Es ist nicht ungewöhnlich, dass Gliedmaßen einschlafen. Viele Menschen haben damit ab und an zu tun. Manche zum Beispiel, wenn sie mit der Hand unter dem Kopf schlafen, andere, wenn sie längere Zeit im Schneidersitz verbringen oder die Beine überschlagen. Gewöhnliches Einschlafen macht sich durch ein taubes Gefühl oder Kribbeln bemerkbar, das schnell verschwindet, wenn man den Fuß oder die Hand bewegt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Taubheitsgefühlen, insbesondere in Verbindung mit Schlafmangel, und bietet Lösungsansätze zur Verbesserung des Wohlbefindens.
Ursachen für Taubheitsgefühle
Druck auf Nerven und Durchblutungsstörungen
Bei eingeschlafenen Füßen oder Händen spielt Druck auf die Nerven eine Rolle. Verharrt man zum Beispiel länger in einer ungünstigen Sitzposition, kann es sein, dass ein Nerv eingeengt und schlecht durchblutet wird. Ist der Nerv nicht mehr in der Lage, Reizsignale richtig an das Gehirn weiterzuleiten, bekommt man die gestörte Reizleitung als Kribbeln zu spüren. Ist die falsche Haltung schuld, genügt es, die Körperlage zu ändern und so den Druck von der betroffenen Stelle zu nehmen. Geschieht das nicht sofort, kommt es allmählich zu Taubheitsgefühlen. Verschwindet der Druck rechtzeitig, zieht das Ganze keine bleibenden Schäden nach sich. Das unangenehme Kribbeln, das manche als Ameisenlaufen beschreiben, dauert zwar noch eine Zeit lang an, vergeht aber wieder.
Durchblutungsstörungen sind eine sehr häufige Ursache für eingeschlafene Arme und verursachen eine kurzzeitige Unterbrechung der Blutzufuhr, wenn man längere Zeit auf dem Arm oder der Hand liegt. Sobald man seine Position ändert, kehrt das Gefühl in den Gliedmaßen zurück. Bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen können ebenfalls zu Durchblutungsstörungen führen und sollten bei häufigem Auftreten ärztlich untersucht werden.
Eingeklemmter Nerv
In bestimmten Liegepositionen, vor allem am Bauch und im Seitenbereich, kommt es häufig zum Problem, dass Hände und Arme unter dem Körper eingequetscht werden. Durch den Druck wird die Verbindung zwischen Gehirn und Nerv kurzzeitig unterbrochen, es kommt zum Kribbeln und zu Taubheit. Tritt das Kribbeln sehr häufig auf, könnte dies ein Hinweis auf chronische Nervenschäden und eine Polyneuropathie sein, welche abgeklärt werden sollte.
Ungünstige Liegeposition
Eine ungünstige Liegeposition kann den Schlaf enorm beeinträchtigen. Die "eingeschlafenen" Gliedmaßen sind dann ein Anzeichen für eine Fehlbelastung und eine beeinträchtige Reizweiterleitung.
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Vitaminmangel und Karpaltunnelsyndrom
Ein Vitaminmangel, vor allem ein Mangel an Vitamin B1, B9 oder B12 sowie ein Eisen- oder Magnesiummangel, kann manchmal ein Grund für Missempfindungen in den Armen oder Beinen sein.
Beim Karpaltunnelsyndrom ist der Mittelhandnerv an der Innenseite des Handgelenks eingeklemmt und kann zum Beispiel durch Überbelastung, Entzündungen oder andere Erkrankungen ausgelöst werden. Das nächtliche Kribbeln in den Armen kann sich zu starken Schmerzen ausbreiten und bis in die Schulter ausstrahlen. Eine ärztliche Untersuchung ist hier unbedingt notwendig.
Weitere Ursachen
Weitere Ursachen können unter anderem auch Erkrankungen der Wirbelsäule, Migräne, Rheuma oder Multiple Sklerose sein.
