Valsartan 80: Ursachen und Behandlung von Taubheitsgefühlen

Valsartan ist ein Medikament, das zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Es gehört zu einer Klasse von Arzneimitteln, die als Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten (ARB) bekannt sind. Obwohl Valsartan im Allgemeinen gut verträglich ist, können bei einigen Patienten Nebenwirkungen auftreten, darunter auch Taubheitsgefühle. Dieser Artikel befasst sich mit den möglichen Ursachen von Taubheitsgefühlen im Zusammenhang mit Valsartan, den betroffenen Medikamenten, den Erfahrungen eines Patienten und den verschiedenen Aspekten der Behandlung von Bluthochdruck.

Betroffene Valsartan-haltige Arzneimittel

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) hat auf Rückrufe verschiedener Valsartan-haltiger Arzneimittel hingewiesen. Dazu gehören Produkte verschiedener Hersteller wie 1 A Pharma, AAA, AbZ, CT, Actavis, AL, Basics, Dexcel, Hennig, Heumann, Hexal, Hormosan, Puren, ratiopharm, Stada und Zentiva. Die Rückrufe betrafen unterschiedliche Dosierungen (40 mg, 80 mg, 160 mg, 320 mg) und Packungsgrößen von Filmtabletten, einschließlich Kombinationspräparaten mit Hydrochlorothiazid (HCT).

Mögliche Ursachen von Taubheitsgefühlen bei Valsartan-Einnahme

Taubheitsgefühle können eine beunruhigende Nebenwirkung von Medikamenten sein. Im Zusammenhang mit Valsartan gibt es mehrere mögliche Ursachen:

  • Nebenwirkungen des Medikaments: Valsartan kann selbst als Nebenwirkung Kribbeln oder Taubheitsgefühle verursachen. In der Packungsbeilage werden diese Symptome als gelegentlich auftretende Nebenwirkungen aufgeführt.
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Die gleichzeitige Einnahme von Valsartan mit anderen Medikamenten kann zu Wechselwirkungen führen, die Taubheitsgefühle auslösen. Beispielsweise kann die Kombination mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen die Wirkung von Valsartan abschwächen.
  • Elektrolytstörungen: Valsartan, insbesondere in Kombination mit Hydrochlorothiazid (HCT), kann zu Elektrolytstörungen wie niedrigem Natrium- oder Kaliumspiegel im Blut führen. Ein niedriger Natriumspiegel (Hyponatriämie) kann in schweren Fällen Müdigkeit, Verwirrung, Muskelzuckungen und/oder Krämpfe hervorrufen. Ein niedriger Kaliumspiegel (Hypokaliämie) kann Muskelschwäche, Muskelkrämpfe und anormale Herzrhythmen verursachen. Diese Elektrolytstörungen können sich als Taubheitsgefühle äußern.
  • Kreislaufstörungen: Valsartan kann den Blutdruck senken und in seltenen Fällen zu Schwindel oder orthostatischer Hypotonie (Kreislaufstörungen aufgrund niedrigen Blutdrucks) führen. Diese Kreislaufstörungen können ebenfalls Taubheitsgefühle verursachen.
  • Vitamin B12-Mangel: Ein Mangel an Vitamin B12 kann ebenfalls Taubheitsgefühle verursachen. Einige Medikamente, die bei Bluthochdruck eingesetzt werden, können die Aufnahme von Vitamin B12 beeinträchtigen.
  • Nervenschäden: In seltenen Fällen können Taubheitsgefühle auf Nervenschäden zurückzuführen sein, die nicht direkt mit Valsartan in Verbindung stehen, sondern durch andere Faktoren wie Diabetes oder Verletzungen verursacht werden.

