Taubheitsgefühl nach Schilddrüsenoperation: Ursachen und Behandlung

Eine Schilddrüsenoperation ist ein häufiger Eingriff, der jedoch, wie jede Operation, mit bestimmten Risiken und möglichen Nebenwirkungen verbunden ist. Eines der möglichen Symptome, das nach einer solchen Operation auftreten kann, ist ein Taubheitsgefühl. Dieses Gefühl kann verschiedene Ursachen haben und unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Ursachen für Taubheitsgefühl nach Schilddrüsenoperation

Taubheitsgefühle nach einer Schilddrüsenoperation können verschiedene Ursachen haben. Einige der häufigsten sind:

Verletzung des Kehlkopfnervs (Nervus recurrens)

Eine Ursache für Taubheitsgefühl und Heiserkeit nach Schilddrüsenoperationen ist eine (ein- oder auch beidseitige) Stimmbandlähmung. Ärzte nennen das Recurrens-Parese, da es sich um eine Verletzung des in unmittelbarer Nähe verlaufenden Kehlkopfnervs (Nervus recurrens) handelt. Der Nervus recurrens verläuft direkt hinter der Schilddrüse (entlang der Schilddrüsenkapsel) und ist hauchdünn wie ein Seidenfaden, so dass er vom Arzt leicht übersehen und verletzt werden kann, zum Beispiel durch den Kontakt mit dem Operationsbesteck. Aber auch durch Zerrung und Druck sowie durch Schwellung oder Blutergüsse im Bereich des Kehlkopfs können die filigranen Nervenbahnen verletzt werden. Das hat zur Folge, dass die Nervenimpulse nicht mehr richtig an die Kehlkopfmuskeln übertragen werden.

Die meisten operationsbedingten Stimmbandlähmungen beruhen auf einer unbemerkten Zerrung oder Schwellung der sehr feinen Nerven. Wurde der Nerv bei der OP dargestellt, in seiner Kontinuität erhalten und nicht irreparabel geschädigt, bilden sich die meisten solcher Lähmungen von selbst wieder zurück. Bei nicht bekannter Schädigungslokalisation ist die Zeitspanne bis zur erhofften Erholung nicht vorhersagbar. Die meisten solcher Paresen erholen sich innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten, manchmal werden Ausheilungen auch noch nach über 1 Jahr beobachtet.

Beeinträchtigung der Nebenschilddrüsenfunktion (Hypoparathyreoidismus)

Während der Operation ist es möglich, dass die Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyroideae) verletzt und daher in ihrer Funktion gestört werden. Die Nebenschilddrüsen sind wichtig für den Kalzium-Stoffwechsel. Werden die Nebenschilddrüsen während der Operation verletzt (oder entfernt), kann es zu einer vorübergehenden Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus) kommen, wodurch zu wenig Parathormon hergestellt wird. In der Folge gerät der Kalzium-Phosphat-Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Ein gestörter Kalzium-Stoffwechsel kann sich unter anderem durch Gefühlsstörungen oder Muskelkribbeln (vor allem in den Fingern, Armen, Beinen und um den Mund herum) oder auch durch Muskelkrämpfe und Kopfschmerzen äußern.

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Narbenbildung und Verwachsungen

Im Allgemeinen heilen die Narben einer Schilddrüsen-OP am Hals sehr gut. Die Narbenbildung ist aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Das betrifft sowohl die Zeitdauer bis zum Endzustand als auch das kosmetische Resultat. In seltenen Fällen kommt es zu überschießenden Vernarbungen oder unangenehmen Verwachsungen. Bei überschießenden Wulstbildungen der Narbe (Keloid) können spezielle Injektionen oder Folien eingesetzt werden.

Manchmal kommt es trotz optimaler Narbenpflege zu anhaltenden Verziehungen bei ansonsten kosmetisch schönen Narben. Dann ist die Haut eingezogen oder sie verzieht sich beim Schlucken und bei Halsbewegungen. Die Ursache sind Verwachsungen zwischen Haut, Unterhautgewebe und Halsmuskulatur. Die Ausprägung und der Leidensdruck der Patienten können sehr unterschiedlich sein. Betroffen sind meist schlanke Frauen mit wenig Unterhautfett. Störende Narbenverwachsungen können meist mit relativ geringem Aufwand operativ gelöst werden.

