Ein stechender Schmerz am äußeren Ellenbogen, der selbst einfache Alltagsbewegungen zur Herausforderung macht - das ist häufig ein Anzeichen für einen Tennisarm. Der medizinische Fachbegriff für den Tennisarm lautet Epicondylitis humeri radialis. Der umgangssprachliche Name Tennisellenbogen entstand, weil die Beschwerden ursprünglich häufig bei Tennisspieler:innen auftraten. Ob beim Tippen am Computer, bei handwerklicher Arbeit oder beim Tragen schwerer Gegenstände - immer wiederkehrende Belastungen können die Sehnenansätze am Ellenbogen überfordern. Aber was tun bei einem Tennisarm? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es, und wie läuft die Diagnose ab?
Was ist ein Tennisarm?
Beim Tennisarm oder Tennisellenbogen (Epicondylopathia/Epicondylitis humeri radialis) handelt es sich um eine Erkrankung des Sehnenansatzes am äußeren Knochenfortsatz (Epicondylus lateralis) des unteren Endes des Oberarmknochens (Humerus). An diesem Knochenvorsprung setzen die Sehnen der langen Muskeln an, welche die Hand und Finger strecken und über die Außen- und Oberseite des Unterarms verlaufen. Ein Tennisarm beschreibt eine schmerzhafte Reizung oder Entzündung der Sehnenansätze an der Außenseite des Ellenbogens.
Es ist die Sehne an der Außenseite des Ellenbogens, die schmerzhaft ist. Die entsprechenden Muskeln sitzen am Unterarm und sind für die Streckung des Handgelenkes verantwortlich. Dem entsprechend sind typischerweise Überlastungen der Hand und des Unterarms und gerade nicht des Ellenbogens für den Tennisarm ursächlich!
Ursachen und Risikofaktoren
Die Hauptursache eines Tennisarms liegt in wiederholten Überlastungen der Unterarmmuskulatur und der Sehnenansätze. Die Beschwerden entstehen durch übermäßige Belastungen, wobei die genauen Ursachen nicht bekannt sind. Mediziner vermuten, dass die Über- oder Fehlbelastung zu winzigen Verletzungen sowie zu Verschleiß am Ansatz der Muskelsehnen führt und so die typischen Schmerzen entstehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Betroffenen den jeweiligen Arm kurzfristig ungewohnt stark belastet haben, etwa durch Gartenarbeit oder das Heben eines schweren Gegenstandes, oder ob der Arm langfristig einseitig belastet wurde, ohne dass ein Ausgleich erfolgt ist.
Weitere Beispiele für Ursachen und Risikofaktoren sind:
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- Sportarten: etwa Rudern, Paddeln, Krafttraining, Badminton, Squash
- Handwerk: zum Beispiel Malerarbeiten, Eindrehen von Schrauben, Tischlern
- Musikinstrumente spielen: unter anderem Klavier, Schlagzeug, Geige
- berufliche Tätigkeiten: Arbeit am Computer, an der Kasse, Sortierarbeiten in der Fabrikation
- Hobbys: Gartenarbeit, Heimwerken oder Musizieren (z. B.
- Auch Verspannungen, Fehlhaltungen oder Verschleißerscheinungen im Bereich der Halswirbelsäule können die Entstehung eines Tennisarms begünstigen.
Etwa zwei von hundert Deutschen haben mit einem Tennisarm zu kämpfen. Meistens macht er sich im mittleren Lebensalter bemerkbar. Die Sportart Tennis hat also nicht zwangsläufig etwas mit der Entstehung eines Tennisarms zu tun, sondern ist nur eine von mehreren Tätigkeiten, die typischerweise zu Schmerzen im Arm führen können.
Symptome
Typisch für einen Tennisarm sind Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens. Oft treten sie schon bei leichter Bewegung und Belastung des Arms und der Hand sowie bei Druckeinwirkung auf und strahlen bis in den Unterarm aus. Teilweise sind die Schmerzen sogar bis in den Oberarm oder die Hand spürbar. Menschen mit einem Tennisarm fällt es aufgrund der Schmerzen häufig schwer, einfache Tätigkeiten auszuüben, bei denen sie den Arm belasten müssen. So machen bereits das Halten, Heben oder Tragen von Gegenständen oder das Öffnen einer Flasche Probleme.
