Taubheitsgefühl im rechten Bein: Ursachen, Behandlung und Liebscher & Bracht Ansatz

Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens ein Taubheitsgefühl im Bein, oft begleitet von Schmerzen im unteren Rücken. Dieses Phänomen kann verschiedene Ursachen haben, wobei Probleme im Bereich der Lendenwirbelsäule häufig eine Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für ein Taubheitsgefühl im rechten Bein im Zusammenhang mit der Lendenwirbelsäule und stellt den Ansatz von Liebscher & Bracht zur Behandlung dieser Beschwerden vor.

Die Wirbelsäule und ihre Bedeutung

Die Wirbelsäule ist das zentrale Element des menschlichen Rückens, ein komplexes Gebilde aus Knochen, Muskeln und Nervensträngen. Sie besteht aus 24 freien Wirbeln, die in der Längsachse von zwei Bändern stabilisiert werden. Diese Wirbel sind in drei Abschnitte unterteilt: Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule. Die Wirbelsäule gewährleistet nicht nur eine aufrechte Körperhaltung, sondern schützt auch das Rückenmark, über das die gesamte Kommunikation zwischen Körper und Gehirn läuft.

Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern befinden sich 23 Bandscheiben, die wie Stoßdämpfer wirken und für Beweglichkeit sorgen. Sie bestehen aus einem äußeren Ring aus Faserknorpel und einem weichen, gelartigen Kern. Durch Bewegung werden die Bandscheiben be- und entlastet, wodurch sie Nährstoffe aufnehmen und Abfallstoffe abgeben können.

Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl im rechten Bein

Ein Taubheitsgefühl im rechten Bein, oft in Verbindung mit Rückenschmerzen, kann verschiedene Ursachen haben, die häufig im Bereich der Lendenwirbelsäule liegen:

Spinalkanalstenose

Die Spinalkanalstenose beschreibt eine Verengung des Wirbelkanals, die vor allem bei Menschen über 60 Jahren auftritt. Häufigste Ursache ist der natürliche Alterungsprozess, der zu Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule führt. Durch den Verschleiß werden die Bandscheiben flacher, was die Wirbelkörper stärker belasten kann. Dies führt zur Bildung knöcherner Anbauten (Osteophyten), Gleitwirbeln oder Wirbelgelenkarthrose. Die Verengung des Wirbelkanals kann das Rückenmark und die Spinalnerven einengen, was zu Rücken- und Beinschmerzen sowie Taubheitsgefühlen führen kann. Typischerweise verspüren Betroffene Schmerzen und können keine weiten Strecken mehr gehen.

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Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) tritt auf, wenn der weiche Kern einer Bandscheibe durch die äußere, faserige Hülle hervortritt. Dies kann durch Verschleiß, Fehlbelastung oder abrupte Bewegungen geschehen. Etwa zwei Drittel aller Bandscheibenvorfälle kommen im Bereich der Lendenwirbelsäule vor, wobei besonders die Bandscheiben zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel (L4/L5) und zwischen dem 5. Lendenwirbel und 1. Sakralwirbel (L5/S1) betroffen sind.

Ein Bandscheibenvorfall kann eine Vielzahl von Symptomen hervorrufen, darunter Rückenschmerzen, die in Arme oder Beine ausstrahlen, sowie Taubheitsgefühle oder Kribbeln. Die Schmerzen können sowohl im Ruhezustand als auch bei Bewegung auftreten.

Bandscheibenprotrusion

Eine Bandscheibenprotrusion liegt vor, wenn sich die Bandscheibe zwischen zwei Wirbelkörpern in den Wirbelkanal vorwölbt, ohne dass der Faserring reißt. Auch diese Vorwölbung kann Druck auf das Rückenmark oder die Spinalnerven ausüben und ähnliche Symptome wie bei einem Bandscheibenvorfall verursachen.

Lendenwirbelsäulen-Syndrom (LWS-Syndrom)

Der Begriff LWS-Syndrom fasst verschiedene Beschwerdebilder im Bereich der Lendenwirbelsäule zusammen. Dazu gehören unter anderem:

  • Facettensyndrom/Spondylarthrose: Eine Erkrankung der Wirbelgelenke, die durch Bewegungsarmut oder einseitige Bewegungsmuster entstehen kann.
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthesis): Hierbei verschiebt sich ein Wirbelkörper gegenüber dem darunterliegenden, was zu Instabilität und Schmerzen führen kann.
  • ISG-Blockade: Eine Blockade des Iliosakralgelenks (Kreuz-Darmbein-Gelenks), die die normale Gelenkfunktion einschränkt und Schmerzen verursachen kann.

Lumboischialgie

Unter einer Lumboischialgie versteht man einen Schmerzzustand im unteren Rücken, bei dem die Wurzeln des Ischiasnervs beteiligt sind, sodass Beschwerden auch in seinem Versorgungsgebiet auftreten. Der Ischiasnerv verläuft von der Lendenwirbelsäule bis zu den Füßen und ist der längste Nerv im Körper. Eine Reizung der Nervenwurzeln im Bereich der Lendenwirbel kann zu ausstrahlenden Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Kribbeln im Bein führen.

