Taubheitsgefühl im Oberschenkel nach Aortenaneurysma-Stent: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Ein Aortenaneurysma ist eine krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader (Aorta), die lebensbedrohlich werden kann, wenn sie reißt. Die Behandlung eines Aortenaneurysmas kann verschiedene Methoden umfassen, darunter die Stentimplantation. Nach einer solchen Operation können jedoch verschiedene Beschwerden auftreten, darunter Taubheitsgefühle im Oberschenkel. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für dieses Taubheitsgefühl und gibt einen Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist ein Stent und wie wird er bei Aortenaneurysmen eingesetzt?

Ein Stent ist eine Gefäßstütze, meist aus Kunstfasern oder Metall, die verwendet wird, um Gefäße oder Hohlorgane offen zu halten. Bei der Behandlung von Aortenaneurysmen wird ein Stentgraft, ein Gewebeschlauch mit einem Metallgerüst, in das Aneurysma eingesetzt, um die Gefäßwand zu stützen und ein Reißen zu verhindern. Die Stentimplantation ist eine minimalinvasive Methode, bei der der Stent über einen Katheter durch die Leistenarterie zum Aneurysma vorgeschoben und dort entfaltet wird.

Ursachen für Taubheitsgefühl im Oberschenkel nach Stentimplantation

Taubheitsgefühle im Oberschenkel nach einer Stentimplantation können verschiedene Ursachen haben:

Nervenirritation oder -schädigung während der Operation

Während der Stentimplantation kann es zu einer Irritation oder Schädigung von Nerven im Bereich der Leiste kommen. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn der Zugang zur Leistenarterie über die Leiste erfolgt. Die Nerven können durch die Punktion, die Manipulation des Katheters oder durch Druck während des Eingriffs beeinträchtigt werden. In einem Bericht eines Patienten nach einer Herzklappenrekonstruktion wurde angegeben, dass Taubheitsgefühle auf dem rechten Oberschenkel, der Brust und dem kleinen Finger durch die Operation entstanden sind, da Nerven beim Eingriff in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Kompression von Nerven durch Hämatome oder Schwellungen

Nach der Operation können sich Hämatome (Blutergüsse) oder Schwellungen im Bereich der Leiste bilden. Diese können Druck auf die umliegenden Nerven ausüben und so Taubheitsgefühle verursachen.

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Durchblutungsstörungen der Nerven

In seltenen Fällen kann es durch die Stentimplantation zu Durchblutungsstörungen der Nerven kommen, die den Oberschenkel versorgen. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn die Blutversorgung der Nerven bereits vor der Operation beeinträchtigt war.

Narbengewebe

Ein Nachteil von Metallstents ist, dass es bei etwa 25 Prozent aller Patienten zum Einwachsen von Narbengewebe in den Stent kommt. Infolgedessen droht eine erneute Verengung des Gefäßlumens.

Periphere Aneurysmen

Periphere Aneurysmen können lange Zeit unbemerkt bleiben, da sie häufig keine erkennbaren Symptome zeigen. Die Art der Symptome hängt davon ab, welche Gefäße betroffen sind - dafür kommt prinzipiell jedes infrage, so die Halsschlagadern oder die Eingeweide- und Nierenarterien. Am häufigsten finden sich die peripheren Aneurysmen an den Beinarterien. Eine Aussackung der Kniekehlenarterien nennt man Popliteaaneurysma.

Arteriosklerose

Arteriosklerose, auch bekannt als Atherosklerose, ist eine Erkrankung, bei der sich Ablagerungen aus Fett, Cholesterin und anderen Substanzen in den Arterienwänden ansiedeln. Diese Ablagerungen können die Arterien verengen und deren Elastizität verringern, was zu einer Schwächung der Gefäßwand und zur Bildung von Aneurysmen führen kann.

