Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens Missempfindungen wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Unkonzentriertheit. Diese Symptome können vielfältige Ursachen haben und sowohl harmlos als auch Anzeichen ernsthafter Erkrankungen sein. Es ist wichtig, die möglichen Ursachen zu kennen und bei anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einzuholen.
Vielfältige Erscheinungsformen von Missempfindungen
Taubheitsgefühle werden oft als "tausend Nadelstiche" oder "Dauerprickeln" beschrieben. Betroffene leiden unter Kribbeln im Kopf, an Gesichtspartien oder an Gliedmaßen. Die Medizin geht von verschiedenen Faktoren aus, die für diese unangenehmen Gefühlsstörungen verantwortlich sein können. Missempfindungen an der Haut können einzeln oder in Kombination auftreten. Empfindungen wie Kribbeln, Pelzigkeitsgefühl oder Ameisenlaufen werden als Parästhesie bezeichnet, was wörtlich "Fehlempfindung" bedeutet. Sind die Missempfindungen unangenehm bis schmerzhaft, ohne dass es einen offensichtlichen Grund für die Schmerzen gibt, handelt es sich definitionsgemäß um Dysästhesien. Steht das Taubheitsgefühl im Vordergrund, spricht man von einer Hypästhesie oder verminderter Berührungsempfindlichkeit. Das Gegenteil der Hypästhesie stellt die Hyperästhesie dar - eine erhöhte Empfindlichkeit der Haut gegenüber verschiedenen Sinnesreizen, z. B. Berührung, Druck oder Temperatur.
Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle und Kribbeln
Durchblutungsstörungen
Eine häufige Ursache für Kribbeln und Taubheitsgefühle sind Durchblutungsstörungen. Diese entstehen, wenn es zu Ablagerungen in den Arterien kommt, wodurch sich die Blutgefäße verengen oder verstopfen. Das Blut kann nicht mehr ungehindert fließen, und Teile des Körpers werden mit Nährstoffen, Mineralien und Sauerstoff unterversorgt. Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen sind unter anderem Bewegungsmangel, Rauchen, Übergewicht und eine ungesunde Ernährung. Auch chronische Entzündungen im Körper können die Entstehung von Atherosklerose begünstigen.
Stress und Verspannungen
Stress kann ebenfalls ein Kribbeln im Kopf oder im Gesicht verursachen. Sind Körper und Geist ohne entsprechenden Ausgleich extrem und längerfristig belastet, können Muskel- und Nervenverspannungen auftreten. Der medizinische Ausdruck dafür ist Parästhesie. Das Symptom kann kurzfristig oder auch chronisch auftreten. Es wird davon ausgegangen, dass dabei bestimmte Nervenenden geschädigt sind und das Gefühl der Taubheit oder des Kribbelns in den betroffenen Körperregionen hervorrufen.
Mangelernährung
Eine zu einseitige Ernährung kann ebenfalls zu Kribbeln führen. Eine ausgewogene Ernährung mit genügend wichtigen Nährstoffen wie Eisen, Folsäure oder Vitamin B ist wichtig für die Gesundheit der Nerven. Auch ausreichend Wasser trinken ist wichtig, da es das Blut verdünnt und die Durchblutung verbessert.
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Eingeklemmte Nerven
Taubheitsgefühle in Armen, Beinen, Händen und Füßen, die durch einen eingeklemmten Nerv verursacht werden, hat wahrscheinlich jeder Mensch schon einmal erlebt: Ähnlich wie beim Einklemmen von Blutgefäßen wird dann durch eine falsche Körperhaltung - beispielsweise beim Sitzen oder Liegen - ein Nerv abgeklemmt und die Reizweiterleitung dadurch gestört. Auch bei einem dadurch ausgelösten Gefühlsverlust spricht man von eingeschlafenen Gliedmaßen. In der Folge fühlt sich die Hand oder der Arm taub an und kann meist nicht mehr willentlich bewegt werden. Häufig geht ein eingeschlafener Arm oder ein eingeschlafenes Bein mit einem unangenehmen Kribbeln auf der Haut einher. Sobald wir das eingeschlafene Körperteil ein wenig bewegen, verschwindet das taube Gefühl aber in der Regel von selbst wieder. Ist dies nicht der Fall oder tritt die Beschwerde häufiger auf, steckt vermutlich eine andere Ursache dahinter, die ärztlich abgeklärt werden sollte.
Karpaltunnelsyndrom
Kommt es in den Fingern zu einem ständig wiederkehrenden Taubheitsgefühl und einem unangenehmen Kribbeln, steckt oft ein Karpaltunnelsyndrom hinter den Beschwerden. Dabei wird der Mittelhandnerv beim Durchtritt durch den Handwurzelkanal eingeengt. Die Ursachen eines Karpaltunnelsyndroms können vielfältig sein, beispielsweise zählen knöcherne Fehlstellungen nach Frakturen oder Sehnenscheidenentzündungen dazu. Oft lässt sich aber auch keine direkte Ursache ermitteln. Durch das Tragen einer speziellen Schiene kann das Taubheitsgefühl in den Fingern meist behoben werden. Tritt keine Besserung ein, erfolgt eine operative Behandlung.
