanger zu werden, nicht an. Methotrexat kann zu Geburtsfehlern führen, das ungeborene Kind schädigen oder Fehlgeburten auslösen. Es wird mit Fehlbildungen des Schädels, des Gesichts, des Herzens und der Blutgefäße, des Gehirns und der Gliedmaßen in Verbindung gebracht. Daher ist es sehr wichtig, dass Methotrexat Schwangeren oder Patientinnen, die beabsichtigen, schwanger zu werden, nicht verabreicht wird. Bei Frauen im gebärfähigen Alter muss die Möglichkeit einer Schwangerschaft vor dem Beginn der Therapie durch geeignete Maßnahmen, wie z.B. einem Schwangerschaftstest, sicher ausgeschlossen werden. Sie müssen vermeiden, während der Behandlung mit Methotrexat und für mindestens 6 Monate nach Beendigung der Behandlung schwanger zu werden, indem Sie in diesem Zeitraum eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Falls Sie während der Behandlung doch schwanger werden oder vermuten, dass Sie schwanger sein könnten, wenden Sie sich so schnell wie möglich an Ihren Arzt. Sie sollten im Hinblick auf das Risiko schädlicher Wirkungen auf das Kind während der Behandlung beraten werden. Falls Sie schwanger werden möchten, sollten Sie Ihren Arzt konsultieren, der Sie vor dem geplanten Beginn der Behandlung an einen Spezialisten überweisen kann.
Methotrexat und männliche Fertilität
Die verfügbaren Daten weisen nicht auf ein erhöhtes Risiko an Fehlbildungen oder Fehlgeburten hin, wenn der Vater wöchentlich mit weniger als 30 mg Methotrexat behandelt wird. Allerdings kann ein Risiko nicht vollständig ausgeschlossen werden. Methotrexat kann genotoxisch sein. Das bedeutet, dass das Arzneimittel genetische Mutationen verursachen kann. Methotrexat kann die Produktion von Spermien beeinträchtigen, mit der Möglichkeit, Geburtsfehler zu verursachen. Daher sollten Sie vermeiden, während der Behandlung mit Methotrexat und für mindestens 3 Monate nach Beendigung der Behandlung ein Kind zu zeugen oder Samen zu spenden.
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