Magnesiummangel und Taubheitsgefühl: Ursachen, Symptome und Behandlung

Magnesium ist ein essenzieller Mineralstoff, der für zahlreiche Körperfunktionen unerlässlich ist. Ein Mangel an Magnesium kann vielfältige Symptome auslösen, darunter Muskelkrämpfe, Zuckungen, Herzrhythmusstörungen, Müdigkeit und in einigen Fällen auch Taubheitsgefühle. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Magnesiummangel, insbesondere im Zusammenhang mit Taubheitsgefühlen.

Warum ist Magnesium wichtig?

Magnesium ist eines der sieben essenziellen Makromineralien, die der Mensch in relativ großen Mengen benötigt. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) brauchen erwachsene Frauen ab 25 Jahren durchschnittlich 300 Milligramm Magnesium pro Tag, während erwachsene Männer 350 Milligramm pro Tag benötigen. Magnesium kommt in jeder Körperzelle und im Blut vor und ist an hunderten wichtigen Prozessen im Körper beteiligt, insbesondere solchen, die mit Enzymen verbunden sind. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Energieproduktion, Muskelkontraktion, Nervenfunktion, Knochenaufbau und der Regulierung des Kalzium- und Kaliumhaushaltes.

Ursachen für Magnesiummangel

Ein Magnesiummangel (Hypomagnesiämie) kann verschiedene Ursachen haben:

  • Ernährungsbedingt: Eine mangelhafte Magnesiumversorgung kann durch eine zu geringe Zufuhr von magnesiumreichen Lebensmitteln entstehen. Dies kann durch eine einseitige Ernährung, Mangelernährung oder Essstörungen bedingt sein.
  • Erhöhter Bedarf: In bestimmten Lebensphasen oder Situationen kann der Magnesiumbedarf erhöht sein, beispielsweise bei Sportlern, Schwangeren und Stillenden. Auch Stress kann den Magnesiumbedarf erhöhen.
  • Erkrankungen: Bestimmte Erkrankungen können zu einem überdurchschnittlichen Magnesiumbedarf oder einer erhöhten Ausscheidung von Magnesium führen. Dazu gehören:
    • Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn, Zöliakie oder regionale Enteritis
    • Akute oder chronische Diarrhöe
    • Erkrankungen der Nebenschilddrüse und Hyperaldosteronismus
    • Diabetes (Typ-2-Diabetes)
    • Chronische Nierenerkrankungen
  • Medikamente: Die Einnahme bestimmter Medikamente kann einen Mangel an Magnesium bedingen. Dazu gehören beispielsweise:
    • Chemotherapeutika
    • Protonenpumpenhemmer
    • Diuretika
    • Bisphosphonate
    • Antibiotika (insbesondere Gentamicin)
  • Genetische Bedingungen: Bei etwa 0,5 % der Bevölkerung sind die Gene für einen Magnesiummangel verantwortlich. In diesem Fall besteht eine Veränderung des Gens CNNM2, das mitverantwortlich für die Regulierung des Magnesiumspiegels ist.
  • Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum kann zu einem Mangel an Magnesium führen.
  • Operationen: Nach Operationen wie beispielsweise einer Magenbypass-Operation oder Operationen an den Nebenschilddrüsen oder der Schilddrüse kann als Folge das sogenannte Hungry-Bone-Syndrom mit einem Mangel an Magnesium auftreten.

Symptome von Magnesiummangel

Magnesiummangel ist oft nicht leicht zu erkennen, da viele Symptome unspezifisch sind oder sich erst bei ausgeprägter Hypomagnesiämie zeigen. Die Symptome können vielfältig sein und sowohl muskuläre, neurologische als auch psychische Bereiche betreffen.

Häufige Symptome:

  • Muskuläre Symptome:
    • Muskelkrämpfe (insbesondere Wadenkrämpfe)
    • Muskelzuckungen (z.B. Augenlidzucken)
    • Muskelverspannungen (insbesondere im Nacken- und Schulterbereich)
    • Muskelschwäche
  • Neurologische Symptome:
    • Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Extremitäten (Arme, Beine, Hände, Füße)
    • Krampfanfälle
    • Schwindel
    • Kopfschmerzen
    • Migräne
  • Psychische Symptome:
    • Innere Unruhe
    • Schlafstörungen
    • Konzentrationsschwäche
    • Reizbarkeit
    • Depressive Verstimmungen
    • Angstzustände
  • Herz-Kreislauf-Symptome:
    • Herzrhythmusstörungen (Herzrasen, Herzstolpern)
    • Erhöhter Blutdruck
    • Koronarkrämpfe
  • Weitere Symptome:
    • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
    • Appetitlosigkeit
    • Übelkeit und Erbrechen
    • Vermehrte Knochenbrüche

Taubheitsgefühl und Kribbeln als Symptom

Ein häufiges, aber oft übersehenes Symptom von Magnesiummangel ist das Auftreten von Taubheitsgefühlen und Kribbeln in den Extremitäten. Dies wird in der Fachsprache als Parästhesie bezeichnet. Wenn das Nervensystem mit Magnesium unterversorgt ist, kann es zu Durchblutungsstörungen in Armen und Beinen kommen. Insbesondere Risikogruppen, die zusätzlich unter Gefäßerkrankungen oder Diabetes leiden bzw. regelmäßig rauchen, sind eher von diesen Symptomen des Magnesiummangels betroffen.

