Grüner Tee ist mehr als nur ein beliebtes Getränk; er ist ein vielseitiges Naturprodukt mit einer langen Geschichte und einer Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen. Seine Wirkung auf das vegetative Nervensystem ist besonders interessant, da dieses System eine zentrale Rolle bei der Steuerung autonomer Körperfunktionen spielt. Dieser Artikel beleuchtet die Inhaltsstoffe des grünen Tees, ihre Wirkungsweisen und die spezifischen Effekte auf das vegetative Nervensystem.
Inhaltsstoffe und ihre Bedeutung
Die Zusammensetzung des grünen Tees hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Anbaubedingungen, die Erntezeit und die Verarbeitung der Teeblätter. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen gehören:
Koffein (Teein): Ein Alkaloid, das im Tee als Teein vorkommt. Ein Glas grünen Tee (150 ml) enthält durchschnittlich etwa 40 mg Koffein, weniger als eine Tasse Kaffee. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft einen täglichen Konsum von 400 mg Koffein für Erwachsene als gesundheitlich unbedenklich ein, während für Schwangere und Stillende eine Obergrenze von 200 mg gilt. Für Kinder und Jugendliche wird eine Zufuhr von 3 mg Koffein pro kg Körpergewicht/Tag als sicher angesehen.
Genussmittel Koffeingehalt [mg] Kaffee (150 ml) 50-150 Espresso (50 ml) 50-150 Schwarzer Tee (150 ml) 30-60 Grüner Tee (150 ml) 40-70 Cola-Getränk (330 ml) bis zu 60 Energy-Drink (250 ml) 80 Vollmilchschokolade (100 g) 20 Halbbitterschokolade (100 g) 75 Das Teein aus Tee wird besser vertragen als das Koffein aus Kaffee, da es anders gebunden ist. Teein kann die geistige Leistungsfähigkeit für etwa zwei bis drei Stunden steigern. Im Gegensatz dazu ist das Koffein im Kaffee an Kalium gebunden, was zu einer schnelleren, aber kürzeren Wirkung führt.
Theophyllin und Theobromin: Koffeinähnliche Substanzen, die gefäßerweiternd und blutdrucksenkend wirken.
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Gerbstoffe (Tannine): Verbindungen wie Catechine und Gallussäurederivate, die dem Tee seinen bitteren Geschmack verleihen. Der Gerbstoffgehalt variiert je nach Anbaubedingungen. Gerbstoffe binden Koffein und verlangsamen dessen Aufnahme im Darm.
Epigallokatechine (EGCG): Eine Gruppe von Catechinen, die zur Untergruppe der Polyphenole gehören und krebsvorbeugende Eigenschaften haben.
Flavonoide und Saponine: Sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativen Eigenschaften. Flavonoide stärken die Abwehrkräfte und beugen Herzinfarkt vor, während Saponine zur Krebsvorbeugung beitragen und den Cholesterinspiegel senken können.
Carotinoide, Cumarine, Chlorophyll und Phenolsäuren: Weitere sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativen und gesundheitsfördernden Eigenschaften.
Ätherische Öle: Grüner Tee enthält 75 verschiedene ätherische Öle.
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Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente: Wichtige Mikronährstoffe, die die geistige Leistungsfähigkeit und die Gesundheit von Herz, Kreislauf, Verdauung, Immunsystem, Haut, Haaren und Knochen unterstützen.
Aminosäuren: Grüner Tee enthält 25 Aminosäuren, darunter Theanin, Asparaginsäure und Glutaminsäure, die durch ihre antioxidative Wirkung die körperliche und geistige Gesundheit unterstützen.
Einflussfaktoren auf die Qualität des Grüntees
Die Qualität des Grüntees wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst:
- Anbaulage und Höhe des Anbaugebietes
- Bodenbeschaffenheit
- Teepflanzenmaterial
- Erntezeit
- Qualität der Pflückung
- Art der Blattverarbeitung nach der Pflückung
Eine schonende Handpflückung der jungen, unverletzten Blätter gewährleistet eine hohe Teequalität.
Die Wirkung von Grüntee auf das vegetative Nervensystem
Das vegetative Nervensystem (VNS) steuert autonome Funktionen wie Atmung, Verdauung und Herzschlag. Es besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Der Sympathikus ist für die Aktivierung des Körpers in Stresssituationen zuständig, während der Parasympathikus für Entspannung und Regeneration sorgt.