Bei einem Tennisarm treten die Symptome abhängig von der vorangegangenen Belastung auf. Schmerzen können also im linken Arm oder im rechten Arm vorkommen oder gleich beide Seiten betreffen. Hauptsächlich äußern sie sich bei Bewegungen, beispielsweise beim Strecken der Hand. Zudem ist dieser Bereich druck- oder berührungsempfindlich. Eventuell strahlen die Schmerzen bis in die Hand oder in den Oberarm aus.
Das sind weitere mögliche Tennisarm-Symptome:
- Die Schmerzen im Arm nehmen bei Belastungen zu.
- Ein kräftiger Händedruck fühlt sich für die Betroffenen unangenehm an oder verursacht Schmerzen.
- Die Funktionsfähigkeit der Hand ist eingeschränkt.
- Die Betroffenen können beispielsweise schlechter zugreifen, eine Flasche aufdrehen oder Gegenstände anheben.
- Im schlimmsten Fall treten die Schmerzen im Arm sogar in Ruhestellung oder in der Nacht auf.
Diagnose
Die Diagnose eines Tennisarms beginnt mit einer ausführlichen Anamnese (Befragung) und einer körperlichen Untersuchung. Dabei ist es wichtig, den genauen Ort und die Stärke der Schmerzen zu beschreiben und anzugeben, ob die Schmerzen beispielsweise ausstrahlen. Der Arzt erkundigt sich auch nach dem Zeitraum, seit wann die Beschwerden bestehen, um einzuordnen, ob die Erkrankung akut oder eventuell bereits chronisch ist. Anschießend führt er eine körperlicheUntersuchung durch, bei der er den Ellenbogen, Unterarm und die Hand abtastet (Palpation) und auf Druckempfindlichkeit testet. Die Bewegungsprüfung dient beispielsweise dazu herauszufinden, welche Bewegungen schmerzhaft sind und ob sich auch passiv Schmerzen auslösen lassen. So versucht der Arzt, betroffene Muskeln zu identifizieren und festzustellen, ob die Schmerzen belastungsabhängig sind oder nicht. Für eine genaue Diagnosestellung und um den Schweregrad der Erkrankung sowie die Funktionalität des Gelenks besser einschätzen zu können, führen Ärzte mitunter sogenannte Provokationstests durch.
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Für den Orthopäden präsentiert sich eine Epicondylitis meist als klarer Fall. Patienten klagen über stechende Schmerzen seitlich am Ellenbogen. Bei Bewegungen oder Streckung des Unterarmes flammt der Schmerz auf. Der Sehnenansatz der Unterarmmuskeln am Oberarm ist am Ansatzpunkt eindeutig druckschmerzhaft. Oft präsentiert sich der Muskel, der im oberen Bereich des Unterarms verläuft, deutlich gerötet und geschwollen. Eine Diagnose durch bildgebende Verfahren ist oft nur zur Bestätigung erforderlich.
MRT bei Tennisarm
Mithilfe von bildgebenden Verfahren lassen sich die anatomischen Strukturen im Ellenbogengelenk genauer betrachten und auf Veränderungen hin untersuchen. Sie werden vor allem bei chronischen oder schweren Verläufen durchgeführt. Besteht der Verdacht, dass Nerven beeinträchtigt sind, bestimmen Ärzte die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG).
Besonders hilfreich ist das MRT zur Darstellung feiner Gewebsveränderungen oder bei Verdacht auf Begleitverletzungen. Im MRT können z. B. seltenere Ursachen für Ellenbogenschmerzen (z. B. Die Radiologie Mühleninsel bietet eine fundierte Diagnostik, einschließlich hochauflösender MRT-Untersuchungen beim Tennisarm. Wenn die Beschwerden länger anhalten, die Diagnose unsicher ist oder ein komplizierter Verlauf vorliegt, kann ein MRT beim Tennisarm sinnvoll sein.
Ablauf einer MRT-Untersuchung:
- Aufklärung und Vorbereitung: Vor der Untersuchung findet ein ausführliches Gespräch mit dem radiologischen Fachpersonal oder der Ärztin/dem Arzt statt. Dabei wird geklärt, ob Kontraindikationen bestehen (z. B. Herzschrittmacher, metallische Implantate oder Platzangst).
