Die emotionale Landschaft des Gehirns: Bereiche, Mechanismen und Bedeutung

Gefühle wie Liebe, Sehnsucht, Trauer und Wut sind ein integraler Bestandteil des menschlichen Erlebens. Die Neurowissenschaften haben bedeutende Fortschritte bei der Entschlüsselung der neuronalen Grundlagen von Emotionen gemacht und enthüllt, wie verschiedene Gehirnbereiche zusammenarbeiten, um unsere Gefühlswelt zu formen.

Die Amygdala: Das Zentrum der Gefühlsverarbeitung

Die Amygdala, ein Gehirnbereich im limbischen System, gilt als ein wichtiger Ort der Gefühlsverarbeitung. Raymond Joseph Dolan vom University College in London konnte mithilfe intelligenter Kombination neuester bildgebender Techniken die Emotionen sichtbar machen und experimentell belegen, dass die Amygdala eine entscheidende Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen spielt. Auch die Speicherung emotionaler Erlebnisse konnte er verfolgen, wobei die Amygdala eng mit dem Hippocampus zusammenarbeitet. Das Verständnis dieser Zusammenhänge hilft, neue Therapieansätze für Störungen dieser Mechanismen zu finden. Für seine Pionierarbeiten erhielt er am 19.

Die Amygdala im Detail

Die Amygdala ist eine mandelförmige Struktur, die sich tief im Temporallappen des Gehirns befindet. Sie ist Teil des limbischen Systems, das eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen, dem Gedächtnis und dem Triebverhalten spielt. Die Amygdala empfängt sensorische Informationen aus verschiedenen Bereichen des Gehirns und bewertet diese Informationen, um emotionale Reaktionen auszulösen.

Die Funktion der Amygdala

Die Amygdala ist an einer Vielzahl von emotionalen Prozessen beteiligt, darunter:

  • Angst: Die Amygdala spielt eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Angst und Furcht. Sie aktiviert das Alarmsystem des Körpers bei Bedrohung und löst physiologische Reaktionen wie erhöhten Herzschlag, beschleunigte Atmung und erhöhten Blutdruck aus.
  • Wut: Die Amygdala ist auch an der Verarbeitung von Wut beteiligt. Sie kann aggressive Verhaltensweisen auslösen, wenn sie eine Bedrohung oder Ungerechtigkeit wahrnimmt.
  • Freude: Die Amygdala kann auch positive Emotionen wie Freude und Glück verarbeiten. Sie ist an der Belohnungsverarbeitung beteiligt und kann positive Verstärkung verstärken.
  • Sozialverhalten: Die Amygdala spielt eine Rolle bei der Verarbeitung sozialer Informationen und der Steuerung des Sozialverhaltens. Sie kann helfen, soziale Hinweise zu erkennen und angemessen auf soziale Situationen zu reagieren.

Die Amygdala und das Gedächtnis

Die Amygdala arbeitet eng mit dem Hippocampus zusammen, einem anderen wichtigen Gehirnbereich des limbischen Systems, der für das Gedächtnis zuständig ist. Die Amygdala kann emotionale Inhalte in Gedächtnisspuren einprägen und so dafür sorgen, dass wir uns an Ereignisse mit starken emotionalen Inhalten besser erinnern.

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Das limbische System: Ein Netzwerk für Emotionen und mehr

Das limbische System ist eine Ansammlung komplizierter Strukturen in der Mitte des Gehirns, die den Hirnstamm wie einen Saum (lat.: limbus) umgeben. Es ist ein entwicklungsgeschichtlich alter Bereich des Gehirns, der sich zwischen dem Neocortex (Teil der Großhirnrinde) und dem Hirnstamm befindet. Es ist das Zentrum aller Emotionen, kontrolliert unsere Äußerungen von Wut, Angst und Freude und hat Einfluss auf das Sexualverhalten, auf vegetative Funktionen des Organismus und auf das Gedächtnis und die Merkfähigkeit.