Diagnose und Behandlung

Untersuchung der Stimmbandfunktion

Zum frühzeitigen Erkennen evtl. Stimm- und Sprachstörungen sollte nach jeder Schilddrüsen-OP eine zeitnahe Kontrolle der Stimmbandfunktion durch eine Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) erfolgen. Das ist die gleiche Untersuchung wie vor der OP und geschieht am besten noch während der stationären Behandlung oder beim ambulanten Fadenzug. Bei dieser Untersuchung wird die Beweglichkeit der Stimmbänder überprüft. Zusätzlich können auch noch andere Befunde wie Blutergüsse der Stimmbänder oder Schwellungen im Kehlkopfbereich festgestellt werden.

Schwellungs- oder blutergussbedingte Stimmstörungen bilden sich meist relativ rasch komplett zurück und erfordern nur selten eine weitere Behandlung. Bei Stimmbandlähmungen hängen die Heilungsaussichten ganz wesentlich von der Ursache der Lähmung ab. Allerdings lässt sich diese nicht immer genau feststellen.

Zur Verbesserung der Stimmfunktion stehen verschiedene Behandlungsverfahren zur Verfügung. Die Wichtigste ist zunächst die Logopädie. Bei entsprechendem Training kann das gesunde Stimmband einen Teil der Funktion des gelähmten Stimmbandes übernehmen. Die meisten Betroffenen erreichen so eine für sie zufriedenstellende Stimmqualität zurück. Ist dies nicht der Fall, gibt es auch noch verschiedene Korrekturmöglichkeiten durch entsprechend versierte HNO-Ärzte.

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Überwachung der Nebenschilddrüsenfunktion

Bei einer Operation an der Schilddrüse kann die Funktion einer oder mehrerer Nebenschilddrüsen beeinträchtigt werden. Dadurch kann es zu einem Abfall des Parathormon- und nachfolgend u. a. auch des Kalziumspiegels im Blut kommen (postoperativer Hypoparathyreoidismus). Zum frühzeitigen Erkennen einer solchen Komplikation sollten die entsprechenden Blutwerte nach jeder Schilddrüsenoperation zeitnah kontrolliert werden. Wird dabei ein Hypoparathyreoidismus festgestellt, wird den betroffenen Patienten zunächst ein Kalzium- und zusätzlich meist auch ein Vitamin-D-III-Präparat verschrieben.

Insgesamt haben die Nebenschilddrüsen ein enormes Erholungspotential. Unter günstigen Bedingungen kann sogar eine einzige gut funktionierende Nebenschilddrüse nach einer gewissen Anpassungszeit eine ausreichende Hormonproduktion sicherstellen. Das kann jedoch einige Wochen bis Monate dauern. Lässt sich bei den postoperativen Blutkontrollen eine relevante Parathormonproduktion nachweisen, besteht Hoffnung auf Ausheilung. Dafür ist es wichtig, das verbliebene Nebenschilddrüsengewebe zur vermehrten Hormonproduktion anzuregen. Wenn möglich, geschieht dies durch eine probeweise Reduzierung der täglichen Kalzium- und Vitamin-D-Dosis. Voraussetzung dafür ist eine engmaschige Abstimmung zwischen Patient und Arzt. Im Verlauf zeigen Kontrollen der entsprechenden Blutwerte dann, ob sich die Nebenschilddrüsenfunktion wieder normalisiert und auf eine weitere Medikamentengabe verzichtet werden kann, was bei einem Großteil der Patienten mit einem postoperativen Hypoparathyreoidismus der Fall ist und manchmal etwas Zeit benötigt.

Kommt es nicht zu einer ausreichenden Erholung, ist eine dauerhafte Behandlung mit Calcium- und/oder Vitamin-D-Präparaten erforderlich. Gelingt damit keine zufriedenstellende Einstellung, steht mittlerweile auch ein synthetisches Parathormon zur Verfügung, das allerdings täglich gespritzt werden muss.

Behandlung von Narben und Verwachsungen

Bei überschießenden Wulstbildungen der Narbe (Keloid) können spezielle Injektionen oder Folien eingesetzt werden. Störende Narbenverwachsungen können meist mit relativ geringem Aufwand operativ gelöst werden.

Nachsorge nach Schilddrüsenoperation

Bei regelrechtem Heilverlauf werden die Wundpflaster und der Hautfaden im Sana-Krankenhaus Hürth sieben Tage nach der Operation entfernt. Dies ist sowohl beim Hausarzt als auch in der Klinik-Ambulanz möglich. Die weitere Behandlung hängt von der Grunderkrankung, der durchgeführten OP und dem Verlauf ab. Bei glattem Verlauf können die Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wieder an den normalen alltäglichen Aktivitäten teilnehmen. Nach dem Fadenzug empfehlen wir noch für eine weitere Woche körperliche Schonung. Anschließend sind nach Schilddrüsenoperationen wegen gutartiger Erkrankungen in der Regel keine weiteren körperlichen Einschränkungen mehr erforderlich. Dann kann auch wieder sauniert oder Sport getrieben werden.