- Umkleiden und Sicherheit: Vor dem Betreten des Untersuchungsraums legen Sie metallhaltige Gegenstände (z. B. Schmuck, Uhren, Gürtel, Münzen, Haarnadeln) ab.
- Lagerung und Untersuchung: Für die MRT-Untersuchung wird der betroffene Arm bequem auf einer speziellen Liege positioniert. Die Region des Ellenbogens wird in eine sogenannte Spule eingebettet - ein technisches Element, das für die präzise Bildaufnahme sorgt. Während der Untersuchung liegt man ruhig im Gerät, das röhrenförmig ist. Da das MRT-Gerät während der Bildaufnahme laute Klopf- oder Brummgeräusche erzeugt, erhalten Sie einen Gehörschutz (Ohrstöpsel oder Kopfhörer).
- Auswertung: Im Anschluss werden die Bilddaten von spezialisierten Radiolog:innen ausgewertet. Die Ergebnisse werden Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer behandelnden Ärztin zur weiteren Therapieplanung übermittelt.
Konservative Behandlungsmethoden
Die Therapie verfolgt mehrere Ziele: Entzündung lindern, Heilung fördern, Belastung reduzieren. Meist gelingt dies ohne Operation. Die Behandlung eines Tennisarms erfordert viel Geduld, da eine Heilung langsam eintritt. Oft bildet sich ein Tennisarm innerhalb von 12 Monaten bis zu zwei Jahren von selbst zurück. Einige Therapien können die Heilung positiv beeinflussen. Diese besteht mehrheitlich aus konservativen Behandlungsmethoden. Wichtigster Schritt: Die konsequente Eigenbehandlung!
Was kann man selbst gegen einen Tennisarm machen?
Da ein Tennisarm hauptsächlich auf einer Überbelastung beruht, ist es wichtig, diese zu vermeiden. Während der Therapie sollten Sie Ihren Arm zunächst ruhigstellen und auslösende Faktoren meiden. Legen Sie Pausen ein, wenn Sie die belastende Tätigkeit wieder aufnehmen, damit sich Ihr Arm und die angestrengte Muskulatur wieder regenerieren können. Indem Sie den Bewegungsumfang erweitern oder stärker variieren, können Sie verhindern, die Muskulatur einseitig zu beanspruchen. Ist dies aufgrund der beschränkenden Tätigkeit nicht möglich, eignen sich auch einige Übungen aus der Physiotherapie.
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Eine wichtige Voraussetzung für das Ausheilen des Tennisarms, d.h. für eine dauerhafte Beschwerdefreiheit ist, dass der gereizte Sehnenansatz entlastet wird. Die chronisch erhöhte Spannung muss von der Sehne genommen werden. Konkret heißt Entlastung des Sehnenansatzes für den Patienten zweierlei:
- Tätigkeiten die Schmerzen auslösen, müssen gemieden werden
- Die Unterarmmuskulatur muss regelmäßig, intensiv gedehnt werden
Durch die regelmäßige Dehnung (3 bis 4 mal täglich, jeweils 3 bis 4 mal wiederholen, jeweils Position ca. 20 sec. halten) wird die erhöhte Grundspannung der Muskulatur normalisiert. Eine weitere wichtige Voraussetzung für das Ausheilen der Sehnenreizung ist eine Verbesserung der lokalen Durchblutung, um so die Selbstheilung des Gewebes zu fördern. Empfohlen wird hierzu insbesondere eine selbstständige Eis-Lolly-Behandlung: 1 bis 2 Mal täglich sollte der schmerzhafte Bereich mit dem Eislolly für ca. 10 min. abgerieben werden. Durch die Eisabreibung kommt es reaktiv im Gewebe zu einer maximalen Mehrdurchblutung, ähnlich wie beispielsweise nach einer Schneeballschlacht die Hände anfangen zu glühen.