Diagnose

Zur Diagnose von Taubheitsgefühlen im Oberschenkel nach einer Stentimplantation können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden:

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  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Oberschenkel auf Sensibilitätsstörungen, Schwellungen oder Hämatome.
  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft die Funktion der Nerven im Bein, um die Ursache des Taubheitsgefühls zu lokalisieren.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen (NLG/EMG): Diese Untersuchungen messen die Nervenleitgeschwindigkeit und die Muskelaktivität, um Nervenschäden zu erkennen.
  • Bildgebende Verfahren (MRT, CT): Diese Verfahren können helfen, andere Ursachen für das Taubheitsgefühl auszuschließen, wie z.B. einen Bandscheibenvorfall oder eine Raumforderung.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Taubheitsgefühlen im Oberschenkel nach einer Stentimplantation richtet sich nach der Ursache:

  • Konservative Behandlung: Bei leichten Beschwerden können Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und physikalische Therapie (z.B. Massagen, Krankengymnastik) helfen.
  • Medikamentöse Therapie: Wenn die Patienten unter Bluthochdruck leiden, muss unter Umständen der Blutdruck durch die dauerhafte Einnahme geeigneter Medikamente (zum Beispiel ACE-Hemmer oder Beta-Blocker) normalisiert werden.
  • Nervenblockaden: In einigen Fällen können Nervenblockaden mit Lokalanästhetika eingesetzt werden, um die Schmerzen zu lindern.
  • Chirurgische Behandlung: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf die Nerven zu entlasten oder geschädigte Nerven zu reparieren.
  • Stentimplantation: Die Stent-Implantation ist eine den Körper weniger belastende (minimalinvasive) Behandlungsmethode, bei der Spezialist:innen eine Stentprothese in das Aneurysma einsetzen, um es von innen zu stützen und zu stabilisieren. Dabei führen die Chirurg:innen den Stent über einen dünnen Schlauch, den Katheter, durch die Haut bis zu dem betroffenen Blutgefäß ein. Diese Methode ist besonders geeignet für Patient:innen, für die eine offene Operation nicht infrage kommt. Allerdings ist nicht für alle Patient:innen eine Stent-implantation empfehlenswert.

Vorbeugung

Einige Maßnahmen können helfen, Taubheitsgefühlen im Oberschenkel nach einer Stentimplantation vorzubeugen:

  • Sorgfältige Operationstechnik: Der Operateur sollte darauf achten, die Nerven im Bereich der Leiste während der Operation so wenig wie möglich zu reizen oder zu schädigen.
  • Frühe Mobilisierung: Eine frühe Mobilisierung nach der Operation kann helfen, Schwellungen und Hämatome zu reduzieren.
  • Vermeidung von Druck auf die Leiste: Patienten sollten in den ersten Tagen nach der Operation darauf achten, keinen Druck auf die Leiste auszuüben.

Was kann man selbst tun?

Patienten können selbst einiges tun, um die Beschwerden zu lindern:

  • Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel eingenommen werden.
  • Kühlung: Kühlung des Oberschenkels kann helfen, Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren.
  • Bewegung: Leichte Bewegung kann helfen, die Durchblutung zu fördern und die Nervenfunktion zu verbessern.
  • Vermeidung von Belastung: Patienten sollten darauf achten, den Oberschenkel nicht zu stark zu belasten.
  • Gewichtsmanagement: Halten Sie ein gesundes Körpergewicht.
  • Rauchstopp: Hören Sie komplett mit dem Rauchen auf.
  • Fettarme Ernährung: Reduzieren Sie den Verzehr von gesättigten Fetten und sogenannten Transfetten. Die sind beispielsweise in Margarine und frittierten Lebensmitteln wie Pommes frites enthalten.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Patienten sollten einen Arzt aufsuchen, wenn:

  • Das Taubheitsgefühl sehr stark ist oder sich verschlimmert.
  • Zusätzlich zu dem Taubheitsgefühl Schmerzen, Schwäche oder andere Beschwerden auftreten.
  • Das Taubheitsgefühl länger als einige Wochen anhält.