Symptome und Begleiterscheinungen
Oft kommt es nur zu einem Kribbeln in den Händen - je nach Ursache können aber noch weitere Symptome hinzukommen:
- Verspannungen
- Rückenschmerzen
- Schmerzen in den Händen
- Missempfindungen
- Taubheitsgefühle der Hände und Arme
- Gefühl von Nadelstichen in den Händen
- Schwächegefühl
- Kopfschmerzen
- Koordinationsprobleme
- Herzrasen
Sollte auch nur ein leichter Verdacht auf eine andere schwerwiegende Ursache bestehen, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.
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Schlafmangel: Ein weit verbreitetes Problem
Schlafen ist so wichtig für uns wie Atmen, Trinken und Essen. Doch manchmal bekommen wir einfach nicht genug Schlaf. Die Folgen des Schlafmangels bemerken die meisten direkt am nächsten Tag. Gesunder Schlaf ist während der gesamten Lebenszeit wichtig für unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden sowie unsere Sicherheit. Dafür ist es unter anderem nötig, genügend Schlaf zu bekommen. Für Erwachsene lautet die Empfehlung, circa sieben bis neun Stunden nachts zu schlafen. Doch die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) aus dem Jahr 2013 kam zu dem Ergebnis, dass nicht jeder die empfohlene Schlafdauer erreicht. In einem Untersuchungszeitraum von vier Wochen schliefen durchschnittlich 12,3 Prozent der Erwachsenen in Deutschland effektiv weniger als fünf Stunden pro Nacht. Was viele nicht wissen: Schlafmangel kann eine Vielzahl negativer Folgen für Körper und Psyche haben.
Schlafmangel vs. Schlafentzug
Wenn es um Schlafmangel geht, taucht häufig auch der Begriff Schlafentzug auf. Beide Begriffe meinen Ähnliches, und zwar den Zustand, in dem eine Person nicht genug Schlaf bekommt. Doch sind sie voneinander abzugrenzen. Schlafmangel fasst die Situation etwas weiter. Er liegt vor, wenn einer oder mehrere der folgenden Punkte zutreffen:
- Sie bekommen nicht genug Schlaf (Schlafentzug).
- Sie schlafen zu ungünstigen Tageszeiten, zum Beispiel tagsüber als Folge von Schichtarbeit.
- Sie schlafen nicht gut oder bekommen nicht alle Arten von Schlaf (wie zum Beispiel die REM-Schlafphase, in der die meisten Träume stattfinden, oder die Non-REM-Schlafphasen, also von der Einschlaf- bis zur Tiefschlafphase), die Ihr Körper braucht.
- Sie haben eine Schlafstörung, die Sie daran hindert, genügend Schlaf zu bekommen, oder die eine schlechte Schlafqualität verursacht.
Was letztendlich „zu wenig Schlaf“ ist, kann nicht genau definiert werden. Das unterscheidet sich von Person zu Person. Jedoch ist es hilfreich, sich an den allgemeinen Empfehlungen zu orientieren.
Was passiert bei Schlafmangel im Körper?
Während wir schlafen, laufen unbemerkt viele wichtige Prozesse im Körper ab. Zum Beispiel finden im Gehirn notwendige Reinigungsarbeiten statt. Wachstumshormone werden ausgeschüttet, die für die Regeneration und das Wachstum von Knochen, Muskeln und Organen wichtig sind, und die Immunabwehr arbeitet verstärkt. Kommt es jedoch zu einer Störung des Nachtschlafs, ob in Dauer oder Qualität, können die für unsere Erholung wichtigen Prozesse und Regulationen nicht reibungslos ablaufen. Die Folgen davon spüren wir bereits am nächsten Morgen. Häufigere Störungen können sich auf den gesamten Körper auswirken und schwerwiegende Auswirkungen haben.