Medikamente und Salben
Medikamente oder Salben zur Schmerzlinderung mit Wirkstoffen wie nicht-steroidale Antirheumatika (z. B. Gegen die Schmerzen sind nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) die erste Wahl. Dazu zählen zum Beispiel die Wirkstoffe Ibuprofen oder Diclofenac. NSAR können in der akuten Phase des Tennisarms als Tabletten eingenommen werden. Das sollte aber höchstens über einen Zeitraum von wenigen Tagen am Stück erfolgen, in Absprache mit dem behandelnden Arzt auch länger. Sinnvoll ist die zusätzliche Einnahme eines Magenschutzpräparates, um Magenprobleme zu vermeiden. Alternativ können auch Salben mit den genannten Wirkstoffen auf den Tennisellenbogen aufgetragen werden. Was besser hilft, ist nicht bekannt. Denn es gibt keine Studien, die Tabletten und Salben direkt miteinander vergleichen.
Salben sind in aller Regel gut verträglich. Bei Sehnenansatzreizungen besteht meist jedoch nur eine eingeschränkte Wirksamkeit. Die Einnahme von entzündungshemmenden Tabletten (Diclofenac, Ibuprofen etc.) ist nur in Ausnahmefällen empfehlenswert, da Wirkung und Nebenwirkungen häufig in keinem guten Verhältnis stehen. Bei stärkeren Beschwerden machen gezielte Injektionen an den gereizten Sehnenansatz mit einem entzündungshemmenden Präparat Sinn.
Kortison-Injektionen
Kortison-Spritzen sind nach Ansicht der Fachleute nicht die richtige Wahl. Denn durch sie bessern sich zwar in der Regel kurzfristig die Beschwerden. Langfristig sind andere Behandlungsformen aber genauso wirksam, und bei Kortison ist das Risiko für Nebenwirkungen oder Komplikationen höher. Beim akuten Tennisarm mit kurzem Verlauf kann eine Injektion mit einem milden Cortison-Präparat ausnahmsweise ein probates Mittel sein, um eine schnelle und effektive Linderung herbei zu führen. Von den früher oft eingesetzten wiederholten Cortison-Injektionen bei chronischen Verläufen wird heute aufgrund von neuen Studien-Ergebnissen abgeraten, da diese in solchen Fällen die Stoffwechsel-Situation der Sehne eher negativ beeinflussen.
Physiotherapie, Dehn- und Kräftigungsübungen
Häufig sind schon in der Frühphase der Erkrankung zusätzliche gezielte physiotherapeutische Behandlungen sinnvoll, um eine Chronifizierung des Tennisellenbogens zu verhindern. Besonders effektiv ist hier die Durchführung bestimmter Übungen, des so genannten "exzentrischen Krafttrainings", bei dem eine langsame Steigerung des Trainings empfohlen wird. Begleitend kann durch eine spezielle Form von Massage die Durchblutung in der Tiefe des Gewebes verbessert werden. Ähnlich wie diese so genannte Querfriktion wirken auch Ultraschall- oder Elektrotherapie. Krankengymnastische Übungen und Manuelle Therapie am Arm aber auch der Halswirbelsäule sollen die gestörte Spannung der Muskulatur regulieren. Die Physiotherapie sollte 2 bis 3 mal wöchentlich für jeweils 30 bis 60 min. erfolgen.
Das richtige Training verbessert die Beweglichkeit und kann dazu beitragen, dass die Symptome eines Tennisarms schneller abnehmen. Im Vordergrund steht dabei das sogenannte exzentrische Training, bei dem die Streckmuskulatur im Unterarm einerseits gedehnt und andererseits aufgebaut wird. Das Training sollte sanft beginnen und langsam gesteigert werden. Wichtig ist die regelmäßige Durchführung - möglichst dreimal täglich über einen Zeitraum von ein bis drei Monaten. Studien zeigen, dass die Betroffenen so schneller schmerzfrei werden. Am besten wäre es, das Training auch nach Abklingen fortzusetzen, um erneuten Schmerzen im Arm vorzubeugen. Eine manuelle Therapie durch einen Fachmann kann die Behandlung ergänzen.
Bandagen
Die so genannten Epicondylitis-Spangen oder -Bandagen bewirken durch Druck auf die Muskulatur eine Regulierung der gestörten Muskelspannung und führen zu einer leicht veränderten Zugrichtung am schmerzhaften Sehnenansatz. Eine Epicondylitis-Spange sollte über mehrere Stunden täglich insbesondere bei Belastung getragen werden. Die Erfahrungen mit Bandagen und Spangen sind recht unterschiedlich. Es gibt eine ganze Reihe Patienten, die sehr gut auf eine solche Bandage ansprechen, andererseits auch Patienten, bei denen sich durch sie keine Verbesserung erzielen lässt.
