Die Trigeminusneuralgie ist eine äußerst schmerzhafte Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Die Schmerzen, die vom fünften Hirnnerv, dem Trigeminusnerv, ausgehen, werden oft als stechend, blitzartig und unerträglich beschrieben. Sie können durch harmlose Reize wie Berührung, Sprechen oder Kauen ausgelöst werden. Die Suche nach einer wirksamen Therapie ist für viele Patienten ein langer und beschwerlicher Weg. Neben medikamentösen und chirurgischen Behandlungsansätzen rückt auch die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) als begleitende Therapieoption in den Fokus.
Was ist Trigeminusneuralgie?
Die Trigeminusneuralgie ist eine Form von Nervenschmerzen, die sich im Gesicht manifestiert. Der Trigeminusnerv versorgt wichtige Teile des Gesichts und ist für die Motorik der Kaumuskulatur zuständig. Bei einer Trigeminusneuralgie treten plötzlich einschießende, blitzartige Schmerzen auf, die meist nur wenige Sekunden dauern, aber extrem heftig sein können. Die Schmerzen können in verschiedenen Bereichen des Gesichts auftreten, je nachdem welcher Ast des Trigeminusnervs betroffen ist.
Ursachen und Formen
Man unterscheidet zwischen der klassischen und der symptomatischen Trigeminusneuralgie.
- Klassische Trigeminusneuralgie: Ursächlich wird ein pathologischer Gefäß-Nerven-Kontakt in der "root entry zone" des N. trigeminus diskutiert. Hierbei kommt es durch Gefäßpulsationen zu einer Schädigung der Nervenfasern.
- Symptomatische Trigeminusneuralgie: Diese Form wird durch andere Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Tumore verursacht, die den Trigeminusnerv schädigen.
Symptome
Die typischen Symptome der Trigeminusneuralgie sind:
- Plötzlich einschießende, stechende oder brennende Schmerzen im Gesicht
- Schmerzen, die durch harmlose Reize wie Berührung, Sprechen, Kauen oder Wind ausgelöst werden können (Allodynie)
- Schmerzattacken, die Sekunden bis Minuten dauern können
- Schmerzfreie Intervalle zwischen den Attacken
- Betroffene beschreiben die Schmerzen oft als die schlimmsten, die sie je erlebt haben
TENS-Therapie bei Trigeminusneuralgie
Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) ist eine nicht-invasive Methode zur Schmerzlinderung, bei der elektrische Impulse über die Haut an die Nerven geleitet werden. Ziel der TENS-Therapie ist es, körpereigene Mechanismen der Schmerzhemmung zu aktivieren und die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren.
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Wie funktioniert TENS?
Die TENS-Therapie basiert auf zwei Hauptwirkmechanismen:
- Gate-Control-Theorie: Die elektrischen Impulse aktivieren Nervenfasern, die das Schmerzsignal blockieren können, bevor es das Gehirn erreicht.
- Endorphin-Ausschüttung: Die Stimulation kann die Freisetzung von Endorphinen fördern, körpereigenen Schmerzmittel, die eine schmerzlindernde und stimmungsaufhellende Wirkung haben.
Anwendung bei Trigeminusneuralgie
Bei der Anwendung von TENS bei Trigeminusneuralgie werden Elektroden auf die Haut im Bereich des betroffenen Nervs geklebt. Die genaue Platzierung der Elektroden und die Wahl der Stimulationsparameter (Frequenz, Intensität, Impulsdauer) sollten individuell angepasst werden. Es ist ratsam, die TENS-Therapie unter Anleitung eines Arztes oder Physiotherapeuten durchzuführen, um optimale Ergebnisse zu erzielen und mögliche Risiken zu minimieren.
Erfahrungen mit TENS bei Trigeminusneuralgie
Die Erfahrungen mit TENS bei Trigeminusneuralgie sind unterschiedlich. Einige Patienten berichten von einer deutlichen Schmerzlinderung und einer Verbesserung ihrer Lebensqualität, während andere keine oder nur geringe Effekte verspüren. Es ist wichtig zu beachten, dass TENS in der Regel nicht die Ursache der Trigeminusneuralgie behandelt, sondern lediglich die Symptome lindert.
