Taubheitsgefühl im Mund: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Ein Taubheitsgefühl im Mund kann beunruhigend sein, da es verschiedene Ursachen haben kann, von harmlosen Reizungen bis hin zu komplexeren medizinischen Zuständen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die möglichen Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze für Taubheitsgefühle im Mund.

Einführung

Das Taubheitsgefühl im Mund, auch bekannt als orale Hypästhesie, ist ein Zustand, bei dem das Berührungsempfinden im Mundbereich herabgesetzt ist. Dies kann die Zunge, die Lippen, das Zahnfleisch oder den Gaumen betreffen. Das Gefühl kann vorübergehend oder dauerhaft sein und von anderen Symptomen wie Kribbeln, Brennen oder Schmerzen begleitet sein.

Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl im Mund

Die Ursachen für Taubheitsgefühle im Mund sind vielfältig und reichen von lokalen Reizungen bis hin zu systemischen Erkrankungen. Im Folgenden werden einige der häufigsten Ursachen aufgeführt:

Lokale Ursachen

  • Nahrungsmittelreizungen: Bestimmte Lebensmittel, insbesondere solche, die das Enzym Bromelain enthalten (z. B. Ananas), können die Mundschleimhaut reizen und ein brennendes oder taubes Gefühl verursachen. Auch Kiwi, Kaki oder Zitrusfrüchte können ähnliche Symptome auslösen.
  • Zahnärztliche Eingriffe: Lokale Betäubungsmittel, die bei zahnärztlichen Behandlungen wie Weisheitszahnentfernungen oder Wurzelkanalbehandlungen eingesetzt werden, können vorübergehend zu Taubheitsgefühlen in der Zunge und im umliegenden Gewebe führen. Eine Schwellung nach einer Weisheitszahn-OP kann ebenfalls auf die Nerven im Kiefer drücken und eine Taubheit verursachen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, wie Lidocain, das zur Schmerzlinderung bei Mundschleimhautentzündungen eingesetzt wird, können als Nebenwirkung Missempfindungen im Mund auslösen.
  • Verbrennungen: Ein heißes Getränk oder Essen kann die Zunge und den Gaumen verbrennen und ein vorübergehendes Taubheitsgefühl verursachen.
  • Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): Eine Funktionsstörung des Kausystems, auch CMD genannt, kann in fortgeschrittenen Stadien zu Sensibilitätsstörungen im Gesicht und im Mundbereich führen.
  • Zahnprobleme: Füllungen, Teilkronen oder Kronen, die zu hoch oder zu tief sind, können das Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer verändern und Missempfindungen verursachen.

Systemische Ursachen

  • Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B9 (Folsäure) oder Vitamin B12 kann zu Brennen oder Taubheitsgefühlen auf der Zunge führen. Folsäure ist essentiell für die Bildung roter Blutkörperchen, während Vitamin B12 für eine normale Funktion des Nervensystems benötigt wird.
  • Schlaganfall: Ein Schlaganfall, der durch eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn entsteht, kann neben einer tauben Lippe auch zu einer lahmen oder plötzlich tauben Zunge führen. Die Symptome treten dabei immer plötzlich auf.
  • Multiple Sklerose (MS): Im Rahmen einer Multiplen Sklerose kann es zu Schädigungen bestimmter Bereiche des Gehirns kommen, die eine (vorübergehende) Taubheit der Zunge, aber beispielsweise auch Sehstörungen zur Folge haben können.
  • Nacken-Zungen-Syndrom: Eine rasche Drehbewegung des Kopfes kann einen starken, einseitigen Schmerz im Nacken verursachen, der mit einer Empfindungsstörung auf der zugehörigen Seite der Zunge einhergeht.
  • Burning-Mouth-Syndrom: Dieses Syndrom zeigt sich durch Empfindungsstörungen in der Mundhöhle, darunter Brennen, Kribbeln, stechende Schmerzen oder ein Taubheitsgefühl. Auch die Zunge kann davon betroffen sein.
  • Infektionen: Eine Infektion mit dem Coronavirus (COVID-19) kann Veränderungen der Zunge verursachen, die als "Corona-Zunge" bezeichnet werden und sich durch Schwellungen, Rötungen oder einen Belag auf der Zunge und im Mundraum bemerkbar machen können. Auch eine Fazialisparese, die durch eine Infektion mit Bakterien oder Viren ausgelöst werden kann, kann zu Taubheitsgefühlen im Mundbereich führen.
  • Neurologische Erkrankungen: Erkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom können Taubheitsgefühle im Gesicht und im Mundbereich verursachen.
  • Angst und Panikattacken: In manchen Fällen können Angstzustände und Panikattacken zu Kribbeln oder Taubheitsgefühlen im Mundbereich führen.
  • Tumore: In seltenen Fällen können Tumore im Mundbereich oder im Gehirn auf Nerven drücken und Taubheitsgefühle verursachen.
  • Medikamente und Toxine: Bestimmte Medikamente und Vergiftungen können Nervenschäden verursachen, die zu Missempfindungen im Mund führen.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) und Taubheitsgefühl im Mund

Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist eine Funktionsstörung des Kausystems, die durch eine Fehlregulation der Muskeln und Gelenke im Kieferbereich gekennzeichnet ist. Im fortgeschrittenen Stadium kann CMD zu Sensibilitätsstörungen im Gesichtsbereich führen, die sich als Taubheit, Kribbeln, Ziehen oder spinnenwebenartiges Gefühl äußern können. Diese Störungen können einseitig oder beidseitig auftreten und bis in die Kinn- oder Nasenspitze oder in die Lippen ausstrahlen.

Die Ursache für diese Sensibilitätsstörungen liegt in der Verspannung der Muskulatur im Hals-, Schulter- und Nackenbereich, die Nervenverläufe irritieren kann. In seltenen Fällen können die Sensibilitätsstörungen bis in die Fingerspitzen hinunterreichen und sich in Taubheitsgefühlen oder Kribbeln äußern.

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Ein weiteres Phänomen im Zusammenhang mit CMD ist das Gefühl einer "zu großen Zunge". Betroffene haben das Empfinden, dass ihre Zunge zu groß für die Mundhöhle ist, obwohl die Inspektion der Mundhöhle und der Zunge keine Auffälligkeiten zeigt. Dieses Gefühl kann durch die Eingliederung eines adjustierten Aufbissbehelfs und die Einstellung einer physiologischen Bisslage behoben werden.

Fazialisparese

Eine Fazialisparese, auch Gesichtslähmung genannt, kann ebenfalls zu Taubheitsgefühlen im Mundbereich führen. Die Fazialisparese entsteht durch eine Schädigung des Nervus facialis, der für die Steuerung der Gesichtsmuskulatur verantwortlich ist. Die Ursachen für eine Fazialisparese sind vielfältig und können Infektionen, Entzündungen, Verletzungen oder Tumore sein.

Die Symptome einer Fazialisparese hängen davon ab, an welchen Stellen der Nerv geschädigt ist. Typische Symptome sind ein hängender Mundwinkel, ein unvollständiger Lidschluss, eine beeinträchtigte Stirnrunzelung und eine undeutliche Aussprache. In einigen Fällen kann es auch zu einem trockenen Mund, einem trockenen Auge, Problemen beim Essen und mit dem Schmecken sowie Schluckstörungen kommen.

Diagnose von Taubheitsgefühl im Mund

Um die Ursache für das Taubheitsgefühl im Mund zu finden, wird der Arzt oder Zahnarzt eine gründliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei werden folgende Fragen gestellt:

  • Wann ist das Taubheitsgefühl zum ersten Mal aufgetreten?
  • Hält das Taubheitsgefühl seitdem an oder verschwindet es zwischendurch wieder?
  • Tritt das Taubheitsgefühl ein- oder beidseitig auf?
  • Gibt es weitere Symptome wie Kribbeln, Brennen, Schmerzen oder Lähmungen?
  • Gibt es Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Multiple Sklerose oder CMD?
  • Werden Medikamente eingenommen?
  • Gab es kürzlich zahnärztliche Behandlungen oder Verletzungen im Mundbereich?

Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt oder Zahnarzt den Mundraum, die Zunge, die Lippen und das Gesicht inspizieren. Er wird auch die Sensibilität in den betroffenen Bereichen prüfen und die Funktion der Gesichtsmuskulatur beurteilen.

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Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie zum Beispiel:

  • Blutuntersuchung: Zur Überprüfung von Vitaminmangel, Entzündungen oder anderen Erkrankungen.
  • Neurologische Untersuchung: Zur Überprüfung der Nervenfunktion und zum Ausschluss neurologischer Erkrankungen wie Multiple Sklerose.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) zur Darstellung von Gehirn, Nerven oder Kiefergelenken.
  • Elektroneurographie (ENG): Zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit.
  • Liquoruntersuchung: Zur Untersuchung der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit bei Verdacht auf neurologische Erkrankungen.

Behandlung von Taubheitsgefühl im Mund

Die Behandlung des Taubheitsgefühls im Mund richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige Beispiele sind:

  • Nahrungsmittelreizungen: Vermeidung der auslösenden Lebensmittel.
  • Zahnärztliche Eingriffe: Abwarten, bis die Wirkung des Betäubungsmittels nachlässt.
  • Vitaminmangel: Einnahme von Vitaminpräparaten.
  • Schlaganfall: Notfallmäßige Behandlung zur Wiederherstellung der Durchblutung des Gehirns.
  • Multiple Sklerose: Immunmodulatorische Therapie zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs.
  • CMD: Behandlung mit Aufbissbehelfen, Physiotherapie und Schmerzmitteln.
  • Fazialisparese: Kortisontherapie, antivirale Medikamente und Physiotherapie.
  • Neurologische Erkrankungen: Behandlung der Grunderkrankung.
  • Angst und Panikattacken: Psychotherapie und Entspannungsübungen.
  • Tumore: Chirurgische Entfernung, Strahlentherapie oder Chemotherapie.
  • Medikamente und Toxine: Absetzen des Medikaments oder Behandlung der Vergiftung.

In einigen Fällen kann auch eine symptomatische Behandlung erforderlich sein, um die Beschwerden zu lindern. Dazu können Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente oder spezielle Mundspülungen gehören.

Was Sie selbst tun können

Neben der ärztlichen Behandlung können Sie auch selbst einiges tun, um die Beschwerden zu lindern:

  • Vermeiden Sie auslösende Faktoren: Wenn Sie wissen, dass bestimmte Lebensmittel oder Medikamente das Taubheitsgefühl auslösen, sollten Sie diese meiden.
  • Achten Sie auf eine gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig für die Gesundheit der Nerven.
  • Vermeiden Sie Stress: Stress kann die Symptome verschlimmern. Versuchen Sie, Stress abzubauen, zum Beispiel durch Entspannungsübungen oder Yoga.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und kann helfen, Verspannungen abzubauen.
  • Vermeiden Sie enge Kleidung: Enge Kleidung, insbesondere im Bereich der Beine, kann die Durchblutung beeinträchtigen und Taubheitsgefühle verstärken.
  • Überprüfen Sie Ihre Sitzposition: Wenn Sie häufig unter eingeschlafenen Füßen leiden, sollten Sie Ihre Sitzposition überprüfen und vermeiden, die Beine zu überkreuzen.
  • Trainieren Sie Ihr Körperbewusstsein: Übungen wie Yoga oder der Body Scan können Ihnen helfen, Ihren Körper besser wahrzunehmen und Missempfindungen zu erkennen.

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