Taubheitsgefühl nach Chiropraktik: Ursachen, Behandlung und Risiken

Neurologische Beschwerden können sich vielfältig äußern, oft unscheinbar, manchmal plötzlich und in jedem Fall belastend. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Migräne, Schwindelgefühle, Taubheitsgefühle oder Kribbeln in Armen und Beinen, aber auch Sehstörungen, Konzentrationsprobleme, innere Unruhe oder sogar Schlafstörungen. Vielen ist nicht bewusst, dass diese Beschwerden ihren Ursprung in der Wirbelsäule haben können - genauer gesagt: in Fehlstellungen, die unser zentrales Nervensystem irritieren. Die Chiropraktik setzt genau dort an, wo sich Struktur und Funktion begegnen: an der Wirbelsäule. Erfahrene Chiropraktiker betrachten das Nervensystem ganzheitlich, denn jedes noch so kleine Gelenk, das aus dem Gleichgewicht gerät, kann auf sensible Nervenbahnen drücken. Die Folge: Signale aus dem Gehirn werden gestört oder fehlgeleitet, und der Körper reagiert mit Beschwerden.

Ursachen von Taubheitsgefühlen im Zusammenhang mit der Wirbelsäule

Taubheitsgefühle, Kribbeln, Brennen oder einschießende Schmerzen - Nervenreizungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Beschwerden in Rücken, Armen oder Beinen.

  • Blockaden der Wirbelsäule: Eine Blockade im Bereich der oberen Halswirbelsäule kann den Nervus occipitalis reizen, was häufig zu Spannungskopfschmerzen oder migräneartigen Anfällen führt. Auch Taubheitsgefühle in Fingern können auf eine Blockade im Bereich der Hals- oder Brustwirbelsäule zurückgehen, wenn dort Nerven eingeengt werden.
  • BWS-Syndrom: Menschen mit einem Brustwirbelsäulensyndrom (BWS-Syndrom) haben mit einer Reihe von Beschwerden zu kämpfen, die im Bereich der Brustwirbelsäule auftreten. Typische Symptome sind ziehende Schmerzen im Brustkorb und Beeinträchtigungen beim Atmen, besonders bei tiefen Atemzügen. Häufig führt ein BWS-Syndrom auch zu schmerzvollem Ziehen, welches entlang der Rippen ausstrahlt, da Brustwirbel und Rippen über Gelenke miteinander verbunden sind. Auch Muskelverspannungen im Rücken- und Schulterbereich sind Begleiterscheinungen, bisweilen treten sogar Taubheitsgefühle in Armen und Händen auf.
  • Weitere Ursachen: Eine permanente schlechte Körperhaltung, falsche Sitzpositionen, eine dauernd sitzende Tätigkeit, eine einseitige Belastung der Rückenmuskulatur und psychischer Stress können zu Muskelverspannungen im Rückenbereich beitragen und somit indirekt Blockaden der Brustwirbelsäule begünstigen. Bewegungsmangel, aber auch plötzliche ruckartige oder ungewohnte Bewegungen sind die Vorläufer eines Brustwirbelsyndroms.

Die Rolle der Chiropraktik bei der Behandlung von Taubheitsgefühlen

Die Chiropraktik kann helfen, das Nervensystem zu entlasten und wieder in Balance zu bringen. Erfahrene Chiropraktiker betrachten nicht nur einzelne Symptome, sondern den Menschen als Ganzes.

  • Ganzheitlicher Ansatz: Die Chiropraktik zielt darauf ab, funktionelle Störungen zu beheben, die Druck oder Zug auf Nerven ausüben. Chiropraktiker analysieren die Körperstatik, Beweglichkeit und nervale Funktion gezielt.
  • Behandlungsmethoden: Mit sanften, präzisen Impulsen können Blockaden gelöst werden, etwa im Bereich der Halswirbelsäule bei Migräne oder im unteren Rücken bei Ischiasbeschwerden. Viele Patienten berichten bereits nach wenigen Sitzungen von einer spürbaren Linderung: Kopfschmerzen nehmen ab, das Gleichgewicht stabilisiert sich, Konzentration und Schlaf verbessern sich.
  • Individueller Behandlungsplan: Chiropraktiker entwickeln gemeinsam mit dem Patienten einen individuellen Behandlungsplan, der auf ihn abgestimmt ist, mit regelmäßigen Kontrollen und alltagstauglichen Tipps zur Unterstützung des Nervensystems.

Chiropraktische Techniken und ihre Anwendung

Chiropraktische Therapiemaßnahmen werden insbesondere von Chiropraktikern, Osteopathen und Physiotherapeuten angewandt. Es werden zwei therapeutische Eingriffe unterschieden: die Mobilisation und die Manipulation.

  • Mobilisation: Bei der Mobilisation wird langsam, schonend und wiederholt auf das Gelenk eingewirkt, so dass bei zu starker Einwirkung jederzeit die Therapie problemlos abgebrochen werden kann.
  • Manipulation: Bei der Manipulation wird nach spezieller Griffanlage und Durchführung einer Probemobilisation ein sehr schneller, kurzer Impuls auf das blockierte Gelenk gegeben, wodurch eine Deblockierung erzielt werden soll. Die Wirbelsäulenmanipulation, umgangssprachlich unter dem Begriff „Einrenken“ bekannt, wird eingesetzt, um muskuloskelettale Schmerzen im Nacken- und Rückenbereich zu lindern.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken der Chiropraktik

Die Wirbelsäulenmanipulation wird als relativ sicher angesehen, obwohl sie mit einer Reihe leichterer Beschwerden und selten auch mit schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen verbunden sein kann.