Eine Epicondylitis-Orthese leistet eine gezielte und dosierte Kompression am Unterarm. Eine Epicondylitis-Orthese vermindert - vor allem bei Belastung - die Zugspannung am Sehnenansatz und fördert dadurch die Heilung der Epicondylitis. Epicondylitis-Orthesen üben einen leichten, massierenden Druck auf den Unterarmmuskel aus: So wird die Zug-Spannung abgesenkt. Gerade bei Aktivität oder Sport soll diese Epicondylitis-Spange getragen werden, denn sie kann die schmerzhaften Belastungsspitzen im Sehnenansatzgebiet absenken.
Alternative Behandlungsmethoden
- Eigenbluttherapie (ACP/PRP): Der Einsatz von Eigenblut zur Behandlung des Tennisarms hat sich in den letzten Jahren zunehmend bewährt. Hierbei werden entzündungshemmende Wachstumsfaktoren und schmerzlindernde Botenstoffe aus dem Blut des Patienten in einer Zentrifuge aufbereitet und isoliert. Anschließend können sie dann in konzentrierter Form, mittels Injektion direkt an das degenerativ veränderte Sehnengewebe appliziert werden, um die Abheilung zu unterstützen.
- Botoxtherapie: Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass auch die lokale Muskelbehandlung mit Botox erfolgversprechend sein kann. Durch das Botulinum-Toxin wird die Nervenleitung reduziert und somit die Muskulatur dauerhaft entspannt. Bei diesem Verfahren handelt es sich nach heutigem Kenntnisstand um eine experimentelle Therapie-Form, die noch weiter in Studien untersucht werden muss, bevor eine allgemeine Empfehlung ausgesprochen werden kann.
- Stoßwellentherapie: Wissenschaftlich deutlich besser untersucht ist die Stoßwellentherapie. Hierbei werden hochenergetische Schallwellen auf den schmerzenden Sehnenansatz geleitet. Durch die Wellen soll es zur Schmerzreduktion und Ausheilung der Sehnenreizung kommen. Es sind drei bis fünf Behandlungen im Abstand jeweils einer Woche zu empfehlen. In hartnäckigen Fällen oder bei bereits verkalkten Sehnenansätzen wird der Tennisellenbogen durch eine extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) behandelt.
- Akupunktur: Bei der Akupunktur handelt es sich um eine alternative Behandlungsmöglichkeit, die in der Hand des erfahrenen Anwenders z.T. zu erstaunlichen Verbesserungen der Beschwerden beim Tennisarm führt. Über die Akupunktur kann zum einen die Spannung der Muskulatur direkt beeinflusst werden, zum anderen kann der Kreislauf Schmerz -Verspannung - Schmerz nebenwirkungsfrei unterbrochen werden. Es sind in aller Regel 6 bis 10 Sitzungen 2-mal wöchentlich empfohlen.
Operative Behandlung des Tennisarms
Eine Operation ist bei einem Tennisarm das letzte Mittel zur Behandlung und wird nur bei schweren chronischen Fällen erwogen. Die operative Behandlung des Tennisarms steht am Ende der Behandlungsfolge. Sie wird nur dann empfohlen, wenn eine längerfristige intensive konservative Therapie mit Eigenbehandlung, Physiotherapie und medikamentöser Behandlung nicht zu einer dauerhaften Beschwerdefreiheit führt.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Wenn konservative Therapien nicht helfen, kann eine Tennisarm-Operation einen sinnvolle Option sein.
Ablauf des Eingriffs
Grundsätzlich kann der Eingriff stationär oder ambulant erfolgen. Was besser geeignet ist, hängt von der Lebenssituation des Patienten und von vorhandenen Begleiterkrankungen ab. In jedem Fall ist zunächst ein Aufklärungsgespräch sinnvoll, bei dem der Arzt den Ablauf der Operation und typische Risiken erläutert. Der Eingriff erfolgt in der Regel minimal-invasiv arthroskopisch. Bei der Arthroskopie wird das gesamte Gelenk untersucht, um mögliche Begleitverletzungen am Knorpel und Bandapparat auszuschließen. Auch die mögliche Diagnose „Instabilität“ kann hier noch einmal geklärt und bestätigt werden.