Der Fall eines Patienten: Eine detaillierte Analyse

Ein 46-jähriger Mann mit Übergewicht und einer Vorgeschichte von Bluthochdruck schildert seine Erfahrungen mit verschiedenen Medikamenten. Bei ihm wurde schon in jungen Jahren Bluthochdruck diagnostiziert. Zunächst lehnte er Betablocker ab, nahm sie aber später auf Anraten seines Hausarztes ein. Er bemerkte jedoch eine Gewichtszunahme und Müdigkeit. Nach zwei aufeinanderfolgenden transitorischen ischämischen Attacken (TIA) wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert. Dort wurden seine Medikamente umgestellt, wobei die Betablocker abgesetzt und durch andere Medikamente ersetzt wurden.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus litt der Patient weiterhin unter Beschwerden, darunter ein Taubheitsgefühl in der Brust. Nachdem er die Betablocker abgesetzt hatte, wurden ihm Valsartan 80mg/12,5mg verschrieben. Obwohl sich seine Beschwerden in den folgenden Tagen besserten, waren sie immer noch spürbar. Er setzte Valsartan schließlich ab und erlebte einen Blutdruckanstieg, der mit Nifedipin behandelt wurde. Nach dem Absetzen der Betablocker traten Atemnot und andere Symptome auf, die zu einem Krankenhausaufenthalt führten.

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Letztendlich fand der Patient eine Kombination aus Valsartan 160 mg ohne Betablocker, die seinen Blutdruck kontrollierte und seine Atemnot beseitigte. Dieser Fall verdeutlicht die Komplexität der Bluthochdruckbehandlung und die Bedeutung der individuellen Anpassung der Medikation.

Valsartan und Hydrochlorothiazid (HCT): Eine Kombinationstherapie

Valsartan wird oft in Kombination mit Hydrochlorothiazid (HCT) eingesetzt, einem Diuretikum, um die blutdrucksenkende Wirkung zu verstärken. Diese Kombination ist als Valsartan/HCT-Kombinationspräparat erhältlich.

Wirkungsweise von Valsartan und HCT

  • Valsartan: Valsartan gehört zu den Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten (ARB). Es blockiert die Wirkung von Angiotensin II, einer körpereigenen Substanz, die die Blutgefäße verengt und den Blutdruck erhöht. Durch die Blockade von Angiotensin II erweitert Valsartan die Blutgefäße und senkt den Blutdruck.
  • Hydrochlorothiazid (HCT): HCT ist ein Thiazid-Diuretikum, das die Ausscheidung von Natrium, Kalium und Chlorid-Ionen aus dem Körper fördert. Dadurch wird vermehrt Wasser ausgeschieden, was das Blutvolumen reduziert und den Blutdruck senkt.

Anwendung von Valsartan/HCT

Das Kombinationspräparat Valsartan/HCT wird zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, wenn dieser durch eine einzelne Substanz nicht ausreichend kontrolliert werden konnte. Es kann eine größere blutdrucksenkende Wirkung erzielt werden und die Therapietreue der Patienten verbessern, da sie weniger Tabletten einnehmen müssen.

Mögliche Nebenwirkungen von Valsartan/HCT

Wie alle Arzneimittel kann auch Valsartan/HCT Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören:

  • Gelegentlich: Husten, niedriger Blutdruck, Benommenheit, Austrocknung, Muskelschmerzen, Müdigkeit, Kribbeln oder Taubheitsgefühl, verschwommenes Sehen, Ohrgeräusche.
  • Selten: Schwindel, Durchfall, Gelenkschmerzen.
  • Häufigkeit nicht bekannt: Schwierigkeiten beim Atmen, stark herabgesetzte Urinmenge, niedriger Natrium- oder Kaliumspiegel im Blut, niedriger Spiegel an weißen Blutkörperchen, erhöhter Bilirubin-, Harnstoff-Stickstoff- oder Kreatininspiegel im Blut, erhöhter Harnsäurespiegel im Blut, Synkope (Ohnmachtsanfall).

Es ist wichtig, dass Patienten alle Nebenwirkungen ihrem Arzt melden.