Aneurysma - Symptome

Aneurysmen sind häufig zunächst völlig unauffällig und werden in der Regel nur als Zufallsbefund im Zusammenhang mit einer Untersuchung aus anderen Gründen entdeckt. Das kann eine Ultraschalluntersuchung sein, manchmal wird ein Aneurysma auch auf einer Röntgenaufnahme lokalisiert. Typische Krankheitszeichen sind dagegen eher selten. Sie unterscheiden sich auch stark, je nach Lage des Aneurysmas.

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Die möglichen Symptome eines Aneurysmas an der Bauchschlagader (Bauchaorta) sind:

  • Wahrnehmung einer pulsierenden Blase im Bauchraum, teilweise auch durch die Bauchdecke tastbar
  • stechende Schmerzen im Bauch, sowohl im Sitzen, Liegen als auch im Stehen
  • in die Beine ausstrahlende Rückenschmerzen
  • in Ausnahmefällen auch Verdauungsprobleme

Die möglichen Symptome eines Aneurysmas an der Hauptschlagader (Aorta) in der Brust:

  • Schmerzen in der Brust
  • Heiserkeit
  • auffällige Atemgeräusche
  • Husten
  • Atemprobleme
  • Schluckschwierigkeiten

Die möglichen Symptom eines Aneurysmas im Gehirn sind:

  • extrem starke Kopfschmerzen, die völlig unvermittelt auftreten können
  • Benommenheit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Nackensteifigkeit
  • Schläfrigkeit
  • Lähmungen
  • Bewusstlosigkeit
  • epileptische Anfälle
  • Schlaganfall

Die möglichen Symptome eines Aneurysmas in der Kniekehle sind:

  • Durchblutungsstörungen durch Blutgerinnsel im Aneurysma
  • Taubheit, Kribbeln und Kältegefühl im Unterschenkel
  • Achtung: Gefahr einer Lungenembolie

Aneurysma - Ursachen

Aneurysmen treten meistens an der Hauptschlagader (Aorta) auf, deutlich seltener im Gehirn. Die Ballonförmigen Aussackungen können angeboren sein oder es besteht eine vererbte Neigung zur späteren Ausbildung eines Aneurysmas. Sind Verwandte bereits von einem Aneurysma betroffen, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls zu erkranken. In manchen Familien tritt die Krankheit gehäuft auf. Bei einigen Erbkrankheiten ist neben anderen Symptomen auch die Entwicklung eines Aneurysmas bezeichnend.

Ein weiterer Risikofaktor für Aneurysmen ist ein fortgeschrittenes Lebensalter. Das Gefäßsystem verliert im Alter an Elastizität. Dadurch können sich an belasteten Schwachstellen der Gefäße Aussackungen bilden, die mit der Zeit an Volumen zunehmen. Auch eine ungesunde Lebensführung kann die Entstehung eines Aneurysmas begünstigen. Bewegungsmangel und Fehlernährung schädigen die Blutgefäße und senken ebenfalls deren Elastizität.

Ein unbehandelter Bluthochdruck kann die Gefäßwände schädigen und damit die Ausbildung eines Aneurysmas fördern. Auch Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) hat einen ungünstigen Einfluss auf die Entstehung dieser Krankheit. Hier führt ebenfalls die mangelhafte Elastizität der Gefäßwände und damit ein ungenügender Druckausgleich im Kreislaufsystem zu einer Dehnung und Aussackung von Schwachstellen in der Arterie.

Bakterielle Infektionen können zu einer Entzündung der Gefäßwände führen. In diesem Fall besteht ebenfalls ein erhöhtes Risiko, ein Aneurysma zu entwickeln. Beispiele hierfür sind Infektionen mit Tuberkulose oder Syphilis. Aber auch andere Infektionskrankheiten können sich in dieser Beziehung ungünstig auswirken.

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