Symptome von Schlafmangel
Selbst ein Defizit von nur ein bis zwei Stunden pro Nacht kann sich schon bemerkbar machen. Während Erwachsene eher mit Müdigkeit und Schläfrigkeit reagieren, fahren Kinder hoch. Sie werden aktiver und impulsiver. Auch Konzentrationsschwierigkeiten und hyperaktives Verhalten gehören zu den typischen Symptomen.
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Schlafmangel-Symptome bei Kindern:
- Benommenheit und Müdigkeit beim Aufwachen
- Widerwillen, morgens aufzustehen
- Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit
- Wutausbrüche
- hyperaktives Verhalten
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Einschlummern am Tag
Schlafmangel und Schlafdefizit kann jede Person, in jedem Alter, betreffen. Bestimmte Personengruppen sind dabei besonders risikobehaftet:
- Personen, die nur wenig Zeit zum Schlafen haben, zum Beispiel Menschen mit mehreren Jobs oder Pflegepersonal
- Personen mit Arbeitszeiten oder Tagesabläufen, die nicht zu ihrer inneren Uhr passen, zum Beispiel Schichtarbeiter und -arbeiterinnen oder Jugendliche, die früh zur Schule gehen müssen
- Personen mit einem Lebensstil, der Schlaf verhindert, zum Beispiel durch Missbrauch von Drogen oder Medikamenten
- Personen mit nicht diagnostizierten oder unbehandelten medizinischen Problemen, die den Schlaf beeinträchtigen, wie zum Beispiel Stress, Angstzustände oder Schlafapnoe.
Folgen von Schlafmangel
Schlafmangel kann vielfältige Auswirkungen auf den Alltag haben, privat sowie beruflich:
- Personen, die wenig oder nicht gut schlafen, sind tagsüber weniger produktiv, was zu Beeinträchtigung bei der Arbeit und in der Schule führen kann. Sie brauchen länger für Aufgaben, sind weniger motiviert, zeigen eine verringerte Reaktionszeit und machen mehr Fehler. Außerdem können sie sich schlechter konzentrieren, Entscheidungen treffen fällt ihnen schwerer und das Gedächtnis arbeitet weniger gut.
- Schlafmangel kann zu Sekundenschlaf führen - sehr kurze, unkontrollierbare Momente des Schlafens. Betroffene können sich das Phänomen meist nicht erklären; sie bemerken es erst, wenn sie wieder aufwachen und sind dann irritiert. Sekundenschlaf ist besonders gefährlich beim Autofahren. Durch die reduzierte Reaktionszeit ist Autofahren in müdem Zustand insgesamt gefährlich. Schlafmangel wirkt sich ähnlich wie Alkohol oder sogar stärker auf die Fahrtauglichkeit aus. Es gibt Hinweise darauf, dass bei einem Viertel aller schweren und tödlichen Autounfällen Müdigkeit eine Rolle gespielt hat. Außerdem ist das Unfallrisiko allgemein erhöht.
- Speziell für Kinder und Jugendliche, die noch einen erhöhten Schlafbedarf haben, kann ein Schlafdefizit weitere Auswirkungen haben. Schlafmangel führt bei ihnen aufgrund der Konzentrationsschwierigkeiten und Reizbarkeit häufig zu Schulproblemen. Forschende fanden zudem einen möglichen Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Schulnoten heraus. Kinder, die regelmäßig gute bis sehr gute Noten bekamen, schliefen durchschnittlich eine halbe Stunde länger als Schüler und Schülerinnen mit schlechteren Noten. Weiter haben Teenager mit chronischem Schlafmangel eher Probleme mit der Impulskontrolle, was zu risikoreichem Verhalten führt.