Bestandteile des limbischen Systems

Zum limbischen System gehören verschiedene Gehirnbereiche, die eng miteinander verbunden sind und zusammenarbeiten, um emotionale Reaktionen und Verhaltensweisen zu steuern. Zu den wichtigsten Bestandteilen des limbischen Systems gehören:

  • Amygdala: Wie bereits erwähnt, ist die Amygdala ein zentraler Bestandteil des limbischen Systems und spielt eine entscheidende Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen, insbesondere Angst und Furcht.
  • Hippocampus: Der Hippocampus ist für das Gedächtnis zuständig und arbeitet eng mit der Amygdala zusammen, um emotionale Inhalte in Gedächtnisspuren zu prägen.
  • Thalamus: Der Thalamus fungiert als Filter und leitet sensorische Informationen an die Großhirnrinde und das limbische System weiter.
  • Hypothalamus: Der Hypothalamus ist das Steuerzentrum für Hormone und reguliert wichtige Körperfunktionen wie Atmung, Schlaf-Wach-Rhythmus und Motivation.
  • Gyrus cinguli: Der Gyrus cinguli ist an der Verarbeitung von Emotionen, der Aufmerksamkeitssteuerung und der Entscheidungsfindung beteiligt.

Funktion des limbischen Systems

Das limbische System reguliert das Affekt- und Triebverhalten gegenüber der Umwelt. Alle eingehenden sensorischen Informationen werden im limbischen System koordiniert und finden hier ihre emotionale Antwort. Besonders eng ist zum Beispiel der Geruchssinn mit dem limbischen System verknüpft. Auch überlebenswichtige vegetative Funktionen wie Atmung, Schlaf-Wach-Rhythmus sowie Motivation werden durch unser limbisches System gesteuert.

Lernvorgänge sind nur möglich, wenn den Inhalten, die gespeichert werden sollen, auch Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Um Wissen über Ereignisse im richtigen Kontext abspeichern und auch wieder abrufen zu können, sich zu erinnern (Langzeitgedächtnis), über früher Erlebtes berichten zu können und die Fähigkeit, sich in einer neuen Umgebung zurecht zu finden, sich orientieren zu können - alle diese Funktionen sind nur über unser Limbische System möglich.

Die Rolle der Großhirnrinde bei der Emotionsregulation

Die Großhirnrinde, insbesondere der präfrontale Cortex, spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Emotionen. Der präfrontale Cortex ist der Sitz der exekutiven Funktionen, die es uns ermöglichen, Gedanken und Gefühle zu koordinieren und zu kontrollieren.

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Exekutive Funktionen

Zu den exekutiven Funktionen gehören:

  • Arbeitsgedächtnis: Die Fähigkeit, Informationen im Gedächtnis zu behalten und zu bearbeiten.
  • Impulskontrolle: Die Fähigkeit, spontanen Impulsen zu widerstehen und erst zu denken, dann zu handeln.
  • Geistige Flexibilität: Die Fähigkeit, eine Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und sich auf neue Anforderungen schnell einzustellen.

Die Verbindung zwischen präfrontalem Cortex und Amygdala

Der präfrontale Cortex hat direkte neuronale Verbindungen zur Amygdala und kann deren Funktion beeinflussen. Er kann die Amygdala hemmen und so emotionale Reaktionen unterdrücken. Er kann aber auch die Amygdala aktivieren und so emotionale Reaktionen verstärken.

Die Bedeutung der Emotionsregulation

Die Fähigkeit zur Emotionsregulation ist wichtig für unser Wohlbefinden und unsere soziale Kompetenz. Sie ermöglicht es uns, unsere Emotionen in angemessener Weise auszudrücken und mit schwierigen Situationen umzugehen. Eine gestörte Emotionsregulation kann zu psychischen Problemen wie Angststörungen, Depressionen und Aggressionen führen.

Emotionen und Entscheidungen: Mehr als nur rationale Überlegungen

Emotionen beeinflussen unser Denken und Handeln in vielfältiger Weise. Christian Büchel vom Institut für systemische Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) betont: "Was wir auch entscheiden, immer beeinflussen Emotionen unser Denken und unser Handeln." Die nüchterne, rationale Entscheidung ist eine Fata Morgana. Inzwischen sehen das sogar die Ökonomen ein, die immer häufiger die Neurowissenschaftler um Rat fragen, um ihre Strategien dem menschlichen Gehirn entsprechend zu verfeinern.

Das emotionale Gehirn

Neueste Forschungsergebnisse lassen keinen Zweifel daran, dass das Gehirn ein emotionales Gehirn ist. Dabei ist der Einfluss der Gefühle von Mensch zu Mensch, von Mann zu Frau unterschiedlich stark entwickelt. Immer aber nisten sich Gefühle in allen Regionen der Großhirnrinde ein.