Vorteile der TENS-Therapie
- Nicht-invasiv und nebenwirkungsarm
- Kann zu Hause selbst durchgeführt werden
- Kann den Bedarf an Schmerzmitteln reduzieren
- Kann die Lebensqualität verbessern
Nachteile der TENS-Therapie
- Wirkt nicht bei allen Patienten
- Lindert nur die Symptome, behandelt nicht die Ursache
- Erfordert eine individuelle Anpassung der Stimulationsparameter
- Kann bei falscher Anwendung Hautreizungen verursachen
Weitere Therapieoptionen bei Trigeminusneuralgie
Neben der TENS-Therapie gibt es verschiedene andere Behandlungsansätze für Trigeminusneuralgie:
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist oft der erste Schritt bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie. Typischerweise werden Antikonvulsiva wie Carbamazepin oder Oxcarbazepin eingesetzt, um die Nervenaktivität zu modulieren und die Schmerzsignale zu blockieren. Auch Gabapentin oder Pregabalin können verwendet werden. In einigen Fällen können auch Muskelrelaxantien oder trizyklische Antidepressiva helfen.
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Chirurgische Therapie
Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist oder zu starke Nebenwirkungen verursacht, können chirurgische Verfahren in Betracht gezogen werden. Es gibt verschiedene operative Optionen, die darauf abzielen, den Trigeminusnerv zu entlasten oder zu schädigen:
- Mikrovaskuläre Dekompression (Janetta-Operation): Bei diesem Eingriff wird der Nervus trigeminus sowie die mit ihm in Verbindung stehende Arterie über einen Hautschnitt hinter dem Ohr zugänglich gemacht. Anschließend wird die Arterie vorsichtig vom Nerv getrennt und ein Stück Kunststoff als Puffer zwischen die beiden eingebracht.
- Stereotaktische Bestrahlung (Radiochirurgie): Hierbei wird eine hohe Strahlendosis gezielt auf die Trigeminuswurzel im Hirnstamm angewendet, um einen millimeterkleinen Strahlenschaden im Nerven zu verursachen.
- Perkutane Verfahren: Zu diesen Verfahren gehören die Ballonkompression, die Glycerininjektion und die Thermokoagulation, bei denen ein oder mehrere Äste des Trigeminusnervs durch Druck, Alkohol oder Hitze geschädigt werden.
Alternative Therapien
Einige Patienten mit Trigeminusneuralgie suchen auch alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur, Biofeedback, Chiropraktik oder die Einnahme von Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln. Die Wirksamkeit dieser Methoden ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
Fallbeispiele und persönliche Erfahrungen
Viele Menschen, die an Trigeminusneuralgie leiden, berichten von einem langen Leidensweg und einerOdyssee von Arztbesuchen, bis sie eine Diagnose und eine wirksame Therapie erhalten. Einige Beispiele:
- Eine Patientin namens Anne Scherenschlich berichtet, dass sie nach einer Operation starke Nervenschmerzen im Bein entwickelte und erst nach Jahren in einer Schmerzklinik Hilfe fand. Dort erhielt sie unter anderem ein TENS-Gerät, das ihr bei akuten Schmerzen half.
- Ein anderer Patient berichtet, dass er seit Jahren an Trigeminusneuralgie leidet und Morphium nehmen musste, bis er sich einer Operation nach Janetta unterzog und schmerzfrei wurde.
- Ein weiterer Betroffener berichtet, dass ihm Carbamazepin und Akupunktur geholfen haben, die Schmerzen zu lindern.
Diese Beispiele zeigen, dass die Trigeminusneuralgie bei jedem Patienten anders verlaufen kann und dass es wichtig ist, verschiedene Therapieoptionen auszuprobieren, um die bestmögliche Behandlung zu finden.
Leben mit Trigeminusneuralgie
Das Leben mit Trigeminusneuralgie kann sehr belastend sein. Die ständigen Schmerzen und die Angst vor neuen Attacken können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu suchen, sei es bei Ärzten, Therapeuten, Selbsthilfegruppen oder Freunden und Familie.
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Strategien zur Krankheitsbewältigung
- Schmerztagebuch führen: Um die Auslöser der Schmerzattacken zu identifizieren und die Wirksamkeit der Therapie zu überwachen.
- Entspannungstechniken erlernen: Um Stress abzubauen und die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren.
- Regelmäßige Bewegung: Um die Muskulatur zu stärken und die Durchblutung zu fördern.
- Gesunde Ernährung: Um den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.
- Austausch mit anderen Betroffenen: Um sich gegenseitig zu unterstützen und Erfahrungen auszutauschen.
Fazit
Die Trigeminusneuralgie ist eine schmerzhafte Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Die TENS-Therapie kann als begleitende Maßnahme zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, ist aber nicht für alle Patienten geeignet. Es ist wichtig, verschiedene Therapieoptionen auszuprobieren und sich von einem erfahrenen Arzt beraten zu lassen, um die bestmögliche Behandlung zu finden. Neben der medizinischen Behandlung spielen auch die Krankheitsbewältigung und die Unterstützung durch andere Menschen eine wichtige Rolle im Umgang mit der Trigeminusneuralgie.
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