Polyneuropathie
Unter einer Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems zu verstehen, die mit Missempfindungen und Taubheitsgefühlen - häufig in den Händen und Füßen - einhergeht. Diese werden durch gereizte, entzündete oder geschädigte Nervenbahnen ausgelöst. Je nach Ursache der Erkrankung kann es zu weiteren Symptomen kommen, häufig tritt beispielsweise auch eine Muskelschwäche auf. Eine Sonderform ist die diabetische Polyneuropathie, die unterschiedliche Nervenbereiche betreffen kann. Neben Diabetes kann eine Polyneuropathie unter anderem auch durch chronischen Alkoholmissbrauch, Vergiftungen oder Infektionen entstehen. Ist eine Polyneuropathie die Ursache der Gefühlsstörungen, richtet sich die Behandlung nach der jeweiligen Form der Erkrankung.
Bandscheibenvorfall
Bei einem Bandscheibenvorfall können durch Druck auf die Nervenwurzel starke Schmerzen im jeweiligen Versorgungsgebiet des Nervs entstehen. Häufig werden diese von Kribbeln oder einem Taubheitsgefühl im Lendenbereich oder den Beinen begleitet. Es kann darüber hinaus zu Lähmungen in den Beinen, Füßen oder im Extremfall von Blase und Darm kommen. Treten solche Symptome auf, sollte immer eine ArztÄrztin aufgesucht werden. Dann wird untersucht, ob es sich tatsächlich um einen Bandscheibenvorfall handelt und entschieden, ob dieser konservativ oder durch eine Operation behandelt werden sollte. Letztere ist jedoch meist nur in schweren Fällen nötig.
Schlaganfall
Bei einem Schlaganfall wird das Gehirn nicht mehr mit ausreichend Blut und somit auch nicht mehr mit genügend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Da der betroffene Bereich seiner Funktion nicht mehr nachkommen kann, treten verschiedene Störungen auf. Zu diesen können auch nervale Ausfälle gehören. Durch solche Ausfälle kann es passieren, dass sich Arme oder Beine taub anfühlen und nicht mehr bewegt werden können. Typischerweise treten die Taubheitsgefühle einseitig auf, betreffen also nur eine Hälfte des Gesichts oder den rechten oder linken Arm. Weitere Symptome, die auf einen Schlaganfall hindeuten können, sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Seh- und Sprachstörungen sowie halbseitige Lähmungserscheinungen. Liegt der Verdacht nahe, dass ein Schlaganfall vorliegt, sollten Sie umgehend den Notruf verständigen.
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Infektionen
Verschiedenste Infektionen mit Bakterien oder Viren können ein taubes Gefühl im Körper auslösen. Zu solchen Infektionen gehören beispielsweise Gürtelrose oder Borreliose. Je nach Art und Schweregrad der Infektion werden entsprechende Medikamente verordnet. Bakterielle Infektionen werden in der Regel mit Antibiotika behandelt.
Vitamin B12-Mangel
Schließlich kann auch ein Vitamin-B12-Mangel ein Taubheitsgefühl, das häufig auf der Zunge auftritt, auslösen. Daneben kann es in diesem Fall auch an den Händen und Füßen zu Empfindungsstörungen kommen. Denn Vitamin B12 ist für unser Nervensystem von entscheidender Bedeutung und ein Mangel kann zu Störungen im zentralen Nervensystem führen. Neben dem Taubheitsgefühl können sich bei einem solchen Mangel auch Symptome wie Blässe, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme bemerkbar machen.
Multiple Sklerose (MS)
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (ZNS). Ihr Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich. Auf der ganzen Welt leiden ungefähr 2,5 Millionen Menschen unter MS, in Deutschland sind es ca. 200.000 Bundesbürger. Die meisten Menschen erkranken im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. In der Regel verläuft die Krankheit zunächst schubförmig. So bestehen Phasen, in denen die Patienten keine Beschwerden verspüren. Später schreitet die multiple Sklerose voran. Eine Heilbarkeit der MS ist bislang nicht möglich, doch kann sie gut behandelt werden. Die Untersuchung und Behandlung der Krankheit zählt zu den Feldern der Neurologie und Psychiatrie. Die genauen Ursachen konnten noch nicht geklärt werden. Neurologie und Psychiatrie rechnen die multiple Sklerose den Autoimmunkrankheiten zu. Bei diesen Krankheitsformen wird das Gewebe des Körpers von den Immunzellen des eigenen Abwehrsystems angegriffen, weil eine Fehlsteuerung besteht. Die multiplen Sklerose Symptome sind überaus vielfältig. Spezielle Anzeichen oder Verlaufsformen gibt es nicht. Aus diesem Grund nennt der Facharzt sie auch „Krankheit mit den tausend Gesichtern“. Ebenso unterschiedlich fallen Ausprägung und Schweregrade der Erkrankung aus. Im Frühstadium handelt es sich um: Sehstörungen wie Augenschmerzen oder eine partielle Einbuße des Sehvermögens, Empfindungsprobleme, Gefühlsstörungen, Muskellähmungen. Bei den Empfindungsstörungen verspüren die Patienten meist Kribbeln oder Taubheitsgefühle an den Gliedmaßen.