Schlafmangel begünstigt Krankheiten
Schlafen Personen über einen längeren Zeitraum zu wenig, leiden sie also unter einem chronischen Schlafmangel, geht davon neben den direkten Auswirkungen wie der Tagesschläfrigkeit auch ein erhöhtes Risiko für Krankheiten einher. So haben zum Beispiel Jugendliche mit Schlafproblemen ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS). Ungenügender Schlaf wird außerdem mit vielen chronischen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, darunter Herz- und Nierenerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, Schlaganfälle, Fettleibigkeit. Auch bei Erwachsenen kann sich Schlafmangel auf die psychische Gesundheit auswirken. Chronischer Schlafmangel kann zu Erkrankungen führen, die die Lebenserwartung verringern. Es kommt zu Empfindungen, die sich nicht durch einen äußeren Reiz erklären lassen, es handelt sich um Fehlempfindungen, die auf der Reizung oder Schädigung von Nervenfasern beruhen.
Der Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Taubheitsgefühlen
Schlafmangel kann indirekt zu Taubheitsgefühlen beitragen. Durch den Mangel an Erholung können Muskelverspannungen entstehen, die wiederum Nerven einklemmen und Durchblutungsstörungen verursachen. Zudem kann Schlafmangel die Schmerzwahrnehmung erhöhen, was dazu führt, dass Missempfindungen stärker wahrgenommen werden.
T-Rex-Arme und Schlafpositionen
Das Phänomen der "T-Rex-Arme" oder "Dinosaurier-Hände", bei dem Menschen unbewusst die Arme anwinkeln und die Hände unter das Kinn ziehen, kann ebenfalls zu Taubheitsgefühlen führen. Diese ungünstige Schlafhaltung führt häufig dazu, dass die Finger steif und taub werden. Die verkrampften Muskeln stören den Schlaf und können zu einem Gefühl des "Gerädertseins" am Morgen führen.
Die meisten Menschen wählen intuitiv die für sie bequemste Einschlafposition. Studien zeigen, dass das Schlafen auf der Seite besonders beliebt ist, dicht gefolgt von der Rückenlage. Seltener wird auf dem Bauch geschlafen. Jeder Mensch wechselt etwa 35 Mal pro Nacht die Schlafposition. In welcher Position man einschläft, hat keine Auswirkungen auf die T-Rex-Arme. Sie werden unbewusst in jeder Schlafposition eingenommen.
Was tun bei Taubheitsgefühlen und Schlafmangel?
Sofortmaßnahmen bei akuten Beschwerden
Wie beschrieben entsteht das Taubheitsgefühl in den häufigsten Fällen aufgrund von kurzzeitigen Durchblutungsstörungen oder eines eingeklemmten Nervs - sofern kein anderes medizinisches Problem zugrunde liegt.
Folgende Tipps können im Akutfall angewendet werden und dienen der Vorbeugung:
- Ausschütteln der Arme: Um die Durchblutung wieder anzukurbeln, sollten die Arme ausgeschüttelt werden.
- Sitz- oder Liegeposition anpassen
- Greifbewegungen: Sie können dabei helfen, Blut in die Fingerspitzen zu pumpen, indem man die Finger spreizt und sie dann zur Faust ballt.
- Kühlen: Kaltes Wasser regt die Durchblutung an.
Vorbeugende Maßnahmen und langfristige Lösungen
- Bewegung im Alltag: Vorbeugend kann regelmäßige Bewegung dabei helfen, Fehlhaltungen und dadurch entstandene Durchblutungsstörungen zu behandeln.
- Lösen der Verspannungen: Wärme entspannt die Muskeln.
- Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere Vitamin B1, B9, B12, Eisen und Magnesium.
- Ergonomie: Vermeiden Sie ungünstige Körperhaltungen und achten Sie auf eine ergonomische Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes.
- Stressmanagement: Bauen Sie Stress ab, da dieser zu Muskelverspannungen und Schlafstörungen führen kann. Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga können helfen.
Schlafhygiene für besseren Schlaf
Unter Schlafhygiene werden Verhaltensweisen und Bedingungen zusammengefasst, die einen gesunden und erholsamen Schlaf ermöglichen. Dazu gehören:
- Das Schlafzimmer sollte nur zum Schlafen genutzt werden.
