Nervenschmerzen im Fuß sind ein weit verbreitetes Problem, das die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann. Im Jahr 2025 stehen Betroffenen zahlreiche moderne Diagnose- und Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.
Was sind Nervenschmerzen im Fuß?
Nervenschmerzen im Fuß sind oft auf eine Nervenschädigung oder Reizung der Nerven im Fußbereich zurückzuführen. Sie können sich als brennende, stechende oder elektrisierende Schmerzen äußern und sind oft mit Taubheitsgefühlen oder Kribbeln verbunden. Häufige Formen sind die Polyneuropathie und das Morton Neurom.
Aufbau und Funktion der Fußnerven
Die Fußnerven sind Teil des peripheren Nervensystems. Sie leiten Sinneseindrücke zum Gehirn und steuern die Muskeln. Bei einer Nervenschädigung können diese Funktionen beeinträchtigt sein.
Häufige Erscheinungsformen
Polyneuropathie entwickelt sich oft langsam. Erste Anzeichen sind Brennen oder Missempfindungen in den Füßen. Das Tarsaltunnelsyndrom ist eine weitere Form der Nervenschädigung. Es entsteht durch Druck auf den Nervus tibialis und verursacht Taubheitsgefühle oder Parästhesien in der Fußsohle.
Risikogruppen und Prävalenz
Diabetiker sind besonders gefährdet für Polyneuropathie, da ein zu hoher Blutzucker Nerven und Gefäße angreift. Dadurch nimmt die Schmerz- und Druckempfindlichkeit ab. Auch Alkoholiker haben ein erhöhtes Risiko. Das Tarsaltunnelsyndrom tritt häufig bei Menschen mit Fußfehlstellungen auf. In 50% der Fälle des vorderen Tarsaltunnelsyndroms ist keine klare Ursache bekannt. Statistiken zeigen, dass etwa die Hälfte aller Neuropathien mit Schmerzen einhergeht. Polyneuropathie hat über 200 mögliche Ursachen, wobei Diabetes und langjähriger Alkoholmissbrauch die häufigsten Auslöser sind. Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland sind von Nervenschmerzen betroffen. Bei chronischen Schmerzpatienten leiden rund 35 Prozent unter neuropathischen Schmerzen.
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Typische Symptome und Anzeichen
Nervenschmerzen im Fuß äußern sich durch verschiedene Symptome, die sowohl akut als auch chronisch auftreten können. Im Jahr 2025 haben wir ein besseres Verständnis dieser Beschwerden entwickelt, was eine frühzeitige Erkennung und Behandlung ermöglicht.
Akute Beschwerden
Bei akuten Fußschmerzen treten oft plötzliche, intensive Empfindungen auf. Betroffene berichten von stechenden, brennenden oder einschießenden Schmerzen. Diese können von kurzer Dauer sein, aber auch über Stunden oder Tage anhalten.
Chronische Beschwerden
Chronische Nervenschmerzen im Fuß entwickeln sich oft schleichend und bleiben über Monate bestehen. Typische Anzeichen sind anhaltende Kribbel- oder Taubheitsgefühle, besonders in den Zehen und im Vorderfuß. Bei der Diabetischen Neuropathie, einer häufigen Ursache für chronische Fußschmerzen, verstärken sich diese Symptome oft nachts.
Begleiterscheinungen
Neben den direkten Schmerzen können weitere Symptome auftreten:
- Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen
- Verändertes Temperaturempfinden
- Muskelschwäche in den Füßen
- Gleichgewichtsstörungen
Die frühzeitige Erkennung dieser Symptome ist entscheidend, da das Risiko einer Chronifizierung mit Verzögerung der Therapie steigt.
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Nervenschmerzen im Fuß - Ursachen und Auslöser
Nervenschmerzen im Fuß können vielfältige Ursachen haben.