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Wichtiger Hinweis: Taubheitsgefühle und Kribbeln können auch andere Ursachen haben, wie z.B. Durchblutungsstörungen, eingeklemmte Nerven, Vitaminmangel oder neurologische Erkrankungen. Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden sollte daher immer ein Arzt aufgesucht werden, um die genaue Ursache abzuklären.

Diagnose von Magnesiummangel

Besteht der Verdacht auf einen Magnesiummangel, wird der Arzt zunächst eine eingehende Anamnese durchführen und nach den Symptomen, Vorerkrankungen, der Lebenssituation und den Ernährungsgewohnheiten fragen. Ergänzend wird eine Testung des Bluts oder des Urins vorgenommen. Ein Mangel besteht dann, wenn der Magnesiumgehalt im Blut weniger als 0,65 mmol/l bzw. im Harn weniger als 3,0 mmol/l beträgt.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Magnesiumwerte im Blut nur etwa ein Prozent des gesamten Körpermagnesiums abbilden, da sich der größte Anteil an Magnesium in Zellen, Muskeln und Knochen befindet. Daher kann ein Magnesiummangel im Blut oft erst spät nachgewiesen werden.

Behandlung von Magnesiummangel

Die Behandlung eines Magnesiummangels richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad des Mangels.

  • Ernährungsumstellung: Bei einem leichten Magnesiummangel kann es ausreichend sein, die Ernährung umzustellen und mehr magnesiumreiche Lebensmittel zu sich zu nehmen.
  • Magnesiumpräparate: Bei einem stärkeren Mangel oder wenn die Ernährungsumstellung nicht ausreicht, können Magnesiumpräparate eingenommen werden. Diese sind in verschiedenen Formen erhältlich (z.B. Tabletten, Kapseln, Brausetabletten, Pulver) und enthalten unterschiedliche Magnesiumverbindungen (z.B. Magnesiumoxid, Magnesiumcitrat, Magnesiumchlorid). Magnesium aus Citrat- und Chloridformulierungen wird vom Körper in der Regel besser aufgenommen als aus der Oxidformulierung.
  • Intravenöse Magnesiumgabe: In schweren Fällen, insbesondere bei lebensbedrohlichen Symptomen wie Herzrhythmusstörungen oder Krampfanfällen, kann Magnesium intravenös verabreicht werden.

Wichtiger Hinweis: Die Einnahme von Magnesiumpräparaten sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen, um eine Überdosierung zu vermeiden.

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Magnesiumreiche Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung mit magnesiumreichen Lebensmitteln ist die beste Grundlage, um einem Magnesiummangel vorzubeugen. Zu den besten Magnesiumquellen gehören:

  • Nüsse und Samen: Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Leinsamen, Sesam, Cashews, Mandeln, Erdnüsse, Haselnüsse
  • Hülsenfrüchte: Kichererbsen, Bohnen, Erbsen
  • Vollkornprodukte: Haferflocken, Quinoa, Naturreis, Vollkornbrot
  • Grünes Gemüse: Spinat, Brokkoli
  • Dunkle Schokolade: Kakaopulver, Bitterschokolade
  • Mineralwasser: Magnesiumreiches Mineralwasser

Tipps zur Verbesserung der Magnesiumaufnahme

Bestimmte Nährstoffe und Bedingungen können die Magnesiumaufnahme begünstigen oder beeinträchtigen. Um die Magnesiumaufnahme zu verbessern, können folgende Tipps hilfreich sein:

  • Magnesiumhaltige Nahrung zu sich nehmen.
  • Zwei Stunden vor oder nach dem Verzehr von magnesiumhaltigen Lebensmitteln kalziumhaltige Lebensmittel reduzieren oder vermeiden.
  • Auf hochdosierte Zinkpräparate verzichten.
  • Einen Vitamin-D-Mangel behandeln.
  • Rohes anstatt gekochtes Gemüse verzehren.
  • Auf Rauchen und Alkohol verzichten.
  • Magnesiumreiches Mineralwasser trinken.
  • Regelmäßig bewegen.

Magnesiummangel vorbeugen

Um einem Magnesiummangel vorzubeugen, ist es wichtig, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und ausreichend magnesiumreiche Lebensmittel zu sich zu nehmen. In bestimmten Situationen, wie z.B. bei Sport, Stress oder Schwangerschaft, kann der Magnesiumbedarf erhöht sein. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, zusätzlich Magnesiumpräparate einzunehmen, jedoch immer in Absprache mit einem Arzt.

Regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum können ebenfalls dazu beitragen, den Magnesiumhaushalt positiv zu beeinflussen.

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