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Der Einfluss emotionaler Bilder

Wie stark Bilder einen Menschen "verwirren" können, zeigt folgender Versuch: Die Teilnehmer sitzen vor einem Bildschirm und müssen eine Taste drücken, wenn ein bestimmtes Symbol auf dem Bildschirm erscheint. Die Zeit, die vom Auftauchen des Bildes bis zum Drücken der Taste verstreicht, wird gemessen. Werden nun neben dem Symbol emotionale Bilder eingeblendet, verzögert sich die Entscheidung deutlich.

Die Rolle der Amygdala bei Entscheidungen

Es ist die Amygdala, der Mandelkern, die neben dem Hypothalamus und dem Stammhirn das Gehirn auf Emotionen programmiert. Sie ist Teil des Limbischen Systems. Das Limbische System ist eine Ansammlung komplizierter Strukturen in der Mitte des Gehirns, die den Hirnstamm wie einen Saum (lat.: limbus) umgeben. Die Amygdala ist die entscheidende Schaltstelle für die Stabilisierung der Gemütslage, für Aggression und Sozialverhalten.

Wie entscheidend diese Gehirnstruktur für unsere Gemütslage ist, entdeckten die Forscher kürzlich: Zeigt man einem Versuchsteilnehmer 20 Millisekunden lang das Bild eines ängstlichen Menschens und anschließend sofort 200 Millisekunden lang ein anderes Foto, erinnert sich der Versuchsteilnehmer bewußt an das erste Bild nicht mehr. "Aber mit den bildgebenden Verfahren konnten wir zeigen, daß die Nervenzellen der Amygdala als Reaktion auf das erste Bild aktiv wurden. Es scheint also einen Superhighway zu geben: Sehen und Reagieren, ohne zu wissen, warum", berichtet Büchel.

Evolutionäre Bedeutung von Emotionen

Das Faszinierende sei, so der Forscher, daß die Amygdala besonders dann stark anspringt, wenn die Gesichter eindeutig vor einer Gefahr warnen. Dieser Befund ist ein weiterer Hinweis darauf, daß Menschen Gefühle im Verlauf der Evolution vor allem deswegen entwickelt haben, um zu überleben und um sich fortzupflanzen. "Die ursprüngliche Aufgabe der Gefühle war, rasch vor Gefahr zu warnen oder Vertrautheit zu signalisieren", erläutert Büchel.

Kulturelle Einflüsse auf Emotionen

Kulturabhängig dagegen ist, was die Menschen als Belohnung empfinden - auch wenn im Gehirn für diese emotionale Reaktion stets ein Teil der Basalganglien verantwortlich ist. Die Hirnstruktur wird immer aktiv, wenn wir etwas erleben, daß wir als Belohnung empfinden. "Schon bei Babys sind das süße Speisen", sagt Büchel.

Bewusste Wahrnehmung und Kontrolle von Gefühlen

Doch auch wenn wir ein emotionales Gehirn haben, der Mensch ist seinen Gefühlen trotzdem nicht vollkommen ausgeliefert. "Der Mensch kann seine Gefühle bewußt wahrnehmen und entscheiden, ob er ihnen folgen will - auch wenn in diese Entscheidung bereits wieder Gefühle einfließen", sagt Prof. Büchel. Der Grund: Jedes Gefühl ändert auch unsere Körperwahrnehmung.

Emotionen in der Forschung: Neue Einblicke durch bildgebende Verfahren

Die Fortschritte in den bildgebenden Verfahren, allen voran der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT), haben es möglich gemacht zu beobachten, welche Regionen des Gehirns bei welchen motorischen Verrichtungen oder mentalen und emotionalen Prozessen und Zuständen aktiviert sind. Anhand dieses bildgebenden Verfahrens wollen Wissenschaftler jetzt auch Aufschluss über die Regulation von Emotionen gewinnen.

Das Forschungsprojekt "animal emotionale"

Im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts „animal emotionale“ (www.animal-emotionale.de) soll die Rolle von Emotionen als Bindeglied zwischen Erkennen und Handeln aus philosophischer und neurowissenschaftlicher Sicht untersucht werden. Leitidee ist dabei die Annahme, dass Emotion und Kognition sich notwendig wechselseitig erfordern und ein durchgängig affektiver Weltbezug für höhere kognitive Leistungen unabdingbar ist.

Emotionale Selbstregulation und kognitive Kontrolle

In dem Teilprojekt „Emotionale Selbstregulation und kognitive Kontrolle“ wird unter anderem die Frage beantwortet, wie einmal hervorgerufene emotionale Zustände durch kognitive Prozesse beeinflusst werden können. So wird mittels fMRT-Einsatz untersucht, welche Faktoren emotionale Selbstregulation ermöglichen, wann diese hilfreich ist und inwiefern die Art und Weise der Regulation das Emotionserleben bestimmt.