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Bei glattem Verlauf hängt die Dauer der Arbeitsunfähigkeit primär vom Befinden und der Berufstätigkeit des einzelnen Patienten ab. Manche Patienten wollen und dürfen schon unmittelbar nach der stationären Entlassung wieder arbeiten, andere brauchen etwas länger.

Ziele der Nachsorge bei gutartigen Erkrankungen sind die optimale Einstellung der Schilddrüsenhormone sowie die bestmögliche Vorbeugung von Krankheitsrückfällen (Rezidivprophylaxe). Die Art der medikamentösen Nachbehandlung richtet sich nach der Grunderkrankung sowie der Größe und Qualität eventuell belassener Schilddrüsenreste. Je nachdem, wie viel Schilddrüsengewebe entfernt bzw. erhalten werden konnte, hat dies auch einen Einfluss auf das hormonelle Gleichgewicht. Grundsätzlich gilt: Je mehr Schilddrüsengewebe entfernt wird, desto ausgeprägter ist der Abfall des Hormonspiegels.

Wurde bei der OP die gesamte Schilddrüse entfernt, ist in jedem Fall ein lebenslanger medikamentöser Hormonersatz mit Schilddrüsenhormonen erforderlich. Wurde bei der OP gesundes und funktionstüchtiges Schilddrüsengewebe belassen, kann dieses je nach Volumen und Qualität auf Dauer eine ausreichende eigene Hormonproduktion gewährleisten, sodass die Patienten auch ohne künstliches Schilddrüsenhormon lebensfähig sind. Bei der Anpassung kann es durch körpereigene Regulationsmechanismen zur vermehrten Ausschüttung schilddrüsenstimulierender Hormone in der Hirnanhangdrüse kommen, wodurch das Risiko für erneute Knotenbildungen oder sonstige krankhafte Veränderungen in den Schilddrüsenresten steigt. Um dies zu verhindern, erhalten Patienten mit funktionstüchtigen Schilddrüsenresten von weniger als etwa 6 Gramm zumindest vorübergehend ein Schilddrüsenhormon-Präparat. Je nach Grunderkrankung kann die Funktion der Restschilddrüse durch eine zusätzliche tägliche Jodbeigabe unterstützt werden. Hierzu gibt es entsprechende Kombinationspräparate. Bleibt nach der OP mehr als etwa 6 Gramm funktionstüchtiges Schilddrüsengewebe erhalten, kann bei ausreichender Eigenproduktion auf eine medikamentöse Hormongabe verzichtet werden. Zur Unterstützung der Schilddrüsenfunktion und zur Rezidivprophylaxe werden dann lediglich Jod-Tabletten rezeptiert.

Unter Berücksichtigung aller wichtigen operativen und pathologischen Befunde sollte die medikamentöse Nachbehandlung für jeden einzelnen Patienten individuell festgelegt werden. Medikament der Wahl für den Hormonersatz ist synthetisches L-Thyroxin. Es wird in einer gewichtsadaptierten Dosis rezeptiert. Der Patient sollte das Thyroxin nach Möglichkeit täglich zur gleichen Zeit und möglichst auf nüchternen Magen einnehmen. Die meisten Patienten kommen mit einer einmaligen morgendlichen Einnahme etwa 30 Minuten vor dem Frühstück sehr gut zurecht, manche Patienten fühlen sich mit einer abendlichen Einnahme vor dem Schlafengehen besser oder stückeln ihre Dosen.

Falls keine Besonderheiten auftreten, erfolgt in der Regel vier bis sechs Wochen nach der Operation eine erste Kontrolle der wichtigsten Schilddrüsenwerte im Blut durch den niedergelassenen Arzt (Hausarzt, Nuklearmediziner, Endokrinologe). Je nach Blutwerten und Befinden des Patienten muss die Hormondosis eventuell etwas nach unten oder oben korrigiert werden. Nach unserer Erfahrung ist dies bei etwa einem Drittel der Patienten der Fall. Damit gelingt in den allermeisten Fällen eine optimale und für den Patienten zufriedenstellende medikamentöse Einstellung. Es ist auch nicht dramatisch, wenn der Patient mal eine Einnahme vergisst oder aus Versehen zwei Tabletten am Tag nimmt. Bei manchen Patienten muss man bis zur optimalen Einstellung ein wenig tricksen und z. B. verschiedene Einnahmezeitpunkte, Dosen oder Präparate ausprobieren.