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Wichtige Hinweise zur Einnahme von Valsartan/HCT

  • Nehmen Sie Valsartan/HCT immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein.
  • Ändern Sie die Dosis nicht und beenden Sie die Behandlung nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt.
  • Personen mit hohem Blutdruck bemerken oft keine Anzeichen davon. Es ist wichtig, dass Sie die Termine bei Ihrem Arzt einhalten, auch wenn Sie sich wohl fühlen.
  • Informieren Sie Ihren Arzt über alle anderen Medikamente, die Sie einnehmen, um Wechselwirkungen zu vermeiden.
  • Achten Sie auf Anzeichen von Elektrolytstörungen wie Muskelschwäche, Muskelkrämpfe oder Verwirrung.
  • Vermeiden Sie übermäßige UV-Strahlung, da HCT die Empfindlichkeit der Haut gegenüber dem Sonnenlicht erhöhen kann.

Alternativen zu Valsartan

Wenn Valsartan aufgrund von Nebenwirkungen oder anderen Gründen nicht geeignet ist, gibt es verschiedene Alternativen zur Behandlung von Bluthochdruck:

  • ACE-Hemmer: ACE-Hemmer wirken ähnlich wie ARB, indem sie die Wirkung von Angiotensin II blockieren. Beispiele sind Enalapril, Lisinopril und Ramipril.
  • Betablocker: Betablocker senken den Blutdruck und die Schlagfolge des Herzens. Sie werden häufig bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Beispiele sind Metoprolol, Bisoprolol und Atenolol.
  • Kalziumkanalblocker: Kalziumkanalblocker erweitern die Blutgefäße und senken den Blutdruck. Es gibt zwei Haupttypen: Dihydropyridine (z. B. Amlodipin) und Nicht-Dihydropyridine (z. B. Verapamil, Diltiazem).
  • Diuretika: Diuretika erhöhen die Ausscheidung von Wasser und Natrium über die Nieren, wodurch das Blutvolumen reduziert und der Blutdruck gesenkt wird. Beispiele sind Hydrochlorothiazid, Furosemid und Spironolacton.

Die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Alter des Patienten, Begleiterkrankungen, andere Medikamente und individuelle Vorlieben.

Weitere Ursachen für Taubheitsgefühle

Es ist wichtig zu beachten, dass Taubheitsgefühle viele Ursachen haben können, die nicht mit Valsartan in Verbindung stehen. Dazu gehören:

  • Neurologische Ursachen: Multiple Sklerose, Schlaganfall, transitorische ischämische Attacke (TIA), Karpaltunnelsyndrom, periphere Neuropathie.
  • Metabolische Ursachen: Diabetes, Vitaminmangel (z. B. Vitamin B12), Schilddrüsenerkrankungen.
  • Infektiöse Ursachen: Gürtelrose, Lyme-Borreliose.
  • Andere Ursachen: Angstzustände, Hyperventilation, Raynaud-Syndrom.

Wenn Sie unter Taubheitsgefühlen leiden, ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung zu erhalten.

Empfehlungen für Patienten

Wenn Sie Valsartan einnehmen und Taubheitsgefühle verspüren, sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:

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  • Konsultieren Sie Ihren Arzt: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Symptome. Er kann feststellen, ob die Taubheitsgefühle auf Valsartan, eine andere Ursache oder eine Wechselwirkung mit anderen Medikamenten zurückzuführen sind.
  • Überprüfen Sie Ihre Medikamente: Stellen Sie sicher, dass Ihr Arzt über alle Medikamente informiert ist, die Sie einnehmen, einschließlich rezeptfreier Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.
  • Achten Sie auf Elektrolytstörungen: Achten Sie auf Anzeichen von Elektrolytstörungen wie Muskelschwäche, Muskelkrämpfe oder Verwirrung.
  • Messen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig: Überwachen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig und informieren Sie Ihren Arzt über alle Veränderungen.
  • Ändern Sie Ihre Medikation nicht eigenmächtig: Setzen Sie Valsartan nicht ab und ändern Sie die Dosis nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt.
  • Führen Sie einen gesunden Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und ausreichend Schlaf kann dazu beitragen, den Blutdruck zu senken und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

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