Die fMRT-Studien

Für ihre fMRT-Studien nutzt das Team aus Neurologen und Psychologen zwei MR-Tomografen im benachbarten MRT-Zentrum der Life & Brain GmbH, einer Ausgründung unter anderem des Bonner Universitätsklinikums. Die leistungsstarken Geräte (1,5 Tesla und drei Tesla) stehen dort ausschließlich für Forschungszwecke zur Verfügung.

20 bis 40 Teilnehmer würden in der Regel für eine Scan-Studie rekrutiert, bei genetischen Untersuchungen auch bis zu 80 Probanden, erläutert Diplom-Psychologin Dina Maria Schardt. Im Rahmen des Projekts erforscht sie die neuronalen Grundlagen sowie die durch das Verhalten bestimmten (behavioralen) und die psychophysiologischen Korrelate der Regulation vor allem negativer Emotionen einschließlich deren Interaktion mit genetischer Disposition und Geschlecht.

Die Versuchsanordnung

Eine Versuchsanordnung sieht beispielsweise so aus, dass der Proband in der Röhre auf einem Bildschirm Bilder mit ekelerregenden, Furcht einflößenden oder neutralen Motiven betrachten muss, insgesamt 96 Bilder in vier Blöcken à neun Minuten Dauer. Jede Aufnahme wird ihm rund acht Sekunden lang gezeigt. Vor jedem Bild wird in zufälliger Anordnung die Anweisung eingeblendet: „Gefühle unterdrücken“ oder „Gefühle zulassen“. Anhand des lokalen Sauerstoffverbrauchs der neuronalen Zellen lässt sich errechnen, welche Regionen des Gehirns besonders aktiviert sind. Als zusätzliche Variable wird die elektrodermale Aktivität gemessen, die emotionalbedingtes Stressempfinden des Probanden widerspiegelt.

Die Rolle der Amygdala und des präfrontalen Kortex

Vor allem die Amygdala als zentrale subkortikale emotionsrelevante Struktur und der präfrontale Kortex als Region mit exekutiver Kontrollfunktion und direkten neuronalen Verbindungen zu subkortikalen Strukturen stehen dabei im Mittelpunkt der Untersuchung. In den beiden Mandelkernen als Teil des limbischen Systems werden die Sinneseindrücke mit Gefühlen wie Angst, Wut oder Freude verbunden. Da nachgewiesen wurde, dass der präfrontale Kortex die Funktion der Amygdala nicht nur bei ausdrücklich instruierter, sondern auch bei intuitiver, nicht instruierter Emotionsregulation beeinflusst, soll vor allem die funktionelle Verbindung dieser beiden Hirnareale während der Ausübung von emotionsregulatorischen Prozessen genauer untersucht werden.

Emotionen und soziale Interaktion in einer Neurobiologie der Moral

Im dritten Teilprojekt geht es um „Emotionen und soziale Interaktion in einer Neurobiologie der Moral“, das heißt um die Frage, inwiefern emotionale und soziale Faktoren zu moralischen Entscheidungen beitragen.

Zorn: Eine Emotion mit vielen Facetten

Zorn ist eine der grundlegenden menschlichen Emotionen. Sie kann als Reaktion auf eine Bedrohung, eine Ungerechtigkeit oder eine Verletzung entstehen. Zorn kann aber auch konstruktiv sein, wenn er uns dazu anspornt, etwas zu verändern oder uns für unsere Rechte einzusetzen.

Die Entstehung von Zorn

Emotionen entstehen in einem evolutionär sehr alten Bereich unseres Gehirns, dem limbischen System. Ein Teil davon und für Emotionen sehr wichtig ist die Amygdala - eine mandelförmige Ansammlung von Nervenzellkörpern, auf Schläfenhöhe der beiden Hirnhälften gelegen. Sie ist mit anderen Strukturen des limbischen Systems verbunden, unter anderem dem Hypothalamus.

Normalerweise wird die Amygdala von unserer Großhirnrinde im Stirnbereich gehemmt, und wir verhalten uns bedacht und kontrolliert. In einer bedrohlichen Situation aber springt das uralte Notfallsystem an: Die Reizinformation gelangt über Augen und Ohren in die Mittlerstation Thalamus. Dieser schickt den Reiz nun über zwei Wege weiter - ins limbische System, genauer in die Amygdala, und in die Großhirnrinde. Die Amygdala übernimmt das Ruder, indem sie den hemmenden Stirnbereich außer Kraft setzt und über den Hypothalamus das Alarmsystem des Körpers aktiviert.