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Teein und das vegetative Nervensystem
Im Gegensatz zum Koffein im Kaffee, das direkt über das Herz wirkt, beeinflusst das Teein im grünen Tee das vegetative Nervensystem. Das an Gerbstoffe gebundene Teein wirkt zunächst auf den Sympathikus und den Parasympathikus, was zu einer langsameren, aber länger anhaltenden Wirkung führt. Kaffee hingegen verursacht eine vermehrte Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin, was den Puls beschleunigt und Stoffwechselvorgänge kurzzeitig ankurbelt.
Beruhigende und anregende Effekte
Grüner Tee kann sowohl beruhigende als auch anregende Effekte haben. Bei Stress und Gereiztheit kann er die Nerven beruhigen und bei Niedergeschlagenheit das Gemüt aufhellen. Gleichzeitig kann er die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit steigern. Diese duale Wirkung ist auf die Kombination von Koffein und L-Theanin zurückzuführen. L-Theanin fördert die Entspannung und reduziert Stress, während Koffein die Aufmerksamkeit und Wachsamkeit erhöht.
Stressreduktion und Hormonbalance
Dauerhafter Stress kann zu einer Überaktivität des Sympathikus führen, was negative Auswirkungen auf den Körper haben kann. Grüner Tee kann helfen, das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus wiederherzustellen. Studien haben gezeigt, dass grüner Tee die Umwandlung von Progesteron in Cortisol hemmen kann, was zu einer besseren Hormonbalance beiträgt.
Weitere gesundheitliche Vorteile von Grüntee
Neben den Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem bietet grüner Tee eine Vielzahl weiterer gesundheitlicher Vorteile:
- Antioxidative Wirkung: Gerbstoffe und andere Inhaltsstoffe wirken als Antioxidantien und schützen den Körper vor freien Radikalen und Zellschäden.
- Krebsvorbeugung: Epigallokatechine (EGCG) hemmen die Krebsentwicklung und können das Risiko der Bildung von Tochtergeschwülsten verringern.
- Herz-Kreislauf-Gesundheit: Flavonoide senken das Sterblichkeitsrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und Gerbstoffe senken den Cholesterinspiegel und verhindern zu hohen Blutdruck.
- Immunstärkung: Saponine wirken immunmodulatorisch und stärken das Immunsystem.
- Entgiftung: Grüner Tee fördert die Entgiftung der Leber und des Organismus und unterstützt den Abbau von Alkohol, Fetten und Abfallprodukten.
- Stoffwechselanregung: Grüner Tee beschleunigt den Stoffwechsel und fördert die Verdauung.
- Blutzuckerspiegelregulierung: Polysaccharide im grünen Tee können zur Verringerung des Blutzuckerspiegels beitragen.
Zubereitung und Genuss von Grüntee
Um die gesundheitlichen Vorteile des grünen Tees optimal zu nutzen, ist die richtige Zubereitung entscheidend:
- Verwenden Sie 8 bis 10 Gramm Teeblätter pro Liter Wasser.
- Kochen Sie das Wasser und lassen Sie es auf 70-80 °C abkühlen.
- Gießen Sie das Wasser über die Teeblätter in einem vorgewärmten Gefäß.
- Lassen Sie den Tee maximal 2-4 Minuten ziehen, um eine übermäßige Gerbstoffauslösung zu vermeiden.
- Seihen Sie die Teeblätter ab und trinken Sie nur den ersten Aufguss.
- Verfeinern Sie den Tee bei Bedarf mit Zitronensaft oder Naturhonig, vermeiden Sie jedoch Milch und Sahne, da diese die Teegerbstoffe binden.
- Bewahren Sie die Teeblätter in speziellen Grünteedosen oder Gefäßen aus Glas, Keramik, Kunststoff oder Porzellan kühl und dunkel auf.
Grüner Tee im Vergleich zu anderen Getränken
Kaffee vs. Grüner Tee
Obwohl sowohl Kaffee als auch grüner Tee Koffein enthalten, wirken sie unterschiedlich auf den Körper. Kaffee wirkt schneller, aber kürzer, während grüner Tee eine sanftere und länger anhaltende Wirkung hat. Grüner Tee enthält auch L-Theanin, das beruhigende Eigenschaften hat und die negativen Auswirkungen von Koffein reduzieren kann.
Schwarzer Tee vs. Grüner Tee
Grüner Tee wird im Gegensatz zu schwarzem Tee nicht fermentiert, wodurch er mehr biologisch wirksame Substanzen enthält. Die antioxidative Aktivität ist bei grünem Tee höher als bei fermentiertem Tee.
Kräutertee vs. Grüner Tee
Kräutertees sind eine gute Alternative für Menschen, die kein Koffein konsumieren möchten. Grüner Tee bietet jedoch zusätzliche gesundheitliche Vorteile aufgrund seiner spezifischen Inhaltsstoffe wie Catechine und EGCG.
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