- Diabetes mellitus: Diabetes kann im Krankheitsverlauf zu Durchblutungsstörungen und Nervenschädigungen an den Extremitäten führen und zur Entwicklung einer Polyneuropathie führen. Diese Nervenschädigung betrifft oft die Füße und verursacht brennende Schmerzen oder Taubheitsgefühle. Auf Dauer greift ein zu hoher Blutzucker Nerven und Gefäße an. Dadurch nimmt die Schmerz- und Druckempfindlichkeit ab. Kleine Wunden oder andere Verletzungen am Fuß bleiben dann von Diabetikern lange unbemerkt. Häufig leiden die Betroffenen unter einer Erkrankung der Nerven, der sogenannten Polyneuropathie, aufgrund derer sie Verletzungen am Fuß nicht wahrnehmen. In Folge kann es zu unbemerkten Verletzungen oder Wunden am Fuß kommen, welche charakteristisch für das diabetische Fußsyndrom sind. Die fehlende Wahrnehmung der Patient:innen ist ein wichtiger Faktor, der von Ärzt:innen, Pflegekräften, Podolog:innen, Orthopäd:innen bis hin zur Familie und den Angehörigen mitgedacht werden muss.
- Alkoholmissbrauch: Auch Alkoholmissbrauch kann Nervenschäden im Fuß hervorrufen. Übermäßiger Alkoholkonsum schädigt die Nerven und führt zu ähnlichen Symptomen wie bei diabetischer Neuropathie.
- Infektionskrankheiten und Stoffwechselstörungen: Dies sind weitere mögliche Auslöser für Nervenschmerzen.
- Morton Neurom: Ein spezifischer Grund für Nervenschmerzen im Vorfuß ist das Morton Neurom. Diese gutartige Verdickung des Nervs tritt meist zwischen der dritten und vierten Zehe auf. Laut Statistiken erhöht enges Schuhwerk, besonders mit hohen Absätzen, das Risiko für ein Morton Neurom deutlich. Bei Frauen ist die Inzidenz signifikant höher als bei Männern. Sportarten mit hoher Stoßbelastung steigern die Wahrscheinlichkeit für ein Morton Neurom um bis zu 30%. Fehlstellungen wie Hammerzehen oder Spreizfüße können das Risiko sogar um 50% erhöhen. In etwa 20-30% der Fälle spielt auch eine genetische Veranlagung eine Rolle.
- Baxter-Neuropathie: Die Baxter-Neuropathie kann beispielsweise durch intensives Muskeltraining bei Laufsportlern ausgelöst werden. Neben konservativen Therapien (Ruhigstellung, orthopädische Einlagen) kann ein Orthopäde die Baxter-Neuropathie mithilfe einem erweiternden operativen Eingriff (Dekompression) behandeln. Die Baxter-Neuropathie gehört wie das Tarsaltunnelsyndrom und das Karpaltunnelsyndrom zu den Nervenkompressionssyndromen.
Fußschmerzen sind ein häufiges Problem, das fast jeden Menschen im Laufe seines Lebens betrifft. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine fachärztliche Untersuchung ratsam, um die genaue Ursache zu ermitteln und eine gezielte Behandlung einzuleiten.
Diagnostische Methoden
Die Diagnose von Nervenschmerzen im Fuß erfordert eine gründliche Untersuchung. Ärzte setzen verschiedene Methoden ein, um Polyneuropathie oder Diabetische Neuropathie zu erkennen. Im Jahr 2025 stehen moderne Verfahren zur Verfügung, die eine präzise Diagnose ermöglichen. Bei Fußschmerzen gehört die Untersuchung der Beinachse und der Stellung der Ferse zu den grundlegenden Aufgaben des Fußspezialisten.
Klinische Untersuchung
Der erste Schritt ist eine umfassende körperliche und neurologische Untersuchung. Dabei prüft der Arzt die Hautempfindlichkeit, Reflexe und Muskelkraft. Die quantitative sensorische Testung (QST) wird häufig eingesetzt, um die Empfindlichkeit der Haut genau zu messen.