- Fernseher und Handy gehören nicht ins Schlafzimmer.
- Die Schlaftemperatur sollte bei 18 Grad liegen.
- Für den Schlaf eine ruhige und möglichst dunkle Umgebung schaffen.
- Regelmäßige Schlafzeiten einhalten.
- Sich regelmäßig bewegen, aber zwei Stunden vor dem Schlafen keinen anstrengenden Sport machen.
- Schwer verdauliches, fetthaltiges Essen am Abend vermeiden.
- Alkohol nur in Maßen konsumieren.
- Meditations- oder Entspannungstechniken vor dem Schlafen helfen zu entspannen.
Medizinische Behandlung
Wer feststellt, dass seine Arme und Beine sehr leicht oder häufig einschlafen oder sich nicht mehr richtig erholen, sollte auf jeden Fall eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Tritt das Einschlafen plötzlich auf und lässt sich kein Auslöser zuordnen, ist das ebenfalls ein Grund für einen Arztbesuch. Dann stecken hinter dem Kribbeln und den Taubheitsgefühlen eventuell ernstere Gründe.
So sind anhaltende Missempfindungen zum Beispiel häufig ein Zeichen für Probleme und Erkrankungen der Nerven oder Durchblutungsstörungen. Wichtig: Bei plötzlichem Kribbeln und Taubheitsgefühlen mit zusätzlichen Symptomen wie Schwindel, Lähmungen oder Seh- und Sprachstörungen, sollte man sofort aktiv werden und den Notarzt unter der 112 rufen.
Bei chronischen Beschwerden oder Verdacht auf eine spezifische Erkrankung wie das Karpaltunnelsyndrom oder Polyneuropathie ist eine ärztliche Untersuchung unerlässlich. Der Arzt kann die Ursache der Beschwerden diagnostizieren und eine geeignete Therapie einleiten.
Restless-Legs-Syndrom (RLS)
Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) kennzeichnen vor allem Symptome wie ständige Unruhe, Zucken, Brennen, Kribbeln und ziehende Schmerzen in den Beinen nachts - Betroffene können kaum ruhig sitzen, in Ruhe entspannen. Die Beschwerden können beidseitig oder auch abwechselnd im linken oder rechten Bein auftreten. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, insgesamt zeigen bis zu zehn Prozent der Menschen in Deutschland Zeichen eines RLS und bei etwa zwei Prozent ist der Leidensdruck so stark, dass sie behandelt werden sollten.
Die Beschwerden beim Restless-Legs-Syndrom werden ganz unterschiedlich beschrieben. Sie tauchen meist im Sitzen und Liegen auf, wenn sich die Betroffenen ausruhen. Auch bei längeren Wartezeiten im Sitzen oder beim Autofahren zeigen sich typischerweise die ziehenden Schmerzen oder ein Kribbeln. Das RLS führt fast immer zu Schlafstörungen. Die Beschwerden behindern sowohl das Einschlafen als auch das Durchschlafen. Schlafmangel und Tagesmüdigkeit sind die Folgen.
Die ärztliche Leitlinie nennt dabei auch einen zwanghaften Bewegungsdrang. Damit ist gemeint, dass Betroffene in Ruhe den Impuls haben, aufzustehen und herumzulaufen. Doch nicht alle Menschen mit RLS nehmen den Bewegungsdrang bewusst wahr und schildern ihre Symptome anders. Viele merken allerdings, dass die Bewegung guttut. Der Arzt oder die Ärztin sollten im Gespräch genau nachfragen, denn das Nachlassen der Beschwerden in Bewegung ist ein entscheidender Hinweis für die richtige Diagnose.
Nicht selten werden RLS-Beschwerden wie Schlafstörung, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung für Anzeichen einer Depression gehalten und Ärztinnen und Ärzte verordnen Antidepressiva.
