Taubheitsgefühl im Hals beim Schlucken: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Taubheitsgefühl im Hals beim Schlucken kann beunruhigend sein. Es gibt viele mögliche Ursachen für dieses Symptom, von harmlosen Reizungen bis hin zu ernsteren Erkrankungen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die möglichen Ursachen, Begleitsymptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Taubheitsgefühlen im Hals beim Schlucken.

Was ist ein Taubheitsgefühl im Hals beim Schlucken?

Ein Taubheitsgefühl im Hals beim Schlucken ist ein vermindertes oder fehlendes Gefühlsempfinden im Halsbereich während des Schluckvorgangs. Es kann sich als ein Gefühl von Taubheit, Kribbeln, "Einschlafen" oder einem Fremdkörpergefühl äußern. Manchmal kann es auch mit Schluckbeschwerden (Dysphagie) einhergehen.

Ursachen für Taubheitsgefühl im Hals beim Schlucken

Die Ursachen für ein Taubheitsgefühl im Hals beim Schlucken sind vielfältig. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

Entzündungen im Mund- und Rachenraum

Entzündungen wie eine Mandelentzündung (Tonsillitis) oder eine Kehlkopfentzündung (Laryngitis) können die Nerven im Halsbereich reizen und zu einem Taubheitsgefühl führen. Bei einer Mandelentzündung sind die Mandeln, die sich seitlich im hinteren Teil des Rachens befinden, entzündet und schmerzhaft geschwollen. Eine Kehlkopfentzündung betrifft den Kehlkopf, das Organ für die Stimmproduktion. Virusinfektionen, insbesondere Erkältungsviren, sind oft die Ursache für diese Entzündungen.

Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)

GERD, auch bekannt als Säurereflux, tritt auf, wenn Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt. Dies kann die Schleimhaut der Speiseröhre und des Rachens reizen und zu verschiedenen Symptomen führen, darunter auch ein Taubheitsgefühl im Hals. Ein "stiller Reflux" kann ebenfalls vorliegen, bei dem Betroffene kein Sodbrennen verspüren, aber dennoch Reizungen im Kehlkopfbereich auftreten.

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Schilddrüsenerkrankungen

Eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) oder Knotenbildung in der Schilddrüse kann auf die Speiseröhre drücken und Schluckbeschwerden verursachen, die von einem Taubheitsgefühl begleitet sein können. Entzündungen oder entzündliche Erkrankungen der Schilddrüse können ebenfalls zu Schluckbeschwerden führen.

Neurologische Ursachen

Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) können die Nerven und Muskeln beeinträchtigen, die am Schluckvorgang beteiligt sind. Dies kann zu Schluckstörungen und einem veränderten Gefühlsempfinden im Hals führen.

Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS)

Das Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS) ist eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen Nerven oder Blutgefäße im Raum zwischen Schlüsselbein und erster Rippe eingeengt werden. Dies kann zu Schmerzen, Taubheit und Schwäche in Arm, Hand und Hals führen.

Tumore im Halsbereich

In seltenen Fällen können Tumore im Rachen, Kehlkopf oder der Schilddrüse ein Taubheitsgefühl im Hals verursachen. Karzinome im Bereich des Rachens verursachen häufig Schluckbeschwerden oder ein Fremdkörpergefühl und können durch wiederholte Blutungen auffallen. Karzinome im Bereich der Stimmlippen können zu anhaltender Heiserkeit, Kratzen im Hals und Räusperzwang führen.

Psychische Faktoren

Stress, Angstzustände oder Depressionen können zu Muskelverspannungen im Halsbereich führen, die ein Kloßgefühl oder ein Taubheitsgefühl verursachen können (Globussyndrom).