Bildgebende Verfahren
Moderne bildgebende Verfahren spielen eine wichtige Rolle bei der Diagnose von Nervenschmerzen. MRT-Untersuchungen können Nervenschädigungen sichtbar machen und helfen, die Ursache der Beschwerden zu identifizieren.
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Elektrophysiologische Tests
Elektrophysiologische Untersuchungen liefern wertvolle Informationen über die Funktion der Nerven. Die Neurographie misst die Nervenleitgeschwindigkeit und kann Schädigungen aufdecken. Somatosensibel evozierte Potenziale (SEP) prüfen die gesamte Gefühlsbahn von der Haut bis zum Gehirn.
Diese diagnostischen Methoden ermöglichen eine genaue Erkennung von Polyneuropathie und Diabetischer Neuropathie. Sie bilden die Grundlage für eine zielgerichtete Behandlung und verbessern die Prognose für Patienten mit Nervenschmerzen im Fuß.
Behandlungsmöglichkeiten und Therapieansätze
Die Behandlung von Nervenschmerzen im Fuß erfordert oft einen umfassenden Ansatz. Ärzte setzen auf verschiedene Therapiemöglichkeiten, um Patienten Linderung zu verschaffen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Grunderkrankung. Bei Diabetes etwa ist die Normalisierung des Blutzuckerspiegels entscheidend. Eine effektive Einstellung des Blutzuckers wird durch die Kombination diätetischer Maßnahmen, körperlicher Aktivität und optimierter Medikamenten- bzw. Insulingabe erreicht.
Konservative Therapie
- Physiotherapie und Bewegungsbäder: Diese können die Durchblutung fördern und Muskeln stärken.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): TENS wird als ergänzende Methode eingesetzt.
- Lebensstiländerungen und gezielte Übungen: Bei Polyneuropathien hilft oft eine Kombination aus Lebensstiländerungen und gezielten Übungen.
- Orthopädische Einlagen: Auch die Veränderung der Fußposition im Schuh wie eine angepassten Einlegesohle bei einem Morton Neurom verringert den Druck auf den Nerv.
- Fußpflege: Die richtige Fußhygiene soll v.a. verhindern, dass sich kleine, unbemerkte Verletzungen entzünden. Deshalb müssen die Patienten darauf achten, täglich ihre Füße nach Blasen, Rötungen, Schwielen etc. zu untersuchen. Bei nicht einsehbaren Bereichen, z.B. an der Fußsohle oder zwischen den Zehen, kann ein Spiegel zur Hilfe genommen werden. Die Füße sollten täglich mit warmem, aber nicht heißem Wasser und einer milden Seife gereinigt werden. Die Haut sollte dabei nicht einweichen. Das regelmäßige Schneiden der Fußnägel versteht sich von selbst, damit sie nicht „einwachsen“ oder von innen gegen die Schuhe drücken. Vielfach ist eine regelmäßige professionelle medizinische Fußpflege, z.B. bei einer Kosmetikerin, sinnvoll. Zusätzlich sollten natürlich immer gut passende Schuhe getragen werden, in denen die Zehen genügend Bewegungsfreiheit haben und keine Druckstellen entstehen können. Neue Schuhe sollten langsam eingelaufen werden, zuerst nur wenige Stunden am Tag.
Medikamentöse Behandlung
- Antidepressiva: Antidepressiva wie Amitriptylin werden häufig zur Schmerzlinderung verschrieben. Sie müssen oft langsam dosiert werden, um Nebenwirkungen zu minimieren.
- Antikonvulsiva: Antikonvulsiva wie Gabapentin, Pregabalin und Carbamazepin werden ebenfalls zur Schmerzlinderung eingesetzt. Auch hier müssen die Mittel häufig einschleichend dosiert werden, damit keine Nebenwirkungen wie Schwindel und Müdigkeit auftreten.