Man geht davon aus, dass es sich beim Restless-Legs-Syndrom in erster Linie um eine Störung des Botenstoffwechsels im Gehirn handelt: Der Botenstoff Dopamin wird dabei entweder nicht ausreichend produziert oder vom Nervensystem nicht richtig verwertet. Der Eisenstoffwechsel spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.
Ausreichend Eisen ist eine wichtige Voraussetzung für die Herstellung des körpereigenen Dopamins. Wenn wichtige Eisenwerte im Blut zu niedrig sind, wird bei RLS mit einer Eisentherapie begonnen (Ferritin unter 75 Milligramm pro Liter, Transferrinsättigung unter 20 Prozent). Reichen Tabletten nicht aus, kommen Eiseninfusionen infrage.
Regelmäßige eisenreiche Mahlzeiten werden zur ganzheitlichen Behandlung ebenso empfohlen wie Bewegung und Entspannung.
Schlafmittel: Keine langfristige Lösung
Der Griff zur Schlaftablette erscheint oft als einzige Lösung, um wieder ruhig schlafen zu können. Wichtig zu wissen ist, dass synthetische Schlafmittel massiv in das Schlafgeschehen eingreifen. Sie verkürzen nicht nur den Tiefschlaf, sondern auch das Traumgeschehen, sodass sich die Qualität der körperlichen, seelischen und geistigen Erholung verringert.
Der Name Schlafmittel ist eigentlich eine Fehlbezeichnung. Bisher ist kein Medikament bekannt, welches natürlichen Schlaf bewirkt. Ältere Menschen haben einen langsameren Stoffwechsel. Deshalb wirken einige Mittel länger als gewünscht. Weil auch Schlafmittel das Reaktionsvermögen und die Muskelkontrolle verringern steigt damit die Sturzgefahr z.B. beim nächtlichen Toilettengang - der „berühmte“ Oberschenkelhalsbruch. Schlafmittel - auch die Rezept-freien - sollten daher nur zur kurzfristigen Anwendung kommen = max. 2 Wochen.
Klassische Schlafmittel aus der Gruppe der sogenannten Benzodiazepine haben erhebliche Nachteile. Sie können zwar kurzfristig den Schlaf durch ihre beruhigende, Muskel entspannende und Angst lösende Wirkung verbessern. Ihre Wirkung lässt jedoch häufig nach Wochen nach, sodass die Dosis erhöht werden muss, was langfristig zu einer Medikamentengewöhnung oder gar zur Abhängigkeit führen kann.
Übrigens, wenn Menschen nach längerer Einnahme das Schlafmittel absetzen, kann es die ersten Nächte zu vermehrten Schlafunterbrechungen mit Alpträumen kommen. Es handelt sich dabei um Entzugserscheinungen nach medikamentenbedingter Reduzierung der REM-Phasen.
Bewährt haben sich Baldrianwurzel, Passionsblume, Hopfenzapfen, Lavendelblüten und Melisse. Sie besitzen eine beruhigende und schlafanstoßende Wirkung und können daher vor allem bei leichteren, nervös bedingten Einschlafstörungen helfen.
Wie Schmerzen auf Schlaf wirken
Schmerzen stören den Schlaf und schlechter Schlaf verstärkt den Schmerz. Wie oben beschrieben, führt Tiefschlafmangel nicht nur zu einer allgemeinen körperlichen Schwächung, sondern auch zu einer Erniedrigung der Schmerzschwelle, anders ausgedrückt, es kommt zu einer Erhöhung der „Schmerzempfindlichkeit“.
Menschen, die in der Nacht vor einem Eingriff schlecht schliefen, litten nach der Operation verstärkt unter Schmerzen. Schlechter Schlaf ist häufig verantwortlich für Kopfschmerzen am Morgen oder ein Auslöser für Migräne-Anfälle.
Nächtliches Wachliegen sorgt darüber hinaus für eine verstärkte Schmerzwahrnehmung.
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