Abhängig von der jeweils diagnostizierten Ursache der Beschwerden gibt es folgende Varianten eines operativen Eingriffs:
- Glättung des Sehnenansatzes (Debridement): Bei diesem rein arthroskopischen, minimal-invasiven Eingriff inspiziert der Operateur zunächst das Gelenk, in dem er über kleine Schnitte oder sogenannten Portale eine Kamera ins Gelenk einführt. Dann kann er direkt eingerissenes, degeneratives Gewebe glätten oder teilweise entfernen.
- Offenes Sehnen-Debridement: Bei einem offenen Sehnen-Debridement wird ein zusätzlicher Schnitt in der Größe von ca. drei bis fünf cm an der Ellenbogenaußenseite gesetzt. Auch hier wird wieder zuerst das degenerative Gewebe entfernt, dann folgt die Refixation der Sehne an die ursprüngliche Stelle. Dies geschieht entweder mit Nähten, die direkt durch den Knochen angelegt werden (transossär), oder über spezielle Fadenanker, mit denen Fäden im Knochen verankert werden, welche die refixierte Sehne bis zur Einheilung halten sollen.
- Stabilisierungs-Operation: Die Stabilisierungs-Operation wird bei Sehnenschäden mit zugleich auftretender Instabilität durchgeführt. Wegen der ausgeprägten Schädigung ist eine zusätzliche Bandersatz-Operation erforderlich. Hierfür wird entweder ein Streifen aus der Trizeps-Sehne oder aus der Gracilis-Sehne des Oberschenkels entnommen. Dieses Transplantat wird dann über Schrauben, Fadenanker oder Nahtplättchen am Knochen fixiert. Darüber werden dann die Streckersehnen fixiert.
Alternative Operationsmethoden
- Arthroskopische Entfernung des erkrankten Gewebes: Spezialisten können minimal invasiv mittels Arthroskopie, einem Verfahren, dass bei anderen Gelenkerkrankungen schon über viele Jahre sehr erfolgreich angewandt wird, ganz gezielt das erkrankte Gewebe aus der Sehne entfernen. Bei der Arthroskopie werden über zwei wenige Millimeter kleine Zugänge zum einen eine Optik und zum anderen feine Operationsinstrumente im Bereich des äußeren Ellenbogens eingeführt und unter Sicht der Sehnenschaden behandelt.
- Operation nach Hohmann: Bei der Operation nach Hohmann wird die Muskulatur, bzw. Sehne, die im Bereich des Ellenbogens (am Oberarmknochen) entspringt, vorsichtig abgelöst. Auch die Bänder, die in diesem Areal ansetzen, werden genau unter die Lupe genommen, um eventuell vorhandene knöcherne Veränderungen abzutragen, die ebenfalls zu den Symptomen eines Tennisarms beitragen.
- Operation nach Wilhelm: Bei der Operation nach Wilhelm werden die kleinen Nerven, die den Ellenbogen sensibel versorgen, durchtrennt und anschließend verödet. Dies bezeichnet man als sogenannte „Denervierung“. Häufig werden diese beiden Operationstechniken kombiniert.
Nach der Operation
Bei einem reinen Debridement ist eine direkte funktionelle Nachbehandlung möglich. Selten wird zur Schmerztherapie eine Gipsschiene für wenige Tage angelegt. Nach Refixation der Strecksehnen mit oder ohne Band ist ein gewisser Schutz der Rekonstruktion notwendig. Darum wird vorübergehend eine Gipsschiene angelegt, aber auch hier sollte rasch bewegt werden. Zum Schutz der Stabilität kommen Orthesen mit Gelenk und Limitierung der Beweglichkeit für vier bis sechs Wochen nach Operation zum Einsatz.