- Opioide: Bei starken Schmerzen kommen Opioide zum Einsatz.
- Lokale Behandlungsmöglichkeiten: Lokale Behandlungsmöglichkeiten umfassen Lidocain-Pflaster und Capsaicin-Cremes.
- Thioctsäure bzw. Alphaliponsäure: Durch die anfänglich hochdosierte Gabe von Thioctsäure können sich die Schmerzen und das Wahrnehmungsvermögen bessern, die Wirkung ist aber unsicher und die Behandlung wird von den Krankenkassen nicht bezahlt.
Operative Eingriffe
In manchen Fällen, besonders beim Morton Neurom oder der Baxter-Neuropathie, kann eine Operation nötig sein. Dabei wird der betroffene Nerv entlastet oder teilweise entfernt. Die Entscheidung für einen Eingriff treffen Arzt und Patient gemeinsam nach Abwägung aller Behandlungsmöglichkeiten.
Alternative Heilmethoden
Einige Patienten berichten von Erfolgen mit Akupunktur oder Magnetfeldtherapie. Die Wirksamkeit dieser Methoden bei Nervenschmerzen ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Sie können aber als ergänzende Maßnahmen in Betracht gezogen werden.
Diabetischer Fuß
Der Begriff „diabetischer Fuß“ oder „Diabetisches-Fuß-Syndrom“ (DFS) bezeichnet verschiedene Krankheitsbilder, deren gemeinsame Ursache der erhöhte Blutzuckerspiegel bei Diabetes mellitus ist. Bei einem Teil der Betroffenen entsteht der diabetische Fuß durch diabetesbedingte Nervenschäden (diabetische Polyneuropathie). Diese Form wird auch neuropathischer diabetischer Fuß genannt. In manchen Fällen sind Gefäßschäden und daraus entstehende Durchblutungsstörungen die Auslöser für den diabetischen Fuß. Dann liegt ein nicht ausreichend durchbluteter (ischämischer) diabetischer Fuß vor. Häufig sind jedoch sowohl Nervenschäden als auch Durchblutungsstörungen für das Krankheitsbild verantwortlich.
Ein diabetischer Fuß ist eine ernstzunehmende Folge-Erkrankung von Diabetes. Je länger der Diabetes besteht und je schlechter die Blutzuckerwerte eingestellt sind, desto wahrscheinlicher kommt es zu einem diabetischen Fuß. Die Behandlung ist oft langwierig. Im schlimmsten Fall droht eine Amputation von Zehen, Fuß oder dem ganzen Bein.
Diabetischer Fuß: Welche Stadien gibt es?
Beim diabetischen Fuß-Syndrom führen Verletzungen am Fuß leicht zu einem infizierten Geschwür (Ulkus), das schwerer abheilt als bei gesunden Menschen. Diese Verletzungen am Fuß werden je nach ihrer Ausprägung in verschiedene Stadien (nach Wagner) eingeteilt:
- Grad 0: Risikofuß: Keine Verletzungen aber eventuell Fuß-Deformationen
- Grad I: Oberflächliche Wunde
- Grad II: Tiefe Wunde, die bis zur Sehne oder Kapsel reicht
- Grad III: Tiefe Wunde, die bis zum Knochen oder dem Gelenk reicht
- Grad IV: Abgestorbenes Gewebe (Nekrose) an Ferse oder Zehen
- Grad V: Abgestorbenes Gewebe (Nekrose) am gesamten Fuß
Je früher ein diabetischer Fuß sowie auftretende Verletzungen erkannt und behandelt werden, desto niedriger ist das Risiko für Komplikationen.
Wie kann ein diabetischer Fuß behandelt werden?