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Hexenschuss (Lumbago)

Ein Hexenschuss ist ein akuter Kreuzschmerz, der sich besonders im Lendenwirbelbereich bemerkbar macht und meist durch eine ungewohnte oder ruckartige Bewegung ausgelöst wird. Dabei kommt es zu einer schmerzhaften Blockade oder Verspannung der Muskeln, Gelenke und Bänder am Rücken, die die Nerven an der Wirbelsäule reizt.

Der Liebscher & Bracht Ansatz

Der Ansatz von Liebscher & Bracht adressiert muskulär-fasziale Spannungen und Verhärtungen im Gewebe, die nach deren Auffassung häufig die Ursache für Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind. Durch einseitige Bewegungsmuster, insbesondere langes Sitzen, können Muskeln und Faszien verkürzen und verkleben, was zu einer Fehlbelastung der Wirbelsäule und der Bandscheiben führen kann.

Die Liebscher & Bracht Methode setzt sich aus aktiven und passiven Komponenten zusammen:

  • Liebscher & Bracht Übungen®: Gezielte Dehnübungen, die darauf abzielen, einseitige Bewegungsmuster auszugleichen und die Muskeln und Faszien wieder in ihre volle Länge zu bringen. Die Übungen werden aktiv in den Schmerz hinein ausgeführt und für etwa 2 Minuten gehalten, um die nötigen Veränderungsreize zu setzen.
  • Faszien-Rollmassage: Durch das Rollen mit einer Faszienrolle wird das Fasziengewebe "ausgedrückt", sodass es sich anschließend wieder mit frischer, nährstoffreicher Flüssigkeit vollsaugen kann. Dadurch können sich Verklebungen lösen und die Faszienschichten gleiten besser. Es wird empfohlen, die Medi-Rolle zu verwenden, um die Dornfortsätze an der Wirbelsäule zu schonen.
  • Osteopressur: Eine spezielle Drücktechnik, bei der definierte Schmerzpunkte an der Knochenhaut für etwa 2 Minuten gedrückt werden, um eine Schmerzlinderung zu erzielen.

Beispiele für Liebscher & Bracht Übungen®

  1. Dehnung der Brustwirbelsäule:
    • Hände unten an das Gesäß platzieren.
    • Leisten langsam nach vorne schieben, während man sich mit dem Oberkörper nach hinten lehnt.
    • Brustbein nach vorne schieben und die Schulterblätter sanft zusammenziehen.
    • Kopf langsam und vorsichtig nach hinten fallen lassen.
    • Position langsam verlassen, beginnend mit dem Kopf.
    • Anschließend ein Hohlkreuz machen und sich nach vorne beugen.
  2. Seitliche Dehnung:
    • Rechten Arm nach oben strecken und ihn nach links über den Kopf beugen.
    • Rechte Hüfte so weit wie möglich nach rechts schieben.
    • Oberkörper nach links beugen und mit der linken Hand das linke Bein nach unten gleiten.
    • Kopf zur Seite neigen.
    • Position halten und tief ein- und ausatmen.
    • Anschließend die andere Seite dehnen.
  3. Rotation des Oberkörpers:
    • Arme horizontal zur Seite ausstrecken.
    • Hüfte gerade stehen lassen und den Bauchnabel nach links drehen.
    • Brustbein ebenfalls nach links drehen.
    • Arme so weit wie möglich nach links nehmen.
    • Kopf ebenfalls nach links drehen.
  4. Faszien-Rollmassage des Rückens:
    • Auf die Medi-Rolle setzen, sodass sie auf der Höhe des Steißbeins liegt.
    • Langsam nach oben rollen, wobei möglichst viel Gewicht auf die Rolle gebracht wird.
    • Für die Halswirbelsäule aufrecht hinsetzen, die Medi-Rolle in beide Hände nehmen und langsam über den Hals nach unten rollen.

Wichtige Hinweise zur Durchführung der Übungen

  • Vor Beginn der Übungen sollte immer ein Arzt konsultiert werden, um sicherzustellen, dass sie für den individuellen Fall geeignet sind.
  • Die Übungen sollten in einem eigenen Tempo und ohne Überanstrengung durchgeführt werden.
  • Es sollte immer auf den Körper gehört und vermieden werden, über den Schmerzpunkt hinauszugehen.
  • Bei anhaltenden Schmerzen sollte ein zertifizierter Liebscher & Bracht Therapeut aufgesucht werden.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Neben dem Liebscher & Bracht Ansatz gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Taubheitsgefühl im Bein im Zusammenhang mit der Lendenwirbelsäule:

  • Konservative Therapie: Gezielte Bewegungsübungen, Physiotherapie und bei Bedarf schmerzlindernde Medikamente.
  • Wärmeanwendungen: Können bei Verspannungen und Schmerzen lindernd wirken.
  • Injektionen: Injektionen von Schmerzmitteln oder Kortison direkt in den Spinalkanal können vorübergehend Linderung verschaffen.
  • Operation: Eine Operation kommt nur in Frage, wenn konservative Behandlungsmöglichkeiten über längere Zeit nicht den gewünschten Erfolg bringen und die Beschwerden weiter bestehen.

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