Die körperlichen Auswirkungen von Zorn

Zorn versetzt den Körper über das Sympathikus-System in Alarmzustand. Die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin werden ausgeschüttet, der Herzschlag beschleunigt, Blutdruck und Muskeltonus steigen. Das Blut wird umverteilt - raus aus dem Verdauungstrakt, rein in die Muskeln. Die werden gebraucht, wenn unser Körper gleich entweder um sein Leben rennen oder darum kämpfen muss.

Die Mimik des Zorns

Im Zorn verwandelt sich unser Gesicht in eine Fratze. Die Augenbrauen ziehen sich zusammen, der Blick wird stechend. Der Unterkiefer schiebt sich nach vorn. Bei manchen Menschen pressen die Lippen aufeinander, werden schmal. Andere zeigen Zähne. Bekannt geworden ist seine Theorie, dass diese Zornesmimik von jedem Menschen in jedem Kulturkreis verstanden wird.

Die Funktion des Zorns

"Emotionen haben sich in der Evolution entwickelt, damit wir rasch auf lebenswichtige Ereignisse in unserem Leben reagieren können", schreibt Paul Ekman. Wenn Zorn dann als Gefühl ins Bewusstsein dringt, steuert er unsere Handlungsabläufe. "Wir werden zornig, wenn wir etwas im Kopf haben, eine Vision oder ein Ziel - und jemand oder etwas hindert uns daran, dorthin zu gelangen", sagt Paul Ekman. Haben wir den Eindruck, dass das mit Absicht passiert, wird unser Ärger noch heftiger. Zweck des Zorns ist immer die Beseitigung eines Hindernisses, durch Drohung oder durch einen Angriff.

Die Schattenseiten des Zorns

Und hier liegt die Gefahr: Zorn provoziert neuen Zorn, und er kann schnell in Gewalt umschlagen. Häufig treten Angst und Zorn unter derselben Bedrohung auf, aber Zorn mindert die Angst und setzt Energien frei.

Der Zorn hat - auch wegen seiner Nähe zur Gewalt - in unserer Gesellschaft kein gutes Image. Wer öffentlich ausrastet, gilt als charakterschwach. Schon zornige Kinder verlieren die Achtung ihrer Altersgenossen. Der Zorn hatte, auch wegen seiner Nähe zu Aggression und Gewalt, seit Anbeginn der Zivilisation einen schlechten Stand: Das Christentum verdammt ihn als eine der sieben Todsünden. Auch für den Islam ist er Teufelszeug.

Zorn vor Gericht

Vor Gericht kann Zorn als mildernder Umstand gelten: Wer im Affekt, also in einem außergewöhnlichen Gefühlszustand, eine Tat begeht (Paragraf 20 des Strafgesetzbuches spricht von einer "tief greifenden Bewusstseinsstörung"), kann als eingeschränkt schuldfähig oder sogar als schuldunfähig eingestuft werden.

Der Umgang mit Zorn

Ist es nun besser, dem Zorn nachzugeben oder ihn zu unterdrücken? Stresshormone ausgeschüttet werden und das limbische System daueraktiv ist. Verhaltensänderungen erzeugen. Drogenkonsum oder Aggression. Zorn kann also hilfreich sein. "Er sagt uns, dass etwas geändert werden muss", schreibt Paul Ekman.

Strategien zur Zornbewältigung

Es gibt verschiedene Strategien, um mit Zorn umzugehen:

  • Die Situation verlassen: Wenn man merkt, dass man wütend wird, kann es hilfreich sein, die Situation zu verlassen und sich zu beruhigen.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeitsmeditation können helfen, den Körper zu beruhigen und den Zorn zu reduzieren.
  • Kognitive Umstrukturierung: Kognitive Umstrukturierung bedeutet, die eigenen Gedanken und Überzeugungen zu hinterfragen und zu verändern. Wenn man zum Beispiel glaubt, dass einem Unrecht getan wurde, kann man versuchen, die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
  • Kommunikation: Wenn man wütend ist, ist es wichtig, seine Gefühle auf eine konstruktive Weise auszudrücken. Man kann zum Beispiel sagen: "Ich fühle mich wütend, weil…"

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