Nachbehandlung: Auch die Zeit nach der Operation ist wichtig für die Heilung. Eine richtige und konsequente Nachbehandlung ist für den Erfolg der Operation von großer Bedeutung. Der Ellenbogen wird nach der OP etwa für 8-14 Tage je nach Schweregrad in einer Oberarmgipsschiene ruhig gestellt. Genaue Angaben dazu erhält der Patient von seinem behandelnden Arzt. Er bestimmt ebenfalls, nach wie vielen Tagen die Gipsschiene entfernt und die Fäden gezogen werden können. Zusätzlich werden entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente verschrieben. Um eventuelle Komplikationen zu vermeiden, ist es empfehlenswert, die Finger unter dem Gips zu bewegen. Dies verhindert Thrombosen und Schwellungen und fördert gleichzeitig die Durchblutung. Nach 2 Wochen kann die Belastung langsam gesteigert werden. Durch eine postoperative Krankengymnastik kann der Patient mittels angepassten Übungen seine Kraft und Dehnungsfähigkeit stärken und die volle Funktion des Armes wieder herstellen. Die Übungen sollten regelmäßig und auch zu Hause korrekt durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass sie nicht gegen den Schmerz ausgeführt werden, sondern der eigenen Belastungsmöglichkeit entsprechen. Die Nachbehandlung sollte regelmäßig, mit Geduld und Ruhe durchgeführt werden, damit sie nachhaltig wirkt und einem Wiederkehren der Problematik vorbeugt.
Typische Risiken und Prognose
Es besteht das theoretische Risiko von Nervenschäden durch die Portale der Arthroskopie. Da diese streng standardisiert angelegt werden, ist das Risiko eines Nervenschadens allerdings relativ gering.
- In größeren Fallstudien werden zwischen 0,25 und vier Prozent vorübergehender Nervenirritation angegeben.
- Relevante Nervenschäden mit dauerhafter Funktionseinschränkung sind vereinzelt beschrieben.
- Die Bewegungseinschränkung, vor allem eine Einschränkung der Streckung >20°, werden mit 1,75 Prozent angegeben.
- Tiefe, revisionspflichtige Infektionen sind mit 0,8 Prozent sehr gering.
Bei korrekter Indikation zeigt das Verfahren in kurz-und mittelfristigen Studien sehr gute postoperative Ergebnisse. Die Erfolgsraten liegen bei ca. 90 Prozent, abhängig vom Ausgangsschaden.
Rückkehr in den Alltag
Die Rückkehr in den Alltag gestaltet sich bei der Glättung des Sehnenansatzes relativ zügig. Generell ist von einer Arbeitsunfähigkeit für leichte Tätigkeiten von ca. zwei Wochen auszugehen, bei körperlicher Belastung von vier bis sechs Wochen. Ellenbogenbelastende Sportarten sind dann auch wieder erlaubt. Es muss aber ein Aufbautraining erfolgen, bis eine volle Wettkampffähigkeit gewährleistet ist. Hier ist mit ca. drei Monaten zu rechnen.
Bei den aufwändigeren Eingriffen ist die Rückkehr in den Alltag deutlich verzögert. Hier benötigt es ca. vier bis fünf Wochen, bis die Orthese abtrainiert ist und eine ordentliche Beweglichkeit erreicht wird. Nach ca. drei Monaten können die Sehnen langsam wieder belastet werden. Die Arbeitsfähigkeit ist nach drei bis vier Monaten (je nach Tätigkeit) wiederhergestellt. Abstützende Sportarten benötigen ca.
Wie lange dauert die Heilung eines Tennisarms?
Die Heilungsdauer variiert je nach Schweregrad. In der Regel bessern sich die Beschwerden innerhalb von 6 bis 12 Wochen bei konsequenter Therapie. Viele Betroffene haben schon nach wenigen Wochen keine Symptome mehr. 80 Prozent der Betroffenen sind innerhalb eines Jahres schmerzfrei, leider gibt es aber auch hartnäckigere Fälle. Umso wichtiger ist es, schon leichte Schmerzen im Arm nicht zu ignorieren, sondern direkt einen Arzt aufzusuchen und vor allem durch Dehn- und Kräftigungsübungen eine Verschlechterung des Zustandes abzuwenden.
Golferarm: Der Unterschied
Die Beschwerden beim Golferarm sind sehr ähnlich. Auch sie entstehen durch Über- oder Fehlbelastungen. Der Unterschied zum Tennisellenbogen liegt darin, dass die Schmerzen beim Golferarm an der Innenseite des Gelenks ihren Ursprung haben und von dort ausstrahlen. Die Behandlung beider Erkrankungen ist aber ähnlich.
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