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Andere Ursachen

  • Fremdkörper: Ein Fremdkörper im Hals, wie eine Fischgräte, kann ein Taubheitsgefühl oder ein Fremdkörpergefühl verursachen.
  • Operationen: Operationen im HNO- oder Mund-Kiefer-Gesichtsbereich, an der Halswirbelsäule oder an der Schilddrüse können vorübergehend oder dauerhaft zu Schluckstörungen und einem Taubheitsgefühl führen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente, wie Neuroleptika, Opiate, Antidepressiva oder Anticholinergika, können als Nebenwirkung Schluckstörungen und ein Taubheitsgefühl verursachen.
  • Zahnärztliche Eingriffe: Eine Betäubungsspritze beim Zahnarzt kann vorübergehend zu Taubheitsgefühlen in Lippen, Zunge und Wangen führen, was das Schlucken beeinträchtigen kann.

Begleitsymptome

Ein Taubheitsgefühl im Hals beim Schlucken kann von verschiedenen anderen Symptomen begleitet sein, je nach der zugrunde liegenden Ursache. Zu den häufigsten Begleitsymptomen gehören:

  • Schluckbeschwerden (Dysphagie): Schwierigkeiten oder Schmerzen beim Schlucken von Nahrung oder Flüssigkeiten.
  • Halsschmerzen: Schmerzen oder Unbehagen im Hals, die sich beim Schlucken verschlimmern können.
  • Heiserkeit: Veränderung der Stimme, die rau, kratzig oder schwach klingt.
  • Globusgefühl: Das Gefühl eines Kloßes oder Fremdkörpers im Hals.
  • Ohrenschmerzen: Schmerzen im Ohr, die durch die enge anatomische Verbindung zwischen Rachen und Ohr verursacht werden können.
  • Husten: Häufiges Husten, insbesondere nach dem Essen oder Trinken.
  • Räuspern: Ständiges Bedürfnis, sich zu räuspern.
  • Erhöhte Schleimproduktion: Vermehrte Schleimbildung im Hals.
  • Sodbrennen: Brennendes Gefühl in der Brust, oft begleitet von saurem Aufstoßen.
  • Gewichtsverlust: Unbeabsichtigter Gewichtsverlust aufgrund von Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme.
  • Neurologische Symptome: Taubheit, Kribbeln oder Schwäche in anderen Körperteilen, je nach der zugrunde liegenden neurologischen Erkrankung.

Diagnose

Die Diagnose eines Taubheitsgefühls im Hals beim Schlucken erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weiterführende diagnostische Tests.

Anamnese

Der Arzt wird zunächst ausführlich nach den Symptomen, der Krankengeschichte und möglichen Risikofaktoren fragen. Wichtige Fragen sind:

  • Seit wann besteht das Taubheitsgefühl?
  • Tritt es nur beim Schlucken auf oder auch in Ruhe?
  • Welche anderen Symptome liegen vor?
  • Gibt es Vorerkrankungen oder Operationen im Halsbereich?
  • Werden Medikamente eingenommen?
  • Gibt es Risikofaktoren wie Rauchen oder Alkoholkonsum?

Körperliche Untersuchung

Der Arzt wird den Hals, die Mandeln, den Rachenraum und den Kehlkopf untersuchen, um mögliche Ursachen wie Entzündungen, Schwellungen oder Tumore zu erkennen. Er wird auch die Funktion der Nerven und Muskeln prüfen, die am Schluckvorgang beteiligt sind.

Weiterführende Diagnostik

Je nach den Ergebnissen der Anamnese und körperlichen Untersuchung können weitere diagnostische Tests erforderlich sein:

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  • Ultraschall des Halses: Um die Schilddrüse und andere Strukturen im Halsbereich zu beurteilen.
  • MRT des Halses: Um detaillierte Bilder von den Weichteilen, Nerven und Blutgefäßen im Halsbereich zu erhalten.
  • Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie): Um den Kehlkopf und die Stimmbänder direkt zu untersuchen. Dabei wird ein flexibles Endoskop über die Nase in den Rachen eingeführt.
  • Spiegelung der Speiseröhre (Ösophagoskopie): Um die Speiseröhre auf Entzündungen, Verengungen oder Tumore zu untersuchen.
  • Fiberendoskopische Schluckuntersuchung (FEES): Um den Schluckvorgang in Echtzeit zu beobachten und die Ursache von Schluckstörungen zu identifizieren.
  • Videofluoroskopie (VFSS): Um die Phasen des Schluckens mithilfe von Röntgenstrahlen und Kontrastmittel sichtbar zu machen.
  • Reflux-Symptom-Index: Ein Fragebogen, der alle Beschwerden des "stillen Reflux" abfragt, um festzustellen, ob ein Reflux die Ursache ist.
  • Biopsie: Bei Verdacht auf einen Tumor kann eine Gewebeprobe entnommen und untersucht werden.

Behandlung

Die Behandlung eines Taubheitsgefühls im Hals beim Schlucken richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Medikamentöse Behandlung

  • Entzündungshemmende Medikamente: Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum können entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen, die Schmerzen und Schwellungen zu lindern.
  • Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen wie einer Mandelentzündung können Antibiotika erforderlich sein.
  • Protonenpumpenhemmer (PPI): Bei GERD können PPI die Produktion von Magensäure reduzieren und die Speiseröhre schützen.
  • Spezifische Medikamente für neurologische Erkrankungen: Bei neurologischen Ursachen können Medikamente zur Behandlung der Grunderkrankung eingesetzt werden.
  • Cortison-Spritzen: Beim Thoracic-Outlet-Syndrom können Cortison-Spritzen in die betroffenen Halsmuskeln (Skalenus-Muskeln) eingesetzt werden, um Entzündungen zu reduzieren.

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Hausmittel: Bei leichten Beschwerden können Hausmittel wie Gurgeln mit Salzwasser, Kamillentee oder Salbeitee, Lutschtabletten oder Zwiebelwickel am Hals Linderung verschaffen.
  • Ernährungsumstellung: Bei GERD kann eine Ernährungsumstellung helfen, die Symptome zu reduzieren. Dazu gehört das Vermeiden von fettigen, scharfen und säurehaltigen Lebensmitteln, Kaffee, Alkohol und kohlensäurehaltigen Getränken.
  • Logopädische Schlucktherapie: Um die Schlucktechnik zu verbessern und die Muskulatur zu stärken.
  • Physiotherapie: Beim Thoracic-Outlet-Syndrom kann Physiotherapie helfen, die Muskeln zu dehnen und zu kräftigen und die Haltung zu verbessern.
  • Entspannungstechniken: Bei stressbedingten Beschwerden können Entspannungstechniken wie Atemübungen, Yoga oder Meditation helfen, die Muskelspannung zu reduzieren.
  • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Tumore zu entfernen, Verengungen der Speiseröhre zu beheben oder beim Thoracic-Outlet-Syndrom die eingeengten Nerven oder Blutgefäße zu entlasten.

Allgemeine Maßnahmen

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Um den Hals feucht zu halten und das Schlucken zu erleichtern.
  • Vermeidung reizender Substanzen: Rauchen, Alkohol und scharfe Gewürze können die Schleimhäute reizen und die Beschwerden verschlimmern.
  • Anpassung der Konsistenz der Nahrung: Weiche, pürierte oder gekochte Kost kann das Schlucken erleichtern.
  • Gute Mundhygiene: Um das Risiko von Lungenentzündungen durch Aspiration von Bakterien zu reduzieren.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In folgenden Fällen ist es ratsam, umgehend einen Arzt aufzusuchen:

  • Das Taubheitsgefühl im Hals hält länger als 2-3 Wochen an oder verschlimmert sich.
  • Es treten zusätzliche Symptome wie Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Ohrenschmerzen, Gewichtsverlust oder neurologische Symptome auf.
  • Es besteht Verdacht auf einen Fremdkörper im Hals.
  • Es treten Atemnot, ein gerötetes Gesicht oder blaue Lippen auf (Anzeichen für eine schwere Schluckstörung).
  • Es besteht eine Vorgeschichte von Krebserkrankungen im Halsbereich.

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