Ein diabetischer Fuß lässt sich nur erfolgreich behandeln, wenn die Therapie an den Ursachen ansetzt. In erster Linie müssen deshalb die Blutzuckerwerte möglichst stabil eingestellt werden, damit die Schädigung der Gefäße oder Nerven sich nicht verschlimmert. Bestehende Nervenschäden lassen sich zwar nicht heilen, aber die Durchblutungsstörungen können mit verschiedenen Maßnahmen verbessert werden.
Bei der Behandlung eines diabetischen Fußes sind verschiedene Berufsgruppen beteiligt: Neben Ärzten und Ärztinnen (Diabetologie, Fußchirurgie) sind auch spezialisierte Wund-Therapeuten, Podologen und Orthopädie-Techniker wichtig.
- Blutzucker-Einstellung: Die wichtigste Maßnahme, um eine Verschlechterung der Erkrankung zu verhindern, ist eine möglichst genaue Einstellung der Blutzuckerwerte. Ob der Blutzucker gut eingestellt ist, zeigt der „Langzeit-Blutzuckerwert“ HbA1c. Patienten mit der Diagnose diabetischer Fuß streben einen HbA1c von unter 6,8 Prozent an.
- Ausschalten von Risikofaktoren: Das Beseitigen von Risikofaktoren für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist ebenfalls sehr wichtig: Betroffene verzichten am besten aufs Rauchen, weil der Nikotinkonsum die Gefäße stark schädigt. Leiden die Betroffenen zusätzlich unter Bluthochdruck (Hypertonie) und zu hohen Cholesterinwerten, müssen die Werte mit einer passenden Therapie gesenkt werden.
- Schulung und regelmäßige Kontrolle beim Arzt: Es gibt verschiedene Schulungen für Menschen mit Diabetes. Dort lernen die Patientinnen und Patienten alles Wichtige über die Zuckerkrankheit. Dazu gehören auch Informationen darüber, wie sich ein diabetischer Fuß mit der richtigen Fußpflege und passenden Schuhen verhindern lässt. Zudem zeigt man den Betroffenen, wie sie Veränderungen frühzeitig erkennen, beispielsweise Haut-Einrisse, Druckstellen oder Nagelveränderungen. Eine regelmäßige Kontrolle in der Hausarztpraxis ist wichtig, um Füße und Unterschenkel untersuchen und die Blutzuckerwerte überprüfen zu lassen.
- Druckentlastung: Damit die Wunden an den Füßen heilen können, darf kein Druck auf diese Stellen ausgeübt werden. Dabei kann ein Gips oder eine Orthese hilfreich sein. Auch die richtigen Schuhe spielen eine Rolle.
- Tägliche Inspektion der Füße: Die Betroffenen inspizieren am besten täglich ihre Füße, vor allem bei bereits bestehenden Gefäß- und Nervenschäden. So lassen sich Veränderungen und kleine Verletzungen frühzeitig erkennen. An schlecht einsehbaren Stellen hilft ein Spiegel, um mögliche Hornhaut-Verdickungen, Druckstellen oder Hühneraugen (Clavus) zu entdecken.
- Podologische Therapie: Patientinnen und Patienten mit diabetischem Fuß-Syndrom können eine podologische Therapie in Anspruch zu nehmen. Eine solche Behandlung kommt infrage, wenn Folge-Schädigungen der Füße drohen, etwa Entzündungen und Störungen der Wundheilung. Haben sich bereits Entzündungen und Geschwüre gebildet, muss die weitere Behandlung von einem Arzt oder einer Ärztin durchgeführt werden. Die Fachkraft für Podologie übernimmt dann aber weiterhin die Behandlung der Bereiche des Fußes, die noch nicht geschädigt sind.
- Medikamente: Bei Durchblutungsstörungen erhalten Betroffene oft ein Rezept für die tägliche Einnahme von beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS). Dieser Wirkstoff wirkt „blutverdünnend“. Hat sich ein diabetischer Fuß bereits entzündet, müssen die Krankheitserreger durch einen Abstrich genau identifiziert und mit einem geeigneten Antibiotikum behandelt werden.