Ist der Patient medikamentös gut eingestellt, sind häufig routinemäßige Kontrollen der Blutwerte in Abständen von etwa 6-12 Monaten ausreichend. Dabei sollten dann auch evtl. verbliebene Schilddrüsenreste mit Ultraschall kontrolliert werden. Einem erfahrenen Arzt gelingt eine gute hormonelle Einstellung in der Regel problemlos. Dann sind auch keine Nebenwirkungen oder sonstige nachteilige Folgen, wie z. B.

Nachsorge bei Schilddrüsenkrebs

Nach Vorliegen aller Befunde wird gemeinsam mit dem Patienten entschieden, ob noch und ggf. welche weiteren Krebsbehandlungen erforderlich sind. Im SchilddrüsenZentrum Köln erfolgt die Abstimmung und Koordination mit den entsprechenden Experten unter Einbindung des Hausarztes. Eine gute Nachsorge dient der Überwachung der Tumorfreiheit und der optimalen Einstellung mit Schilddrüsenhormonen. Eine klassische Strahlen- oder Chemotherapie wird nur sehr selten eingesetzt. Am häufigsten erfolgt eine Radiojodtherapie. Diese wird je nach Tumorstadium bei papillären, follikulären und onkozytären Schilddrüsenkrebsen durchgeführt. Umfang und Intensität der Nachsorge unterscheiden sich bei den einzelnen Tumorarten und -stadien mitunter erheblich und sollten bei den meisten Krebsen zumindest in der ersten Zeit von einem Spezialisten festgelegt werden. Bei gutem Verlauf werden die Nachsorgeintervalle mit der Zeit größer. Die meisten Patienten führen schon bald wieder ein völlig normales Leben. Die Diagnose Krebs ist für die meisten Patienten jedoch erst einmal ein Schock. Sie führt zu Verunsicherung und Angst. Denn an Krebs erkrankt nicht nur der Körper. Auch die Seele gerät aus dem Gleichgewicht. Deshalb ist es wichtig, möglichst offen über die Erkrankung zu sprechen. Erfahrungsgemäß kann der Austausch mit anderen Betroffenen hilfreich sein. Hierzu gibt es Selbsthilfegruppen speziell für Patienten mit Schilddrüsenkrebs.

Ernährung nach Schilddrüsenoperation

Das kommt ganz darauf an, wie viel Schilddrüsengewebe bei der OP belassen wurde und welche Qualität ein solcher Schilddrüsenrest hat. Wurde die Schilddrüse komplett entfernt (Thyreoidektomie), kann man im Prinzip alles essen und trinken, auch mehr oder weniger Jod ist im Prinzip egal. Wurden bei der OP gesunde und ausreichend große Schilddrüsenreste belassen, kann deren Funktion durch eine gute Jod-Zufuhr unterstützt werden, sodass eventuell keine Thyroxin-Tabletten eingenommen werden müssen. Durch eine gute Jodversorgung soll auch eine erneute Knotenbildung oder Vergrößerung der Schilddrüse (Rezidivstruma) verhindert werden (Rezidivprophylaxe). Gibt es allerdings belassene Schilddrüsenreste mit einem Hashimotobefall, dann sollten besser keine zusätzlichen Jodpräparate eingenommen werden. Ist es nach einer Schilddrüsen-OP zu einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen und zu einem Calcium-Mangel im Blut gekommen, dann empfiehlt sich eine calciumreiche Ernährung (z. B. Milchprodukte, Käse) und die Aufnahme von viel Vitamin D (z. B. in Fisch). Ansonsten gibt es keine speziellen Empfehlungen oder Einschränkungen nach einer Schilddrüsen-OP.

Sport nach Schilddrüsenoperation

Das kann man nicht pauschal beantworten. Das kommt auf die genaue Art der Operation, den Verlauf, die hormonelle Einstellung und die Sportart an. Im Allgemeinen kann man sagen, dass man nach einer „normalen“ OP wegen einer gutartigen Schilddrüsenerkrankung bei gutem Verlauf etwa 14 Tage nach der OP wieder mit Breitensport (z. B. Joggen, Tennis, Radfahren) beginnen kann. Leistungssport sollte nur in Absprache mit dem Arzt betrieben werden.

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