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  • Leichtere Beschwerden: Leichtere Beschwerden treten nach chiropraktischer Manipulation an der Wirbelsäule häufig auf, wobei die Häufigkeitsrate in aktuellen Untersuchungen zwischen 33 und 60,9 Prozent beträgt. Verstärkte Schmerzen und Nackensteifigkeit sind das häufigste unerwünschte Ereignis. Bei der Hälfte aller Patienten treten leichte bis mittelschwere Symptome wie Schwindel, Benommenheit, Kopfschmerzen und Taubheit auf; diese Symptome sind vorübergehend und verschwinden ohne Residuen.
  • Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse: Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse treten demgegenüber nach Manipulation der Wirbelsäule seltener auf. Zu ihnen werden der Bandscheibenvorfall, das Cauda-Equina-Syndrom und vertebrobasiläre Verletzungen gezählt. Die Inzidenz dieser Komplikationen wird in der Literatur unterschiedlich angegeben. Weitere von Neurologen und Chiropraktikern in Fallberichten genannte schwerwiegende Nebenwirkungen waren Schlaganfall, Myelopathie, Radikulopathie, Zwerchfellparese, pathologische Wirbelfraktur und eine intrakranielle Hypotonie aufgrund einer Liquorrhoe im Rückenmarksbereich.
  • Vertebrobasiläre Dissektion: Publikationen, die das Auftreten von vertebrobasilären Dissektionen oder Gefäßverschlüssen im Zusammenhang mit der chiropraktischen Manipulation der Halswirbelsäule untersuchen, umfassen Fallberichte, prospektive Analysen und Fall-Kontroll-Studien. Während in früheren Analysen davon ausgegangen wurde, dass Schlaganfälle oder vertebrobasiläre Dissektionen mit einer Häufigkeit von 1:1-3 Millionen Manipulationen auftreten, gehen neuere Publikationen von einer Inzidenz von 5:100.000 Manipulationen aus.

Die Bedeutung einer sorgfältigen Diagnose und individuellen Behandlungsplanung

Vor einer chiropraktischen Behandlung ist eine sorgfältige Diagnose unerlässlich, um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln und mögliche Risiken zu minimieren.

  • Anamnese und Untersuchung: Durch ein erstes Beratungsgespräch und eine körperliche Untersuchung prüft der Therapeut, ob die Beschwerden des Patienten überhaupt durch eine chiropraktische Behandlung therapiert werden können und dürfen. Im Anamnesegespräch fragt der Therapeut nach Intensität, Dauer und Art der Schmerzen und durch welche Bewegungen sie ausgelöst werden. Außerdem sind frühere Erkrankungen, Operationen, die Einnahme von Medikamenten oder der allgemeine Lebensstil von Interesse.
  • Ausschluss organischer Erkrankungen: In einigen Fällen werden Röntgenuntersuchungen benötigt, um organische Erkrankungen auszuschließen.
  • Individuelle Therapieplanung: Auf der Basis dieser Informationen stellt der Behandelnde eine genaue Diagnose und plant die Therapie.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten und Selbsthilfemaßnahmen

Neben der chiropraktischen Behandlung gibt es weitere Möglichkeiten, Taubheitsgefühle und Schmerzen im Zusammenhang mit der Wirbelsäule zu lindern.

  • Mobilisierung der Brustwirbelsäule: Katzenbuckel und Pferderücken im Vierfüßlerstand, Brustkorb dehnen durch Verschränken der Hände hinter dem Kopf und Ziehen der Ellbogen nach hinten.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann helfen, verspannte Muskeln zu entspannen und Schmerzen zu lindern. Bei akuten Schmerzen oder Entzündungen kann Kälte jedoch ebenfalls hilfreich sein.
  • Massage: Eine sanfte Massage kann die Durchblutung fördern und Verspannungen lösen.
  • Atemübungen: Tiefe Atemübungen können die Spannung im Brustbereich reduzieren und die Entspannung fördern.
  • Ergonomie am Arbeitsplatz: Eine schlechte Körperhaltung, besonders am Arbeitsplatz, kann das BWS-Syndrom verschlimmern. Stuhl und Tischhöhe sollten so eingestellt sein, dass die Füße flach auf dem Boden stehen und die Knie einen rechten Winkel bilden.
  • Regelmäßige Pausen: Lange Sitzzeiten können die Beschwerden verstärken. Planen Sie regelmäßige Pausen ein, um aufzustehen und sich zu bewegen.

Die Qualifikation des Therapeuten ist entscheidend

Die Chiropraktik darf in Deutschland nur von Heilpraktikern oder Ärzten mit Zusatzausbildung in der Chiropraktik ausgeübt werden. Es gibt unterschiedliche Berufsgruppen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Ausbildungen und Bezeichnungen in diesem Bereich.

  • Chirotherapeuten: Ärzte mit einer Zusatzausbildung im Bereich Chiropraktik.
  • Chiropraktoren: Absolvieren ein vier- bis sechsjähriges Vollzeitstudium mit abschließendem Praxisjahr. Um in Deutschland praktizieren zu können, müssen sie eine amtliche Heilpraktikererlaubnis erlangen.
  • Chiropraktiker: Heilpraktiker, die eine Fortbildung in Chiropraktik absolviert haben.

Vor Therapiebeginn sollte man unbedingt nach der Qualifikation und Erfahrung des Therapeuten fragen und abklären, ob die Krankenkasse die Kosten für die gewählte Behandlung übernehmen kann.

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