- Wundreinigung: Wunden an Füßen und Unterschenkeln werden nicht nur mit Medikamenten behandelt, sondern auch täglich gereinigt - und zwar von geschulten Fachkräften. Manchmal muss auch abgestorbenes Gewebe abgetragen werden (Débridement). Die Wunde muss zudem weich gelagert werden, damit keine weiteren Druckstellen entstehen und die Verletzung besser heilen kann.
- Ballondilatation, Stent-Einlage, Bypass-Operation: Geht ein mangelhaft durchbluteter (ischämischer) diabetischer Fuß mit verengten Gefäßen einher, werden diese Engstellen mithilfe eines sogenannten Katheters aufgedehnt (Angioplastie). Dafür stehen mehrere Verfahren zur Verfügung.
- Amputation: In sehr schweren Fällen von diabetischem Fuß ist es notwendig, die Zehen, den Fuß oder sogar das gesamte Bein zu amputieren. Dabei wird versucht, so viel Gewebe wie möglich zu erhalten. Eine Amputation findet erst statt, wenn alle anderen Therapie-Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
Wie sieht ein diabetischer Fuß aus?
Ein diabetischer Fuß sieht nicht bei allen Betroffenen gleich aus. Die Geschwüre zeigen sich manchmal als rote Flecken oder offene Wunden. Die Haut erscheint bei einigen Patienten und Patientinnen blass, bei anderen bläulich oder gerötet. Im schlimmsten Fall - wenn das Gewebe bereits abgestorben ist - sind die betroffenen Stellen schwarz (Nekrose).
Die Symptome hängen von der Ursache und dem Stadium der Erkrankung ab. Ein neuropathischer diabetischer Fuß verursacht andere Symptome als ein ischämischer (minderdurchbluteter) diabetischer Fuß.
- Ischämischer diabetischer Fuß - Symptome: Die reduzierte Durchblutung (Minderperfusion) lässt die Haut meist blass oder bläulich aussehen. Zudem haben die Betroffenen oft kalte Füße und der Puls der Fuß-Arterien lässt sich nicht mehr gut ertasten. Durch die mangelnde Durchblutung (Ischämie) werden die Muskeln nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Viele Betroffene klagen deshalb schon nach kurzen Gehstrecken über krampfartige Schmerzen (Claudicatio intermittens). Bei einer ausgeprägten Durchblutungsstörung bestehen diese Schmerzen oft bereits in Ruhe und unabhängig von Bewegung. Die Zehen und Fersen werden in der Regel am schlechtesten mit Blut versorgt. Deshalb heilen Verletzungen an diesen Stellen besonders schlecht ab. Eine banale Verletzung führt hier leicht zu einem offenen Geschwür (Ulkus). Das umliegende Gewebe entzündet sich oder stirbt sogar ab (Nekrose).
- Neuropathischer diabetischer Fuß - Symptome: Bei einem neuropathischen diabetischen Fuß ist die Sensibilität der Hautnerven beeinträchtigt. Deshalb spüren die Patienten und Patientinnen Druckstellen und Schmerzen kaum noch oder gar nicht mehr: Wenn Betroffene Verletzungen am Fuß aber nicht bemerken, schonen sie die verletzte Stelle nicht ausreichend. In der Folge kann die Wunde nicht heilen, sondern sie vergrößert sich mit der Zeit sogar noch. Außerdem besteht die Gefahr, dass Muskelschwund zu Fehlstellungen des Fußes führen. Durch die falsche Belastung der Füße bildet sich zudem an den Druckstellen häufig vermehrt Hornhaut. Diese Hornhaut-Gebilde fördern jedoch Druck- und Scherkräfte unter der Haut, wodurch tiefe Blutergüsse entstehen. Wenn diese später aufbrechen, entsteht ein offenes diabetisches Fuß-Geschwür (Malum perforans). Das offene Geschwür infiziert sich außerdem sehr leicht mit Bakterien. Diese befallen in der Folge oft auch das umliegende, gesunde Gewebe. Da ein diabetischer Fuß trotz dieser Polyneuropathie noch ausreichend durchblutet wird, ist die Haut der Füße zwar trocken (durch mangelnde Nervenversorgung der Schweißdrüsen), aber immer noch warm und rosig.