Was tun bei Taubheitsgefühlen und Kribbeln?
Ärztliche Untersuchung
Um die Ursache für Kribbeln im Kopf, Taubheitsgefühle oder andere Gefühlsstörungen herauszufinden, ist eine Untersuchung durch einen Arzt oder eine Ärztin unerlässlich. Bei plötzlich auftretenden Symptomen wie Taubheit, Lähmung oder Sprachstörungen sollte sofort der Notruf gewählt werden.
Lebensstiländerungen
Ein gesunder Lebensstil kann helfen, Durchblutungsstörungen vorzubeugen und die Nervenfunktion zu verbessern. Dazu gehören:
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- Ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten
- Regelmäßige Bewegung, z. B. Spaziergänge, Radfahren oder Schwimmen
- Verzicht auf Rauchen
- Reduktion von Übergewicht
- Ausreichend Wasser trinken
- Stress vermeiden und Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation anwenden
Natürliche Unterstützung
Einige natürliche Mittel können die Durchblutung fördern und die Nervenfunktion unterstützen:
- Kurkuma: Das Curcumin im Kurkuma sorgt dafür, dass die Blutplättchen nicht verklumpen und die Adern und Gefäße verstopfen.
- Ingwer: Wirkt blutverdünnend und unterstützt die Durchblutung.
- Knoblauch: Senkt den Blutdruck und wirkt gegen Kalkablagerung.
- Arzneilavendel: Kann durch seine Inhaltsstoffe zur körperlichen und geistigen Entspannung beitragen.
- Seekiefer-Extrakt: Zeigte in Studien positive Effekte auf den Blutdruck und die Mikrozirkulation.
- Rosskastanie: Der Hauptwirkstoff Aescin wirkt abschwellend und gefäßstärkend.
- Steinklee: Wird seit Langem zur Behandlung chronisch-venöser Erkrankungen eingesetzt.
- Extrakte aus rotem Weinlaub: Fördern die Durchblutung und reduzieren Schwellungen.
Medikamentöse und operative Therapien
Je nach Ursache der Beschwerden können auch Medikamente oder operative Eingriffe erforderlich sein. Bei Durchblutungsstörungen können beispielsweise Medikamente zur Blutverdünnung oder zur Erweiterung der Blutgefäße eingesetzt werden. In schweren Fällen kann eine Bypass-Operation notwendig sein. Beim Karpaltunnelsyndrom kann eine Operation helfen, den Druck auf den Mittelhandnerv zu verringern.
Unkonzentriertheit: Mögliche Ursachen und Hilfestellungen
Unkonzentriertheit kann ein Begleitsymptom von Taubheitsgefühlen und Kribbeln sein, insbesondere wenn diese durch neurologische Erkrankungen oder Mangelzustände verursacht werden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Unkonzentriertheit auch viele andere Ursachen haben kann, die nicht direkt mit den genannten Missempfindungen zusammenhängen.
Mögliche Ursachen für Unkonzentriertheit:
- Stress und Überlastung: Langanhaltender Stress und Überlastung können die kognitiven Funktionen beeinträchtigen und zu Konzentrationsschwierigkeiten führen.
- Schlafstörungen: Schlafmangel oder eine schlechte Schlafqualität können die Aufmerksamkeit und Konzentration negativ beeinflussen.
- Psychische Erkrankungen: Depressionen, Angststörungen und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) können mit Unkonzentriertheit einhergehen.
- Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Konzentrationsstörungen verursachen.
- Schilddrüsenprobleme: Eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse kann die kognitiven Funktionen beeinträchtigen.
- Eisenmangel: Ein Eisenmangel kann zu Müdigkeit, Schwäche und Konzentrationsproblemen führen.
- Weitere Erkrankungen: Auch andere Erkrankungen wie Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder neurologische Störungen können Unkonzentriertheit verursachen.
Hilfestellungen bei Unkonzentriertheit:
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Konzentration zu verbessern.
- Schlafhygiene: Achten Sie auf ausreichend Schlaf und eine gute Schlafqualität. Vermeiden Sie anregende Substanzen wie Koffein oder Alkohol vor dem Schlafengehen.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig für die kognitive Leistungsfähigkeit. Achten Sie insbesondere auf eine ausreichende Zufuhr von Eisen, Vitamin B12 und Omega-3-Fettsäuren.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Durchblutung des Gehirns verbessern und die Konzentration fördern.
- Kognitives Training: Gezielte Übungen zur Verbesserung der Aufmerksamkeit und Konzentration können helfen, die kognitiven Funktionen zu stärken.
- Ärztliche Beratung: Bei anhaltender oder starker Unkonzentriertheit sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
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