- Symptome bei Kombination beider Krankheitsbilder: Patienten und Patientinnen, bei denen der diabetische Fuß gleichzeitig durch eine Störung der Durchblutung und durch eine Schädigung der Nervenbahnen verursacht wird, haben zwar Anzeichen für einen ischämischen diabetischen Fuß, empfinden jedoch keine Schmerzen.
Was verursacht einen diabetischen Fuß?
Ein diabetischer Fuß ist die Folge eines jahrelang erhöhten Blutzuckerspiegels. Erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Blutgefäße (Diabetische Angiopathie) und Nervenbahnen (Diabetische Neuropathie) nicht nur im Fuß, sondern auch im restlichen Körper.
- Ursachen ischämischer diabetischer Fuß: Bei einem ischämischen diabetischen Fuß sind vor allem die Blutgefäße geschädigt. Dadurch ist die Durchblutung im Fuß beeinträchtigt. Verursacht die Einengung der arteriellen Blutgefäße eine Durchblutungsstörung, wird das als periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) bezeichnet. Sie entsteht durch Diabetes, aber auch andere Erkrankungen können die sogenannte „Schaufensterkrankheit“ verursachen.
- Ursachen neuropathischer diabetischer Fuß: Sind vor allem die Nervenbahnen durch den erhöhten Blutzucker geschädigt, handelt es sich um einen neuropathischen diabetischen Fuß. Durch die Nervenschäden spüren viele Patienten und Patientinnen Wunden am Fuß aber nicht. Werden die Verletzungen nicht behandelt, infizieren sie sich sehr leicht. Auch Schmerzen, die durch zu enge oder falsche Schuhe entstehen, bleiben oft unbemerkt.
Diabetische neuropathische Osteoarthropathie (Charcot-Fuß)
Die diabetische neuropathische Osteoarthropathie, der sogenannte Charcot-Fuß, ist eine eher seltene, aber schwerwiegende Spätkomplikation des Diabetes mellitus, die meist nicht rechtzeitig erkannt wird. Sie ist eine chronische und progressiv verlaufende Erkrankung, charakterisiert durch eine schmerzhafte oder schmerzlose Destruktion der Knochen- und Gelenkstrukturen im Bereich des Fußes.
Pathogenese
Für die Entstehung der DNOAP an den Füßen von Diabetikern mit Neuropathie gibt es zwei unterschiedliche Hypothesen:
- Neurovaskuläre Hypothese: Nimmt eine lokale Hyperperfusion des erkrankten Fußes infolge einer autonomen Neuropathie an.
- Neurotraumatische Hypothese: Beinhaltet eine durch die vorliegende sensomotorische Neuropathie kontinuierliche Fehlbelastung des Fußes mit repetitiven Mikro- und Makrotraumata.
Klinik und Diagnose
Der Verlauf der DNOAP ist akut oder chronisch bzw. chronisch mit akuten Schüben. Je nach betroffener Fußregion lässt sich die DNOAP nach Sanders in fünf Verteilungsmuster einteilen. Am häufigsten sind die Gelenke zwischen Fußwurzel- und Mittelfußknochen betroffen (60 Prozent).
Therapie
- Akutes Stadium: Bei klinischen Zeichen eines akuten Charcot-Fußes wird eine komplette Druckentlastung angestrebt.
- Chronisches Stadium: Die Behandlung der chronischen Verlaufsform der DNOAP beinhaltet die Minderung der Fehlbelastung durch Umverteilung des Druckes auf die gesamte Fußsohle und den Unterschenkel.
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